Im Folgenden wird durch die vorliegende Hausarbeit versucht zu veranschaulichen, welche soziologischen Hintergründe zu der deutlichen Unterscheidung des Fleischkonsums zwischen Frauen und Männern in westlichen, industrialisierten Gesellschaften führen könnten. Es soll anhand dieser Vergeschlechtlichung verdeutlicht werden, wie Essverhalten sozial konstruiert wird und nicht nur ein rein biologischer Prozess ist.
Um einen genaueren Blick auf einzelne Mechanismen und die derzeitigen Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts werfen zu können, wird in Kapitel 1 auf den historischen Kontext des Mensch/Tier*-Verhältnisses und der damit zusammenhängende Fleischkonsums eingegangen. Hierbei geht es darum aufzuzeigen, dass bereits im antiken Griechenland der Umgang mit Tieren und der Konsum deren Fleischs im Diskurs war und von großen Denken thematisiert wurde. Daraufhin wird die Entwicklung im Mittelalter, welche bekannt dafür war, dass sie Tiere deutlich von Menschen abgrenzte und somit eine Objektivierung der Tiere weit verbreitet war. Der Blick auf das 19. Und 20. Jahrhundert bringt nicht nur einen Umschwung in der Emanzipation der Frau, sondern auch im Umgang und dem Stellenwert des Tiers, doch durch die Industrialisierung und der damit zusammenhängende Wohlstand
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Hauptteil
3.1 Das Mensch/Tier-Verhältnis im historischen Kontext
3.2 Gründe wieso Männer eher zu Fleisch greifen als Frauen
3.2.1 Anti-Diskriminierung
3.2.1.1 Definition Speziesismus
3.2.1.2 Zusammenhang Speziesismus und Sexismus
3.2.2 Wie Medien den Diskurs und somit Realität schaffen
3.2.2.1 Geschichtlicher Werdegang: Fleischkonsum und Männlichkeit
3.2.2.2 Fleischkonsum und Männlichkeit heute: Diskursanalyse
3.2.2.2.1 Tierisches Protein für einen männlichen Körper
3.2.2.2.2 Grillen als Distinktionsmittel
3.2.2.2.3 Frauen entscheiden affektiv
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe für den ungleich verteilten Fleischkonsum zwischen Frauen und Männern in westlichen, industrialisierten Gesellschaften. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fleischkonsum als soziales Konstrukt fungiert und nicht bloß ein biologischer Prozess ist, wobei insbesondere die Rolle von Medien und Diskursen bei der Etablierung geschlechtsspezifischer Ernährungsnormen beleuchtet wird.
- Historische Entwicklung des Mensch-Tier-Verhältnisses
- Soziologische Verknüpfung von Sexismus und Speziesismus
- Einfluss von Medien auf die Realitätsbildung bezüglich Geschlechterrollen
- Fleischkonsum als Werkzeug zur Identitätsstiftung und Distinktion
- Analyse von Männlichkeitskonstruktionen durch Ernährungsmedien
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1 Geschichtlicher Werdegang: Fleischkonsum und Männlichkeit
Während sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf Anti-Diskriminierungswegen viel getan hat, änderte sich ebenfalls das Verhältnis von Fleischkonsum und Geschlecht. Wo vorher Fleisch als soziales Distinktionsmittel zwischen Klassen und Schichten wirkte, wird es nun vergeschlechtlicht. Dies hatte unter anderem damit zu tun, dass sich die Vorstellung biologischer Notwendigkeiten veränderte. So schreibt Ole Fischer in seinem Artikel ‚Männlichkeit und Fleischkonsum – historische Annäherung an eine gegenwärtige Gesundheitsthematik“, dass der Frau biologisch bedingt eine eher fleischlose Kost zugutekommen würde, welche nicht nur ihrem von dem Manne unterschiedlichen Verdauungstrakt verschuldet sei, sondern auch dem geringen Stoffwechsel (Fischer 2015, S. 51). Der Mann hingegen bekam das Bild des starken Anführers, welcher seine Stärke und Muskelkraft durch das tierische Protein erlangen würde, suggeriert, aber auch des Arbeiters, welcher aufgrund der Arbeitsbedingungen eine hohe Nachfrage an Energiezufuhr hatte.
