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Raufen und Kämpfen - Eine gewaltpräventive Maßnahme?

Title: Raufen und Kämpfen - Eine gewaltpräventive Maßnahme?

Seminar Paper , 2008 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jonas Weinmann (Author)

Sport - Sport Sociology
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Summary Excerpt Details

„Ich weiß nicht, ob ich meinen André hier lassen soll, bei euch geht es ja wild zu!“, äußerte
die Mutter meines Freundes mit Stirnrunzeln, als sie das Treiben auf meinem 8. Geburtstag
beobachtete. Diese Worte schnappte ich eher zufällig auf, als ich kurz am Rand des
Kampfschauplatzes um Luft rang. „Wieso sollte sie ihn denn nicht da lassen, das hier ist doch
völlig normal?“, dachte ich mir noch, bevor ich mich wieder ins Getümmel stürzte. Ich packte
mir einen meiner Freunde und riss ihn zu Boden, fünf andere warfen sich auf uns, die
Prügelei war in vollem Gang und wir liebten es. Es gab kaum einen Schultag, an dem es keine
Rauferei gegeben hätte, aber die Geburtstage waren unsere absoluten Highlights. Wir nutzten
jede Gelegenheit, uns zu bekämpfen, den anderen niederzuringen und uns auf dem Boden zu
wälzen. Ob wir uns dabei verletzten? Ich kann mich nicht daran erinnern, aber wenn, dann
kann es nicht so schlimm gewesen sein, denn unsere Eltern versuchten gar nicht erst, uns zu
stoppen. Ich meine mich zu erinnern, wie meine Mutter an meinem besagten 8. Geburtstag
ihrer besorgten auswärtigen Freundin (sie kannte solche Raufereien einfach nicht) mit einem
Schmunzeln versicherte, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauche, da wir, wenn wir uns
erst einmal ausgetobt hätten, ganz friedliche Jungen seien.
Das stimmte, wir waren eine tolle Truppe, zwanzig Jungs und fünf Mädchen,
zusammen in einer Klasse einer kleinen Dorfgrundschule. Die meisten von uns kannten sich
schon vom Kindergarten her und jeder war akzeptiert. Es war wirklich so, jeder hatte seine
Rolle, sein Talent, seine Eigenart, wofür er gemocht wurde. Da waren die ganz Cleveren, die
Starken, der Stärkste, die Clowns und Chaoten. Jeder hatte irgendwie seinen Platz, um den er
sich keine Sorgen zu machen brauchte, man durfte so sein, wie man war. Das änderte sich
schlagartig mit dem Einstieg in die Realschule. Auf einmal war man nicht mehr sicher, alles
war anders und besonders mir fehlte etwas – das Kämpfen. So etwas gab es plötzlich nicht
mehr. Andere Mitschüler ärgerten sich, stichelten und machten fiese Bemerkungen, aber
niemand warf sich auf den anderen, kämpfte mit ihm, errang einen Sieg oder eine Niederlage
und klärte so die Situation. Den alten, mir wohl bekannten „Wolfsrudelweg“ gab es nicht
mehr. Er war der, meiner Meinung nach, „friedlichere Weg“ und funktionierte, ohne dass es
jemals jemand so festgelegt hätte, folgendermaßen: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Definitionen und Aggressionsmodelle

1.1 Definition von Aggression, Gewalt und Gewaltprävention

1.1.1 Definition von Aggression

1.1.2 Definiton von Gewalt

1.1.3 Definition von Gewaltprävention

1.2 Aggressionsmodelle

1.2.1 Triebtheorien

1.2.2 Frustrations-Aggressions-Hypothese

1.2.3 Lerntheoretische Erklärungen

1.2.4 Anomietheorie

1.2.5 Etikettierungstheorie

1.2.6 Sozialökologischer Ansatz

1.3 Resümee

2 Wirkt Raufen und Kämpfen aggressionsfördernd?

2.1 Fallbeispiele

2.2 Projekt: Gangs

2.2.1 Spielablauf

2.2.2 Studentenmeinungen

2.3 Resümee

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit "Raufen und Kämpfen" im schulischen Sportunterricht als gewaltpräventive Maßnahme wirken kann, anstatt Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.

  • Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Aggression, Gewalt und Gewaltprävention.
  • Analyse verschiedener psychologischer Aggressionsmodelle im Kontext des Raufens und Kämpfens.
  • Praktische Untersuchung durch ein Fallbeispiel zur Konfliktbewältigung außerhalb des Sportunterrichts.
  • Reflexion eines pädagogischen Projekts ("Gangs") basierend auf Rückmeldungen von Lehramtsstudenten.

