Diese Arbeit beschäftigt sich mit der praktischen Arbeit des Brandenburger Jugendamtes bezüglich der Umsetzung des §35a SGB VIII. Dies wird durch Fallbeispiele verdeutlicht und es werden Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Eine intensive Beschäftigung mit der Thematik des §35a SGB VIII, mit den Prozessen im Jugendamt und mit der praktischen Arbeit verdeutlichen die Notwendigkeit eines Konzeptes zur Anwendung des §35a SGB VIII.
Der Bereich der Eingliederungshilfe im Brandenburger Jugendamt ist aktuell mit einer Vollzeitstelle besetzt. In den vergangenen Jahren wurde ein stetiger Anstieg der Fallzahlen verzeichnet, die Multiproblemfamilien nehmen zu. Steigende Fallzahlen machen es erforderlich, dass der Bereich strukturiert wird, da das Arbeitspensum kaum mehr zu bewältigen ist. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass ein handhabbares Konzept erarbeitet wird, welches klare Vorgaben, Richtlinien und Festlegungen enthält.
Um die aktuelle Praxis zu untersuchen, ist es zuvor notwendig, die Ziele des §35a SGB VIII zu bestimmen, den §35a SGB VIII rechtlich einzuordnen und das Vokabular zu definieren. Des Weiteren wird das Brandenburger Jugendamt mit seinen Fachgebieten vorgestellt und die Verhältnisse der Zusammenarbeit mit den einzelnen Institutionen und Fachbereiche dargestellt. Zusätzlich soll die Darstellung der verschiedenen Hilfearten dem Leser ein übergreifendes Grundverständnis bezüglich der Eingliederung nach §35a SGB VIII verschaffen.
Im Hauptteil beschäftigt sich die Arbeit mit der praktischen Umsetzung des §35a SGB VIII. Durch Fallbeispiele wird die Praxis verdeutlicht. Einzelne Handlungsschritte werden reflektiert und die aktuelle Arbeitsweise betrachtet.
Ziel dieser Arbeit ist die kritische Betrachtung der Anwendung des §35a SGB VIII im Jugendamt und die Ableitung von Handlungsempfehlungen in Form von Konzeptvorschlägen.
Inhaltsverzeichnis
1 Schwerpunkt und Abgrenzung der Arbeit
2 Definition Eingliederungshilfe §35a SGB VIII
3 Zielstellung der Eingliederungshilfe §35a SGB VIII
4 Rechtliche Grundlagen
4.1 Rechtliche Einordnung der Eingliederungshilfe §35a SGB VIII
4.2 Sozialrechtliche Einordnung
5 Begriffserklärungen
5.1 Behinderung
5.2 Seelische Behinderung
5.3 Teilhabe am Leben in der Gesellschaft
6 Darstellung des Brandenburger Jugendamtes
6.1 Aufgaben der Fachkräfte des Jugendamtes
6.2 Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)/ Kern- ASD
6.3 Mitwirkung der Jugendhilfe im Jugendgerichtlichen Verfahren (Jhjgv)
6.4 Amtsvormund/ Amtspfleger
6.5 Pflegekinderdienst (Pkd)
7 Verhältnisse der Zusammenarbeit zur Umsetzung des §35a SGB VIII
7.1 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit dem Kern-ASD
7.2 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit dem Sozialamt
7.3 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit dem Bildungssystem
7.4 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit der Bundesagentur für Arbeit
7.5 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit dem Rentenversicherungsträger
7.6 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit dem Unfallversicherungsträger
7.7 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit der gesetzlichen Krankenkasse
7.8 Verhältnis der Zusammenarbeit der Eingliederungshilfe mit Trägern/ Lerntherapeuten
8 Hilfearten nach §35a SGB VIII
8.1 Schulbegleitung
8.2 Lerntherapie
8.3 Autismuspezifische Förderung
8.4 Persönliches Budget
8.5 Weitere Hilfearten
9 Aufgaben und Leistungen der Eingliederungshilfe §35a SGB VIII im Jugendamt/ Praxis und Handhabung
9.1 Praxisbeispiel: Erstkontakt
9.2 Reflexion der Praxis Erstkontakt
9.3 Praxisbeispiel: Antragsverfahren
9.4 Reflexion der Praxis Antragsverfahren
9.5 Praxisbeispiel: Anforderung von Stellungnahmen/ Gutachten
9.6 Reflexion der Praxis Anforderung von Stellungnahmen/ Gutachten
9.7 Praxisbeispiel: Gesprächsvorbereitung
