Zum Bewegungsstatus von Primarstufenschülern

Vergleichende Erhebungen an Schülern aus Oberschwaben und Berlin


Examensarbeit, 2008

109 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

III. Danksagung

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort
1.1 Problemstellung der Arbeit

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
2.1.1 Definitionen
2.1.2 Stand der Forschung
2.1.3 Physische Bedeutung von Bewegung
2.1.4 Psychische Bedeutung von Bewegung
2.1.5 Bedeutung für die kindliche Entwicklung
2.1.6 Folgen von Bewegungsmangel
2.2 Veränderte Kindheit in Deutschland
2.2.1 Definition Kindheit und Geschichtliches
2.2.2 Gesellschaftliche Veränderungen
2.2.3 Veränderungen familiärer Situation
2.2.4 Erziehungsstile im Wandel
Mangel an Orientierung im sozialen Kontext.“
2.2.5 Veränderungen des Bewegungsraumes von Kindern
2.2.6 Einflüsse audiovisueller Medien
2.2.7 Kinder und Bewegung – aktuelle Studien
2.2.7.1 Die WIAD-Studie
2.2.7.2 Die KiGGS-Studie

3. Darstellung der Untersuchung
3.1 Fragestellungen
3.2 Die Untersuchungsschulen
3.2.1 Die Carl-Bolle-Grundschule in Berlin
3.2.2 Die Untersuchungsschulen aus Oberschwaben
3.2.2.1 Die Oberstadtschule Weingarten
3.2.2.2 Die Talschule Weingarten
3.2.2.3 Kindersportschule Weingarten
3.2.2.4 Neuwiesenschule Ravensburg
3.2.2.5 Freie Waldorfschule Ravensburg.
3.2.3 Stichprobenbeschreibung
3.3 Sportmotorische Testung – Münchner Fitnesstest
3.3.1 Die Testorganisation
3.3.2 Die Testübungen
3.3.2.1 Testübung1 – Ballprellen
3.3.2.2 Testübung 2 - Zielwerfen
3.3.2.3 Testübung 3 - Rumpfbeugen/Hüftbeugen
3.3.2.4 Testübung 4 - Standhochsprung.
3.3.2.5 Testübung 5 - Halten im Hang
3.3.2.6 Testübung 6 - Stufensteigen
3.4 Der Fragebogen
3.4.1 Der Aufbau des Fragebogens
3.4.2 Die Inhalte des Fragebogens

4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
4.1 Motorische Leistungsfähigkeit aller untersuchten Schüler
4.1.1 Unterschiede zwischen den Geschlechtern
4.1.2 Unterschiede differenziert nach Alter, Herkunft und Region
4.1.3 Sportbetonter und nichtsportbetonter Zug
4.1.4 Mitgliedschaft in einem Sportverein.
4.1.5 Unterschiede zwischen den verschiedenen Schulen Oberschwabens
4.2 Der Gewichtstatus der gesamten Untersuchungsgruppe
4.2.1 Zusammenhang von Gewichtstatus und der motorischen Gesamtleistungsfähigkeit
4.3 Medienverhalten bei den Kindern allgemein
4.3.1 Unterschiede aufgrund von Region und Herkunft und Schultyp
4.3.2 Zusammenhang zwischen Medienkonsum und der motorischen Leistungsfähigkeit

5 . Zusammenfassung der Untersuchung

6. Schlussfolgerungen

7. Literatur

Tabellenverzeichnis

Tab.1. Wirkungen des Ausdauersports auf das kardiovaskuläre System (nach Bös, 1998 und Knoll, 1997)

Tab.2 Wirkungen von Sport durch das Bewegungsorgan ´Muskulatur´(nach Bös, 1998 und Knoll, 1997)

Tab.3. Prozentanteil der Kinder und Jugendlichen die nicht eine Minute auf einem Bein stehen können

Tab.4. Prozentanteil der Kinder und Jugendlichen, die beim Rumpfbeugen nicht das Fußsohlenniveau erreichen

Tab.5.Geschlechtliche Aufteilung der Probanden je nach Schule

Tab.6. Beurteilungsskala des Münchner Fitnesstests

Tab.7. Durchschnittsbewertung aller Probanten des MFT

Tab.8. Gesamturteil des MFT aufgegliedert nach Noten

Tab.9. Bewertung von Mädchen und Jungen (Gesamt und Einzelübungen)

Tab.10. Gesamturteil des MFT aufgegliedert nach Noten und Geschlecht

Tab.11. Bewertung differenziert nach Alter der Schüler

Tab.12. Bewertung der Schüler beim MFT differenziert nach Herkunft

Tab.13. Aufgliederung nach Noten und Migrationshintergrund

Tab.14. Bewertung aufgeteilt nach Regionen

Tab.15. Trennung nach Regionen; Bewertung der Einzelübungen sowie Gesamtleistungsfähigkeit

Tab.16. Notenverteilung des MFT aufgegliedert nach Regionen

Tab.17. Schulen mit Schülezahlen, differenziert nach „Sportbetont“ bzw „Nichtsportbetont“

Tab.18. Aufgliederung nach Noten und Zug

Tab.19. Gesamtnotendurchschnitt der Carl-Bolle Grundschüler, aufgegliedert nach sportbetont/nicht sportbetont

Tab.20. Gesamtnotendurchschnitt der Schüler Oberschwabens, aufgegliedert nach sportbetont/nicht sportbetont

Tab.21. Ergebnisse der Tetsübungen, differenziert nach Mitgliedschaft in einem Sportverein

Tab.22. Gesamturteil des MFT der Schüler aus den verschiedenen Schulen Oberschwabens

Tab.23. Schüler aus Oberschwaben, die mit „ausreichend“ abgeschlossen haben, aufgegliedert nach Schulen

Tab.24. Durchschnitts-BMI aller Schüler differenziert nach Alter

Tab.25. Notenverteilung des MFT der Übergewichtigen nach Geschlechtern

Tab.26. Notenverteilung des MFT der normalund untergewichtigen Schüler nach Geschlechtern

Tab.27. Medienkonsum der Kinder

Tab.28. TV pro Woche, Verteilung der Kinder, differenziert nach Geschlecht

Tab.29. TV pro Tag von „Vielsehern“

Tab.30. Durchschnittliche wöchentliche Mediennutzung, differenziert nach Regionen

Tab.31. Medienkonsum getrennt nach Regionen

Tab.32. Medienkonsum, differenziert nach Herkunft

Tab.33. Medienkonsum, der Schüler Oberschwabens

Tab.34. Beurteilung MFT differenziert nach Mediennutzung

Tab.35. Notenverteilung des MFT, differenziert nach der Häufigkeit der Mediennutzung

Tab.36. Bewertung der Testübungen, differenziert nach Medienverhalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.1. Rückenverformungen auf Grund von Bewegungsmangel nach Heipertz (1984)

Abb. 2. Phänomen der „Verinselung“

Abb.3. Vergleich 6-Minutenlauf, 1976 und 1996

Abb.4. Sportpensum der Kinder zwischen 6-15 nach Geschlecht

Abb.5. Menge Schulsport nach Geschlecht und Alter differenziert

Abb.6. Mitgliedschaft in einem Sportverein nach Alter und Geschlecht

Abb.7. Verbreitung von Übergewicht nach Alter und Geschlecht in Prozent

Abb.8. Verbreitung von Adipositas nach Alter und Geschlecht in Prozent

Abb.9. Anteil der 3-10-Jährigen Jungen und Mädchen, die weniger als einmal pro Woche Sport treiben, nach Sozialstatus und Migrationhintergrund

Abb.10. Altersverteilung der Probanden

Abb.11. Migrationshintergrund der Kinder an den verschiedenen Schulen

Abb.12. Testübung 1 – Ballprellen

Abb. 13. Testübung 2 – Zielwerfen

Abb. 14. Testübung 3 – Hüftbeuge/Rumpfbeuge

Abb. 15. Testübung 4 – Standhochsprung

Abb. 16. Testübung 5 – Halten im Hang

Abb. 17. Testübung 6 – Stufensteigen

Abb.18. Fragebogen der Schülerbefragung

Abb.19. Berechnung des BMI (Körpermassenzahl)

III. Danksagung

Die vorliegende Arbeit entstand während meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule Weingarten als Grundund Hauptschullehrer.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Professor Ziroli für die interessante Aufgabenstellung, die stetige Betreuung und die hilfreiche Unterstützung bei meinen Überlegungen.

