Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu beleuchten, weshalb Zahlungsverkehrsdienstleister eine so bedeutende Rolle spielen und die Dienstleistungen der Banken von Migranten weniger häufig genutzt werden. Nach der Einleitung werden in Kapitel 2 aufgrund der genannten Problematik zunächst Rücküberweisungen thematisiert. Es wird aufgezeigt, aus welchen Zielländern das meiste Kapital abfließt und welche Herkunftsländer wiederum die größten Volumina erhalten. Anschließend wird in Kapitel 3 das Geschäftsmodell der Zahlungsdienstleister vorgestellt. Seine Vorteile gegenüber einer üblichen Überweisung, die bei einer konventionellen Bank stattfindet, werden identifiziert. In diesem Rahmen wird auch untersucht, welche Gebühren bei grenzüberschreitenden Überweisungen anfallen.
Ebenso wird in diesem Kapitel darauf eingegangen, wie sich die Transaktionsvolumina und die Umsätze ausgewählter Anbieter verteilen. Darauffolgend werden in Kapitel 4 die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Rücküberweisungen untersucht. Abgeschlossen wird die Arbeit in Kapitel 5 mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten von Rücküberweisungen. Die mit ihrer gelb-schwarzen Farbe auffallenden Vertriebsstellen von Western Union, die an fast allen Bahnhöfen und Flughäfen weltweit zu finden sind, sind heute allgemein bekannt. Dies ist jedoch nur eines der Unternehmen von vielen im internationalen Zahlungsverkehr, deren Dienstleistung es Migranten ermöglicht, Kapital in ihr Heimatland zu schicken. Während der Markt hierfür in der Vergangenheit insbesondere durch Western Union und MoneyGram dominiert wurde, drängen heute zunehmend auch Fintechs auf ihn, um einen Anteil für sich zu gewinnen.
Das Unternehmen Wise, das bis zur Umbenennung unter dem Namen Transferwise firmierte, sticht unter diesen hervor: Wise ist im Vergleich zu Western Union relativ neu auf dem Markt und zählt mit einem Marktwert von fünf Milliarden US-Dollar dennoch bereits zu den wertvollsten Fintechs in Europa. Während Überweisungen innerhalb der Eurozone über die SEPA kostengünstig und in kurzer Zeit stattfinden, ist die Lage bei Auslandsüberweisungen, die meist in Entwicklungsländer außerhalb der Eurozone fließen, anders: Dienste konventioneller Banken werden hierfür nicht präferiert und Migranten greifen auf das Angebot von Zahlungsverkehrsdienstleistern zurück, das mit erheblichen Kosten verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Rücküberweisungen von Migranten und deren Bedeutung für einkommensschwache Haushalte
3 Zahlungsdienstleister als Konkurrenz zu traditionellen Banken in der Finanzbranche
3.1 Die Funktionsweise des Geschäftsmodells von Zahlungsverkehrsdienstleistern
3.2 Analyse der bedeutendsten Zahlungsverkehrsdienstleister und deren globale Relevanz
4 Auswirkung der COVID-19-Pandemie auf die Rücküberweisungen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wachsende Bedeutung von internationalen Zahlungsverkehrsdienstleistern für Migranten, da diese im Gegensatz zu klassischen Banken eine kostengünstige und zugängliche Alternative für Rücküberweisungen in Entwicklungsländer bieten. Dabei wird insbesondere die Rolle von Unternehmen wie Wise und Western Union analysiert, um zu verstehen, wie Fintechs den Markt verändern und welche Auswirkungen externe Schocks, wie die COVID-19-Pandemie, auf das Volumen der Geldströme haben.
- Analyse der Funktionsweise internationaler Zahlungsverkehrsdienstleister
- Vergleich der Gebührenstrukturen von Banken und spezialisierten Anbietern
- Untersuchung der globalen Relevanz von Rücküberweisungen für einkommensschwache Haushalte
- Wettbewerbsanalyse zwischen traditionellen Marktführern und digitalen Fintechs
- Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das Volumen und die Kanäle von Rücküberweisungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Analyse der bedeutendsten Zahlungsverkehrsdienstleister und deren globale Relevanz
Die Marktkonzentration im Zahlungsdienstleistungssektor ist hoch und die Branche wird von wenigen Unternehmen dominiert. Western Union ist aktuell mit einem Transaktionsvolumen von ca. 90 Mrd. US-Dollar der Marktführer, inzwischen gefolgt vom im Vergleich relativ neuen Unternehmen Wise. Mit einem Transaktionsvolumen von 45 Milliarden US-Dollar lässt Wise konventionelle Banken wie JPMorgan Chase, Bank of America und die Citibank bei grenzüberschreitenden Überweisungen hinter sich. Es folgen die Unternehmen Ria und MoneyGram, die in Bezug auf das Transaktionsvolumen unter den Top fünf rangieren. Anhand der Umsätze der Zahlungsdienstleister, die insbesondere durch Gebühren generiert werden, wird es jedoch deutlich, dass das Unternehmen Wise, das für seine niedrigen Gebühren bekannt ist, nicht mehr zu den Spitzenreitern zählt: Im Jahr 2020 erwirtschaftete Wise einen Umsatz von 0,30 Mrd. US-Dollar, was im Vergleich zu Western Union, MoneyGram und Ria , die einen Umsatz von 4,84 Mrd. US-Dollar, 1,22 Mrd. US-Dollar bzw. 1,18 Mrd. US-Dollar erzielten, relativ gering ist. Auch wenn Wise im Vergleich zu seinen Konkurrenten noch relativ wenig Umsatz generiert, hat sich das Unternehmen, das derzeit vier Milliarden Nutzergelder pro Monat transferiert, bereits im Wettbewerb etabliert. Aus der Umsatzentwicklung von Wise im Zeitraum von 2017 bis 2020 geht es nämlich hervor, dass seine Einnahmen in diesen Jahren mit einer jährlichen Wachstumsrate von 66,20 % stark gestiegen sind. Während Ria seinen Umsatz im gleichen Zeitraum jährlich um 10,11 % steigern konnte, sind die Umsätze der Marktführer Western Union und MoneyGram rückläufig. Trotzdem ist anhand der Umsätze die starke Marktposition von Western Union weiterhin offensichtlich: Wenn die Umsätze von MoneyGram, Ria und Wise für das Jahr 2020 aufsummiert betrachtet werden, kommen sie mit 2,7 Milliarden Dollar nicht annähernd an die von Western Union erzielten Einnahmen in Höhe von 4,84 Milliarden US-Dollar heran.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: In diesem Kapitel werden die Problemstellung, das Ziel der Arbeit sowie der methodische Aufbau der Untersuchung dargelegt.
2 Rücküberweisungen von Migranten und deren Bedeutung für einkommensschwache Haushalte: Das Kapitel erläutert die ökonomische Relevanz von Rücküberweisungen für den Lebensstandard von einkommensschwachen Haushalten in Entwicklungsländern.
3 Zahlungsdienstleister als Konkurrenz zu traditionellen Banken in der Finanzbranche: Es werden die Geschäftsmodelle von Zahlungsverkehrsdienstleistern analysiert und mit denen klassischer Banken verglichen, wobei auch die Marktposition bedeutender Anbieter untersucht wird.
4 Auswirkung der COVID-19-Pandemie auf die Rücküberweisungen: Die Auswirkungen der globalen Krise auf das Transaktionsvolumen und die Verschiebung von informellen hin zu digitalen Kanälen werden in diesem Kapitel betrachtet.
5 Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Marktentwicklung von Zahlungsdienstleistern.
Schlüsselwörter
Zahlungsverkehrsdienstleister, Rücküberweisungen, Migranten, Wise, Western Union, MoneyGram, Finanzbranche, Fintechs, Auslandsüberweisungen, COVID-19-Pandemie, Transaktionsvolumen, Marktanteile, Geldtransfer, Entwicklungsländer, Wirtschaftsleistung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle und wachsende Bedeutung von internationalen Zahlungsverkehrsdienstleistern als kostengünstige und zugängliche Alternative zu traditionellen Banken für Migranten, die Geld in ihre Heimat überweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die globale Relevanz von Rücküberweisungen für arme Haushalte, die Funktionsweise von Zahlungsdienstleistern im Vergleich zu Banken sowie die Auswirkungen der Pandemie auf den Sektor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu beleuchten, warum Zahlungsverkehrsdienstleister für Migranten eine so wichtige Rolle spielen und wie der Wettbewerb zwischen traditionellen Anbietern und Fintechs den Markt verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine anwendungsbezogene Forschungsmethode, die auf einer umfassenden Analyse von Sekundärdaten, Marktberichten, Statistiken der Weltbank und publizierten Fachinformationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise der Geschäftsmodelle von Dienstleistern wie Wise und Western Union, vergleicht deren Gebührenstrukturen und untersucht die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf globale Geldströme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zahlungsverkehrsdienstleister, Rücküberweisungen, Finanzsektor, Digitalisierung, Wise, Western Union und globale Marktentwicklung charakterisiert.
Welche Rolle spielen Banken im Vergleich zu Zahlungsdienstleistern?
Banken werden im Vergleich als teurer und weniger zugänglich für Menschen ohne Bankverbindung eingestuft, weshalb sie für Rücküberweisungen in Entwicklungsländer oft nicht das bevorzugte Mittel darstellen.
Wie hat sich die COVID-19-Pandemie auf den Sektor ausgewirkt?
Überraschenderweise blieben die Rücküberweisungen relativ stabil. Es kam jedoch zu einer signifikanten Verlagerung von physischen, informellen Geldübergaben hin zu digitalen Kanälen.
Welchen Vorteil bietet Wise laut der Analyse?
Wise zeichnet sich durch ein transparentes Peer-to-Peer-Geschäftsmodell aus, das laut Arbeit deutlich geringere Gebühren im Vergleich zu etablierten Wettbewerbern verlangt.
- Quote paper
- Halil Tunc (Author), 2021, Die Bedeutung von Zahlungsverkehrsdienstleistern in Europa und Übersee. Insbesondere Wise (rechtlich: Transferwise plc), London, und Western Union Holdings Inc., USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188066