Inwiefern lassen sich die Ansätze des agilen Projektmanagements (aP) mit der traditionell hierarchischen öffentlichen Verwaltung (öV) vereinbaren? Die entsprechenden Möglichkeiten sollen im Rahmen dieser Ausarbeitung dargestellt werden. Konkret stellt sich daher die Frage: In welchem Verhältnis steht das agile Projektmanagement zu den althergebrachten Grundsätzen der öffentlichen Verwaltung?
Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden die beiden Kontrahenten aP und althergebrachte Grundsätze der öV zunächst in Bezug auf ihre Merkmale isoliert betrachtet und anschließend in einem Verhältnis zueinander diskutiert. Dazu erfolgt zu Beginn der Arbeit eine Erläuterung der zentralen Begrifflichkeiten. Weiterhin werden zwei Organisationstheorien vorgestellt, die im weiteren Verlauf zur Erklärung der Funktionsweisen der Organisation öV und der Einführung neuer Managementmethoden wie dem aP dienen. In Kapitel drei folgt eine Herleitung der Grundsätze der öV und eine Vorstellung der Grundsätze des aP. Anschließend werden die bisweilen einzeln betrachteten Kontrahenten in Kapitel vier im Verhältnis zueinander analysiert und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Bürokratiemodell
2.3 Selbstorganisationstheorie
3. Charakteristika beider Konstrukte
3.1 Althergebrachte Grundsätze der öffentlichen Verwaltung
3.1.1 Legalistischer Rahmen
3.1.2 Verwaltungskultur
3.1.3 Hierarchieprinzip
3.2 Grundsätze des agilen Projektmanagements
4. Spannungsverhältnis
4.1 Klassische Projekte in der öffentlichen Verwaltung vs. agile Projekte
4.2 Synthese und Analyse
4.2.1 Legalistischer Rahmen
4.2.2 Verwaltungskultur
4.2.3 Hierarchieprinzip
4.3 Reflektion und Bewertung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem traditionellen, hierarchisch geprägten Modell der öffentlichen Verwaltung und den modernen Ansätzen des agilen Projektmanagements, um Möglichkeiten und Herausforderungen bei deren Implementierung aufzuzeigen.
- Theoretische Fundierung durch das Bürokratiemodell und die Selbstorganisationstheorie
- Charakterisierung der althergebrachten Prinzipien der öffentlichen Verwaltung
- Analyse der agilen Projektmanagementprinzipien
- Gegenüberstellung und Bewertung des Spannungsverhältnisses
- Herausforderungen der Verwaltungskultur und des legalistischen Rahmens
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Verwaltungskultur
„Das haben wir schon immer so gemacht“. Über die Gesetzgebung hinaus hat sich in der öV eine Verwaltungskultur herausgebildet, welche die Grundeinstellungen und das Handeln von Verwaltungsmitarbeitenden prägen (Streicher 2020: 217). In der Regel ist auch in den Fällen, in denen ein Verfahren weder im Gesetz noch in Dienstanweisungen o.ä. detailliert beschrieben ist, eine formelle Verfahrensweise durch die Mitarbeitenden „aus Gewohnheit“ verinnerlicht (Hill 2018: 499). So ist die zuvor beschriebene „Dokumentationspflicht“ in vielen Fällen lediglich eine traditionelle bzw. erwartete Anforderung an die Arbeitsweise der öV (Nuottila et al. 2016: 80).
Das Handeln in der öV ist sehr sicherheitsbedacht und weist eine geringe Risikobereitschaft auf (Hill 2018: 497). Die Mitarbeitenden sind skeptisch gegenüber Neuerungen und Veränderungen. Insbesondere digitalen Transformationen wird aufgrund der Unsicherheiten mit großen Vorbehalten gegenüber gestanden (Streicher 2020: 217). Durch den zwanghaften Versuch, nach Sicherheit zu streben, lässt sich eine „Trägheit“ im Verwaltungshandeln erkennen, sodass die Mitarbeitenden i.d.R. keine Notwendigkeit für Veränderungen sehen (Rölle 2020: 8).
