Die Berufung Jesajas zum Propheten

Exegese zu Jesaja 6,1-8


Seminararbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Vorbesinnung

2 Biografie und historische Hintergründe Jesajas

3 Übersetzungsvergleich
3.1 Bibel in gerechter Sprache (BigS)
3.1.1 Besonderheit Jesaja 6,1-8
3.2 Elberfelder Bibel 2006
3.2.1 Besonderheiten Jesaja
3.3 Luther, revidierte Fassung von 1984
3.3.1 Besonderheiten Jesaja
3.4 Auswahl

4 Literarkritik

5 Abgrenzung des Textes

6 Gliederung des Textabschnittes

7 Formkritik
7.1 Exkurs Berufungsschemata
7.1.1 Erster Typus
7.1.2 Zweiter Typus
7.2 Besonderheit Jesaja

8 Mündliche Überlieferungsgeschichte

9 Traditionsgeschichte
9.1 Exkurs Propheten

10 Religionsgeschichtlicher Vergleich

11 Begriffserklärung

12 Einzelexegese

13 Skopus

14 Verkündigungsansatz

15 Literaturverzeichnis

1 Die Vorbesinnung

Für mich ist ein Prophet ein weiser Mann, der zusammenhänge versteht und sie der Bevölkerung und der Welt mitteilt. Beim ersten Lesen ist mir aufgefallen, das ich mich gefragt habe, warum die Berufung Jesajas denn erst so spät aufgeführt wurde. Vergleicht man das Buch mit einem Jugendbuch oder einem Roman, so fällt auf, dass die Einleitung erst ziemlich spät eingeführt ist. Die Serafen haben mich stark an einen Film erinnert, in dem die Serafim als „Oberster Rang bei uns Engeln“ (Dogma 2001) beschrieben wurden. Dass Jesaja mit Kohle vom Thron „entsündigt“ wurde, weckte in mir zwei verschiedene Reaktionen. Auf der einen Seite eine medizinische Assoziation. Früher wurden mithilfe von Feuer Wunden ausgebrannt, die sich daraufhin schlossen und sämtliche Keime abtöteten. Auf der anderen Seite hat man die Menschen früher mit heißen Gegenständen geprüft, ob sie denn Hexen seien. Dazu wurde ihnen ein Glüheisen in die Handgegeben, an dem man sich verbrannte und wenn sich eine Weiße Schicht bildete, so waren sie als Hexe überführt.

Dass der Serafim ausgerechnet Kohle verwendet um die Schuld zu tilgen, hat mich beeindruckt. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, dort wird seit langer Zeit Bergbau betrieben. Der Sänger Herbert Grönemeyer singt in seinem Lied Bochum vertretend für die ganze Region Ruhrgebiet:

Du hast'n Pulsschlag aus Stahl.
Man hört ihn Laut in der Nacht.
Bist einfach zu bescheiden!
Dein Grubengold* hat uns wieder hochgeholt,
du Blume im Revier![1]

*damit ist Kohle gemeint.

2 Biografie und historische Hintergründe Jesajas

Der Prophet Jesaja (Protojesaja) ist der Sohn eines unbekannten Mannes namens Amos. Er wirkte zwischen 740er v.Chr bis etwa 700 v. Chr. in Jerusalem. Man geht von dieser Zeiteinteilung aus, da Jesaja im 7, Kapitel vom Syrisch-Emphraimitischen Krieg, den man im Jahre 735 -732 v. Chr. ansiedelt, beeinflusst ist.[2] Er war mit Nebia, einer Seherin, (Klaus Koch geht davon aus das Jesajas Frau Seherin im Tempel war), verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn der den Namen „Raubebald-Eilebeute“ trägt und einen weiteren dem er den Symbolnamen „Ein Rest, der kehrt zurück“ gab. Ob Jesaja nun monogam lebte oder mehrere Frauen hatte, ist unbekannt. Allgemein weiß man recht wenig über die Biografie Jesajas, denn man wurde nicht Prophet wie zum Beispiel die Priester (Leviten) durchs Geburtsrecht sondern durch die Berufung JHWH. Gelegentlich wurde vermutet, so Koch, dass Jesaja aus einer Aristokratenfamilie stamme und dass er (Jesaja) auf „die Schule hebräischer Weisheit“ gegangen ist. das macht Koch daran fest, dass Jesaja nicht nur gebildet war, sondern auch in seiner Anthropologie speziell auf die Vernunft und Erkenntnis ausgerichtet war. Dass Jesaja unter dem 696 zu Herrschaft gelangten König Manasse das Martyrium erlitt, gehört der späteren Legendenbildung an.[3] Über seinen genauen Todeszeitpunkt wissen wir nichts, es liegt aber im Bereich des Wahrscheinlichen, das er das erste Jahrzehnt im 7 Jhd. v. Chr. nicht überlebt hat.[4]

