Unter dem Begriff der Dyskalkulie versteht man eine „Rechenstörung“/ bzw.
„Rechenschwäche“, wobei letztere Begriffe von vielen Verfassern synonym verwendet werden. Andere aber ziehen auch den Gebrauch eines der Wörter vor.
Nach der internationalen Klassifikation der WHO wird die Rechenstörung als eine
Teilleistungsschwäche angesehen, die aus verschiedenen Ursachen entstehen kann „Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten“ (DSM-III-R, Beltz-Verlag Weinheim, Basel 1989, 277, zit. n. Ganser, 2001, S.7).
Demnach kann bei einer Rechenstörung eine Intelligenzminderung vorliegen und eine besondere Beschulung nötig sein, muss aber nicht unbedingt. Die Klassifikation klammert andere Faktoren, die zu einer Rechenschwäche führen können, aus.
Rechenschwäche wird auch als „anhaltende Schwierigkeiten im Erfassen rechnerischer Sachverhalte“ (Ortner und Ortner, 1991, S.244 ff. zit. n. Ganser, 2001, S.7) gesehen. Dabei ist der Umgang mit Zahlen und den Rechentechniken gemeint.
Sucht man eine Definition, die sich besonders auf die Form des Unterrichtes bezieht, kann man sagen, dass alle Schüler eine Rechenschwäche haben, „ die einer Förderung jenseits des Standardsunterrichts bedürfen“ (Lorenz, Radatz 1993, S.16 zit. n. Ganser, 2001, S.7).
Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Rechenschwäche/ Rechenstörung über eine längere Zeit anhält, den Betroffenen das Folgen des Matheunterrichts sehr erschwert und sich auf das Selbstbewusstsein auswirken kann, so dass letzteres die Schwierigkeit des Begreifens wiederum verstärken kann.
Wie entsteht aber eine Rechenschwäche, woran erkennt man sie, oder wie kann den
Kindern, die rechenschwach sind geholfen werden? Darauf wird im Folgenden
eingegangen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursachen einer Rechenschwäche
2.1 Der neuropsychologische Ansatz
2.1.1 Störungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung
2.1.2 Störungen in der auditiven Wahrnehmung
2.1.3 Störungen in der taktil- kinästhetischen Wahrnehmung
2.1.4 Soziokulturelle und familiäre Ursachen für Rechenschwäche
2.2 Schulische Ursachen für Rechenschwäche
3. Feststellung einer Rechenschwäche
4. Verschiedene Hilfen für rechenschwache Kinder
4.1 Die Förderarbeit in der Schule
4.2 Die Dyskalkulietherapie
4.3 Elternarbeit als unterstützende Hilfe für das rechenschwache Kind
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem Phänomen der Dyskalkulie auseinander. Das Hauptziel ist die Untersuchung der verschiedenen Ursachen sowie die Darstellung möglicher Diagnose- und Förderansätze, um betroffene Kinder in ihrer mathematischen Entwicklung gezielt zu unterstützen.
- Neuropsychologische Grundlagen und Wahrnehmungsstörungen
- Soziokulturelle und schulische Einflussfaktoren
- Methoden zur Feststellung einer Rechenschwäche
- Förderstrategien im schulischen Kontext
- Spezialisierte Dyskalkulietherapie
- Bedeutung der Elternarbeit
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Störungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung
Hat ein Kind z.B. Beeinträchtigungen in der visuellen und taktilen Wahrnehmung, wird dadurch eine defizitiäre Auge- Hand- Koordination verursacht. Diese wird aber für die Fähigkeit des Ordnens, Vergleichen und Zählens gebraucht. Das Auge muss z.B. eine Zahl fixieren können, aber gleichzeitig auch zwischen verschiedenen Zahlen hin- und herschwenken können, um eine Menge zu erfassen. Kinder lernen oft auch die Addition anhand von Holzperlenspielen. Auch hier müssen sie zum einen die Perlen schieben und damit auch tasten, zum anderen sie aber auch visuell wahrnehmen. Gelingt ihnen dies nicht, erfüllt das Hilfsmittel bei diesen Kindern nicht seinen Sinn. Rechenschwachen Kindern fehlt die Fähigkeit, Zahlen einzuordnen „Danach beinhaltet jede geistige Repräsentation einer Zahl notwendig eine visuelle Vorstellung im Raum, d.h. Zahlen werden als Elemente in diesem Raum aufgefasst (Lorenz, Radatz 1993 zit. n. Ganser, 2001, S. 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition der Dyskalkulie sowie Abgrenzung der Rechenstörung von anderen Lernschwierigkeiten.