Ein großer Dank gilt auch meiner Schwester Daniela, für die ständige Beratung beim schreiben meiner Hausund Projektarbeiten.

Auch bedanken möchte ich mich bei den Schulen, die an der Untersuchung teilgenommen haben. Dies waren die Carl-Bolle Grundschule in Berlin, die Grundschule Neuwiesen in Ravensburg, die Waldorfschule Ravensburg, die Oberstadtschule Weingarten, die Talschule Weingarten und die Kindersportschule Weingarten.

Ohne die zuständigen Lehrer und Rektoren , sowie die vielen freiwilligen studentischen Helfer, die maßgeblich an dem reibungslosen Ablauf der Untersuchungstage beteiligt waren, wäre diese Untersuchung nicht möglich gewesen, deshalb gebührt auch ihnen ein großes Dankeschön.

Ein letztes Dankeschön gilt den zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die bei den Untersuchungen so couragiert teilgenommen haben.

1. Vorwort

Diese wissenschaftliche Hausarbeit schreibe ich in dem Studienfach Sport. In meinem Studium studiere ich Sport als Hauptfach, im Grundund Hauptschulbereich. Da sich mein Thema der Untersuchung auf den Bewegungsstatus von Primarstufenschülern bezieht, erhoffe ich mir aus den Ergebnissen interessante und aufschlussreiche Einsichten, was die motorische Fähigkeiten von Primarstufenschü- lern betrifft.

Aus dem Titel der vorliegenden Arbeit geht schon hervor, dass ich mich auf den Bewegungsstatus von Kindern konzentrieren werde. Für die theoretische Fundierung ist es deshalb unabdingbar, am entsprechenden Ort einen Einblick in die Sportphysiologie zu liefern. Hierbei werde ich besonders die physischen Bedeutungen von Bewegung, Spiel und Sport auf den Körper und auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ansprechen. Da sich das Sporttreiben aber auch auf die Psyche eines Menschen auswirkt, wird ebenso ein Einblick in die Sportpsychologie von Nöten sein. Ein weiteres, auch in den Medien viel diskutiertes Thema wird sich mit den Auswirkungen von Bewegungsmangel auf die Gesundheit eines Kindes auseinandersetzen. Außerdem werde ich mich mit der veränderten Kindheit in Deutschland beschäftigen, da dies unverzichtbar ist, wenn man das Bewegungsverhalten der heutigen Kinder beobachtet. Hierbei werde ich besonders auf die gesellschaftlichen und auch familiären Veränderungen eingehen. In diesem Zusammenhang werde ich auch Ergebnisse aktueller Studien zur Bewegung von Kindern in Deutschland vorstellen und erläutern, um einen kurzen Überblick zur aktuellen Lage zu schaffen.

Um die theoretische Fundierung in einer praktischen Studie zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen verwende ich die im Rahmen des Projekts „Bewegungs- Gewichtstatus von Primarstufenschülern in Bodensee/Oberschwaben und Berlin“ gewonnenen Daten, welches unter der Projektleitung von Herrn Prof. Dr. Sergio Ziroli durchgeführt wurde. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Ansprüche, weder finanziell noch sonstiger Art stellen werde, wenn die

Daten von Herrn Prof. Dr. S. Ziroli weiterverwendet werden sollten. Bei den Daten handelt es sich zum einen um Werte aus dem Münchner Fitnesstest, welcher Auskunft über die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern gibt, zum anderem um Daten und Antworten aus einem Fragebogen, der von den Kindern ausgefüllt wurde, in dem es vor allem um den Medienkonsum der Kinder geht. Auf den Ablauf, die Rahmenbedingungen und schlussendlich die Ergebnisse der Untersuchung werde ich in dem letzten Teil meiner Arbeit eingehen.

1.1 Problemstellung der Arbeit

„In den letzten Jahren häufen sich besorgniserregende Meldungen über ein generell schlechteres Bewegungsund Sportverhalten im Kindesund Jugendalter, gepaart mit zunehmender Fehlernährung und einem in der Folge erhöhten Körpergewicht“ (WIAD-Studie, 2000, S.5).

Immer wieder liest man in verschiedenen Medienberichten über den Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit deutscher Kinder und die daraus resultierenden gravierenden Folgen. So titelt zum Beispiel Klaus Bös (1998, S.326) „Unsere Kinder sind zu Sitzkindern geworden!“ Viele dieser Berichte sind sicherlich überspitzt, dennoch belegen verschiedene Studien, auf die ich in Kapitel 2.2.7 näher eingehen werde, dass ein Großteil unserer Kinder sich zu wenig bewegt. Auf die Folgen von zu wenig Bewegung für Kinder werde ich daher gleich im nächsten Kapitel näher eingehen.

Die Frage die sich mir in meiner Arbeit stellt ist nun: Wie steht es wirklich um den Bewegungsstatus unserer Kinder? Hierbei werde ich mein Augenmerk nur auf Primarstufenkinder, also Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren legen. Um einen wirklichen Einblick zu bekommen, wie es aktuell um die motorische Leistungsfähigkeit unserer Kinder steht, wie häufig sie sich bewegen und was sie sonst in ihrer Freizeit machen wurde von einer sechsköpfigen Projektgruppe, in der auch ich tätig war, eine Studie durchgeführt. Bei der Studie handelt es sich zum einen um den Münchner Fitnesstest mit Hilfe dessen wir die motorische Leistungsfähigkeit der Primarstufenschüler nach internationalen Standard bewerten konnten, zum anderen um einen Fragebogen, mit dem wir unter anderem die Mediennutzung der Kinder in Erfahrung brachten. Die Studie wurde sowohl in verschiedenen Schulen in Oberschwaben, als auch in einer Grundschule in Berlin durchgeführt. Dabei handelt es sich bei den Schülern aus Berlin um klassische „Großstadtkinder“ und bei den Schülern aus Oberschwaben um Kinder welche unter ländlichen Bedingungen aufgewachsen sind, deshalb werde ich die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder aus Berlin und Oberschwaben zusätzlich vergleichen. Interessant ist dieser Vergleich unter anderem auch deshalb, da den „Stadtkindern“ durch die extremen Veränderungen ihrer Spielräume aufgrund von Bebauung weniger Bewegungsraum zur Verfügung steht und sie so eventuell mehr Zeit vor dem Fernseher, dem PC oder einem anderen Unterhaltungsmedium verbringen als ein Kind, welches auf dem Land wohnt. Umso intensiver die Medien genutzt werden, desto weniger Zeit bleibt für Bewegungsmöglichkeiten übrig. Ob sich intensive Nutzung von Medien schon in jungen Jahren auf den Bewegungsstatus der Kinder auswirkt möchte ich ebenfalls in meiner Arbeit untersuchen. Auch mit Mitgliedschaften in Sportvereinen werde ich mich beschäftigen, da man meinen sollte, dass Kinder, die in Sportvereinen aktiv sind, motorisch leistungsfähiger sein sollten.