Jesaja lebte in einer unruhigen Zeit, in der die Übermacht Assurs die selbstständigen syrisch-palästinischen Kleinstaaten zum Verschwinden bringt. Hinter dem Eroberungsstreben der Assyrer lag das Ziel die gesamt Welt, dem Reichsgott der Assyrer „Assur“ zu Füßen zu werfen. Die Könige, die sich den Assyrern unterwarfen, mussten sich auch dem Staatskult der Assyrer unterwerfen und neben den eigenen Kulten, dem Staatskult der dem Gott Assur geweiht war, den Hautplatz einräumen.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Jesaja als Symbol zwischen 713/711 nackt durch die Straßen von Jerusalem ging um „damit die Gefangennahme des äthiopisch-ägyptischen Heeres vorzubilden.“[5] (Jes 20)

3 Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich habe ich die Elberfelder Übersetzung von 2006 (ELB), die revidierte Lutherbibel von 1984 (LUT) und die Übersetzung der Bibel in Gerechter Sprache (BIGS) gewählt. Mit meiner Auswahl der Übersetzungen möchte ich auf der einen Seite schauen, in wie weit die Übersetzungen übereinstimmen und auf der anderen Seite die jeweiligen Schwerpunkte herausarbeiten.

3.1 Bibel in gerechter Sprache (BigS)

Die Bibel in gerechter Sprache hat drei Grundanliegen. Die Übersetzer wollen die in den Bibeltexten genannten und mit gemeinten Frauen sichtbar machen, damit sich Frauen auch heute durch die Bibeltexte angesprochen fühlen.[6] Das zweite Anliegen der BIGS, sie möchte dem Gespräch der Jüdinnen und Juden gerecht werden. Sie arbeitet durch eine sensiblere Übersetzung die Beziehung zwischen Jesus und der Bevölkerung heraus. Dadurch wird deutlich, dass die Obrigkeit ein Problem mit Jesus hatte und weniger die Bevölkerung.[7] Neben der sensiblen Übersetzung in Bezug auf die Gespräche hat die BIGS das Anliegen die soziale Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit in der Sprache der Schrift deutlich herauszuarbeiten.[8]

3.1.1 Besonderheit Jesaja 6,1-8

Die BIGS im Gegensatz zu den anderen Übersetzungen dazu verweist auf mehrere Begriffe, nämlich die Begriffe „Gott“ (kadosch) und „die göttliche Herrschaft (adonaj). Als einzige Schrift umschreibt die BIGS die Dopplung um die Beschreibung der Flügel „… sechs Flügel –sechs Flügel hatte jeder: …“[9] wahrscheinlich um die Bedeutung herauszuarbeiten. Die BIGS umschreibt den JHWH im 5. Vers mit Gott der Heere.

3.2 Elberfelder Bibel 2006

Die Elberfelder Übersetzung gilt als eine wortgetreue Übersetzung der Heiligen Schrift.[10] Die Übersetzer legten vor allem wert, auf die Genauigkeit der Übersetzung, weniger auf die „Schönheit“ der Ausdrucksweise. Viele Bilder Metaphern und idiomatische Redewendungen werden der Originalsprache entsprechend übersetzt, was eine starke Vorinterpretation seitens der Autoren ausschließt.[11]

3.2.1 Besonderheiten Jesaja

Die ELB übersetzt „die Stützen der Schwellen“[12] mit Türpfosten. Also als Zugang und Verbindung zu Gott.

3.3 Luther, revidierte Fassung von 1984

Die Lutherbibel ist sehr behutsam übersetzt worden. Luther ging es vor allem darum den, Menschen „aufs Maul zu schauen“ um den Inhalt der biblischen Botschaft deutlich zu machen.[13] Was auch bedeutet, dass Luther das allgemeine Verständnis und eine Interpretation dem Leser erspart oder verwehrt. Das dazuführt, dass Texte oft falsch assoziiert werden. Die Reformatoren haben zu diesem Zwecke ein ausführliches Glossar, Stichwortverzeichnis, Zeittafeln und Karten – welche dem Leser die Lektüre vereinfachen sollen.[14]

3.3.1 Besonderheiten Jesaja

Luther übersetzt das Wort „Zebaoth“ nicht wie ELB oder BIGS mit „Herr der Herrlichkeit“. „Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“(Jes. 6,3)

3.4 Auswahl

Für meine Exegese entscheide ich mich, die Lutherbibel zu verwenden. Sie ist recht häufig verbreitet und die Unterscheidung zu den anderen Übersetzungen weißt keine gravierende Unterschiede auf. Somit ist davon auszugehen, dass sowohl ELB, BigS und LUT recht nah am Urtext verfasst sind.

