Unterschiedliche Gesprächsstile von Männern und Frauen

"Du kannst mich einfach nicht verstehen"


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Mädchen tragen rosa, Jungs hellblau
2.2. Am Anfang war die Erziehung
2.3. Die verschiedenen Weltbilder der Geschlechter
2.4. Das Schweigen der Männer – Die quasselnden Frauen?

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

5. Andere Quellen

1. Einleitung

Wir glauben, wir wüßten wie die Welt funktioniert, und wir schauen auf andere,

damit sie uns unsere Überzeugungen bestätigen. Wenn wir merken, daß andere

sich so verhalten, als ob sie in einer ganz anderen Welt lebten, sind wir

zutiefst erschüttert. In unseren engsten Beziehungen wollen wir Anerkennung

und Bestätigung finden. Wenn die Menschen, die uns am nächsten stehen,

ganz anders reagieren als wir, wenn es scheint, als sähen sie dieselbe Szene als

Akt eines anderen Dramas, wenn sie Dinge sagen, die wir unter denselben

Umständen nicht im Traum gesagt hätten, scheint der Boden unter unseren

Füßen ins Wanken zu geraten, und wir haben plötzlich keinen festen Halt mehr.[1]

Wer kennt dieses Gefühl nicht? Man redet und redet und plötzlich schießt einem der Gedanke in den Kopf: Ich könnte genauso gut mit einer Wand sprechen. Mein Gegenüber versteht mich einfach nicht. Dieser Mensch spricht vermutlich nicht meine Sprache. Anders ergeben sein Verhalten und seine Äußerungen für mich keinen Sinn. In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit den unterschiedlichen Gesprächsstilen von Männern und Frauen beschäftigen. Während beide Gesprächsstile, sowohl die Männersprache, als auch die Frauensprache, im Rahmen ihrer eigenen Gesetzmäßigkeiten in der Regel gut funktionieren, gibt es häufig Probleme, wenn die beiden sprachlichen Welten aufeinander treffen. Missverständnisse, Verwirrung, Konflikte, Streitigkeiten und Frustration sind häufig zu beobachtende Folgen. Deborah Tannen, die sich mit dieser Problematik auseinander gesetzt hat, bezeichnet das Zusammentreffen der beiden sprachlichen Welten auch als „interkulturelle Kommunikation“.[2] So als ob zum Beispiel zwei Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen, Religionen oder auch mit grundlegend anderen ethischen Grundsätzen aufeinander treffen. John Gray drückt dieses Dilemma in seinem zweiten Buchtitel etwas überspitzer so aus: „Männer sind vom Mars - Frauen sind von der Venus“ (1992). Soweit geht die Soziolinguistin Tannen nicht. Sie verbannt die beiden Geschlechter nicht auf jeweils einen anderen Planeten wie Gray es in dem Titel provokativ und polemisch formulierte. Sie weist Männern und Frauen lediglich unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt und Standpunkte in dieser zu. Diese ungleichen Weltbilder[3] sieht sie als Ursache für manche auftretenden Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Geschlechterparteien. Die Autorin versucht in ihrem Buch „Du kannst mich einfach nicht verstehen“ zu erklären, wie es zu diesen unterschiedlichen Weltbildern kommen kann und warum Männer und Frauen deshalb so häufig aneinander vorbei reden. Tannen findet es zwar „sympathisch und verständlich“, wenn jemand wünscht, dass es keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Die Ergebnisse ihrer jahrelangen Forschungen sagen ihr allerdings etwas anderes. Es gebe durchaus geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesprächsstil. Die Autorin Margit Hertlein beobachtete ähnliche Differenzen zwischen den Geschlechtern im Bezug auf den Gesprächsstil. In ihrem Buch „Frauen reden anders“ (1999) gibt es zahlreiche Parallelen zu Tannens Forschungen. Beide sind davon überzeugt, dass es notwendig sei sich die Unterschiede bewusst zu machen und nicht gleich ganze Beziehungen in Frage zu stellen. Beide machen weder Mann noch Frau zum Sündenbock, sondern zeigen anhand von Beispielen und verschiedenen Lösungsvorschlägen Wege, die einen besseren Umgang mit dem anderen Geschlecht ermöglichen könnten. Tannen ist sich sicher, dass man lernen könnte diese Wege zu gehen und dies durchaus Sinn mache. Denn je besser wir verstehen würden, wie der Partner seine Sprache benutzt, desto seltener ertöne der Vorwurf: „Du kannst mich einfach nicht verstehen“. Die Gründe für die unterschiedlichen Gesprächsstile findet Deborah Tannen in der frühkindlichen Erziehung der Geschlechter. Frauen und Männer werden unterschiedlich sozialisiert, so die Beobachtung der Autorin.