2. Theoretischer Hintergrund

In diesem Kapitel möchte ich den theoretischen Hintergrund meiner Arbeit erarbeiten. Im ersten Teil werde ich deshalb näher auf die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche eingehen, indem ich die verschiedenen Auswirkungen von Bewegung und Sport auf den Menschen erkläre, ebenso möchte ich aber auch die Gefahren, die durch zu wenig Bewegung entstehen können hinweisen. Auch die Bedeutung von Bewegung für die kindliche und jugendliche Entwicklung, sowohl körperlich, als auch geistlich darf in diesem Bereich natürlich nicht fehlen.

Der zweite Teil der theoretischen Ausarbeitung beschäftigt sich vor allem mit der veränderten Kindheit der deutschen Kinder und Jugendlichen. Hierbei werde ich einen kurzen geschichtlichen Rückblick liefern und anschließend die aktuellen Veränderungen für Kinder im familiären wie auch gesellschaftlichen Bereich darlegen. Darüber hinaus werde ich auch auf die unterschiedlichen Bedingungen und Vorraussetzungen von Kindern eingehen, welche in der Stadt und auf dem Land aufwachsen. Um einen Einblick zum aktuellen Bewegungsstatus der Kinder zu bekommen, werde ich dann mehrere aktuelle Studien, welche in Deutschland durchgeführt wurden, zusammenfassen. Zum Abschluss meiner theoretischen Fundierung werde ich die für meine Untersuchung ausgewählten Schulen kurz vorstellen.

2.1 Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Um die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen deutlich machen zu können, setzt dies zunächst einen gemeinsamen Standpunkt über verschiedene Begrifflichkeiten voraus. Diese werde ich am Anfang dieses Kapitels definieren. Der nächste Teil wird sich mit dem aktuellen Stand der Forschung beschäftigen. In diesem Abschnitt geht es mir hauptsächlich darum, zu erläutern in wie weit meine nachfolgenden Berichte über die physischen und psychischen Auswirkungen von Bewegung tatsächlich gesichert sind und darum, wie ausführlich sie erforscht sind. Im Hauptteil werde ich dann ausführlich auf die physischen und psychischen Auswirkungen und Bedeutungen für die Gesundheit von Kinder und Jugendliche eingehen. Ich werde dort sowohl auf die präventive Bedeutung von Bewegung eingehen, als auch auf die Bedeutung des Sports hinsichtlich der körperlichen und persönlichen Entwicklung der Kinder.

2.1.1 Definitionen

Die zentralen Begriffe, welche ich in diesem Kapitel verwende möchte ich vorweg kurz definieren um keine Missverständnisse hervorzurufen.

Anfangen möchte ich mit dem Begriff der „Bewegung“. Das Internetlexikon „Wikipedia“ versteht unter Bewegung die Veränderung der Position beziehungsweise des Ortes der menschlichen Körpermasse im Vergleich zur Umgebung. Man unterscheidet dort aber zwischen Bewegung und Fortbewegung, so erweitert letzteres den Begriff Bewegung um den Aspekt, dass „Fortbewegung die aktive Bewegung eines Individuums von Ort zu Ort, angetrieben durch geeignete Bewegung von Gliedmaßen oder anderer anatomischer Teile ist“. Zu Fortbewegung gehören also alle Aktivitäten eines Menschen, bei denen er selber aktiv ist.

Da ich in dieser Arbeit hauptsächlich auf Bewegungen im sportlichen Bereich eingehe, möchte ich nun den Begriff „sportliche Aktivität“ und in diesem Zusammenhang auch den vielschichtigen Begriff „Sport“ beschreiben.

Laut Bös und Brehm (2006, S.14) ist die körperliche Aktivität „die Summe aller Prozesse, bei denen durch aktive Muskelkontraktion Bewegungen des menschlichen Körpers hervorgerufen werden beziehungsweise vermehrt Energie umgesetzt wird“. Sportliche Aktivität wird laut Bös et al. über einen längeren Zeitraum ausgeführt und ist mit besonderen Effekten wie Anpassungserscheinungen verbunden.

Den Begriff Sport zu definieren fällt heutzutage sehr schwer, da sich Sport heute weltweit zu einem umgangssprachlichen Begriff entwickelt hat. Die Bedeutung des Begriffs Sport erschließt sich laut Fuchs (2003) vor allem aus seinem Gebrauch. Der Gebrauch hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten stark verändert, so spricht Grupe (2007) von einer „Versportlichung“ der Gesellschaft und gleichzeitig einer „Entsportung“ des Sports. Dies bedeutet, man muss heute nicht aktiv Sport treiben um als sportlich zu gelten. So kann man zum Beispiel allein durch sportliche Kleidung oder aber auch einem sportlichen Auto als sportlich gelten.

Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) steht beim Definieren des Begriffs Sport die motorische Aktivität im Vordergrund. „Denkspiele, die Dressur von Tieren, sowie Motorsport ohne Einbeziehung motorischer Aktivitäten entspricht daher nicht dem Sport-Verständnis des DOSB“ (Wissenschaftlicher Beirat des DSB. Zur Definition des Sports. Sportwissenschaft, 10 (4) 1980, S. 437-439). Diese Auffassung von Sport wird auch in dieser Arbeit vertreten, wenn ich also von Sport spreche, meine ich die aktive beziehungsweise sportlich motorische Aktivität der jeweiligen Personen.

Die Motorik hängt laut Dordel (2007, S.107) eng mit Bewegung zusammen. Die Motorik kennzeichnet allerdings eher „die neurokybernetischen Charakteristika, die auch subjektive Faktoren und Bewusstseinsinhalte […] umfassen. Motorik gilt demnach als Ursache oder als Innenaspekt“. Die Psychomotorik kennzeichnet nach Köppe (2003) die funktionelle Einheit psychischer und motorischer Vorgänge, also die enge Verknüpfung des Körperlichen-motorischen mit dem Geistig-seelischen.

Der letzte Begriff, der meiner Meinung nach wichtig zu definieren ist, ist der der Gesundheit. Gesundheit wird von der Mehrheit der Menschen als Abwesenheit von Beschwerden oder Krankheiten wahrgenommen. Haben wir zum Beispiel keine Schmerzen am Körper, keinen Husten oder ähnliche Grippe- Erscheinungen, fühlen wir uns gesund. Haben wir dann aber Rückenbeschwerden, eine Grippe oder andere Symptome, wird uns erst bewusst, das wir uns zuvor gesund fühlten und fühlen uns dementsprechend dann krank. Diese allgemein vorherrschende Meinung von Gesundheit ist jedoch so nicht haltbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter Gesundheit das „vollkommene körperliche, soziale und seelische Wohlbefinden eines Menschen. Auch die Eigenverantwortung des Individuums für seine Gesundheit durch eine gesunde Lebensführung und der Einfluss der sozialen und ökologischen Bedingungen auf sie sind demnach unter Gesundheit zu verstehen“ (So lautet die Ottawa-Deklaration der WHO von1986, Charta der

1. Internationalen Konferenz für Gesundheitsförderung). Gesundheit ist also nicht nur die Abwesenheit von Gebrechen und Krankheiten, sondern zu ihr gehört ebenfalls ein gesunder Geist, also ein seelischer Zustand des Wohlbefindens und eine bewusste gesunde Lebensführung. Dieser Begriff des Wohlbefindens ist jedoch relativ unscharf da er sehr subjektiv ist und auch in verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgelegt wird.

In dieser Arbeit gehe ich deshalb von einem ganzheitlichen Gesundheitsbegriff nach Knoll (1997) aus, der sowohl physische, psychische als auch soziale Komponenten in ihrer Wechselwirkung gleichermaßen einbezieht. Gesundheit und Krankheit sind demnach nur Extrempole, zwischen denen das einzelne Individuum einzuordnen ist. Eine genaue Trennung zwischen krank oder gesund gibt es also nicht, sondern eine Abwägung zwischen „mehr“ oder „weniger“ gesund beziehungsweise krank.

2.1.2 Stand der Forschung

Im folgenden Abschnitt möchte ich kurz auf den aktuellen Stand der Forschung zu dem Thema: Auswirkungen von Sport auf die psychische und auf die physische Gesundheit des Menschen eingehen.

In der Sportmedizin wird das Thema „ Auswirkungen von Sport auf die Gesundheit “ seit vielen Jahrzehnten erforscht. Aus diesem Grund ist es heute unbestritten, dass regelmäßiges Sporttreiben positive Wirkungen auf den physischen Gesundheitsstatus der Menschen hat. Sport dient präventiv für eine Vielzahl von Erkrankungen, auf welche ich in Kapitel 2.1.3 noch näher eingehen werde. Auch dass Bewegungsmangel ein Faktor für eine Vielzahl von Krankheiten wie Fettleibigkeit ist, gilt heute als unbestritten. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch, dass sich die Sportwissenschaften darüber einig sind, dass zu wenig Sport und zu wenig Bewegung eindeutig nicht die einzigen Gründe für solche Erkrankungen sind, sondern dass die Lebensführung und die Lebenswelt ebenso wesentliche Faktoren hierfür sind. Hierzu zählen unter anderem Dinge wie ungesunde Ernährung oder aber das Rauchen, welche als gesundheitsschädlich gelten.

Die Forschungen in der Sportpsychologie wurden vor allem in den letzten 20 Jahren vorangetrieben. Davor war die Entwicklung der Sportpsychologie, welche heute nach Gabler (1986) als Teilgebiet der angewandten Psychologie gilt, eher schleppend. Erst nach 1970 entstanden eigenständige sportpsychologische Untersuchungen. Notwendig wurden diese besonders dadurch, dass das Streben nach Höchstleistungen sich auch auf psychische Prozesse auswirkte. „Ein weiteres förderliches Moment für die Entwicklung der Sportpsychologie ist darin zu sehen, Sport nicht nur als Art und Weise körperlicher Aktivität aufzufassen, sondern auch als Möglichkeit psychischer Entfaltung des Menschen“ (Bierhoff-Alfermann, 1986, S.11). Bis Mitte der 80er Jahre entstanden so zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten in der Sportpsychologie, welche bis dahin von ca. 30 Professoren und ca. 250 Mitgliedern im ASP vertreten wurde (vgl. Eberspächer, 1993).

Insgesamt kann man somit also von einer relativ guten Erforschung der beiden Bereiche sprechen, die jedoch vor allem in der Sportpsychologie noch vermehrt Probleme aufweißt, da vor allem bei Betracht der psychischen Effekte des Sports noch Fragen offen sind, so Fuchs (2003). Die meisten positiven Auswirkungen von Sport gelten aber heute als gesichert, bei anderen stehen zumindest begründete Vermutungen fest (nach Fuchs, 2003).

2.1.3 Physische Bedeutung von Bewegung

In diesem Kapitel möchte ich auf die physischen Wirkungen von Bewegung eingehen. Hauptaugenmerk werde ich auf die präventive Wirkung von Bewegung legen, da dies laut Tittel, Arndt und Holleman (1993) seit der Gründung des Deutschen Sportärztebundes im Jahre 1912 eine zentrale Rolle in der Sportmedizin spielt.

Zunächst unterscheide ich hierbei allerdings vier Phasen der Prävention nach Bös (1998 & 2006). Es handelt sich hierbei um die primäre, die sekundäre, die tertiäre und die quartäre Prävention.

Die primäre Prävention bedeutet eine Förderung des Gesundheitsbewusstseins, bevor irgendeine Art von subjektiver oder objektiver gesundheitlicher Einschränkungen vorhanden oder bemerkbar ist. Hierbei spielt vor allem die Erziehung zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil eine Rolle. Der Mensch wird also unter anderem so beraten, dass er anschließend möglichst einen gesünderen Lebensstil führt. Deshalb wird er zum Beispiel auf eine gesunde Ernährung hingewiesen, auch die optimalen Inhalte eines Trainings und die passende Kleidung hierfür sind Inhalte der primären Prävention. Zusammenfassend spielen also das Vermitteln von gesundheitlichem Wissen und das daraus resultierende gesamtgesundheitliche Verhalten die entscheidenden Rollen in der primären Prävention.

Bei der sekundären Prävention kann man durch spezielle Früherkennungsmaß- nahmen erste Anfälligkeiten für die Ausbildung von Krankheiten oder sogar schon Krankheitssymptome feststellen. Bei Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule können zum Beispiel Verformungen, wie erste Anzeichen eines Scheuermanns, festgestellt werden. Der Patient selber hat aber zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Beschwerden. Ziel der sekundären Prävention wäre nun, ein geeignetes Programm zu entwickeln, um die Rückenmuskeln dahingehend zu stärken, so dass die Verformung der Wirbelsäule sich nicht weiter verschlimmert, beziehungsweise sich eventuell sogar wieder zurück bildet. Ziel der sekundären Prävention ist es also, spezielle bewegungsbezogene Programme zu entwickeln um die Prävalenz von Krankheiten zu verringern und gegebenenfalls Risikofaktoren zu vermeiden.

Die tertiäre und die quartäre Präventionen möchte ich der Vollständigkeit halber nur kurz andeuten, da diese im Zusammenhang mit Kindern eher unwichtig sind.

Bei der tertiären Prävention handelt es sich um die Behebung von Störungen der Gesundheit, man kann also schon von einer Therapie oder einer Rehabilitation sprechen.

Die quartäre Prävention, um welche die drei vorherigen erst durch neuere Arbeiten erweitert wurden, handelt von der Vorbeugung von Verletzungen oder Unfällen im Sport. Hierzu zählen also einmal das Erkennen und dann das Vorbeugen von Risiken bei bestimmten sportlichen Bewegungen.

Da die verschiedenen Phasen der Prävention nun erklärt wurden, möchte ich nun die verschiedenen präventiven Wirkungen auf unseren Körper vorstellen. Vorweg ist zu erwähnen, dass nicht jede Art von sportlicher Bewegung eine präventive Bedeutung für unsere Gesundheit hat, deshalb ist es wichtig, dass der jeweilige Umfang und die Intensität der körperlichen Aktivität und des Sporttreibens vereinheitlicht werden. Powell (1986) schlägt folgende Vorraussetzungen vor, um von regelmäßigem Ausdauersport zu reden:

- Dynamische Muskelarbeit unter Beteiligung großer Muskelgruppen
- Belastungsintensität von mindestens 60% der maximalen aeroben Kapazität
- Trainingshäufigkeit von mindestens drei Übungseinheiten pro Woche
- Trainingsdauer von mindestens 20 Minuten pro Trainingseinheit

Diese vier Punkte sollen nur eine grobe Einordnung sein um welchen Umfang es sich im Bereich der Ausdauer in etwa handeln kann. Der Ausdauersport ist mittlerweile so intensiv erforscht wie keine andere motorische Beanspruchungsform. Sowohl trainingswissenschaftliche, medizinische als auch gesundheitserzieherische Phänomene sind heute in großem Umfang und sehr differenziert erforscht. Dies liegt unter anderem an der wissenschaftlich erwiesenen Erkenntnis, dass sich gezieltes, richtig dosiertes Ausdauertraining positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Da kardiovaskuläre Krankheiten, allen voran der Herzinfarkt laut dem statistischen Bundesamt (1998) die häufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland ist, ist dieses immense Forschungsinteresse nicht verwunderlich.

Nun aber zu den tatsächlichen Wirkungen des Ausdauersports auf das Herz- Kreislauf-System. Folgende Tabelle, Tab.1, soll einen Überblick über die kardiovaskulären Wirkungen nach Bös (1998) und Knoll (1997) verschaffen.

Tab.1. Wirkungen des Ausdauersports auf das kardiovaskuläre System (nach Bös, 1998 und Knoll, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu einer Verbesserung der Durchblutung des Herzmuskels liegen laut Bös (2003) und Knoll (1997) nur wenige Humanversuche vor, so dass nur eine unbefriedigende Datenlage vorhanden ist und deshalb diese Wirkung noch nicht eindeutig belegbar ist. Auch die Stimulierung zur Ausbildung von Kollateralen durch körperliches Training einer gesunden Person spielt laut Bös (1998) und Knoll (1997) mittlerweile nur noch eine geringe Rolle. Sie berufen sich dabei auf einen Review von Pearl (1987), dessen Ergebnisse in diesem Hinblick allen anderen bisherigen Reviews widersprechen.

Die sich in der Tabelle befindenden Wirkungen auf das kardiovaskuläre System sind Anpassungserscheinungen, die durch langfristiges Ausdauertraining erzielt werden und zu einer Ökonomisierung und somit zu einer Schonung des Herzens führen. Durch die relative Abnahme der Herzfrequenz bei identischer körperlicher Bewegung reduziert sich auch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels. Diese Adaptionsvorgänge sind wichtig für die Prävention des Herzens. Durch längerfristiges und gezieltes Training wächst der Herzmuskel und kann somit ein größeres Innenvolumen entstehen lassen, dies ist unter anderem als Sportlerherz bekannt. Ein Sportlerherz kann dann also pro Herzschlag mehr sauerstoffreiches Blut in den Körper verteilen. Eine weitere Begleiterscheinung von Ausdauertraining ist die verbesserte Atmungsökonomisierung, welche einem trainierten Sportler eine erhöhte Sauerstoffaufnahmekapazität ermöglicht.

Laut Bös (2003) ist auch erwiesen, dass ein mehrwöchiges Ausdauertraining den systolischen, wie auch den diastolischen Blutdruck der Sporttreibenden senkt. Dies geht aus einer Meta-Analyse von Kelly und Tran (1995) hervor.

Um protektive Wirkungen durch körperliche Aktivität auf kardiovaskuläre Gesundheitsparameter erreichen zu können, reicht laut Bös (2003) eine geringe aber regelmäßige Intensität des Sporttreibenden aus, mit steigender Intensität wird der Zusammenhang eher geringer. Mehr Aktivität bedeutet also nicht automatisch mehr Schutz vor möglichen Erkrankungen.

Insgesamt wird also deutlich wie wichtig regelmäßige sportliche Bewegung für unser Herz-Kreislauf-System ist, deshalb muss man die Kinder so früh wie möglich zu einem gesundheitsbewussten und sportlich aktiven Lebensstil erziehen. Nur so kann erreicht werden, dass die Kinder auch in ihrem späteren Leben regelmäßig Sport treiben, sich bewusst ernähren und somit ein gesundes Leben führen.

Regelmäßige sportliche Bewegung wirkt sich aber nicht nur positiv auf das kardiovaskuläre System aus, sondern soll nach neustem Erkenntnisstand auch das Immunsystem beeinflussen. So geht aus mehreren Forschungsarbeiten (vgl.

Calabresse, 1990; Gabriel, 2000) hervor, dass eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und dem Immunsystem besteht. Angemessenes Ausdauertraining stärkt somit laus Bös (2003) das Immunsystem, während hochintensive Belastungen das System zu schwächen scheinen.

Auch das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken ist laut Fuchs (2003) geringer, wenn man regelmäßig körperlich aktiv ist. Am besten nachgewiesen ist hier das verminderte Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Laut Fuchs (2003) gab es darüber seit Mitte der 90er Jahre 29 veröffentlichte Studien (USDHHS, 1996). Da Krebs in Deutschland die zweithäufigste Todesursache ist, liegen hier natürlich auch sehr viele Forschungsarbeiten vor, dennoch ist bei vielen Krebskrankheiten noch eine große Ungewissheit, ob sie in einem Zusammenhang mit Sport stehen. Lediglich das verminderte Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, scheint erwiesen zu sein.

Neben den oben genannten Auswirkungen sportlicher Aktivität auf das Herz- Kreislauf-System spielt laut Bös (2003) auch das Bewegungsorgan „ Muskulatur “ eine immer wichtigere Rolle in der präventiv-medizinischen Denkweise. Dies hat mehrere Gründe, zum einen sind bestimmte Muskeln für die Leistungsfähigkeit unseres Haltungsund Bewegungsapparates zuständig, auf dieses Thema werde ich in Kapitel 2.1.6, in dem ich die Folgen von Bewegungsmangel beschreibe, noch genauer eingehen, zum anderen hat regelmäßiges Training metabolische Wirkungen, also Auswirkungen, welche den gesamten Stoffwechsel des Körpers betreffen. Diese werde ich in Tabelle Tab.2 nach Bös (1998) auflisten.

Tab.2 Wirkungen von Sport durch das Bewegungsorgan ´Muskulatur´(nach Bös, 1998 und Knoll, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Effekte im Bereich des Muskelstoffwechsels (Zunahme des Mitochondrienvolumens, Verbesserung der Enzymaktivität der Muskulatur, Anstieg des Myoglobingehalts der Muskulatur, Vermehrung der intramuskulären energetischen Substrate) sind laut Bös (2003) und Knoll (1997) durch eine Reihe von Review-Arbeiten allesamt zufriedenstellend nachgewiesen. Der optimierte Muskelstoffwechsel verbessert die körperliche Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft und Kondition.

Auch der Nachweis, dass ein ausdauerndes Training eine Senkung des Gesamtcholesterins bewirkt und sich somit positiv auf den Fettstoffwechsel auswirkt ist laut Bös (2003) und Knoll (1997) bewiesen. Dass hier natürlich auch andere Faktoren wichtige Rollen spielen, wie zum Beispiel die Ernährung, ist selbstverständlich. Die Beeinflussung des Körpergewichts durch Sport ist auch dem Bereich des Fettstoffwechsels zuzuordnen, diese werde ich jedoch ebenfalls in Kapitel 2.1.6 genauer bearbeiten.

Dass regelmäßige, intensive körperliche Aktivität zu einer Senkung des Insulinspiegels und somit zu einer Steigerung des Glucose-Spiegels führt, ist empirisch belegt. Bös (2003) und Knoll (1997) sind sich auch einig, dass bei Typ-II- Diabetikern durch intensive Belastungen eine rehabilitierende Wirkung sichtbar wird. Auch auf die kardiovaskulären Risikofaktoren bei Diabetikern, wie Übergewicht, kann durch körperliches Training Einfluss genommen werden.

