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Der Arbeitsraum im COVID-19 bedingten Homeoffice. Ethnologische Einblicke in die alltagskulturelle Dimension

Title: Der Arbeitsraum im COVID-19 bedingten Homeoffice. Ethnologische Einblicke in die alltagskulturelle Dimension

Bachelor Thesis , 2021 , 53 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sibel Caliskan (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Diese Forschungsarbeit wird einen ethnologischen Blick auf die Wandlungen im Homeoffice mithilfe genauerer Betrachtung von Ritualisierungen werfen, und somit das Sozialverhalten und die zugrundeliegenden Vorstellungsstrukturen, welche das Handeln der Subjekte im jeweiligen Kontext bestimmen, aufdecken und ethnografisch darstellen. Hier eröffnet sich ein Feld voller spannender Fragen: Wie und in welcher Form etabliert sich der Arbeitsalltag? Wie sieht die Beziehung zwischen Arbeitsleben und privatem Leben im Homeoffice aus? Welche Rolle spielen rituelle Handlungen bei der Konstruktion von Räumen? Entstehen Spannungsfelder? Wo spiegelt sich Liminalität wider? Diese Fragen sind hochaktuell.

Die Corona-Pandemie veränderte unser Alltagsleben auf eine enorme Weise. Selbst einfachste Formen der Reise- und Alltagsmobilität und Treffen mit Familienangehörigen, Freund:innen und Bekannten im privaten, sowie im öffentlichen Raum, waren auf einmal mit moralischen Dilemmata und gesetzlichen Ausgangsbeschränkungen verbunden. Neben den drastischen sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen hat die Pandemie auch in der Arbeitswelt für weitreichende Veränderungen gesorgt. Zahlreiche Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter:innen als Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie in das Homeoffice, eine Arbeitsform, bei der Angestellte von Zuhause aus ihre Arbeitsleistung erbringen können.

Die lebendige Neugier der Ethnolog:innen befasst sich mit möglichst allen Teilaspekten des Lebens, sowie auch mit den Auswirkungen der Pandemie auf die Wechselbeziehung von Lohnarbeit und Privatheit im eigenen Wohnraum. Die schwerwiegenden strukturellen Veränderungen, ziehen auch Veränderungen des Sozialverhaltens mit sich, da der Mensch stets in Beziehung zu seiner räumlichen Umwelt steht. Verändert sich nun der Raum, ist darauf zu schließen, dass sich Verhaltens- und Denkmuster naturgemäß an die neue Situation anpassen. Sie befinden sich in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung

1.2 Aufbau der Bachelorarbeit

2. Kontextuale Einführung und Definitionen

2.1 Ethnologische Betrachtung der Arbeit

2.1.1 Was ist Homeoffice?

2.2 Übergangsriten und Liminalität

2.3 Kategorisierung von Raum und Zeit

3. Darstellung der Erhebungsmethoden und Reflexion

3.1 Zugang zu Informant:innen

3.2 Angewandte Forschungsmethoden

3.2.1 Das Feld: Zuhause

3.2.2 Autoethnografische Tagebucheinträge

3.2.3 Interviews

3.2.4 Extended Case Method

3.3 Datenauswertung

3.4 Reflexion

4. Ethnografische Beschreibungen: Alltägliche Praxen und ihre Bedeutung

4.1 Allgemein

4.2 Morgenroutine

4.3 Was ziehe ich an?

4.4 Der Arbeitsplatz

4.5 Pausen

4.6 Feierabend

5. Diskussion und Ergebnisse

5.1 Arbeiten im Homeoffice als Übergangsritual

5.1.1 Trennungsphase

5.1.2 Schwellenphase, Communitas und liminaler Raum

5.1.3 Integrationsphase

6. Konklusion und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Verlagerung der Lohnarbeit in den privaten Wohnraum (Homeoffice). Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie die Grenzen zwischen den zuvor separat existierenden Räumen von Arbeit und Privatheit neu verhandelt werden und ob dieser Prozess rituelle Züge aufweist, die zur Entstehung liminaler Räume führen.

  • Ethnologische Analyse von Alltagspraxen im Homeoffice
  • Anwendung des Konzepts der Liminalität nach Victor Turner
  • Untersuchung von Ritualisierungsprozessen zur Strukturierung des Arbeitsalltags
  • Beziehung zwischen Raum-Zeit-Organisation und Lohnarbeit im privaten Umfeld
  • Qualitative Mikrostudie mit autoethnografischen Methoden

Auszug aus dem Buch

4.2 Morgenroutine

Ein bisher üblicher Arbeitstag beginnt im besten Fall mit einem routinierten Ablauf, welchen durch die Reihe hinweg alle Personen gleichermaßen wertschätzen und zu praktizieren empfehlen. Was ihre Morgenrituale gemeinsam haben, ist ein warmes Getränk, zumeist Kaffee, und der Gang ins Badezimmer. Manche machen morgens außerdem noch Sport oder gehen spazieren. Melissa, 31 Jahre alt, erzählt, dass sie morgens nach dem Aufstehen im Bad nicht mehr so lange braucht, da sie sich nicht mehr schminkt seitdem sie von Zuhause aus arbeitet. Dies lässt darauf schließen, dass keine Notwendigkeit mehr darin besteht, diese Norm, welche zuvor für die Arbeit galt, weiterhin zu erfüllen.