In der öV lässt sich darüber hinaus insbesondere eine schwierige bzw. nicht vorhandene Fehlerkultur erkennen (ibid.). Vielmehr wird sowohl in der Führungsebene als auch in der Gesellschaft eine Null-Fehlertoleranz im Verwaltungshandeln erwartet (Germer 2021: 157).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Verhältnis zwischen agilen Projektmanagementmethoden und althergebrachten Grundsätzen der öffentlichen Verwaltung in einem dynamischen Umfeld dar.
2. Theoretischer Rahmen: Es werden grundlegende Begriffe definiert sowie das Bürokratiemodell nach Weber und die Selbstorganisationstheorie als theoretische Basis für die Untersuchung eingeführt.
3. Charakteristika beider Konstrukte: Dieses Kapitel leitet die traditionellen Prinzipien der Verwaltung sowie die Merkmale des agilen Projektmanagements systematisch her.
4. Spannungsverhältnis: Hier findet die detaillierte Gegenüberstellung, Synthese und Bewertung der beiden konträren Managementkonzepte im Verwaltungskontext statt.
5. Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzbarkeit agiler Methoden in der öffentlichen Verwaltung unter Berücksichtigung notwendiger kultureller Veränderungen.
Schlüsselwörter
Öffentliche Verwaltung, Agiles Projektmanagement, Bürokratiemodell, Verwaltungskultur, Selbstorganisationstheorie, Legalistischer Rahmen, Hierarchieprinzip, Digitale Transformation, Veränderungsmanagement, Fehlertoleranz, Risikobereitschaft, Effizienz, Projektmanagementmethoden, Innovationsmanagement, Behördenstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse, ob und wie moderne agile Projektmanagementmethoden in die traditionellen Strukturen der öffentlichen Verwaltung integriert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Gegenüberstellung von hierarchischen Verwaltungsstrukturen (nach Max Weber) und agilen Arbeitsweisen, die Rolle der Verwaltungskultur sowie rechtliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen klassischen und agilen Ansätzen zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie ein kulturelles Umdenken zur erfolgreichen Implementierung agiler Methoden beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, indem sie Organisationstheorien (Bürokratiemodell, Selbstorganisationstheorie) als Grundlage für die Untersuchung der Praxisbeispiele und Literatur heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Herleitung der charakteristischen Merkmale beider Konstrukte und deren anschließende Analyse im direkten Vergleich anhand der Kriterien Legalität, Kultur und Hierarchie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem öffentliche Verwaltung, agiles Projektmanagement, Verwaltungskultur, Bürokratiemodell, Hierarchieprinzip und digitale Transformation.
Inwiefern beeinflusst der legalistische Rahmen die Agilität?
Der legalistische Rahmen bildet eine Herausforderung, da er häufig detaillierte Vorab-Planungen und Dokumentationen fordert, die mit der flexiblen Natur agiler Prozesse kollidieren können.
Warum spielt die Verwaltungskultur eine so große Rolle für das Ergebnis?
Die Analyse zeigt, dass weniger die gesetzlichen Vorgaben, sondern oft die verinnerlichte Verwaltungskultur (z.B. Null-Fehler-Toleranz, Sicherheitsdenken) die größte Barriere für die Einführung agiler Arbeitsweisen darstellt.
Sind agile Methoden vollständig auf die Verwaltung übertragbar?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass agile Methoden die klassischen Ansätze ergänzen sollten, statt sie vollständig zu ersetzen, insbesondere bei stark reglementierten Daueraufgaben.
Welche Bedeutung haben Krisenzeiten für die Implementierung?
Krisenzeiten dienen laut Arbeit als Katalysator, da sie der öffentlichen Verwaltung zeigen, dass sie durchaus in der Lage ist, agile Strukturen für spontane Reaktionen zu adaptieren.
- Arbeit zitieren
- Reja Strauß (Autor:in), 2021, Zum Spannungsverhältnis zwischen agilem Projektmanagement und althergebrachten Grundsätzen der öffentlichen Verwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185974