Der Emissionshandel als klimapolitisches Instrument erscheint deshalb besonders attraktiv, da er gleichzeitig zwei wesentliche Anforderungen an die Klimapolitik zu erfüllen verspricht – ökonomische Effizienz und ökologische Treffsicherheit. Ferner sind die Systemgrenzen eines Emissionszertifikatehandelssystems variabel – Emissionshandel kann sowohl regional, national als auch global betrieben werden. Die aktuellen politischen Verhandlungen zum Emissionshandel bewegen sich denn auch im Spannungsfeld regionaler, nationaler, europäischer und globaler Politik.
Die Grundschwierigkeit beim Erstellen dieser Arbeit lag darin, dass die Verhandlungen zum Emissionshandel sowohl auf internationaler, europäischer als auch auf den diversen nationalen Ebenen in einem dynamischen und interdependenten Prozess begriffen sind. Die vorgelegte Untersuchung muss demzufolge eher als Augenblicksaufnahme denn als abgeschlossenes Gesamtbild der Debatte um den Emissionshandel bewertet werden.
Klimawandel, weltweit wachsende Gefahren für Leib und Leben, Schäden für die Wirtschaft, von Versicherungen kaum noch tragbar. Aber auch neue Chancen für das Weltklima und die Wirtschaft – durch Emissionshandel? Der Emissionshandel – ein Königsweg, der wichtige ökologische und ökonomische Herausforderungen zu bestehen im Stande ist? Und nach welchen Regeln?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zentrale Begriffsbestimmungen
2.1 Emissionshandel
2.2 Anthropogener Klimawandel
2.3 Klimapolitik
3 Der Treibhauseffekt
3.1 Die Ursachen des Treibhauseffekts
3.2 Die Folgen des Treibhauseffekts
4 Der Klimawandel im Modell der Natur- und Wirtschaftswissenschaften
4.1 Der anthropogene Treibhauseffekt – die naturwissenschaftliche Basis
4.1.1 Ursachen des anthropogenen Treibhauseffektes
4.1.2 Bedeutung des CO2 für den Treibhauseffekt
4.1.3 MBH98 - die "Hockeyschlägerkurve"
4.2 Klimaschutz im Modell der Ökonomie
4.2.1 Internalisierungskonzept nach Pigou
4.2.2 Internalisierungskonzept nach Coase
4.2.3 Ökonomische Analyse des Umweltproblems
4.2.4 Externe Effekte in der Umweltökonomie
5 Umweltpolitik
5.1 Prinzipien der Umweltpolitik
5.1.1 Hauptinstrumente der Umweltpolitik
5.2 Chronik des Klimaschutzes
5.2.1 Ziele des Kyoto-Protokolls
5.2.2 Festlegung neuer Emissionsrichtlinien auf der letzten Klimakonferenz in Kyoto
5.3 Deutschland als Vorreiter
6 Emissionshandel: Klima schonen bringt Geld
6.1 Emissionsrechte
6.1.1 Prinzip des Emissionshandel
6.2 Vergabe der Zertifikate
6.2.1 Grandfathering (freie Vergabe)
6.2.2 Auctioning (Versteigerungsverfahren)
6.2.3 Joint Implementation (JI)
6.3 Gültigkeit der Zertifikate
6.3.1 Unbefristet gültige Zertifikate
6.3.2 Zeitlich befristete Zertifikate
6.4 Die räumliche Differenzierung von Emissionsrechten
6.4.1 Räumlich uneingeschränkt gültige Emissionsrechte
6.4.2 Emissionsorierte Verschmutzungsrechte ( EDP )
6.4.3 Lokal orientierte Verschmutzungsrechte ( LDP )
6.4.4 Immissionsorientierte Emissionszertifikate ( ADP )
6.5 Funktionsweise des Emissionshandels
6.5.1 Rahmenbedingungen
6.5.2 Handelsabwicklung
6.6 Praktische Umsetzung
6.6.1 Notwendigkeit eines Emissionsmanagements
6.6.2 Allgemeine rechtliche Anforderungen
6.6.3 Bedeutung der CO2-Vermeidungskosten
6.6.4 Bedeutung und Einflussfaktoren des Zertifikatspreises
6.6.5 Acid Rain Program
6.6.6 Bubble-Policy – Glocken-Politik
6.6.7 Offset-Policy – Ausgleichspolitik
6.6.8 Banking & Leasing – Umweltbanken
7 Kritische Beurteilung des Emissionsrechtehandels
7.1 Ökonomische Effizienz
7.2 Ökologische Effizienz
7.3 Innovationseffizienz
7.4 Politische Akzeptanz
8 Unternehmen müssen für die Nutzung der Umwelt zahlen
8.1 Natur oder Industrie - wem nützt der Emissionshandel?
8.2 Ein Grab für Kohlendioxid
8.2.1 Flüssiges Kohlendioxid durch Pipelines
8.2.2 Öl-Felder unter Niedersachsen
8.2.3 Große Hoffnung: Buntsandstein
8.3 Klimakonferenz in Paris
8.3.1 Weltumweltorganisation nimmt Gestalt an
8.3.2 Charta der Umweltrechte
8.3.3 "Beispiellose Erderwärmung"
8.4 EU-Klimaziele beschäftigen Ministerrunde
8.5 Bundesregierung gibt mehr Geld für Klimaforschung
8.6 EU will Fluggesellschaften zum Klimaschutz zwingen
8.6.1 Nicht-EU-Staaten lehnen Pläne ab
8.6.2 Fliegen bald nur noch mit Zertifikat
8.6.3 Flugzeuge sollen ab 2011 CO2-Zertifikate vorlegen
9 Was tun gegen den Klimawandel?
9.1 Kyoto-Protokoll nur ein Anfang
9.2 Emissionshandel soll Anreize schaffen
9.3 Erneuerbare Energien und Erdwärme
9.4 Passivhaus und Altbausanierung
9.5 Weniger Heizen, Elektrogeräte aus!
9.6 Sprit sparen oder Erdgas tanken
9.7 Wenn die Politik nicht will: Selbst handeln!
10 Literatur und Verweise
10.1 Das Klimalexikon
10.2 Die link-Sammlung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Emissionshandel als klimapolitisches Instrument, das darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen – insbesondere CO2 – durch marktwirtschaftliche Mechanismen kosteneffizient zu reduzieren. Im Fokus steht dabei die Analyse der Rahmenbedingungen und praktischen Umsetzung für energieintensive Unternehmen sowie die kritische Würdigung der ökonomischen und ökologischen Wirksamkeit des Systems im Kontext internationaler Klimaschutzvereinbarungen.
- Methoden und Instrumente des internationalen Klimaschutzes (Kyoto-Protokoll, Zertifikatehandel)
- Ökonomische Grundlagen der Umweltpolitik und Internalisierung externer Effekte
- Praktische Implementierung von Emissionsmanagementsystemen in Industrieunternehmen
- Analyse von Preisbildungsfaktoren und Grenzvermeidungskosten im Emissionshandel
- Kritische Beurteilung der ökologischen und ökonomischen Effizienz des Rechtehandels
Auszug aus dem Buch
4.2 Klimaschutz im Modell der Ökonomie
Klimaschutz stellt aus Sicht der ökonomischen Theorie ein rein öffentliches Gut dar25. An die Erdatmosphäre sind keine definierten Eigentumsrechte geknüpft, was eine Tendenz zu ihrer Übernutzung als THG-Deponie bewirkt. Nutzungstheoretisch formuliert bedeutet dies, dass konkurrierende Nutzungsansprüche an die Atmosphäre zwischen ihrer Funktion als Schadstoffempfänger einerseits, und als Lieferant des öffentlichen Gutes Klimastabilität andererseits, vorliegen. Dieses Versagen führt die individuellen Wirtschaftssubjekte in eine Dilemmasituation: sie begehen Handlungen, die Ihnen kurzfristige und unmittelbare Vorteile versprechen mögen, langfristig jedoch der Gesamtheit und ihnen selbst Schaden zufügen26 für eine Vielzahl an Veröffentlichungen zu dieser Thematik). Makroökonomisch von Bedeutung ist die Tatsache, dass die durch den Treibhauseffekt entstehenden gesamtwirtschaftlichen Kosten nicht nur von den Verursachern, sondern von allen getragen werden. Pigou (1920) nannte solche Beeinträchtigungen Dritter negative externe Effekte. Das von Pigou entwickelte Konzept der externen Effekte hat das moderne umweltökonomische Denken maßgeblich beeinflusst und stellt heute den zentralen Baustein der volkswirtschaftlichen neoklassischen Umweltökonomie dar27.