4 Literarkritik

In sich ist der Text um Jesaja 6, 1-8 schlüssig und logisch aufgebaut. Allerdings ist es kaum zu erklären warum von der Berufung Jesajas erst im 6. Kapitel berichtet wird. Wolfmar Hentrich sieht darin ein Indiz, das auch die Sammlung Kapitel 1-12 aus mehreren kleinen Sammlungen entstanden ist.[15]

5 Abgrenzung des Textes

Mir scheint eine Abgrenzung des von Vers 1 bis 8 als sinnvoll. Er weist in sich eine gewisse Geschlossenheit auf. Für einen Erzählanfang deutet auch der Vers 1 hin. Er gibt einen genauen Zeitpunkt der Sendung Jesajas an und zwar „in dem Jahr, als der König Usia starb“(Jes 6,1).[16] Dieser Abschnitt handelt von der Herrlichkeit Gottes und der Reaktion Jesajas auf dessen Gegenwart. Ab V. 9 beginnt schon die Sendung Jesajas zum Pharao und dessen Verstockung. Es beginnt ein neuer Sinnabschnitt, es ist aber auch vertretbar Jesaja 6,1-13 als einen Abschnitt zu sehen. F. Hesse geht davon aus, dass es sich zwei verschiedene Begebenheiten handelt, zum einen die Verstockung und zum anderen die Berufung und dass die Verstockung erst nachträglich redaktionell eingefügt wurde (Rückprojezierung) Die Berufungserzählung Jesajas gehört zum ersten Teil des Jesajabuches ( Jesaja 1-39 = Protojesaja) und ist in die Weheworte in (Jes 5,1-24, Jes 10, 1-4) und dem Kehrversgedicht ( Jes 5,25-30; Jes 9,7 – 10,4)[17] eingebettet. Somit möchte ich die Berufungserzählung als Kern des ersten Jesajabuches (1-12) ansehen.

[...]


[1] Bochum (Grönemeyer, 1984)

[2] Vgl. TRE Bd.XVI (Balz, 1987 S. 638)

[3] Vlg. TRE Bd.XVI (Balz, 1987 S. 640)

[4] Vgl. TRE (Balz, 1987 S. 641)

[5] TRE (Balz, 1987 S. 649)

[6] Vgl. (Kuschmierz, et al., 2007 S. 25)

[7] Vgl. (Kuschmierz, et al., 2007 S. 27)

[8] Vgl. (Kuschmierz, et al., 2007 S. 27)

[9] BIGS (Bail, et al., 2006)

[10] Vgl. (Kuschmierz, et al., 2007)

[11] Vgl. (Herrmann, et al., 1996)

[12] Interlinearübersetzung

[13] Vgl. (Delvaux de Fenffe, 2005)

[14] Vgl. (Kuschmierz, et al., 2007)

[15] Vgl (Herntrich, 1950)

[16] LUT (Luther, 1999)

[17] Vgl. (Herntrich, 1950)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Berufung Jesajas zum Propheten
Untertitel
Exegese zu Jesaja 6,1-8
Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel  (CVJM Kolleg)
Veranstaltung
Einleitung ins Alte Testament
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V118698
ISBN (eBook)
9783640220892
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gut Lesbare, anschauliche Sprache mit Anlage zur Kreativität übersichtlicher Satzbau Die Arbeit enthält durchweg treffende, präziese Beoachtungen am Text. Gehobenes Reflexionsnieveau, abwägende wissenschaftliche Betrachtungsweise. Verfasser hat fleißig Material gesammelt und eingearbeitet. Verfasser zeigt gute Vertrautheit mit der historisch-kritischen Methode. Schon die Vorbesinnung ist spannend zu lesen aufgrund der kreativen Assoziationen.Gut Lesbare, anschauliche Sprache mit Anlage zur Kreativität übersichtlicher Satzbau Die Arbeit enthält durchweg treffende, präziese Beoachtungen am Text. Gehobenes Reflexionsnieveau, abwägende wissenschaftliche Betrachtungsweise. Verfasser hat fleißig Material gesammelt und eingearbeitet. Verfasser zeigt gute Vertrautheit mit der historisch-kritischen Methode. Schon die Vorbesinnung ist spannend zu lesen aufgrund der kreativen Assoziationen.
Schlagworte
Berufung, Jesajas, Propheten, Einleitung, Alte, Testament
Arbeit zitieren
Christian Stepanczak (Autor), 2007, Die Berufung Jesajas zum Propheten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118698

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Berufung Jesajas zum Propheten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden