Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, darzustellen, inwiefern Sprache, insbesondere in Bezug auf Mehrsprachigkeit einen Einfluss auf die Identitätsentwicklung hat. Es wird herausgearbeitet, was die Zusammenführung mehrerer Kulturen in eine Identität für Auswirkungen haben kann. Der Fokus in dieser Arbeit liegt auf der kindlichen Identitätsbildung im Hinblick auf kindliche Mehrsprachigkeit mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache in Deutschland. Um dieses Ziel zu erreichen, wird im zweiten Kapitel das Verständnis der Begriffe Erstsprache oder Muttersprache, Zweitsprache sowie Mehrsprachigkeit und Identität erläutert. Nach der theoretischen Verortung folgt im dritten Kapitel eine Skizze der kindlichen Sprachentwicklung. Dazu werden zuerst Grundzüge des Erstspracherwerbs erläutert und anschließend wird der kindliche Zweitspracherwerb aufgegriffen. An dieser Stelle wird unterschieden zwischen simultanem und sukzessivem Zweitspracherwerb. Im darauffolgenden Kapitel wird die gegenseitige Bedingung der Sprache und Identität thematisiert. Es wird untersucht, inwiefern die Erst- und Zweitsprache jeweils für die Identitätsentwicklung von Relevanz sind. Im Anschluss daran wird die multilinguale Identität aufgegriffen. In dem Kapitel werden Risiken und Chancen, die die Mehrsprachigkeit in Bezug auf die Identitätsbildung hervorbringen kann, aufgeführt. Es wird untersucht, inwieweit die Mehrsprachigkeit identitätsbedrohend oder -stiftend sein kann. Abschließend folgt die Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit im Fazit und dadurch wird die der Arbeit zugrundeliegende Fragestellung beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Verortung
2.1 Das Verständnis von Erstsprache/Muttersprache
2.2 Das Verständnis von Zweitsprache
2.3 Das Verständnis von Mehrsprachigkeit
2.4 Das Verständnis von Identität
3 Kindliche Sprachentwicklung
3.1 Der Erstspracherwerb und seine Phasen
3.2 Der Zweitspracherwerb
3.2.1 Der simultane Zweitspracherwerb
3.2.2 Der sukzessive Zweitspracherwerb
4 Wechselbeziehung von Sprache und Identität
4.1 Die Bedeutung der Erstsprache in Bezug auf die Identitätsentwicklung
4.2 Die Bedeutung der Zweitsprache in Bezug auf die Identitätsentwicklung
4.3 Multilinguale Identität
4.3.1 Identitätsbedrohende Multilingualität
4.3.2 Identitätsstiftende Multilingualität
5 Fazit / Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht den Einfluss von Mehrsprachigkeit auf die Identitätsentwicklung von Kindern im deutschen Kontext. Das Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen dem Erwerb mehrerer Sprachen und der kindlichen Persönlichkeitsbildung zu analysieren, wobei der Fokus insbesondere auf der Rolle von Deutsch als Zweitsprache liegt.
- Grundlegende Begriffsdefinitionen zu Sprache, Mehrsprachigkeit und Identität.
- Phasen und Mechanismen des kindlichen Erst- und Zweitspracherwerbs.
- Analyse der identitätsbedrohenden Effekte durch exklusive Bildungssysteme und Diskriminierung.
- Identitätsstiftende Potenziale und die Entwicklung einer hybriden, multilingualen Identität.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Bedeutung der Erstsprache in Bezug auf die Identitätsentwicklung
Die Identitätsentwicklung erfolgt in dem Wechselspiel zwischen der kognitiven, sprachlichen sowie interaktiven Entwicklung (vgl. Wie Kinder sprechen lernen, 2002). Im Identitätsprozess hat die Sprache eine Schlüsselrolle (vgl. Lüdi, 2003). Bereits zum Zeitpunkt der Geburt werden Babys durch die Interaktion mit den Eltern in der Identitätsbildung beeinflusst (vgl. Wie Kinder sprechen lernen, 2002). Sowohl Sprache als auch Körperkontakt ist in dem Zusammenhang ein wichtiger Faktor (vgl. ebd.). Eltern sollten schon ab der Geburt mit ihren Babys sprechen und auf die Kommunikationsangebote des Kindes reagieren (vgl. ebd.). Wenn Eltern auf die Interaktionsangebote des Kindes, wie zum Beispiel das Schreien, Weinen oder Lächeln Reaktionen zeigen, helfen sie dem Kind, „erste rudimentäre Vorstellungen vom eigenen ‚auftauchenden Selbst‘“ (Wie Kinder sprechen lernen, 2002, S. 33) zu entwickeln.
