In der Öffentlichkeit wird häufig von „dem Ossi“ und „dem Wessi“ geredet. In den
Köpfen scheint noch immer, fast 20 Jahre nach dem Mauerfall, eine gewisse
Verbundenheit mit dem alten Staatsmuster zu existieren. Die europäische Integration
hat sicherlich dazu beigetragen, die Unterschiede zwischen den Bürgern zu
verringern. Besonders im ökonomischen Bereich hat die Europäische Union
geholfen, gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Doch gemeinsame Werte und
Normvorstellungen lassen sich nicht von außen vorschreiben. Und die formale
Zugehörigkeit zu einem Staat bedeutet noch nicht, sich auch mit diesem zu
identifizieren und gleich zu fühlen. Existiert doch gerade wegen der enormen
wirtschaftlichen Probleme im Osten Deutschlands noch häufig das Gefühl, der
minderwertige, unfähige „Ossi“ zu sein. Wie sehr unterscheiden sich noch immer die
Einstellungen der Bürger der beiden ehemaligen „Klassenfeinde“?
Ein altes afrikanischen Sprichwort unterstreicht: „Wenn du schnell vorwärtskommen
willst, dann gehe allein; wenn du weit gehen willst, dann gehe zusammen." Wenn
Deutschland auf Dauer eine ökonomische und politische Großmacht darstellen will
und die Bevölkerung in wirtschaftlichem Wohlstand und Zufriedenheit leben soll, ist
dies nur in Form eines gesellschaftlichen Miteinander und Füreinander möglich.
Doch wie weit sind wir hiervon noch entfernt? Auf dem Papier ist Deutschland eins,
aber die Bürger sprechen noch immer mit vielen Stimmen.
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Gliederung des Buches
1.2. Vorbetrachtung
1.2.1 Sozialwissenschaftliche Methode des Vergleichs
1.2.2 Thesen und Fragestellungen des Autors
1.3 Einleitung des Buches
2. Das Buch „Deutschland in Europa“
2.1 Jan van Deth: „Politisches Interesse“
2.1.1 Engagement und Demokratie
2.1.2 Aspekte politischen Interesses
2.1.3 Politisches Interesse in Deutschland
2.1.4 Determinanten politischen Interesses
2.1.5 Politisches Interesse und Demokratie in Deutschland
2.1.6 Fazit
2.2 Jan van Deth: „Soziale Partizipation“
2.2.1 Bürger und Gesellschaft
2.2.2 Formen sozialer Partizipation
2.2.3 Soziale Beteiligung in Deutschland
2.2.4 Soziale Partizipation in Europa
2.2.5 Konsequenzen sozialer Partizipation
2.2.6 Fazit
3. Kritische Auseinandersetzung
3.1 Formale Kritik und Sachkritik
3.2 Inhaltliche Kritik
3.2.1 Konzeption
3.2.2 Herangehensweise und Methodik der Regressionsanalyse im ESS
3.2.3 Kritik der beim ESS angewandten Methode des persönlichen Interviews
4. Abschließende Würdigung
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Buch „Deutschland in Europa“ von Jan van Deth auf Basis der Daten des European Social Survey (ESS) 2002-2003, um zu untersuchen, inwieweit sich die Einstellungen der deutschen Bevölkerung im europäischen Vergleich einordnen lassen und ob Ost- und Westdeutschland strukturell unterschiedliche Kulturen aufweisen. Dabei wird die methodische Herangehensweise kritisch hinterfragt.
- Untersuchung sozialer und politischer Einstellungen in Deutschland in europäischer Perspektive.
- Kritische Analyse der Kapiteln zu „Politisches Interesse“ und „Soziale Partizipation“.
- Überprüfung der Vergleichseinheiten und der Anwendbarkeit von Regressionsanalysen.
- Bewertung der formalen Qualität und der methodischen Konsistenz des Gesamtwerks.
