Digital Divide. Digitale Ungleichheit als Implikator für soziale Ungleichheit?


Hausarbeit, 2018

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Soziale Ungleichheit in Theorien der Informations- und Wissensgesellschaft

2 Gegenwärtige Ungleichheitsentwicklung und die Rolle des Internets

3 Distinktionsprozesse und die These der digitalen Spaltung

4 Soziologisches Modell zur Erklärung der digitalen Ungleichheit
4.1 Auf der Makroebene
4.2 Auf der Mikroebene
4.3 Von der Mikro- auf die Makroebene

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Internet als digitales Medium ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es fungiert in unserer modernen Gesellschaft als Quelle für Informationen, Unterhaltung in Form von Musik, Videos, Fotos usw. und macht eine soziale Vernetzung auf dafür vorgesehenen Plattformen möglich. Das Internet wird einerseits als demokratisierend sowie vernetzend gesehen und würde den Wissensstand heben, auf der anderen Seite würde es aber auch die Mächtigen stärken, zur Vereinsamung fuhren und dumm machen. Was auch immer auf einen persönlich davon zutrifft - Fakt ist: das Internet nimmt erheblichen Einfluss auf das individuelle Leben und stellt den Einzelnen in den Mittelpunkt - so heißt es. Damit nimmt das Internet aber auch gleichzeit auch Einfluss auf die Gesellschaft und ihre sozialen Strukturen. Die Gesellschaft ist wiederum geprägt von Ungleichheitsprozessen, die sich in bestimmten sozialen Schichtungen äußern und nur schwer aufbrechbar scheinen. Mit dem Zugang zum Internet könnten nun also die Weichen für mehr Beteiligung an gesellschaftlichen und politischen Prozessen gestellt sein, die im Internet verfügbaren Informationen könnten zu Wissenszuwachs verhelfen und neue H a n d 1 u n g s m ö g 1 i c h k e i t e n eröffnen.

Entscheidend dafür ist nachweislich nicht die Ressource Internet, sondern viel mehr der Umgang damit und die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung für das Internet, die sich daraus ergibt. Möglicherweise gibt es nämlich einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und dem Nutzungsverhalten bezüglich des Internets. Sicherlich ist es kein großer Akt, „ins Internet zu gehen“ und dort nach Informationen zu suchen, aber wie die gezielte Wissensbeschaffung zu bestimmten Themen, die für spezielle Lebenswirklichkeiten interessant erscheinen und wie bzw. ob sich aus der Wissensbeschaffung nützliche Handlungsoptionen ergeben, ist an dieser Stelle die eigentliche Problematik. Ist es denkbar, dass die ungleiche Herangehensweise bezüglich der Mediennutzung dafür sorgt, dass ohnehin schon bestehende soziale Ungleichheiten verschärft werden? Sollte das der Fall sein, ist die nächste Frage, ob und inwiefern sich die beiden Phänomene - digitale Ungleichheit und soziale Ungleichheit - gegenseitig bedingen. Um dieser Frage nachzugehen, wird im Folgenden zunächst die Perspektive einer Informations- und Wissensgesellschaft eingenommen, um

aufzuzeigen, inwiefern sich eine soziale Ungleichheit diesbezüglich beschreiben lässt. Darauffolgend werden gegenwärtige Ungleichheitsentwicklungen beleuchtet und aufgezeigt, welche Rolle dem Internet dabei zugeschrieben wird. In einem weiteren Abschnitt werden Distinktionsprozesse und die These der digitalen Spaltung weiter in die Thematik einfuhren, bis letztlich ein soziologisches Erklärungsmodell zur digitalen Ungleichheit aufzeigt, welche Ungleichheitsprozesse auf der Mikro- und Makroebene stattfinden.

In einem Fazit werden die Erkenntnisse zusammengetragen und in den Kontext zur sozialen Ungleichheit gesetzt, wobei hier letztendlich die Frage nach der Verschärfung dieser durch die digitale Ungleichheit zu beantworten versucht wird.

