In dieser Arbeit wird die Frage, wieso die Ungleichheit zwischen Mensch und Tier legitimiert ist, woher diese Legitimation stammt und wie sich diese Legitimation auf durch statistische Diskriminierung bedingte soziale Ungleichheiten wie Rassismus auswirkt, herausgearbeitet. Hierfür soll zunächst der Begriff des Speziesismus und dessen Entstehung unter Rücksicht anfänglicher wichtiger und prägender Theorien erläutert werden. Darauf folgend sollen die Erscheinungsformen die Grundlage ebnen, um die abgebildeten Erklärungsansätze zu definieren. In Abschnitt 3 wird schließlich unter Berücksichtigung sozialer Ungleichheit Bezug zu Rassismus genommen und schließlich der Zusammenhang und die Wichtigkeit des Speziesismus zu diesem Thema herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Speziesismus
2.1 Zum Begriff
2.2 Erscheinungsformen
2.3 Erklärungsansätze
3 Speziesismus & Rassismus in Bezug zu soziale Ungleichheiten
3.1 Definition 'Soziale Ungleichheit'
3.2 Bezugnahme
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Speziesismus als eine Form der Diskriminierung und setzt dieses in den Kontext soziologischer Theorien zur sozialen Ungleichheit, um die menschliche Dominanz über Tiere kritisch zu hinterfragen.
- Historische und begriffliche Herleitung des Speziesismus
- Analyse der Objektivierung und Instrumentalisierung von Tieren in der Gesellschaft
- Vergleich von Speziesismus mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus und Sexismus
- Untersuchung der Rolle soziologischer Definitionen von sozialer Ungleichheit im Mensch-Tier-Verhältnis
Auszug aus dem Buch
2.1 ZUM BEGRIFF
Das Wort Speziesismus (Spezies = Art) wurde zum ersten Mal von dem britischen Psychologen und Autor Richard D. Ryder in seinem 1970 veröffentlichten Flugblatt verwendet. Das Phänomen der auf Darwins Theorie beruhende Akzeptanz von biologischer Gleichheit zwischen Menschen und anderen Tieren1 wird in Ryders Schreiben in Bezug auf die totale Distinktion auf moralischer Ebene hinterfragt.
»If all organisms are on one physical continuum, then we should also be on the same moral continuum.« (Ryder 2010, S.1)
Peter Singer - ein australischer Philosoph - griff diesen Ansatz der ungleichen moralischen Behandlung gleicher Lebewesen auf und behandelte das Thema der Ungleichheit bzw. Gleichheit zwischen Mensch und Tier drei Jahre später in seinem Buch 'Animal Liberation', welches heute noch als Vorläufer der Tierethik und des Tierrechtsaktivismus gilt.
»Speciesism [...] is a prejudice or attitude of bias in favor of the interests of members of one’s own species and against those of members of other species.« (Singer 1975, S.6)
Er geht von der unleugbaren Tatsache aus, dass Menschen von Grund auf verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben, hierbei handele es sich jedoch nicht den Wert, an welchem der moralische Umgang gemessen werden sollte (vgl. Singer 2013, S. 52 ff.). Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Interesse, welches ausschlaggebend für eine gleichwertige Behandlung von Individuen - Mensch und Tier - ist. Dieses Interesse basiere auf der Fähigkeit des Leidens, welche nicht nur Menschen sondern auch Tiere besitzen.
»A mouse, for example, does have an interest in not being kicked along the road, because it will suffer if it is. « (Singer 1975, S.8)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des hohen Fleischkonsums und der daraus resultierenden systematischen Ausbeutung von Tieren ein und stellt die Forschungsfrage nach der Legitimierung dieser sozialen Ungleichheiten.
2 Speziesismus: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Speziesismus, analysiert seine Erscheinungsformen in der modernen Gesellschaft sowie die theoretischen Erklärungsansätze für die menschliche Vorherrschaft.
3 Speziesismus & Rassismus in Bezug zu soziale Ungleichheiten: Das Kapitel definiert den Begriff der sozialen Ungleichheit soziologisch und zieht Parallelen zwischen der Diskriminierung von Tieren und anderen sozialen Ausgrenzungsmechanismen wie Rassismus.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Notwendigkeit, das Tier als Opfer gesellschaftlicher Strukturen in soziologische Analysen einzubeziehen, um soziale Ungleichheiten umfassend zu begreifen.
Schlüsselwörter
Speziesismus, soziale Ungleichheit, Diskriminierung, Tierethik, Objektivierung, Mensch-Tier-Verhältnis, Rassismus, Nutztierhaltung, Soziologie, Moral, Herrschaftsverhältnisse, Marginalisierung, Ausbeutung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse des Speziesismus und untersucht, wie die systematische Diskriminierung von Tieren als Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse und sozialer Ungleichheit verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Speziesismus, die historische Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung, die Mechanismen der Objektivierung sowie den Vergleich mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Legitimierung der Ungleichheit zwischen Mensch und Tier kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie diskriminierende Strukturen das Leid von Tieren in der modernen Gesellschaft aufrechterhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, in der soziologische und ethische Konzepte (u.a. von Ryder, Singer, Regan und Horkheimer) zusammengeführt und auf die aktuelle Mensch-Tier-Problematik angewandt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret thematisiert?
Der Hauptteil beleuchtet die begrifflichen Grundlagen des Speziesismus, analysiert die alltägliche sowie industrielle Objektivierung von Tieren und setzt diese in Bezug zu soziologischen Theorien der sozialen Ungleichheit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Speziesismus, soziale Ungleichheit, Diskriminierung, Tierethik, Objektivierung und Mensch-Tier-Verhältnis definieren.
Warum wird der Begriff des 'Holocausts der Tiere' angeführt?
Die Autorin nutzt diesen kontroversen Vergleich, um die strukturellen Analogien zwischen den Herrschaftsverhältnissen über Menschengruppen und der systematischen Ausbeutung und Vernichtung von Tieren in der modernen Industrie zu verdeutlichen.
Wie definiert die Autorin die Rolle des Menschen gegenüber dem Tier?
Das Tier wird oft als subjektloses Objekt der industriellen Verwertung wahrgenommen, wobei der Mensch seine vermeintliche biologische Überlegenheit nutzt, um ein hierarchisches System der Ausbeutung zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Laura Scheckenbach (Autor:in), 2020, Diskriminierung als Mechanismus sozialer Ungleichheit. Speziesismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187794