Ein Grossteil des deutschen Linen- und Charterflugverkehrs wird von 18 internationalen Verkehrsflughäfen bedient. Der Luftverkehr ist dabei als ein Wachstumsmarkt anzusehen. So hat das Passagieraufkommen allein während der Jahre 2002 (136 Mio.) bis 2005 (166 Mio.) um 33% zugenommen. Wie die spätere Analyse aufzeigen wird, ist häufig die öffentliche Hand alleiniger Besitzer oder zumindest Mehrheitseigentümer von Flughäfen. Da die Regulierungen auf Länderebene vollzogen werden, ist der Regulierer von Flughäfen somit auch gleichzeitig der Eigentümer. Dieses hat zu Folge, dass Flughäfen politischen Interessen ausgesetzt sind, was in betriebs- und volkswirtschaftlicher Betrachtungsweise zu suboptimalen Management- und Investitionsentscheidungen führen kann. Insbesondere in einem zunehmendenden Wettbewerb zwischen den internationalen (Hub-)Flughäfen kann dieses zu drastischen und nachhaltigen Wettbewerbsnachteilen führen. Das System Flughafen steht gestiegenen Anforderungen gegenüber und in vielen anderen Ländern konnten schon Erfolge und Wohlfahrtsgewinne durch Privatisierung und Re-Regulierung erreicht werden. Es stellt sich daher die Frage, in wieweit diese Optionen auch für deutsche Flughäfen sinnvoll bzw. notwendig geworden sind. Insbesondere mit Blick auf die mangelnde Rentabilität, die viele Flughäfen aufweisen, ist sowohl die derzeitige Struktur der Flughäfen als auch die Ausweitung der Anzahl der Flughäfen kritisch zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 MARKTMACHT UND REGULIERUNGSPOTENTIALE
2.1 Grundlagen
2.2 Marktmacht
3 EIGENTUMSVERHÄLTNISSE UND REGULIERUNG IN DEUTSCHLAND
3.1 Leistungsbereiche und Vertragsbeziehungen
3.2 Struktur der Umsatzerlöse
3.3 Eigentümerstrukturen
3.4 Derzeitige Regulierung
4 DEREGULIERUNG DES LUFTVERKEHRMARKTES
4.1 Phasen der Deregulierung im US-amerikanischen Luftverkehr
4.2 Phasen der Deregulierung im europäischen Luftverkehr
5 PRIVATISIERUNGSVARIANTEN
6 AUSBLICK
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Privatisierung deutscher Verkehrsflughäfen vor dem Hintergrund eines zunehmenden Wettbewerbsdrucks. Ziel ist es, unter Analyse der derzeitigen Eigentümerstrukturen und Regulierungspraxis zu beurteilen, ob eine Privatisierung zur Steigerung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Effizienz beitragen kann.
- Analyse der Marktmacht und des Regulierungspotenzials von Flughäfen.
- Untersuchung der Eigentümerstrukturen und der aktuellen Regulierung in Deutschland.
- Vergleich der Deregulierungsprozesse im US-amerikanischen und europäischen Luftverkehrsmarkt.
- Bewertung verschiedener Privatisierungsformen (Voll- vs. Teilprivatisierung) und deren Auswirkungen auf die Effizienz.
Auszug aus dem Buch
3.1 Leistungsbereiche und Vertragsbeziehungen
Auf einem Flughafen gibt es verschiedene Akteure und Leistungsbereiche, die durch Austausch- und Vertragsbeziehungen miteinander verbunden sind. Im Zentrum des Aviation-Bereichs steht die Flughafengesellschaft, die über die Start- und Landebahnnutzungsrechte direkte Vertragsbeziehungen zu den Luftverkehrsgesellschaften hat. Darüber hinaus hat Sie über die Leistungsbereiche Terminal, Betriebsinfrastruktur, Verkehrsanbindung sowie den kommerziellen Aktivitäten auch Austausch- und Vertragsbeziehungen zu allen anderen Akteuren des Flughafensystems. Sie ist somit die betriebswirtschaftliche Entscheidungsinstanz und Inhaber sämtlicher Verfügungsrechte am Flughafen, wobei der Handlungsspielraum gegebenenfalls durch staatliche Regulierung eingeschränkt werden kann. Im Mittelpunkt des Non-Aviation-Bereichs steht der Konzessionäre Einzelhandel, der bspw. Einzelhandelgeschäfte, Autovermietung und Hotelservice umfasst. Wie die Beziehungen der Akteure und Leistungsbereiche im Einzelnen aufgeteilt sind, ist der nachfolgenden Abbildung 2 zu entnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das Wachstum des deutschen Luftverkehrs und die Problematik der dominierenden öffentlichen Hand als Eigentümer und Regulierer, was zu ineffizienten Managemententscheidungen führen kann.
