Öffentliche Verwaltungen führen regelmäßig Personalauswahlverfahren durch, um neues, geeignetes Personal zu identifizieren.
Im Rahmen der Personalauswahl ist in öffentlichen Verwaltungen stets der Grundsatz der Bestenauslese aus Art. 33 II GG zu beachten. Öffentliche Ämter sind ausnahmslos nach dem Leistungsprinzip und somit nach den Kriterien Eignung, Befähigung und fachliche Leistung zu besetzen. Diese Auswahlkriterien können nur dann berücksichtigt werden, wenn in Personalauswahlverfahren Personalauswahlinstrumente eingesetzt werden, die geeignete Bewerber aus dem Bewerberpool herausfiltern.
Privatwirtschaftliche Unternehmen lösen sich bei der Personalauswahl inzwischen häufiger von klassischen Methoden wie bspw. Präsenztests und setzen zunehmend moderne Personalauswahlinstrumente ein, sodass unter anderem Online-Assessments an Bedeutung gewinnen und probate Mittel zur Personalauswahl darstellen. Während Online-Assessments somit in privatwirtschaftlichen Unternehmen bereits vermehrt fest in den Personalauswahlprozess integriert sind, ist fraglich, ob sich Online-Assessments auch in öffentlichen Verwaltungen durchgesetzt haben.
Diese Ausgangssituation macht eine Betrachtung des Einsatzes von Online-Assessments in öffentlichen Verwaltungen notwendig. Dabei erfolgt eine Abwägung von Chancen und Risiken der Online-Assessments für öffentliche Verwaltungen, um beurteilen zu können, ob und wie mit ihnen geeignetes Personal identifiziert werden kann.
Im Rahmen der Untersuchung wurde eine Bestandsaufnahme in einem Landkreis mit kleineren Kommunen durchgeführt und mit den Bewerbungsformen der Verwaltungen der fünf größten deutschen Städte verglichen. Da die kleineren Kommunen überwiegend per E-Mail kontaktiert wurden und detailliert geantwortet haben, wurden die Namen der Kommunen aus Datenschutzgründen anonymisiert. Die Abfrageergebnisse nehmen lediglich einen marginalen Teil der Untersuchung ein und sind abgesehen vom Namen der Kommune vollumfänglich enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Online-Assessments
3 Einsatz von Online-Assessments in öffentlichen Verwaltungen
4 Chancen und Risiken von Online-Assessments für öffentliche Verwaltungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz von Online-Assessments bei der Personalauswahl für externe Bewerber in öffentlichen Verwaltungen. Ziel ist es, Chancen und Risiken dieser digitalen Auswahlverfahren im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel und die Anforderungen des öffentlichen Dienstes abzuwägen sowie eine Einschätzung zur praktischen Eignung abzugeben.
- Eignungsdiagnostik im Kontext der öffentlichen Verwaltung
- Vergleich von Auswahlverfahren in verschiedenen Kommunalgrößen
- Analyse von Effizienzsteigerung und Digitalisierungsgrad
- Bewertung von Manipulationsrisiken und technischer Validität
- Strategische Bedeutung für das Arbeitgeberimage
Auszug aus dem Buch
4 Chancen und Risiken von Online-Assessments für öffentliche Verwaltungen
Zehn von zwölf der untersuchten öffentlichen Verwaltungen, zu denen Daten vorliegen, führen Assessments in Präsenz oder online durch (vgl. Abbildung 2 und 3). Somit wurden grundsätzlich Chancen der Assessments in der Personalauswahl weitestgehend bereits erkannt. Aus diesem Grund zielt die nachfolgende Untersuchung nicht auf eine Abwägung der generellen Chancen und Risiken des eignungsdiagnostischen Verfahrens der Assessments – unabhängig davon, ob sie in Präsenz oder online stattfinden – ab, sondern es erfolgt eine klare Fokussierung auf Chancen und Risiken der Durchführung von onlinebasierten Assessments.
