Diese Arbeit orientiert sich an dem Aufsatz von Bastian Schlüter, welcher analysiert wird und mit dem Werk Josephs Roth untersucht wird.
Die Arbeit untersucht dabei den Einfluss der Mythisierung und Historisierung des Radetzkymarsch, welcher von Joseph Roth verfasst wurde. Es behandelt die Geschichte einer Familie, die in mehreren Generationen die Entwicklung und schließlich den Verfall der Doppelmonarchie erlebt. Untersucht werden die Aspekte der Mythisierung und Historisierung unter Betrachtung des Aufsatzes „Der Kaiser und das Meer“, geschrieben von Bastian Schlüter, welcher im Sammelband „Joseph Roth - Zur Modernität des melancholischen Blicks“ von Wiebke Amthor und Hans Richard Brittnacher veröffentlicht wurde. Schlüter betrachtet in seinem Werk verschiedene Werke Roths. Die Arbeit bezieht sich jedoch ausschließlich auf den Radetzkymarsch.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Darstellung Bastian Schlüters Aufsatz
Analyse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Konzepte der Mythisierung und Historisierung im Roman Radetzkymarsch von Joseph Roth, wobei der Fokus insbesondere auf der kritischen Auseinandersetzung mit Bastian Schlüters Aufsatz "Der Kaiser und das Meer" liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Roth durch eine spezifische Zeitdarstellung und die Verwebung von Mythen mit historischen Ereignissen seine Melancholie über den Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie zum Ausdruck bringt.
- Die Funktion von Mythisierung als Kritik am historischen Wandel
- Zeitdarstellungen und der Gegensatz von "Ereignis und Dauer"
- Die Rolle von Mythen und Symbolen in der Identitätsstiftung der Familie Trotta
- Der Einfluss des Ersten Weltkriegs auf das Zeitverständnis und den Zerfall der Monarchie
- Die Analyse der Erzählzeit und des Erzählstils in Roths Spätwerk
Auszug aus dem Buch
Analyse
Bastian Schlüter beschreibt immer wieder die mythischen Züge, die sich durch die Erzählung im Radetzkymarsch ziehen. Ein Mythos hat laut Roland Barthes die Funktion, die Gesamtsituation anders darzustellen als sie eigentlich ist, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Details werden also nicht weggelassen, sondern eher verändert.
Bezieht man diese Definition auf den Radetzkymarsch, so fällt eine zentrale Stelle auf, in der ein solcher Mythos zu finden ist. Direkt im ersten Kapitel werden die Leser*innen mit einem solchen konfrontiert. Das erste Kapitel stellt den Helden von Solferino vor, an welchem ein direktes Beispiel für diesen Mythos zu erkennen ist. Hauptmann Trotta sieht in dem Lehrbuch seines Sohnes die Geschichte des Helden von Solferino, dessen Geschichte verändert dargestellt ist. Er konfrontiert den Notar und schließlich den Kaiser mit dieser Situation und weist darauf hin, dass die Situation anders als dargestellt ablief, doch ihm wird schnell verdeutlicht, dass diese Umwandlung verändert wurde, um eine Heldengeschichte zu erzählen und den Kindern als solche darzustellen. Der Notar antwortet auf Trottas Beschwerden: „Alle historischen Taten […] werden für den Schulgebrauch anders dargestellt. Es ist auch so richtig, meiner Meinung nach. Die Kinder brauchen Beispiele, die sie begreifen, die sich ihnen einprägen. Die richtige Wahrheit erfahren sie dann später.“ Dies ist das Paradebeispiel eines Mythos in Roths Werk, der ganz bewusst von Seiten der Monarchie kommt. Im Laufe des Romans kommt es immer wieder vor, dass Realitäten von Illusionen überholt werden, deshalb ist es kein Zufall, dass direkt zu Beginn des Romans mit einer Illusion begonnen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Mythisierung und Historisierung im Radetzkymarsch ein und legt den Fokus auf die Untersuchung von Bastian Schlüters Aufsatz sowie die melancholische Weltsicht von Joseph Roth.
Darstellung Bastian Schlüters Aufsatz: Dieses Kapitel erläutert Schlüters Thesen zur Zeitdarstellung, zum "Ereignis und Dauer" sowie zum Einsatz von Mythen in Roths Spätwerk, um Kritik an der Moderne zu üben.
Analyse: Hier wird die theoretische Grundlage der Mythisierung auf den Roman angewendet, wobei insbesondere das Beispiel des Helden von Solferino und das Zeitkonzept des "Meeres der Zeit" detailliert beleuchtet werden.
Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont, wie die Verschränkung von Historisierung und Mythisierung das Verständnis des Lesers für Roths Trauer über den Untergang der Monarchie maßgeblich vertieft.
Schlüsselwörter
Joseph Roth, Radetzkymarsch, Mythisierung, Historisierung, Doppelmonarchie, Kaiser Franz Joseph, Zeitlichkeit, Ereignis und Dauer, Familie Trotta, Melancholie, Helden von Solferino, Literaturanalyse, Zerfall der Monarchie, Erzählzeit, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Joseph Roth in seinem Roman "Radetzkymarsch" historische Realitäten durch mythische Elemente überformt, um den Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie literarisch zu verarbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Einfluss der Mythisierung auf die historische Darstellung, das Zeitverständnis (vor-modern vs. modern), die Rolle der Familie Trotta als Repräsentanten der Monarchie und die Bedeutung von Erinnerungskultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die vertiefende Analyse der Thesen von Bastian Schlüter zur Zeitdarstellung bei Roth und der Nachweis, dass der Mythos im Roman bewusst zur Stilisierung einer verlorenen Welt eingesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, wobei der Aufsatz von Bastian Schlüter als Ausgangspunkt für die Untersuchung des Romans dient.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Schlüters Thesen zu "Ereignis und Dauer" sowie die Mythisierung des Helden von Solferino analysiert und durch weitere literaturwissenschaftliche Ansätze untermauert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mythisierung, Historisierung, Radetzkymarsch, Zeitlichkeit, Monarchie und Melancholie charakterisiert.
Warum ist das Beispiel des "Helden von Solferino" so wichtig für die Arbeit?
Es dient als zentrales Paradebeispiel für die Mythisierung im Roman, da es zeigt, wie die Monarchie bewusst historische Fakten zugunsten einer für Erziehungszwecke konstruierten Heldengeschichte manipuliert.
Welche Rolle spielt der Erste Weltkrieg für das Zeitkonzept im Roman?
Der Krieg markiert laut Analyse den Übergang von einer vor-modernen, "dauernhaften" Zeit zu einer modernen Zeit, die durch Instabilität und den Zerfall der bisherigen Ordnung geprägt ist.
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- Anonym (Author), 2021, Mythisierung und Historisierung in "Radetzkymarsch" von Joseph Roth, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189414