Diese Unterschiede in der Sozialisation möchte ich in dieser Hausarbeit vorstellen, bevor ich auf die daraus resultierenden Konsequenzen, also die verschiedenen Weltbilder, zu sprechen komme. Unter Punkt 2.3 im Hauptteil gehe ich auf die geschlechtsspezifischen Sprechweisen innerhalb der jeweiligen Weltbilder näher ein. Dabei beziehe ich sowohl Deborah Tannens als auch Margit Hertleins Beobachtungen mit ein. In der Schlussbetrachtung werde ich die Beobachtungen und Lösungsvorschläge der beiden Autorinnen nochmals reflektieren und mit den Ansichten der VertreterInnen des Radialfeminismus in Verbindung bringen. Mit meinen persönlichen Ansichten zu diesem Thema schließe ich diese Hausarbeit ab.

1. Hauptteil

1.1 Mädchen tragen rosa, Jungs hellblau

Befinden werdende Mütter sich in der Babybekleidungs-Abteilung eines Kaufhauses, so kann auf einfache Weise erkannt werden, ob die Frauen einen Jungen oder ein Mädchen erwarten. Ein Beispiel: Der Griff zum rosa Strampelanzug mit Herzmotiv als Frontaufdruck ist in den häufigsten Fällen ein Indiz dafür, dass die Geburt eines Mädchens ansteht. Wählt die Mutter einen hellblauen Pullover mit einem Segelschiff auf der Front aus, dann ist die Wahrscheinlichkeit dafür hingegen eher gering. Denn Jungs tragen, den in unserer Gesellschaft gängigen Rollenklischees zufolge, schon in der Wiege hellblaue Kleidung. Warum ist das heutzutage, zumindest in den meisten Fällen, so?[4]

Der Brauch, Mädchen in Rosa und Jungen in Hellblau einzukleiden, entstand erst um 1920. Davor war es genau umgekehrt.[5] Rot galt als „männliche“ Farbe. Man assoziierte damit „Leidenschaft, Blut, aktiver Eros und Kampf“ und somit wurde Rosa als „kleines Rot“ den Jungen zugeordnet. Blau war in der christlichen Tradition die Farbe Mariens. Das „kleine Blau“, also Hellblau, war daher den Mädchen vorbehalten. Diese Tradition hatte früher aber eher in der Oberschicht eine Bedeutung. Die meisten Eltern kleideten ihre Kinder aus praktischen Gründen meist in weiß. Kinderkleidung musste oft gewaschen werden und die Wenigsten konnten sich eine Waschmaschine leisten. Die Kleiderfarben waren noch nicht kochfest und daher wurde die Farbe weiß bevorzugt. Dennoch war das Farbkonzept - Rosa für die Jungs, Hellblau für die Mädchen - damals so gängig wie heute die umgekehrte Tradition. Nach dem Ersten Weltkrieg fand die Umkehrung des Brauchs statt. Die Farbe Blau wurde zum Symbol für die Arbeitswelt (Marineuniform, blaue Arbeitsanzüge, etc.). Auf diese sollte das männliche Geschlecht schon früh vorbereitet werden. Für die Mädchen blieb als traditioneller Kontrast das Rosa. Zudem fing man seit dem Wandel an, mit der Farbe Rosa verstärkt die Adjektive weich oder auch lieblich zu assoziieren. Attribute, die gerne Mädchen zugewiesen wurden und auch heute noch als „typisch weiblich“ gelten.