Auch die Verbesserung der Zusammensetzung der Knochensubstanz, als weiterer Einfluss körperlicher Aktivität, gilt als sehr wahrscheinlich, so Knoll (1997). Dies ist

deshalb eine wichtige Wirkung der sportlichen Bewegung, da diese somit Osteoporose präventiv vorbeugen kann.

Das aktive Sporttreiben hat also insgesamt betrachtet viele bedeutend wichtige Wirkungen auf unsere physische Gesundheit. Ein sportlicher Mensch, im Sinne von „regelmäßig aktiv Sport treibend“, hat demnach viele Risikofaktoren weniger und somit ein vermindertes Erkrankungsrisiko, als ein sportlich inaktiver Mensch.

Sowohl dass die vorzeitige Mortalität eines aktiven Menschen reduziert wird, als auch dass die Lebenserwartung höher wird, ist laut Knoll (1997) wissenschaftlich erwiesen, sie beruft sich auf eine Studie von Pfaffenbarger/Hyde/ing aus dem Jahr 1990, sowie Pfaffenberger et. al. (1994).

2.1.4 Psychische Bedeutung von Bewegung

Wie anfangs schon angedeutet ist die psychische Bedeutung von sportlicher Aktivität auf den Menschen weniger erforscht als die physische. Viele der Ergebnisse sind zwar scheinbar belegt, jedoch lange nicht so signifikant und in so hoher Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten bestätigt wie die physischen Bedeutungen. Dies soll aber nicht bedeuten, dass die physische Bedeutung des Sports weniger wichtig ist, so schreibt auch Gruppe (2007), dass die psychische Bedeutung des Sports besonders für Kinder elementar ist, da jeder Heranwachsende bestimmte Entwicklungsaufgaben meistern muss. So müssen die Jugendlichen besonders in der Pubertät lernen mit entwicklungsbedingten Veränderungen des eigenen Körpers, des körperlichen Wachstums, der veränderten Proportionen, der geschlechtlichen Reifung oder der körperlichen Leistungsfähigkeit umzugehen. Nachfolgend möchte ich alle wichtigen psychischen Auswirkungen des Sports auf den Menschen und im speziellen auf die Kinder zusammenfassen.

Laging (2000) weist darauf hin, dass alle Kinder von Geburt an einen Drang nach Bewegung haben. Bewegung ist somit eine grundlegende Tätigkeit eines Kindes in seiner Entwicklung. Die Grundlage dieser Bewegungslust, so schreibt er, ist die enge Beziehung von Wahrnehmung und Bewegung. Auch Mertens (2002) schreibt von einer engen Beziehung zwischen Wahrnehmung und Bewegung. So beschreibt er, dass alle Wahrnehmungen zu Veränderungen in der Bewegung führen und diese wiederum zu neuen Wahrnehmungen. Köppe (2003) knüpft daran an, er meint dass die Kinder vor allem bis ins Vorschulalter durch explorierendes und experimentierendes Umgehen von verschiedenen Materialien und Gegenständen viele motorische Erfahrungen sammeln. Diese Erfahrungen helfen dann, die Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der Handlungsobjekte und ihrer Umwelt zu verstehen. Bewegung fördert also auch die sinnliche Wahrnehmung von Kindern.

Auch ein grundlegendes Mittel von sportlicher Bewegung ist die Verstärkung des gefühlsmäßigen Erlebens (nach Balz, 2000) und das emotionale Lernen im Sport. Als emotionales Lernen bezeichnet Gruppe (2007, S105) „den Umgang und die Verarbeitung von Affekten, Gefühlen und Empfindungen, zum Beispiel Aggressionen und Leidenschaften“, dies wird besonders bei Ballsportarten und Mannschaftsspielen gefördert.

Ebenfalls eine wichtige Komponente des Sports im psychologischen Sinne, ist die positive Wirkung des Sports zur Stressbewältigung der Kinder. In der heutigen Gesellschaft, in der alles schneller gehen muss, so auch die Schulbildung mit dem neuen Turbo-Abitur, klagen viele Eltern über zu hohe Alltagsbelastungen ihrer Kinder und einem zu stressigen Tagesablauf - auch bedingt durch die vielen verschiedenen Hobbys ihrer Kinder. Sport kann hier optimal als Ausgleichsfaktor dienen und dazu beitragen, Stress abzubauen. Die Reduzierung von Stress steigert dann natürlich das Wohlbefinden des Kindes, um das es auch bei meinem nächsten Punkt geht.

Wie Anfangs in Kapitel 2.1.1 erwähnt erleben Menschen ihr Wohlbefinden oder Missbefinden zum Teil sehr unterschiedlich. Ist für den einen die Inaktivität und das Bequeme Quelle für Wohlbefinden, so schätzen andere die tägliche sportliche Aktivität und fühlen sich danach wohl. Wohlbefinden ist also sehr subjektiv und privat. Dennoch gibt es übereinstimmende Forschungsergebnisse, die Zusammenhänge zwischen Sportaktivität und Wohlbefinden belegen. Laut Gruppe (2007) werden hier vor allem amerikanischen Untersuchungen Beachtung geschenkt, welche in den 1980er Jahren positive Effekte von sportlichem Training auf das Selbstkonzept haben. Auch Knoll (1997) bestätigt, dass die größten Zusammenhänge zwischen Fitness und Selbstkonzept beziehungsweise Körperbild bestehen. Eine Theorie des Selbstkonzepts besagt nämlich, dass wer sein eigenes Körperkonzept verbessert im Hinblick auf seine Körperlichkeit zufriedener und ausgeglichener sein wird. Dies hat dann natürlich weiter Auswirkungen auf die Psyche des Menschen, so geht man davon aus, dass der Mensch dadurch unter anderem selbstbewusster wird und somit ein besseres Selbstbild hat (nach Gruppe 2007). Mertens (2002) ordnet ebenfalls den Erfahrungen, die Kinder mit ihrem Körper durch Bewegung machen, einen wichtigen Stellenwert zu. „Ob ein Kind Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat oder ob es diese nur gering einschätzt, ob es aktiv auf andere zu geht oder ob es sich eher abwartend verhält, ob es bei Schwierigkeiten schnell aufgibt oder sich geradezu herausgefordert fühlt“, all das ist abhängig von dem Selbstbild eines Kindes, welches ja wie oben angedeutet unter anderem auch von Bewegungserfahrungen beeinflusst wird (so Mertens, 2002, S.68).

Aus diesem Grund ist es ein wesentliches Ziel der Psychomotorik, die Eigentätigkeit der Kinder zu fördern, sie zu selbständigem Handeln anzuregen und somit die gesamte Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes zu unterstützen. Laging (2000) stellt sogar fest, dass häufige eigenständige Bewegung von Kindern die Selbständigkeit fördert.

Das oben genannte Wohlbefinden wird auch von dem Beschwerdeerleben beeinflusst, welches sich unter anderem darin äußert, dass Menschen über Kopf-, Gelenk-, Gliederoder Rückenschmerzen klagen, oder sich zum Beispiel müde, matt oder erschöpft fühlen (vgl. Fuchs, 2003). Es herrscht jedoch keine vom Arzt objektiv feststellbare körperliche Beeinträchtigung vor, deshalb zählt das Beschwerdeerleben zur seelischen beziehungsweise psychischen Gesundheit. Für die Personen, die unter solchem psychophysiologischen Missbefinden leiden, stellen diese oft große Belastungen dar. In ärztlichen Praxen werden diese Symptome dann meist etwas unscharf als psychosomatische Störungen diagnostiziert und der Betroffene leidet weiterhin. Sowohl Bös (1998) als auch Fuchs (2003) weisen aber auf Längsschnittstudien hin, bei denen Teilnehmer von Gesundheitssportprogrammen und sportlichen Aktivierungsprogrammen positive Veränderungen in ihrem wahrgenommenem Beschwerdestatus erleben. Sportliche Bewegung scheint sich also auch positiv auf unser Beschwerdeerleben auszuwirken.