Gemäß neoklassischer Theorie ist ein Marktpreissystem nur dann ‚korrekt‘, wenn es die bestehenden relativen Knappheiten widerspiegelt. Bei externen Effekten handelt es sich um Wirkungen, die nicht über das Preissystem erfasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Umweltbewusstseins sowie die Einführung des Emissionshandels als wirtschaftlichen Faktor für energieintensive Unternehmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen.
2 Zentrale Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Termini der Arbeit, insbesondere den Emissionshandel, den anthropogenen Klimawandel und den Begriff der Klimapolitik.
3 Der Treibhauseffekt: Es werden die physikalischen Ursachen und die potenziell katastrophalen ökologischen Folgen des Treibhauseffekts erörtert.
4 Der Klimawandel im Modell der Natur- und Wirtschaftswissenschaften: Dieses Kapitel verknüpft naturwissenschaftliche Erkenntnisse über den anthropogenen Einfluss auf das Klima mit ökonomischen Theorien wie dem Internalisierungskonzept externer Effekte.
5 Umweltpolitik: Es erfolgt eine Darstellung der Prinzipien und Hauptinstrumente der Umweltpolitik sowie eine chronologische Einordnung der internationalen Bemühungen zum Klimaschutz.
6 Emissionshandel: Klima schonen bringt Geld: Dieses zentrale Kapitel behandelt die praktische Funktionsweise des Emissionshandels, einschließlich der Vergabe von Zertifikaten, räumlicher Differenzierung und der Herausforderungen eines betrieblichen Emissionsmanagements.
7 Kritische Beurteilung des Emissionsrechtehandels: Eine Evaluierung des Emissionsrechtehandels hinsichtlich seiner ökonomischen Effizienz, ökologischen Treffsicherheit, Innovationseffizienz und politischen Akzeptanz.
8 Unternehmen müssen für die Nutzung der Umwelt zahlen: Es werden Unternehmensstrategien im Emissionshandel beleuchtet und Ansätze wie die CO2-Endlagerung sowie aktuelle klimapolitische Entwicklungen (z.B. EU-Ziele, Flugverkehr) analysiert.
9 Was tun gegen den Klimawandel?: Das Kapitel bietet einen Ausblick auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels, von staatlichen Rahmenbedingungen bis hin zu individuellen Handlungsmöglichkeiten.
10 Literatur und Verweise: Enthält ein Glossar zur Klärung zentraler Begriffe sowie eine Sammlung weiterführender Internetquellen.
Schlüsselwörter
Emissionshandel, CO2-Zertifikate, Treibhauseffekt, Klimapolitik, Kyoto-Protokoll, Umweltökonomie, Externe Effekte, Grenzvermeidungskosten, Emissionsmanagement, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Treibhausgase, Industrieemissionen, Zertifikatspreis, Ressourcenallokation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit untersucht den CO2-Emissionshandel als klimapolitisches Instrument und analysiert dessen ökonomische und ökologische Relevanz für Industrieunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Theorie der Umweltpolitik, die Funktionsweise des europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS) und die Herausforderungen für Unternehmen bei der Reduktion ihrer Emissionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Emissionshandel als Mittel zur kosteneffizienten Reduzierung von Treibhausgasen zu bewerten und aufzuzeigen, wie Unternehmen auf diesen neuen Produktionsfaktor reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufbereitung theoretischer ökonomischer Modelle sowie der Untersuchung von Fallbeispielen und politischen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Funktionsweise des Zertifikatehandels, die verschiedenen Vergabe- und Handelsmethoden, die betriebliche Umsetzung durch Emissionsmanagement sowie die kritische Beurteilung der Effizienz diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Emissionshandel, CO2-Zertifikate, Treibhauseffekt, ökonomische Effizienz und Grenzvermeidungskosten.
Wie gehen Unternehmen mit dem Risiko einer Unterdeckung an Emissionsrechten um?
Unternehmen nutzen Grenzvermeidungskostenkurven, um abzuwägen, ob interne Investitionen in emissionsärmere Technik oder der Zukauf von Zertifikaten am Markt die wirtschaftlich sinnvollere Strategie darstellen.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Preisbildung im Emissionshandel?
Die Politik beeinflusst den Preis maßgeblich durch die Festlegung der Nationalen Allokationspläne (NAP), die die Knappheit der Zertifikate im System steuern.
- Quote paper
- Anika Erdmann (Author), 2007, CO2 Emmisionshandel und Umweltpolitik in der Unternehmenswirtschaft. Definitionen und Handlungsvorschläge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118867