Anhand dieser Tradition ist erkennbar, dass bereits Neugeborene sich den gesellschaftlichen Erwartungen, die an sie gestellt werden, von Geburt an nicht entziehen können. Säuglinge tragen, in Form der geschlechtsspezifischen Kleidung, gängige Klischees quasi schon auf dem Leib. Der Nachwuchs wird somit in den häufigsten Fällen schon in der Wiege herangeführt an seine Rolle in der Gesellschaft, die durch das Geschlecht vorbestimmt ist. Wie ein roter Faden ziehen sich weitere Erziehungsmaßnahmen seitens der Eltern und auch des sonstigen Umfeldes durch die frühkindliche Erziehung der Hellblau- beziehungsweise Rosa-Strampelanzug-Träger.

1.2 Am Anfang war die Erziehung

Die Tendenz Geschlechterstereotypen auszubilden oder sie zu fördern ist nicht nur bei der Kinderbekleidungsindustrie, sondern auch bei Spielwarenvertreibern zu beobachten.[6] Sie passen ihr Angebot den gängigen Klischees an. Beim Durchblättern der Spielzeugseiten in diversen Katalogen findet man heutzutage beispielsweise immer noch nur in den seltensten Fällen, wenn überhaupt, ein weibliches Kindermodel, das lachend eine Spielzeugbohrmaschine präsentiert. Vergebens sucht man wohl auch einen Jungen, der im Katalog fröhlich die neueste Babypuppe wickelt und den modernsten Kinder-Elektrobackofen vorstellt. Die Kinder sollen lernen die Welt der Großen in klein nachzuspielen. Diese „große“ Welt wird ihnen – zumindest in den Katalogen immer noch sehr konsequent – als zweigeteilte Welt dargeboten. Mädchen hüten, wickeln und füttern Puppen, kochen in der Mini-Einbauküche und erledigen im Mini-Einkaufsladen fleißig den Wocheneinkauf. Die Buben stehen in blauen Latzhosen und Spielzeugbohrmaschine an der Mini-Werkbank, experimentieren in ihrem Spielzeuglabor oder sind die Architekten ihrer eigenen Lego-Bausteine-Burg. Die Geschlechterrollen sind in der Spielzeugindustrie klar verteilt. Die Stereotypisierung prägt sich somit schon früh unterbewusst in die Köpfe des Nachwuchses ein. Unterstützt wird dies häufig durch die Erziehung der Eltern und das weitere soziale Umfeld der Kinder. Mit Verlaub: Welcher Onkel kauft seiner Nichte schon einen Monstertruck oder welche Oma kauft ihrem Enkel eine Barbie zu Weihnachten? Durch belehrende Kommentare werden Kinder häufig zusätzlich direkt darauf hingewiesen, was sich für ihr jeweiliges Geschlecht gehört und was nicht: „Was machst du denn da? Jungs spielen doch nicht mit Puppen“ oder auch „Ach nein, Mädchen leg doch den Hammer weg!“ beispielsweise.

[...]


[1] Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden, München: 1998, S. 75.

[2] Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen, S.40.

[3] In ihrem Buch „Andere Worte, andere Welten“, das bereits 1997 erschienen ist, beschäftigt sie sich expliziter mit den Weltbildern der Geschlechter.

[4] Vgl. mit dem Artikel „Warum kleine Mädchen rosa und kleine Jungen hellblau tragen“ (Erschienen am 24.8.2005) auf der Internetseite http://www.farbimpulse.de

[5] Siehe hierzu Birgit Schwaner: Feen, Vamps und Babypuppen, wienerzeitung.at, 23. Dezember 2005 oder Vgl. auch mit Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Eine korpusbasierte Vergleichsuntersuchung anhand des Farbträgerkonzepts. Dissertation für den Doktor der Psychologie, München: 2006.

[6] Vgl. Christa und Dorothea Lüdecke (2008): Verspielte Emanzipation. Weihnachtswunschzettel. In: EMMA, 2008, Heft 1 (Januar/Februar), S.32-33.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Unterschiedliche Gesprächsstile von Männern und Frauen
Untertitel
"Du kannst mich einfach nicht verstehen"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Feministische Literaturwissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V118609
ISBN (eBook)
9783640219810
ISBN (Buch)
9783640220014
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiedliche, Gesprächsstile, Männern, Frauen, Feministische, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Steffi Mohr (Autor), 2008, Unterschiedliche Gesprächsstile von Männern und Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118609

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