- Diskussion über die Bedeutung von Ost-West-Unterschieden gegenüber europaweiten Differenzen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Engagement und Demokratie
Das Interesse des Bürgers an der Politik wird als Voraussetzung dafür gesehen, dass Demokratien funktionsfähig arbeiten. Dass Bürger ihre Präferenzen zeigen, ist unabdingbar für demokratische Entscheidungen. Doch Präferenzen können nur durch ein Mindestmaß an politischen Informationen entstehen. Somit, so der Autor, werden Bürger, die sich politisch engagieren und etwas von Politik verstehen, ihre Forderungen dem politischen System gegenüber nicht übersteigern.14
Es wird jedoch festgestellt, dass Ablehnung und Desinteresse gegenüber der Politik allgegenwärtig sind. Dies lässt sich nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern beobachten. Eine zunehmende Entfernung vom politischen Geschehen und seinen Akteuren findet statt. Jan van Deth meint jedoch, dass ein Mangel an politischem Interesse nicht zwangsläufig als negativ oder sogar schädlich für die Demokratie zu sehen sei, denn eine allgemeine Steigerung des Interessenniveaus sei erkennbar. Wachsender Wohlstand sowie ein höheres Bildungsniveau hätten allgemein dazu geführt, dass Politik nicht mehr als notwendiger Teil von sozialen Konflikten angesehen werde und sich die Bürger somit stärker anderen Dingen zuwenden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt den Kontext der deutschen Einigung, das Buch von Jan van Deth sowie die Zielsetzung der vorliegenden Analyse vor.
2. Das Buch „Deutschland in Europa“: Detaillierte Betrachtung und kritische Analyse der Beiträge von Jan van Deth zu den Themen politisches Interesse und soziale Partizipation.
3. Kritische Auseinandersetzung: Formale und inhaltliche Kritik an der Konzeption, der Datenauswahl und der methodischen Anwendung von Regressionsanalysen im analysierten Werk.
4. Abschließende Würdigung: Resümee über das Erreichen der Ziele des Buches und abschließende Bewertung der wissenschaftlichen Qualität der Auswertungen.
5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
European Social Survey, Deutschland, Europa, Politisches Interesse, Soziale Partizipation, Ostdeutschland, Westdeutschland, Einstellungen, Wertewandel, Regressionsanalyse, Politische Kultur, Zivilgesellschaft, Empirische Sozialforschung, Vereinsaktivität, Systemtransformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit liefert eine kritische Analyse des Buches „Deutschland in Europa“ von Jan van Deth, das den Einstellungs- und Wertewandel der deutschen Bevölkerung auf Basis des European Social Survey (ESS) untersucht.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Kapitel „Politisches Interesse“ und „Soziale Partizipation“ und hinterfragt, wie diese in der deutschen Gesellschaft ausgeprägt sind.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geprüft werden, ob die soziale und politische Kultur in Ost- und Westdeutschland in den europäischen Kontext passt und ob die Autoren des Werkes ihre Thesen methodisch solide stützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor im analysierten Buch?
Das Buch stützt sich auf die ESS-Daten (2002-2003) und nutzt schwerpunktmäßig Regressionsanalysen, um soziale Einstellungen und deren Determinanten zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellung der ausgewählten Kapitel sowie eine tiefgehende methodische und formale Kritik am Aufbau und der Argumentation des Buches.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind European Social Survey, Politische Kultur, Soziale Partizipation, Regressionsanalyse, Ost-West-Vergleich sowie die methodische Kritik an empirischen Studien.
Warum bezweifelt die Autorin die wissenschaftliche Fundierung des Buches?
Sie kritisiert unter anderem die fehlende Transparenz bei der Auswahl der Vergleichsländer, die unübersichtliche Darstellung der Regressionsergebnisse und die teils spekulative Interpretation von nicht signifikanten Daten.
Welches Fazit zieht die Analyse in Bezug auf die Ost-West-Unterschiede?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in vielen Bereichen kleiner sind als vermutet und oft eher regionaler Natur sind, wobei das Buch dazu neigt, eine „Sonderrolle“ des Ostens zu betonen.
- Quote paper
- Ba int. Jessica Mohr (Author), Katrin Kiesel (Author), 2008, Jan W. van Deth: Deutschland in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118659