2 MARKTMACHT UND REGULIERUNGSPOTENTIALE: Dieses Kapitel differenziert zwischen Märkten mit und ohne Marktmacht und begründet die Notwendigkeit einer Regulierung bei Monopolmärkten wie Flughäfen zur Vermeidung von Wohlfahrtsverlusten.
3 EIGENTUMSVERHÄLTNISSE UND REGULIERUNG IN DEUTSCHLAND: Der Hauptteil analysiert die komplexen Vertragsbeziehungen auf Flughäfen, die strukturelle Bedeutung der Non-Aviation-Erlöse und kritisiert die ineffektive aktuelle Regulierungspraxis gemäß LuftVZO.
4 DEREGULIERUNG DES LUFTVERKEHRMARKTES: Hier werden die historischen Deregulierungsschritte im US-amerikanischen und europäischen Markt dargestellt, die zu mehr Wettbewerb, aber auch zu Konzentrationsprozessen und neuen Unternehmensformen führten.
5 PRIVATISIERUNGSVARIANTEN: Das Kapitel vergleicht verschiedene Modelle der Privatisierung, beleuchtet Vor- und Nachteile von Voll- und Teilprivatisierungen und gibt Handlungsempfehlungen für die strategische Ausrichtung deutscher Flughäfen.
6 AUSBLICK: Der Ausblick resümiert, dass Privatisierung eine Chance zur Effizienzsteigerung bietet, sofern der Wettbewerb nicht durch Monopolbildung eingeschränkt wird und eine adäquate Regulierung parallel erfolgt.
Schlüsselwörter
Flughafenprivatisierung, Luftverkehrsmarkt, Marktmacht, Regulierung, Aviation-Bereich, Non-Aviation-Bereich, Kostenzuschlagsregulierung, Price-Cap-Regulierung, Teilprivatisierung, Vollprivatisierung, Infrastruktur, Wettbewerbsdruck, Eigentümerstruktur, Effizienzsteigerung, Verkehrsflughafen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Deregulierung und Privatisierung von Verkehrsflughäfen in Deutschland als Antwort auf den zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Marktmacht von Flughäfen, die ökonomischen Vorteile der Privatisierung, die bestehende Regulierungspraxis sowie internationale Erfahrungen aus den USA und Europa.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit eine Privatisierung deutscher Flughäfen sinnvoll oder notwendig ist, um die wirtschaftliche Effizienz zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse ordnungspolitischer Rahmenbedingungen, vergleicht internationale Privatisierungsansätze und wertet Strukturdaten von Flughäfen aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Eigentümerstrukturen, der Verschiebung von Erlösen hin zum Non-Aviation-Bereich sowie der theoretischen Einordnung verschiedener Regulierungs- und Privatisierungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Flughafenprivatisierung, Marktmacht, regulatorischer Rahmen und Effizienzsteigerung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Regulierungssituation bei verschiedenen Flughafentypen?
Die Arbeit zeigt, dass Primär- und Sekundärflughäfen aufgrund ihrer Marktmacht anders betrachtet werden als kleine Tertiär- oder Quartiärflughäfen, bei denen das Regulierungspotenzial geringer ist.
Warum wird das Hold-up-Problem im Kontext der Privatisierung erwähnt?
Das Hold-up-Problem wird angeführt, um zu verdeutlichen, dass eine Teilprivatisierung unter Beteiligung der öffentlichen Hand bestimmte Planungssicherheiten bieten und Informationsasymmetrien reduzieren kann.
Welche Rolle spielen die Non-Aviation-Erlöse für die Strategie der Flughäfen?
Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie höhere Margen erzielen und Flughäfen dazu veranlassen, sich zu sogenannten "Airport Cities" mit starkem Einzelhandels- und Immobiliengeschäft zu entwickeln.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Handlungsempfehlungen?
Der Autor empfiehlt für große Flughäfen meist eine Teilprivatisierung mit ex-ante Regulierung, während für kleinere Flughäfen andere Ansätze wie Monitoring oder Vollprivatisierung sinnvoller sein können.
- Quote paper
- Diplom Kaufmann, MBA Sven Löhr (Author), 2007, Deregulierung des Luftverkehrs am Beispiel der Privatisierung von Flughäfen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118788