Diese Arbeit befasst sich mit den Lebenswelten von Kindern psychisch erkrankter Eltern. In der pädagogischen Arbeit, besonders im Bereich Hilfen zur Erziehung, begegnen den Fachkräften immer wieder Kinder und Jugendliche aus hochbelasteten Familien. Nicht selten liegt in diesen Familien auch eine psychische Erkrankung vor. Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist von den Auswirkungen der elterlichen Erkrankung geprägt. Kinder und Jugendliche müssen verschiedene Entwicklungsaufgaben bewältigen und benötigen Unterstützung durch ihre Eltern. Besondere Herausforderungen gilt es dann zu bestehen, wenn die Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht ausreichend ausführen bzw. ausführen können. Aufgrund von verschiedenen Parametern kann es für Eltern erschwert werden, die Entwicklung ihrer Kinder angemessen zu fördern – dazu gehört auch der Bereich der psychischen Gesundheit.
Wie geht es nun Menschen, die als Kinder psychisch erkrankter Eltern geboren und aufgewachsen sind? Welche subjektiven Wahrnehmungsprozesse prägen ihr Aufwachsen? Hier setzt die Forschungsfrage dieser Arbeit an. In der Fachliteratur hat das Thema „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ im letzten Jahrzehnt zunehmend an Interesse gewonnen, Erhebungen fanden in Form von Studien statt, die klinische Patient:innen und ihre Kinder zu bestimmten Parametern befragten. Jedoch geht es kaum darum, herauszufinden, wie die Kinder ihr Aufwachsen tatsächlich erleben, hier zeigt sich eine Forschungslücke. Im Rahmen dieser Arbeit gilt es daher zu erforschen, inwieweit die Kinder in ihren individuellen Wahrnehmungen durch das Aufwachsen mit einem solchen Elternteil beeinflusst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinder psychisch erkrankter Eltern
2.1 Stand der Forschung
2.2 Lebenswelten von Kindern psychisch erkrankter Eltern
2.3 Risikofaktoren
2.4 Resilienzfaktoren
3. Bindungstheoretischer Hintergrund im Hinblick auf Kinder psychisch erkrankter Eltern
4. Introvision
4.1 Theorie mentaler Introferenz (TMI)
4.2 Theorie Subjektive Imperative (TSI)
4.3 Imperativverletzungskonflikte (IKV)
4.4 Konfliktumgehungsstrategien (KUS)
5. Forschung
5.1 Wahl der Methode
5.2 Das Imperativtheoretische Textanalyse-Verfahren (ITA)
5.3 Analyse Interview 1:
5.4 Analyse Interview 2
5.5 Analyse Interview 3
5.6 Zusammenführung der Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswelten von Kindern psychisch erkrankter Eltern und analysiert, inwieweit das Aufwachsen mit einem solchen Elternteil die individuellen imperativischen Wahrnehmungsprozesse der Kinder beeinflusst. Dabei wird der Fokus auf die subjektive Erlebniswelt der Kinder und die psychologischen Auswirkungen gelegt, um krisenfestes Handeln zu fördern.
- Lebensbedingungen und Belastungen von Kindern psychisch erkrankter Eltern
- Bindungstheoretische Grundlagen und ihre Relevanz für das Aufwachsen
- Theoretische Fundierung durch die Introvision und die Theorie subjektiver Imperative
- Qualitative Untersuchung mittels problemzentrierter Experten-Interviews
- Anwendung des Imperativtheoretischen Textanalyse-Verfahrens (ITA)
Auszug aus dem Buch
Die Lebenswelt von Kindern psychisch erkrankter Eltern
Kinder psychisch erkrankter Eltern wachsen unter besonderen Lebensbedingungen auf. „Das Zusammenleben mit psychisch erkrankten Eltern stellt für Kinder quantitativ und qualitativ ein beträchtliches Risikopotenzial für einen ungünstigen Entwicklungsverlauf dar“ (Lenz 2005, 17). So haben zum Beispiel Downey & Coyne (1990) eine Übersicht erstellt, aus der deutlich wird, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern ein erhöhtes Risiko haben, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln – damit bilden sie eine besondere psychiatrische Risikogruppe.