Unverzichtbar auf unser Wohlbefinden wirkt sich auch die soziale Anbindung aus. Durch seine typischen Eigenschaften wie die Duz-Kultur, Gruppenerleben und die Vereinskultur leistet der Sport einen wichtigen Beitrag zur sozialen Einbindung des Einzelnen (nach Fuchs, 2003). Fühlt sich ein Kind in einer Gruppe wohl und ist es dort akzeptiert, so fühlt es sich auch in seiner Umwelt wohl und akzeptiert. Man spricht hier von sozialem Wohlbefinden. „Soziale Unterstützung und sozialer Rückhalt gelten heute als wichtige Ressourcen der Gesundheit und Gesunderhaltung“, so Bös (2006, S.370). Deshalb ist ein großes Ziel von Sport, den Kindern soziale Fähigkeiten zu vermitteln, wie zum Beispiel Teamfähigkeit oder Kritikfähigkeit.

Der letzte Punkt, der psychischen Bedeutung von Bewegung, sind die Auswirkungen von Sport auf das psychische Befinden, also die Stimmungslage. Hierbei unterscheidet man zwischen Stimmung und Gefühl. Fuchs (2003) ordnet die Stimmungen als eine Subkategorie der Gefühle ein, des Weiteren definiert er Stimmungen als eher unspezifisch, oft gar nicht bewusst wahrgenommene Erlebniszustände. Beispiele für Stimmung wären also „kleine Gefühlszustände“, wie Entspanntheit, Deprimiertheit, gute Laune oder Ärger. „Die großen Gefühle“, also Emotionen wären im Unterschied dazu Wut, Liebe, Hass, Trauer oder Angst. Diese Gefühle sind eher lang anhaltend und hinsichtlich ihrer Erlebnisqualität spezifischer. In der Forschungspraxis sind Gefühle von Emotionen jedoch laut Fuchs (2003) oft schwer zu trennen, so dass eine klare Abgrenzung oftmals nicht möglich ist.

Sowohl Fuchs (2003), Knoll (1998) als auch Bös & Brehm (1998, 2006) sind sich darüber einig, dass Sport positiven Einfluss auf unsere Stimmung und unsere Gefühle hat. Bös & Brehm gehen dabei auf eine Reihe von Reviews zurück, welche kurzfristige Effekte auf die aktuelle Stimmungslage beziehungsweise aktuelle Befindlichkeit bestätigen. Insgesamt sind sich die drei Autoren darüber einig, dass gewisse sportliche Betätigung Auswirkungen auf die Stimmung, die Angst und Depression hat. So ist laut Fuchs (2003) für sportlich Aktive das Risiko an einer Depression zu leiden geringer und für körperlich Inaktive die Wahrscheinlichkeit höher irgendwann eine Depression zu entwickeln. Sport hat also eine antidepressive Wirkung.

Bei dem Gefühlszustand Angst unterscheidet man zwischen der Zustandsangst und der Eigenschaftsangst. Die Zustandsangst ist eine, in einer bestimmten Situation auftretende, momentane Angstreaktion. Die Eigenschaftsangst oder auch Ängstlichkeit ist dagegen eine überdauernde Neigung einer Person, viele Situationen als bedrohlich einzuschätzen und somit Angst zu haben. Die Effekte von körperlicher Aktivität auf die Zustandsangst sind wohl am besten nachgewiesen, so schreibt Fuchs (2003, S.87) von einer „signifikanten Reduzierung der Zustandsangst bei intensiv ausgeführter aerober Aktivität“. Ebenfalls stellt Fuchs (2003) eine Metaanalyse vor, welche günstige Effekte von regelmäßig ausgeübter Sportaktivität auf die dispositionelle Angst, also die Eigenschaftsangst hat. Dieser Effekt zeigt sich sowohl bei Männern, Frauen, Kindern, Jugendlichen und Alten, ebenso ist egal ob der Proband eine gute oder eine schlechte Fitness besitzt.

2.1.5 Bedeutung für die kindliche Entwicklung

In diesem Abschnitt möchte ich die oben genannten physischen und psychischen Auswirkungen von sportlicher Bewegung zum Teil kurz wiederholen und vor allem die wichtige Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung erläutern.

Wenn man von Entwicklung spricht, so geht Dordel (2007) von der quantitativen und der qualitativen Entwicklung aus. Während die quantitative Entwicklung Wachstumsprozesse meint, die mit Volumenzunahmen des Organismus verbunden sind, so handelt es sich dagegen um eine qualitative Entwicklung, wenn man von Reife-, Differenzierungs-, Lernoder Sozialisationsprozessen spricht.

Die motorische Entwicklung bei Kindern wird heute weitgehend durch den interaktionistischen Ansatz erklärt (nach Dordel, 2007). Er geht davon aus, dass die Kinder die Gestalter ihrer eigenen Entwicklung sind, was bedeutet „dass sich motorische Entwicklung durch aktives Handeln eines Individuum in einer Personen-Umwelt- Interaktion vollzieht“, so Dordel (2007, S239). Das Kind nimmt also zum einen durch sein eigenständiges Handeln Einfluss auf seine Umwelt und zum anderen passt es sich in seinem Verhalten der personalen und materiellen Umwelt an.

Schott und Munzert (2003) sehen das Erlernen und Ausführen von motorischen Aufgaben als lebenslange Herausforderung, die bereits im Säuglingsund Kleinkindalter beginnt. Wie auch bereits in Kapitel 2.1.4 angedeutet erschließen sich Kinder gerade über Bewegung die Welt. Kleinkinder strecken sich und strampeln, sie krabbeln auf allen Vieren und entdecken so ihre Umgebung und versuchen nach allem Möglichen zu greifen. Bewegen, Fühlen und Denken fügen sich in ihrer Erfahrung zusammen. Im Kindergarten toben die Kleinen auf dem Spielplatz, balgen miteinander oder rennen um die Wette. Mädchen und Jungen tanken so auf spielerische Weise Lebensfreude und fördern nebenbei ihre körperliche Entwicklung.

Bewegung dient deshalb laut Dordel (2007) als Katalysator zum Fortschreiten der körperlichen Entwicklung. Insbesondere der Bewegungsapparat erhält durch aktive sportliche Bewegung die nötigen Reize für seine Entwicklung. Ebenso verbessert die Bewegung der Kinder verschiedene Sinne wie zum Beispiel den Gleichgewichtssinn. Die Sensomotorik, bezeichnet das Zusammenspiel von sensorischen und motorischen Leistungen. Damit ist die unmittelbare Steuerung und Kontrolle der Bewegungen von Lebewesen aufgrund von Sinnesrückmeldungen gemeint, also das Zusammenspiel der Sinnessysteme mit den motorischen Systemen. Die Sensomotorik wird laut Dordel (2007) ebenfalls vor allem im Vorschulund Grundschulalter durch Bewegung gefördert und verbessert, so ist bei Grundschulkindern noch häufig zu sehen, dass sie ihre Stimmungslage (innere Bewegung) durch spezielle Körperhaltungen (äußere Bewegung) unbewusst darstellen. Auch bei Kleinkindern beziehungsweise Säuglingen, die die Sprache noch nicht beherrschen ist Bewegung eine wichtige Möglichkeit zur Kommunikation.