Yasemin, 22 Jahre alt, erzählt von einer prozesshaften Entwicklung bis zur Etablierung ihrer Morgenroutine während eines Homeoffice-Arbeitstages. Zu anfangs hat sie es genossen lange zu schlafen und spät möglichst den Arbeitstag zu beginnen, sodass sie bis kurz vor dem anstehenden Termin im Bett liegen blieb. Sie holte den Laptop aus dem Wohnzimmer in ihr Bett und ging online, um ihren Kolleg:innen zu kommunizieren, dass sie nun anwesend sei und arbeiten würde. Doch in Wahrheit nahm sie sich Zeit langsam wach zu werden und einen Kaffee oder Tee im Bett zu trinken.

Nachdem sie ihre Mails las, ging sie ins Bad, um ihre Zähne zu putzen und eine „reduzierte Morgenhygiene zu durchleben, weil natürlich der Weg zur Arbeit wegfällt“ (Yasemin 01.05.2021, persönliches Interview [02]). Auch sie schminkt sich nicht mehr, kämmt sich nicht die Haare „und all das was man tun müsse, um rauszugehen“ lässt sie weg (ebd. [03]). Mit der Zeit wollte sie, nach eigenen Angaben, wieder einen geregelteren morgendlichen Ablauf einführen und nimmt seither ihren Laptop nicht mehr mit ins Bett, sondern steht auf, duscht sich, putzt Zähne, trinkt Kaffee am Esstisch und arbeitet von dort aus. Auf die Frage, warum ihr der strukturierte Ablauf am Morgen wichtig sei, antwortete sie, dass es ihr hilft die anstehenden Aufgaben über den Tag besser erledigen zu können und Arbeitstage von freien Tagen unterscheiden zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Untersuchungsgegenstand und die Fragestellung zur Veränderung von Arbeits- und Lebenswelten durch die Pandemie.

2. Kontextuale Einführung und Definitionen: Theoretische Auseinandersetzung mit ethnologischen Begriffen zu Arbeit, Ritualen, Liminalität sowie Raum und Zeit.

3. Darstellung der Erhebungsmethoden und Reflexion: Erläuterung der angewandten qualitativen Methoden, wie autoethnografische Tagebücher und Interviews, sowie Reflexion der Forscherrolle.

4. Ethnografische Beschreibungen: Alltägliche Praxen und ihre Bedeutung: Empirische Darstellung der täglichen Routinen, wie Morgenabläufe, Arbeitsplatzgestaltung und Pausenverhalten im Homeoffice.

5. Diskussion und Ergebnisse: Synthese der empirischen Ergebnisse mit den theoretischen Modellen, insbesondere der Übergangsriten nach van Gennep und Turner.

6. Konklusion und Ausblick: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die soziale Transformation und Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder.

Schlüsselwörter

Homeoffice, Ethnologie, Liminalität, Übergangsrituale, Lohnarbeit, Privatheit, Raumsoziologie, Alltagspraxis, Pandemie, Qualitative Forschung, Autoethnografie, Wohn-Arbeits-Fusion, Soziale Struktur, Ritualisierung, Arbeitswelt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht ethnologisch, wie sich die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice auf den Alltag und die Trennung von Arbeits- und Privatleben auswirkt.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die Themen umfassen die gegenseitige Beeinflussung von Lohnarbeit und Privatsphäre, die Veränderung von Raum- und Zeitkonzepten sowie die Entstehung ritueller Handlungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die strukturellen Veränderungen im Sozialverhalten durch die räumliche Fusion von Wohnen und Arbeiten mittels qualitativer Forschung zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, der autoethnografische Tagebucheinträge und leitfadengestützte Interviews mit sechs Probanden kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil beschreibt detailliert die ethnografischen Alltagspraxen (Morgenroutine, Kleidung, Arbeitsplatz, Pausen, Feierabend) und diskutiert diese als rituelle Prozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Liminalität, Übergangsrituale, Homeoffice, Alltagspraxis und Raum-Zeit-Verhältnisse definieren.

Wie beeinflusst das Homeoffice die Feierabendgestaltung?

Die Arbeit stellt fest, dass durch den fehlenden räumlichen Wechsel (Büro verlassen) der Übergang in die Freizeit erschwert wird, was die Etablierung neuer, ritueller Feierabend-Praktiken notwendig macht.

Welche Rolle spielt die Privatsphäre im Homeoffice-Kontext?

Die Privatsphäre erfährt durch die Integration beruflicher Tätigkeiten eine Erosion, da der Wohnraum nun als Arbeitsfeld dient und neue Aushandlungsprozesse bezüglich Sichtbarkeit und Rückzug erfordert.

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Details

Title
Der Arbeitsraum im COVID-19 bedingten Homeoffice. Ethnologische Einblicke in die alltagskulturelle Dimension
College
University of Tubingen
Grade
2,0
Author
Sibel Caliskan (Author)
Publication Year
2021
Pages
53
Catalog Number
V1188363
ISBN (PDF)
9783346632579
ISBN (Book)
9783346632586
Language
German
Tags
Turner Van Gennep Ritualtheorie Homeoffice Arbeit Ritualisierung Victor Turner Arnold van Gennep Liminalität Trennungsphase Integrationsphase Ethnologie Anthropology Feldforschung Struktur und Anti-Struktur Arbeitsalltag Raum Corona-Pandemie Schwellenphase Dreiphasenmodell Lohnarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sibel Caliskan (Author), 2021, Der Arbeitsraum im COVID-19 bedingten Homeoffice. Ethnologische Einblicke in die alltagskulturelle Dimension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188363
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