Allein durch den Klang und der Stimmführung lernen Kinder die Gefühle und Stimmungen zu verstehen, bevor sie selbst sprechen können (vgl. ebd.). Durch das verlässliche Interagieren mit den Eltern verspüren Kinder Gefühle wie zum Beispiel Sicherheit, Liebe und Geborgenheit, was dazu führt, dass das Urvertrauen entwickelt wird (vgl. ebd.). In der Interaktion zwischen dem Kind und den Eltern werden „Klangfarben, Melodien und Modulationen“ (Wie Kinder sprechen lernen, 2002, S. 34) erzeugt, die dem Kind das Gefühl der Geborgenheit geben. Eltern lernen relativ schnell nach der Geburt, welche Klangfarbe und welche Melodie der Stimme das Kind beruhigt (vgl. ebd.). So passen Eltern sich dem Kind an und gleichzeitig passen „[…] Babys ihre Bewegungen dem Rhythmus der elterlichen Stimmen [an] […].“ (Wie Kinder sprechen lernen, 2002, S. 34). Das ist ein Beweis dafür, dass die Erstsprache in der Entwicklung des Kindes eine besondere Rolle spielt (vgl. ebd.). Es ist die konkrete Sprache, die die Bindung zwischen Eltern und Kind festigt und die mit ihrem Klang das gemeinsame Verstehen mit den Eltern ermöglicht (vgl. ebd.). Durch die Sprechweise wird eine positive Beziehung zu dem Kind aufgebaut; somit geht die Erstsprache auch mit Bindungserfahrungen einher und hat eine intimitätsstiftende Funktion (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Mehrsprachigkeit und Identität sowie Darlegung der Relevanz für das Bildungssystem.
2 Theoretische Verortung: Definition zentraler Begriffe wie Erstsprache, Zweitsprache, Mehrsprachigkeit und Identität zur einheitlichen Grundlage der Arbeit.
3 Kindliche Sprachentwicklung: Überblick über die Phasen des Erstspracherwerbs sowie Differenzierung zwischen simultanem und sukzessivem Zweitspracherwerb.
4 Wechselbeziehung von Sprache und Identität: Untersuchung, wie Erst- und Zweitsprache die Identitätsbildung positiv oder negativ beeinflussen können, einschließlich der Analyse von Linguizismus und hybriden Identitätsformen.
5 Fazit / Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Plädoyer für eine wertschätzende, mehrsprachigkeitsorientierte pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Identitätsentwicklung, Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb, Sprache, Bildungswissenschaften, Identität, Interkulturalität, Linguizismus, Code-Switching, Kindheit, Familiensprache, Migration, Pädagogik, plurielle Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss von Mehrsprachigkeit auf die kindliche Identitätsbildung und untersucht, welche Bedeutung Sprachen für die Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstbildes haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Spracherwerbsprozesse, die emotionale Bindung an die Erstsprache, die Herausforderungen durch den Erwerb einer Zweitsprache sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Einstellungen wie Linguizismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache als „Drehscheibe“ der Identität fungiert und welche Bedingungen notwendig sind, damit mehrsprachige Kinder eine positive, hybride Identität entwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung aktueller pädagogischer sowie sprachwissenschaftlicher Fachdiskurse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der kindlichen Sprachentwicklung und eine detaillierte Untersuchung der Wechselwirkung von Sprache und Identität unter Berücksichtigung von Risiken und Chancen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mehrsprachigkeit, Identitätsentwicklung, Erst- und Zweitspracherwerb, kulturelle Identität und die Rolle der pädagogischen Fachkräfte sind die bestimmenden Begriffe.
Welche Rolle spielt die Erstsprache für die Bindung?
Die Erstsprache ist eng mit dem familiären Bindungsgefüge und Urvertrauen verknüpft; sie hat eine intimitätsstiftende Funktion und bildet das Fundament für die Identitätsbildung.
Was bedeutet „identitätsbedrohende Multilingualität“?
Damit sind Prozesse gemeint, bei denen soziale Ausgrenzung, Diskriminierung von Herkunftssprachen oder der Zwang zur Assimilation bei Kindern zu Identitätskrisen und einem geringen Selbstwertgefühl führen können.
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- Gamze Soykan (Autor), 2021, Der Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die kindliche Identitätsbildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187790