9.8 Reflexion der Praxis Gesprächsvorbereitung
9.9 Praxisbeispiel: Auswertung Gutachten
9.10 Reflexion der Praxis Auswertung Gutachten
9.11 Praxisbeispiel: Beratung/ Gespräch zum Antrag
9.12 Reflexion der Praxis Beratung/ Gespräch zum Antrag
9.13 Praxisbeispiel: Verabredungen
9.14 Reflexion der Praxis Verabredungen
9.15 Praxisbeispiel: Auswertung Stellungnahmen
9.16 Reflexion der Praxis Auswertung Stellungnahmen
9.17 Praxisbeispiel: Entscheidungsfindung
9.18 Reflexion der Praxis Entscheidungsfindung
9.19 Praxisbeispiel: Teamberatung zum Antrag
9.20 Reflexion der Praxis Teamberatung zum Antrag
9.21 Praxisbeispiel: Hilfegewährung
9.22 Reflexion der Praxis Hilfegewährung
9.23 Praxisbeispiel: Verwaltungsarbeit zur Hilfegewährung
9.24 Reflexion der Praxis Verwaltungsarbeit zur Hilfegewährung
9.25 Praxisbeispiel: Hilfeplanverfahren gem. §36, 37 SGB VIII
9.26 Reflexion der Praxis Hilfeplanverfahren gem. §36, 37 SGB VIII
9.27 Praxisbeispiel: Beendigung
9.28 Reflexion der Praxis Beendigung
9.29 Praxisbeispiel: Verwaltungsarbeit zur Beendigung
9.30 Praxisbeispiel: Widerspruchsverfahren
9.31 Reflexion der Praxis Widerspruchsverfahren
10 Zusammenfassende Praxisreflexion und abgeleitete Handlungsempfehlungen
11 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzung des § 35a SGB VIII im Brandenburger Jugendamt. Ziel ist es, durch die Analyse von realen Fallbeispielen und Reflexion der aktuellen Arbeitsprozesse Handlungsempfehlungen in Form eines Konzeptentwurfs zu erarbeiten, um die Qualität, Transparenz und Effizienz der Fallbearbeitung zu verbessern.
- Rechtliche Grundlagen und sozialrechtliche Einordnung der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche.
- Strukturelle und prozessuale Analyse der Arbeitsweise innerhalb eines Brandenburger Jugendamtes.
- Fallbasierte Untersuchung des Antrags- und Hilfegewährungsverfahrens, inklusive der interdisziplinären Zusammenarbeit.
- Kritische Reflexion der aktuellen Praxis sowie Entwicklung von Optimierungsvorschlägen für eine partizipative und am Einzelfall orientierte Hilfe.
Auszug aus dem Buch
9.1 Praxisbeispiel: Erstkontakt
Familie M
Die Kindesmutter Frau M rief im Januar 2011 im Jugendamt an. Die Schule hatte Ihr empfohlen sich an das Jugendamt zu wenden und einen Schulbegleiter zu beantragen. Sie wurde mit der zuständigen Sozialarbeiterin verbunden. Dort schilderte Frau M kurz die Probleme Ihres Sohnes. Ihr Sohn Julius hat keine Freunde in der Schule, er zieht sich stark zurück, beteiligt sich kaum am Unterricht, hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) und eine Hörbeeinträchtigung. Die zuständige Sozialarbeiterin nahm die Daten des Kindes auf und die Adresse. Des Weiteren notierte Sie sich kurz das Anliegen der Frau M. Wie üblich wurde Frau M kurz über den grundlegenden Anspruch nach §35a SGB VIII informiert. Das heißt die Kindesmutter wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass Hilfen nach §35a SGB VIII nur gewährt werden, wenn zum einen von entsprechenden Fachpersonal die seelische Behinderung festgestellt wurde oder zumindest die Bedrohung eben dieser und zum anderen, wenn eine Teilhabe in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Der Familie M. wurde am folgenden Tag wie vereinbart ein Elternbrief (siehe Anlage 2), der Antrag (siehe Anlage 3) und Schweigepflichtentbindungen zugesandt. Der Vermerk über die Anfrage kam in einen Ordner, welcher für alle Anfragen und Beratungen ohne Antrag vorgesehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Schwerpunkt und Abgrenzung der Arbeit: Einführung in das Thema und Erläuterung der Zielsetzung, die praktische Arbeit des Brandenburger Jugendamtes bei der Umsetzung des §35a SGB VIII zu untersuchen.
2 Definition Eingliederungshilfe §35a SGB VIII: Darstellung der rechtlichen Einordnung der Eingliederungshilfe zur Unterstützung bei drohender oder vorhandener seelischer Behinderung.