Befasst man sich mit dem Stand der Forschung, die sich mit Kindern psychisch erkrankter Eltern auseinandersetzt, wird man feststellen, dass sich das Thema in der Fachliteratur bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen lässt (vgl. Mattejat/ Lenz/ Wiegand-Grefe 2011, 13). So haben sich in den 1950/60er Jahren Personen wie Sir Michael Rutter oder in den 1970er Jahren Peter Strunk und Helmut Remschmidt im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Kindern von depressiven und schizophrenen Patienten dem Thema gewidmet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Lebenswelten von Kindern psychisch erkrankter Eltern für die pädagogische Arbeit und führt in die Forschungsfrage ein.
Kinder psychisch erkrankter Eltern: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Stand der Forschung, identifiziert Risikofaktoren sowie Schutzfaktoren und beschreibt die allgemeine Lebenssituation dieser Kinder.
Bindungstheoretischer Hintergrund im Hinblick auf Kinder psychisch erkrankter Eltern: Hier werden die Auswirkungen elterlicher Erkrankungen auf die Bindungsmuster von Kindern und die Bedeutung innerer Arbeitsmodelle erläutert.
Introvision: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Säulen der Introvision, insbesondere die Theorie mentaler Introferenz und die Theorie subjektiver Imperative, vor.
Forschung: Das umfangreiche Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise, das ITA-Verfahren sowie die detaillierte Auswertung dreier Experten-Interviews und deren Ergebnissynthese.
Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Grenzen der Untersuchung und gibt Impulse für zukünftige Ansätze in Forschung und Praxis.
Schlüsselwörter
Kinder psychisch erkrankter Eltern, Introvision, Subjektive Imperative, Bindungstheorie, Imperativverletzungskonflikte, Konfliktumgehungsstrategien, Resilienz, Parentifizierung, Qualitative Forschung, Psychische Gesundheit, Familienhilfe, Belastungsfaktoren, Entwicklungspsychologie, Identitätsentwicklung, Mentale Introferenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die subjektiven Wahrnehmungsprozesse von Kindern, die mit psychisch erkrankten Eltern aufgewachsen sind, und deren Bewältigungsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, der Pädagogik, der Bindungstheorie und der speziellen Methode der Introvision.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erforschen, wie sich das Aufwachsen mit psychisch kranken Elternteilen auf die "imperativischen Wahrnehmungsprozesse" auswirkt und welche mentalen Konfliktstrukturen daraus entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine qualitative Forschung durchgeführt, die auf drei Experten-Interviews basiert, welche nach dem Imperativtheoretischen Textanalyse-Verfahren (ITA) ausgewertet wurden.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Introvision und Bindungsforschung sowie die detaillierte empirische Analyse der drei Interviews anhand des ITA-Verfahrens.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Introvision, subjektive Imperative, Parentifizierung und die spezifische Resilienz von Kindern aus hochbelasteten Familien.
Wie unterscheidet sich die Erfahrung der interviewten Frauen?
Die Teilnehmerinnen beschreiben unterschiedliche familiäre Konstellationen (Vater mit Schizophrenie, Mutter mit manischen Depressionen oder Depressionen), was zu individuellen imperativischen Mustern geführt hat.
Welche Bedeutung haben "subjektive Imperative" für die betroffenen Kinder?
Diese Imperative fungieren als "Notfallprogramme" (z. B. "Ich muss mich schützen"), die in der Kindheit überlebenswichtig waren, im Erwachsenenalter jedoch zu inneren Konflikten führen können.
Was schlussfolgert die Autorin über Hilfsangebote?
Die Arbeit betont, dass Kinder oft keine Unterstützung erhalten, da sie in der Klinikpraxis meist nicht als direkte Gesprächspartner vorgesehen sind, was die Notwendigkeit für präventive Angebote unterstreicht.
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- Juliane Sorge (Author), 2022, Aufwachsen mit psychisch erkrankten Eltern. Auswirkungen auf die imperativischen Wahrnehmungsprozesse der Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189155