Dieses Bild verdeutlicht nicht nur ein weiteres Mal, dass die Identitätsbildung durch die oder den Anderen stets eine wichtige Rolle in einer weiblich/männlichen Gesellschaft spielt, hier wird außerdem veranschaulicht, dass Nahrung als Legitimationsmittel der männlichen Hegemonie eine äußerst effektive Methode ist. Dass die Biologie als unveränderliche Instanz den Frauen eine untergeordnete Rolle zuordnet, welche sie in eine Situation versetzt, die genauso unveränderbar scheint, verdeutlicht wie aussichtslos eine solche Diskriminierungs und Herrschaftsform wirkte. Gerade in Zeiten der Emanzipation kann dies als großer Rückschlag erfasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
2 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des ungleichen Fleischkonsums bei jungen Männern und Frauen ein und stellt die soziologische Fragestellung sowie das methodische Vorgehen vor.
3 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das Mensch-Tier-Verhältnis im Wandel der Geschichte, verknüpft Speziesismus mit Sexismus und untersucht mittels Diskursanalyse, wie Medien Fleischkonsum als männlich konstruieren.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Fleischkonsum in westlichen Gesellschaften ein soziales Distinktionsmittel ist, welches durch mediale Produktion geschlechtsspezifische Rollenbilder und eine Spaltung zwischen Frauen und Männern zementiert.
Schlüsselwörter
Fleischkonsum, Geschlecht, Männlichkeit, Soziale Konstruktion, Speziesismus, Sexismus, Diskursanalyse, Ernährungssoziologie, Mensch-Tier-Verhältnis, Identitätsstiftung, Distinktionsmittel, Medienanalyse, Vegetarismus, Veganismus, Frauenrechtsbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologischen Gründe für das unterschiedliche Fleischkonsumverhalten von Frauen und Männern in westlichen, industrialisierten Gesellschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Mensch-Tier-Verhältnis, die Konstruktion von Männlichkeit durch Ernährung sowie die Rolle der Medien bei der Aufrechterhaltung traditioneller Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die soziologischen Hintergründe der "Vergeschlechtlichung" von Fleischkonsum zu ergründen und aufzuzeigen, wie Essverhalten sozial konstruiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze der Diskursanalyse, um die mediale Repräsentation von Fleischkonsum in Lifestyle-Zeitschriften kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den historischen Kontext der Mensch-Tier-Beziehung, die theoretische Verknüpfung von Sexismus und Speziesismus sowie aktuelle mediale Diskurse, die Fleisch als männliches Statussymbol etablieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fleischkonsum, soziale Konstruktion, Männlichkeit, Sexismus, Speziesismus und Diskursanalyse charakterisiert.
Wie korrelieren Männlichkeit und Fleischkonsum laut dieser Analyse?
Medien vermitteln das Bild, dass Männlichkeit durch Stärke definiert wird, welche angeblich nur durch den Konsum von tierischem Protein erreicht werden kann, wodurch Fleisch als Distinktionsmittel fungiert.
Welche Rolle spielen Online-Zeitschriften wie "Men's Health" oder "Women's Health"?
Diese Medien dienen als Beispiele für die Realitätsproduktion, indem sie Männern Fleisch als notwendigen Energielieferanten präsentieren, während sie Frauen eher zu einer affektiven, ethisch begründeten Reduktion des Fleischkonsums anregen.
- Citation du texte
- Laura Scheckenbach (Auteur), 2021, Fleischkonsum als soziales Konstrukt. Wieso Männer mehr Fleisch konsumieren als Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187799