3 Zielstellung der Eingliederungshilfe §35a SGB VIII: Erläuterung der Zielsetzung, durch Hilfen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern und das psychische Gleichgewicht wiederherzustellen.
4 Rechtliche Grundlagen: Detaillierte Betrachtung der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Eingliederungshilfe sowie der Einordnung als Rehabilitationsträger.
5 Begriffserklärungen: Definition der zentralen Begriffe wie Behinderung, seelische Behinderung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft im Kontext der rechtlichen Bestimmungen.
6 Darstellung des Brandenburger Jugendamtes: Vorstellung der Aufgaben und Strukturen des Jugendamtes sowie der verschiedenen Fachbereiche wie ASD und Pflegekinderdienst.
7 Verhältnisse der Zusammenarbeit zur Umsetzung des §35a SGB VIII: Analyse der Kooperation zwischen dem Jugendamt und externen Stellen wie Krankenkassen, Bildungseinrichtungen und anderen Rehabilitationsträgern.
8 Hilfearten nach §35a SGB VIII: Überblick über das Spektrum verfügbarer Hilfemaßnahmen, einschließlich Schulbegleitung, Lerntherapie und weiteren Unterstützungsformen.
9 Aufgaben und Leistungen der Eingliederungshilfe §35a SGB VIII im Jugendamt/ Praxis und Handhabung: Detaillierte Darstellung von Fallbeispielen (Familie M und J) sowie Reflexion der einzelnen Arbeitsschritte vom Erstkontakt bis zum Widerspruchsverfahren.
10 Zusammenfassende Praxisreflexion und abgeleitete Handlungsempfehlungen: Zusammenführung der Erkenntnisse aus der Fallanalyse zur Entwicklung eines verbesserten Konzeptes für die Fallbearbeitung.
11 Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Implementierung des Konzeptes sowie zukünftige Entwicklungen im Arbeitsfeld.
Schlüsselwörter
Eingliederungshilfe, SGB VIII, §35a, Jugendamt, Seelische Behinderung, Teilhabe, Sozialarbeit, Fallbeispiel, Hilfeplanung, Kooperation, Schulbegleitung, Lerntherapie, Antragsverfahren, Partizipation, Konzeptentwurf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der praktischen Umsetzung und Handhabung des § 35a SGB VIII zur Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche im Rahmen der Tätigkeit eines Brandenburger Jugendamtes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Feldern gehören die rechtliche Einordnung des Anspruchs, die Struktur des Jugendamtes, die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, die verschiedenen Hilfearten sowie die praktische Fallbearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist eine kritische Reflexion der gegenwärtigen Arbeitsprozesse im Jugendamt anhand von Fallbeispielen, um daraus ein optimiertes Konzept zur Bearbeitung von Eingliederungshilfeanträgen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und nutzt eine qualitative Reflexion der Praxis anhand konkreter Fallbeispiele, um Stärken und Schwächen des aktuellen Verwaltungsablaufs zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Darstellung des Jugendamtes, der Kooperationsbeziehungen zu anderen Trägern, der Beschreibung verschiedener Hilfearten sowie der systematischen Analyse des gesamten Prozesses von der Antragsstellung bis zur Beendigung einer Hilfe.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Eingliederungshilfe, § 35a SGB VIII, Fallbearbeitung, Sozialpädagogik im Jugendamt, Partizipation und Hilfeplanung.
Warum ist laut der Autorin ein Konzeptentwurf für die Arbeit notwendig?
Aufgrund der steigenden Fallzahlen und der komplexen Aufgaben im Jugendamt fehlt es derzeit an verbindlichen Richtlinien, was zu ineffizienten Arbeitsprozessen, langen Bearbeitungszeiten und mangelnder Transparenz für die Familien führt.
Welche Rolle spielt die Partizipation der Kinder und Jugendlichen im vorgeschlagenen neuen Ablauf?
Die Autorin betont, dass Kinder und Jugendliche als Experten ihrer eigenen Lebenslage aktiv in den Hilfeprozess einbezogen werden müssen, um passgenaue Unterstützung zu gewährleisten und ihre Akzeptanz für die Hilfe zu erhöhen.
Was ist die Kernkritik an der aktuellen Praxis der Antragsbearbeitung?
Die aktuelle Praxis ist durch unvollständige Anträge, mangelnde Beteiligung der Leistungsberechtigten und eine langsame Bearbeitung gekennzeichnet, was die betroffenen Familien in ohnehin belastenden Lebenssituationen zusätzlich erschwert.
- Arbeit zitieren
- Maxi Pfeiffer-Barth (Autor:in), 2013, Anwendung des §35a SGB VIII im Jugendamt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187690