Auszug aus dem Buch

1.2.1 Triebtheorien

Die Triebtheorie existiert in der Psychoanalyse in verschiedenen Varianten. Die bekanntesten sind jedoch die Theorien von Sigmund Freud und Konrad Lorenz. Beide Theorien sind in der heutigen psychologischen Diskussion nicht mehr von Bedeutung, da sie weder beweisbar noch besonders relevant für die Praxis sind. Dennoch werden sie im Alltag noch oft vertreten, da sie die bekanntesten sind und von vielen Menschen durch ihre subjektive Wahrnehmung bestätigt werden.

Grundaussage der Triebtheorien ist, dass es im menschlichen Organismus eine angeborene Quelle gibt, die fortwährend aggressive Impulse produziert. Wenn diese Impulse nicht ausgelebt werden können, führen sie zu seelischen Störungen. Freud geht davon aus, dass es sich hier um einen „Todestrieb“ des Menschen handelt, dessen Ziel es ist, sich selbst und anderen zu Schaden. Dieser Trieb steht im Gegensatz zum Erostrieb, der das Ziel hat, Leben zu erhalten. Überwiegen die negativen Impulse, so äußert sich das in aggressivem Verhalten. Lorenz wertet dieses aggressive Verhalten nicht generell als schlecht, sondern sieht darin einen angeborenen Lebenserhaltungstrieb, der sich gegen andere Arten (Kampf um Nahrung), aber auch gegen die eigenen Artgenossen richtet. Diese Aggressionen dienen, so Lorenz, der Sicherung der Rangordnung innerhalb einer Gemeinschaft; die Fortpflanzung durch den Stärksten einer Gruppe wird so eher gewährleistet und durch die sich abstoßenden Aggressionen rivalisierender Gruppen wird eine Ausbreitung der menschlichen Art vorangetrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Definitionen und Aggressionsmodelle: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe und analysiert wissenschaftliche Modelle der Aggression, um deren Bezug zum Raufen und Kämpfen theoretisch einzuordnen.

2 Wirkt Raufen und Kämpfen aggressionsfördernd?: Im zweiten Teil wird die praktische Wirkung des Raufens und Kämpfens anhand von Fallbeispielen und studentischen Reflexionen zu einem speziellen Projekt kritisch untersucht.

Schlüsselwörter

Raufen und Kämpfen, Gewaltprävention, Aggressionsmodelle, Schulsport, Triebtheorie, Frustrations-Aggressions-Hypothese, Anomietheorie, Etikettierungstheorie, Konfliktlösung, Sozialökologischer Ansatz, Selbstbewusstsein, Körpererfahrung, pädagogisches Projekt, Aggressionsabbau, Gewalt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das pädagogische Potenzial des "Raufens und Kämpfens" im Schulsport und hinterfragt, ob es eher Gewalt fördert oder als präventives Mittel gegen Aggressionen eingesetzt werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die theoretische Definition von Aggression, die verschiedenen psychologischen Erklärungsmodelle für menschliches Aggressionsverhalten sowie deren praktische Relevanz für den Sportunterricht.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Frage, inwieweit das kontrollierte Raufen und Kämpfen im Sportunterricht eine gewaltpräventive Wirkung entfalten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und ergänzt diese durch die qualitative Auswertung eines Fallbeispiels sowie durch Kommentare von Lehramtsstudenten zu einem Praxisprojekt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Abhandlung über Aggressionsmodelle mit Bezug zum Raufen und Kämpfen sowie eine praktische Untersuchung anhand eines "Gangspiel"-Projekts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben der Gewaltprävention und Aggressionstheorie vor allem Begriffe wie Raufen und Kämpfen, Fairness, Selbstbehauptung und schulisches Umfeld.

Wie bewerten die befragten Studenten das "Gangspiel"?

Die meisten Studenten empfanden das Spiel als intensiv und spielerisch; die Mehrheit bestätigte, dass es kriminelle Energien nicht fördert, sondern eher dem Aggressionsabbau dient.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor aus dem "Gangspiel"?

Der Autor schlussfolgert, dass das Raufen und Kämpfen als begleitende Maßnahme positive Aspekte wie Gemeinschaftsgefühl und Regeltreue fördern kann, jedoch keine allumfassende Lösung für Aggressionsprobleme ist.

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Details

Title
Raufen und Kämpfen - Eine gewaltpräventive Maßnahme?
College
University of Education Ludwigsburg  (Sport)
Course
Raufen und Kämpfen im Sportunterricht
Grade
1,0
Author
Jonas Weinmann (Author)
Publication Year
2008
Pages
24
Catalog Number
V118624
ISBN (eBook)
9783640220533
ISBN (Book)
9783640222865
Language
German
Tags
Raufen Kämpfen Eine Maßnahme Raufen Kämpfen Sportunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonas Weinmann (Author), 2008, Raufen und Kämpfen - Eine gewaltpräventive Maßnahme?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118624
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