2. Ursachen einer Rechenschwäche: Analyse neuropsychologischer, soziokultureller und schulischer Faktoren, die eine Rechenschwäche begünstigen können.
3. Feststellung einer Rechenschwäche: Darstellung von Testverfahren und Beobachtungshinweisen zur Identifikation einer mathematischen Lernstörung.
4. Verschiedene Hilfen für rechenschwache Kinder: Erörterung von Förderkonzepten in der Schule, therapeutischen Interventionen und der unterstützenden Einbindung der Eltern.
5. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Bedeutung frühzeitiger Wahrnehmungsförderung als Präventivmaßnahme.
Schlüsselwörter
Dyskalkulie, Rechenschwäche, Rechenstörung, Neuropsychologie, Wahrnehmung, Förderunterricht, Dyskalkulietherapie, Elternarbeit, Mathematikunterricht, Teilleistungsschwäche, Lernblockade, Diagnostik, Frühförderung, mathematisches Verständnis, Selbstwertgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rechenschwäche (Dyskalkulie), ihren Ursachen, Erkennungsmerkmalen und den Möglichkeiten, betroffenen Kindern durch gezielte Förderung zu helfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen neuropsychologische Grundlagen der Wahrnehmung, soziokulturelle Einflüsse, schulische Faktoren sowie pädagogische und therapeutische Interventionsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rechenschwächen entstehen und welche ganzheitlichen Maßnahmen – von der Schule bis zur Therapie und Elternberatung – effektiv zur Unterstützung der Kinder beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse relevanter Fachliteratur aus der Sonderpädagogik und Neuropsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ursachenanalyse, die Vorgehensweise bei der Diagnosefindung sowie die konkrete Darstellung von Förder- und Hilfsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Dyskalkulie, Wahrnehmungsstörungen, Förderarbeit, mathematisches Denken und die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus.
Welche Rolle spielt die visuelle Wahrnehmung beim Rechnen?
Die visuelle Wahrnehmung ist essenziell für die Auge-Hand-Koordination und das Verständnis von räumlichen Anordnungen, was wiederum die Basis für grundlegende Rechenoperationen wie das Zählen und Vergleichen bildet.
Warum ist die Elternarbeit so wichtig für das Kind?
Elternberatung entlastet Eltern von Schuldgefühlen und hilft ihnen, eine hilfreiche Grundstimmung zu entwickeln, da ihre Unterstützung und das soziale Umfeld entscheidend für die Motivation und das Selbstwertgefühl des Kindes sind.
Wie unterscheidet sich die Dyskalkulietherapie vom normalen Schulunterricht?
Die Therapie führt eine qualitative Fehlerdiagnose durch, um individuelle „subjektive Algorithmen“ aufzudecken, und verbindet fachliche Rechenvermittlung mit psycho- und verhaltenstherapeutischen Ansätzen.
Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich der Prävention?
Eine gelungene Prävention sollte bereits im Kleinkind- und Vorschulalter ansetzen, indem der Schwerpunkt auf die Reifung grundlegender Wahrnehmungsbereiche gelegt wird.
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- Diplom Sozialpädagoge Alexander Bauer (Author), 2006, Dyskalkulie - Ursachen, Feststellung und Hilfen für Kinder mit Rechenschwäche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118931