1 Soziale Ungleichheit in Theorien der Informations- und Wissensgesellschaft

Die soziale Ungleichheit beschreibt gesamtgesellschaftlich betrachtet ungleiche Zugänge bzw. eine unterschiedliche Möglichkeit zur Teilhabe an bestimmten Ressourcen, die als knapp und wichtig verstanden werden. Diese ungleiche Teilhabe ergibt sich daraus, dass Menschen entweder regelmäßig mehr oder regelmäßig weniger als andere von diesen gesellschaftlichen Ressourcen Gebrauch machen können - „Soziale Ungleichheit im weiteren Sinne liegt überall dort vor, wo die Möglichkeiten des Zugangs zu allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und/ oder zu sozialen Positionen, die mit ungleichen Macht- und/ oder Interaktionsmöglichkeiten ausgestattet sind, dauerhafte Einschränkungen erfahren und dadurch die Lebenschancen der betroffenen Individuen, Gruppen oder Gesellschaften beeinträchtigt bzw. begünstigt werden“ (Kreckel 2004:17). Wohlstand, Bildung, Sicherheit, Gesundheit und individuelle Autonomie würden beispielsweise zu den wichtigen gesellschaftlichen Ressourcen gehören, an denen der Mensch als Teil der Gesellschaft unterschiedlich stark partizipieren kann (vgl. Zillien 2009: 29).

Der Übergang von der Industriegesellschaft zur postindustriellen Gesellschaft war von einer Verlagerung von Güterproduktionen hin zu Dienstleistungen geprägt. Zwei weitere Merkmale dieser Zäsur waren weiterhin, dass theoretisches Wissen als neues gesellschaftsstrukturierendes Prinzip galt und „intellektuellen

Technologien“ (Theunert 2010: 66) eine wachsende Bedeutung zukam. Das wissenschaftliche Wissen war nun entscheidend für die nachindustrielle Gesellschaft - „In der westlichen Gesellschaft sind die zwei wichtigsten Schichtungsachsen Eigentum und Wissen“ (Bell 1976: 53). Wissen wird zum Bestimmungsfaktor der gesellschaftlichen Schichtung und Schulbildung somit wichtiger als je zuvor, da in der nachindustrillen Gesellschaft Eigentum und Herkunft inzwischen durch individuelle Bildungsanstrengungen und Talent ersetzt würden (vgl. Theunert 2010: 66). Ca. 30 Jahre später entwarf Manuel Castell das Konzept einer sogenannten Netzwerkgesellschaft. Dieses war gekennzeichnet durch ein neues technologisches Paradigma, wobei das Netzwerk an sich eine Form der sozialen Organisation darstellen würde. Diese Organisation sei flexibel, anspassungs- und entwicklungsfähig, und ließe sich mithilfe der Informations- und Kommunikationstechnologien realisieren (vgl. Theunert 2010: 66). In diesen Netzwerken sind Inklusions- und Exklusionsmechanismen enthalten, weshalb allein deshalb schon zu vermuten ist, dass diese der Motor für Ungleichheiten sein könnten. Individuen, die einen bestimmten Nutzen erbringen, dabei anpassungs- und lernfähig sind, stehen hierbei einfachen, jeder Zeit entbehrlichen Arbeitskräften gegenüber. Es kommt somit zum „[...] Wachstum auf der einen und Niedergang auf der anderen Seite [...]“ (Theunert 2010: 68). Somit lässt sich also, wie vermutet, eine sozialstrukturelle Ungleichheit festhalten, die dabei tendenziell ansteigt.