Die in Kapitel 2.1.4 angesprochenen Wirkungen auf das Selbstkonzept sind für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern entscheidend. Wahrnehmung und Bewegung gelten in der Psychomotorik als eine der entscheidenden Parameter in der kindlichen Entwicklung. Mit der Zunahme des Aktionsradius von Kindern (zum Beispiel durch Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule) werden die Möglichkeiten Erfahrungen zu sammeln und selbständig zu werden umfangreicher (nach Dordel, 2007). Demeter (1981) bezeichnet vor allem das Vorschulalter als das „goldene Alter der Kindheit“, welches „für die Ausformung der menschlichen Persönlichkeit ausschlaggebend ist“. Laut Dordel (2007) trifft diese Aussage aber durchaus auch noch für das frühe Schulkindalter zu. Gemeint sind hier wie in Kapitel 2.1.4 schon erwähnt vor allem, dass mit dem zunehmenden Gewinn an Bewegungssicherheit der Kinder die Selbstsicherheit, das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit zunehmen.

Mit Eintritt in die Schule wird der Bewegungsdrang von Kindern jedoch oftmals drastisch eingedämmt, nach einer Analyse von 1000 Bewegungstagebüchern von Grundschulkindern, konstatiert Bös (2006), dass ein durchschnittliches Grundschulkind pro Tag 9 Stunden liegt, 9 Stunden sitzt, 5 Stunden steht und sich nur noch 1 Stunde bewegt. Im folgenden Kapitel möchte ich mich deshalb den viel diskutierten Folgen von Bewegungsmangel widmen.

2.1.6 Folgen von Bewegungsmangel

Unter Bewegungsmangel versteht man ein sich langsam entwickelndes Defizit an körperlicher Betätigung beziehungsweise körperlichem Training. In der Öffentlichkeit wird häufig davon ausgegangen, dass bei Bewegungsmangel automatisch der Kalorienverbrauch geringer ist als die Kalorienzufuhr, dies muss aber nicht zwingend sein, da in diesem Fall die Ernährung die noch höhere Einflussgröße ist.

Bewegungsmangel kann die Vitalität des Körpers reduzieren und krank machende Prozesse auslösen, welche dass im Genauen sind möchte ich in diesem Kapitel erläutern. Bewegungsmangel an sich ist also keine Erkrankung, sondern ein erwiesener gesundheitlicher Risikofaktor, der die Entstehung von verschiedenen Erkrankungen und Schwächen unseres Körpers fördert. Je früher Bewegungsmangel im Lebensalter einsetzt, desto stärker kann er die Entstehung von Krankheiten begünstigen, deshalb ist es besonders wichtig schon die Kinder zum Sporttreiben zu animieren. Auf die Ursachen von Bewegungsmangel bei Kindern möchte ich erst im nächsten Kapitel eingehen, der sich mit der veränderten Kindheit in Deutschland beschäftigt.

Die erste Auswirkung, mit der ich mich beschäftigen werde ist, dass Kinder durch zu wenig Bewegung übergewichtig beziehungsweise sogar fettleibig (adipös) werden. Diese Aussage wird so oder ähnlich von den Medien verbreitet und deshalb so auch von dem Großteil der Bevölkerung akzeptiert, mit einer großen Überschrift titelt zum Beispiel die Zeitschrift „Stern“ (05/04): „Dicke Kinder durch Bewegungsmangel!“ Weiter heißt es in dem Artikel: „Dass viele Kinder an Übergewicht leiden ist keine Folge von zu üppigem Essen, sondern von viel zu wenig Bewegung“.

Wissenschaftlich ist man aber heutzutage der Ansicht, die beiden Hauptrisikofaktoren übergewichtig zu werden, sind Bewegungsmangel aber auch mindestens genauso die Fehlernährung. Die Kinder müssen sich also bewusst gesund ernähren und sich genügend bewegen, damit ihr Kalorienhaushalt im Gleichgewicht steht. Alarmierende Fakten legt Zapf (2006) vor, laut denen 23% der Schulanfänger (Kinder zwischen 5-7 Jahren) in Kiel als übergewichtig gelten und die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen und Kinder stetig ansteigt. Näheres zu solchen Statistiken werde ich im nächsten Kapitel schreiben. Doch Übergewicht, aus dem sich häufig Adipositas entwickelt, ist wiederum ein Risikofaktor für sich und hat demnach mehrere ungesunde Begleiterscheinungen. Die WHO stuft Adipositas deshalb nach Zapf (2006, S441) als „chronische Krankheit mit eingeschränkter Lebensqualität“ ein.

Folgende Begleiterkrankungen können nach Zapf (2006) mit Fettleibigkeit in Verbindung gebracht werden:

- Bluthochdruck
- Depression
- Schlaganfall
- Sodbrennen
- Fettstoffwechselstörungen
- Fettleber
- Herzinfarkt
- Wirbelsäulenleiden
- Dickdarmkrebs
- Diabetes mellitus 2
- Gallenblasenerkrankungen
- Gicht
- Angina pectoris

Die aufgezählten Begleiterkrankungen können zum Teil schon in jüngeren Jahren auftreten. Das Risiko an einer der Krankheiten zu leiden ist bei Adipositas- Patienten um ein vielfaches höher als bei einem Normalgewichtigen. Umso länger man also an Adipositas leidet umso wahrscheinlicher ist es, an einer Begleiterkrankung zu erkranken, eine präventive Gesundheitserziehung der Kinder ist daher also unabdingbar wichtig.

Das Herz-Kreislauf-System wird nach Rusch & Weineck (2007) durch zu wenig sportliche Bewegung ebenfalls geschwächt, wie in Kapitel 2.1.3 angedeutet ist regelmäßiges Sporttreiben immens wichtig zur Aufrecherhaltung eines gesunden kardiovaskulären Systems. Bluthochdruck, Kapillarverengungen und somit die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls wären Folgeerscheinungen.

Kreislaufprobleme, die sich vor allem in Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen Zeigen, sind ebenfalls auf zu wenig Bewegung zurückzuführen.

Bewegungsmangel wirkt sich auch negativ auf das Atemsystem aus. So haben untrainierte Schüler eine weniger ökonomische Atmung und weniger Atmungsreserven, die zu einer insgesamt niedrigeren Leistung des Atmungssystems führen und dadurch zu Engpässen in der Sauerstoffversorgung führen können. Atemnot, Übelkeit, Kreislaufschwäche und bronchiale Probleme, aber auch Asthma wären mögliche Folgeerscheinungen (nach Rusch & Weineck, 2007).

Auch verschiedene Arten von Haltungsschwächen gelten als Folge von Bewegungsmangel. Die häufigsten Haltungsschwächen entwickeln sich nach Heipertz (1984) im kindlichen Lebensalter zwischen 5 und 7 Jahren, da dies der Zeitpunkt des ersten Gestaltwandels ist. Aus diesem Grund sollten sich Kinder in dieser Phase viel bewegen. Das Becken richtet sich in dieser Zeit auf und es bilden sich die natürlichen Wirbelsäulenschwingungen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Zum Bewegungsstatus von Primarstufenschülern
Untertitel
Vergleichende Erhebungen an Schülern aus Oberschwaben und Berlin
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
109
Katalognummer
V118719
ISBN (eBook)
9783656388982
ISBN (Buch)
9783656389866
Dateigröße
1433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewegungsstatus, Primarstufenschülern, Sport, Fitness, Gesundheit, Medienkonsum, Adipositas, Migrationshintergrund, Berlin, Oberschwaben, Studie, Schule
Arbeit zitieren
Florian Goerigk (Autor), 2008, Zum Bewegungsstatus von Primarstufenschülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118719

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