Bildung nahm und nimmt weiterhin einen zentralen Stellenwert ein, wenn es um die Entwicklung einer bestimmten gesellschaftlichen Schichtungsordnung geht. „Bildung ist die Schlüsselqualifikation des Arbeitsmarktes; von Bildung ausgeschlossene Personen werden im informationellen Kapitalismus an den Rand gedrängt.“ (ebd.). Trotz der weiterhin bestehenden Exklusionsmechanismen, die sich innerhalb einer Netzwerkgesellschaft verbergen, gibt es allerdings auch die Möglichkeit, vom passiven Akteur zum aktiven Mitgestalter gesellschaftlicher Strukturen, die durchaus von Ungleichheit geprägt sind, zu werden. Somit wäre es also auch möglich, qua individueller Durchsetzungskraft, aktiv einen Status zu erwerben. Neben den wachsenden Einflussmöglichkeiten einzelner Individuen und Gruppen muss stets die gesellschaftliche Schichtung nach Maßgabe der Intelligenz der Individuen, wie bereits aufgeführt, berücksichtigt werden (vgl. Degele 2000: 39).

Zusammenfassend lässt sich zunächst festhalten, dass es steigende Einflussmöglichkeiten Einzelner gibt, so auch derjenigen, die bisher einer niedrigeren sozialen Schicht zugeschrieben wurden. Jedoch wird soziale Ungleichheit durch den bzw. im Umgang mit neuen Technologien, dem Wissen und den Informationen ganz klar angekurbelt. Welche Rolle dabei das Internet spielt, wird im Folgenden beleuchtet.

2 Gegenwärtige Ungleichheitsentwicklung und die Rolle des Internets

„Die Informations- und Wissensgesellschaft ist technologie-, informations- und wissensbasiert, komplex, unübersichtlich, globalisiert, vernetzt, kommunikationsintensiv, angebotsreich, enttraditionalisiert, zunehmend anonymisiert und erfordert selektives und flexibles Handeln“ (Zillien 2009: 56). Bezogen auf die Nutzung des Internets nehmen all diese Charakteristika, die die Informations- und Wissensgesellschaft, in der wir leben, beschreiben, an Gewichtung zu. Als Symptom aller derzeitig stattfindenden Ungleichheitsprozesse in der Gesellschaft lässt sich in diesem Kontext die digitale Ungleichheit nennen. Gerade die zuvor genannte Komplexität und Unübersichtlichkeit sind mitunter Auslöser für ungleiche Zugänge zu der Nutzung des Internets. Direkte Erfahrungen werden im gegenwärtigen Medienzeitalter der Informations­und Wissensgesellschaft immer weniger tatsächlich gemacht oder erlebt, weshalb die mediale Informationsvermittlung und der damit einhergehende Wissenserwerb immer bedeutsamer werden - Wissen wird also zum Stratifikationsfaktor. Neben diesem Wissen wird auch das sogenannte Kulturkapital zur effektiven Mediennutzung immer wichtiger - eine nähere Erläuterung dazu folgt im weiteren Verlauf.

Festhalten lässt sich also vorerst, dass Informations- und Wissenstechnologien, zu denen auch das Internet zählt, womöglich Entwicklungen sozialer Ungleichheit dadurch antreiben, dass Wissen nun Dimensionen wie Herkunft, Geschlecht oder Alter mit höherer Gewichtung gegenübersteht und damit die Frage aufgeworfen werden muss, „[...] ob sich also die soziale Position primär durch individuelle (Informations- und Wissens-)Leistung ergibt“ (Zillien 2009: 57) und diese soziale Position demzufolge nicht mehr durch gesellschaftliche Zuweisung geschieht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Digital Divide. Digitale Ungleichheit als Implikator für soziale Ungleichheit?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V1187633
ISBN (eBook)
9783346626660
ISBN (Buch)
9783346626677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digital divide, digitale Ungleichheit, soziale Ungleichheit, Digitalisierung
Arbeit zitieren
Patricia Mäder (Autor:in), 2018, Digital Divide. Digitale Ungleichheit als Implikator für soziale Ungleichheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187633

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