Die Durchführung von Online-Assessment setzt voraus, dass Bewerber über die erforderliche EDV-Ausrüstung sowie PC- und Internetkenntnisse verfügen (Steiner 2009: 31). Verfügen Bewerber nicht über die erforderliche EDV-Ausstattung, so besteht das Risiko, dass sie und somit potenziell geeignete Bewerber nicht zum Test antreten können (Ebd.). Weiterhin sind Ungleichbehandlungen infolge von Online-Assessments nicht ausgeschlossen, da Bewerber mit geringen PC- und Internetkenntnissen Nachteile erfahren können (Ebd.).
Aus geringen PC- und Internetkenntnissen können Unsicherheiten in der Bearbeitung von Online-Assessments resultieren und infolgedessen im Rahmen der Ergebnisauswertung die tatsächliche Leistungsfähigkeit dieses Personenkreises unterschätzt wird. Bspw. variiert die IT-Affinität zwischen verschiedenen Altersgruppen, wobei Unsicherheiten in der Bearbeitung von Online-Assessments vor allem bei älteren Personen auftreten können (Lorenz/Rohrschneider 2015: 142). Divergierende IT-Affinität kann bei der Beurteilung des potenziellen Personals in Online-Assessments demnach eine Störvariable für die Personalauswahl darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den demographisch bedingten Fachkräftemangel in öffentlichen Verwaltungen und begründet die Notwendigkeit, moderne Auswahlverfahren wie Online-Assessments zu prüfen.
2 Online-Assessments: Dieses Kapitel definiert Online-Assessments als eignungsdiagnostische Verfahren und ordnet sie in den Prozess der Berufseignungsdiagnostik ein.
3 Einsatz von Online-Assessments in öffentlichen Verwaltungen: Hier werden aktuelle Personalauswahlverfahren anhand einer empirischen Untersuchung verschiedener Kommunen und Großstädte verglichen.
4 Chancen und Risiken von Online-Assessments für öffentliche Verwaltungen: Das Kapitel führt eine detaillierte Abwägung der Vor- und Nachteile von Online-Assessments durch, insbesondere hinsichtlich technischer, organisatorischer und validitätsbezogener Aspekte.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Online-Assessments großes Potenzial bieten, aber als Screening-Instrument in Kombination mit persönlichen Auswahlgesprächen eingesetzt werden sollten.
Schlüsselwörter
Online-Assessments, Personalauswahl, öffentliche Verwaltung, Eignungsdiagnostik, Fachkräftemangel, Berufseignungsdiagnostik, Bestenauslese, Personalgewinnung, Digitalisierung, Arbeitgeberimage, Prozessoptimierung, Durchführungsobjektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie öffentliche Verwaltungen Online-Assessments nutzen können, um externe Bewerber auszuwählen, und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Eignungsdiagnostik, der digitalen Transformation der Personalauswahl sowie der Abwägung von Effizienzvorteilen gegenüber qualitativen Auswahlstandards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu beurteilen, ob Online-Assessments ein probates Mittel für öffentliche Verwaltungen sind, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und geeignetes Personal zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine literaturbasierte Untersuchung, die durch eine eigene Datenabfrage bei verschiedenen öffentlichen Verwaltungen ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von Online-Assessments, die Darstellung der aktuellen Praxis in Kommunen und die detaillierte Gegenüberstellung von Chancen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Online-Assessments, Personalauswahl, Eignungsdiagnostik, Fachkräftemangel und Arbeitgeberimage.
Warum zögern kleinere Kommunen beim Einsatz von Online-Assessments?
Die Arbeit identifiziert primär Bedenken hinsichtlich der Kosten, der technischen Implementierung und der Notwendigkeit des persönlichen Eindrucks bei geringeren Bewerberzahlen.
Können Online-Assessments die Manipulation durch Bewerber verhindern?
Obwohl ein Restrisiko bleibt, können Maßnahmen wie Zeitfenster, Zufallsfragen und Authentifizierungsverfahren die Manipulationsgefahr erheblich reduzieren.
Ist der persönliche Kontakt nach der Einführung von Online-Assessments überflüssig?
Nein, die Autorin empfiehlt Online-Assessments als Screening-Instrument, an das sich immer eine persönliche Begegnung zur abschließenden Eignungsprüfung anschließen sollte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Chancen und Risiken von Online-Assessments bei der Personalauswahl externer Bewerber in öffentlichen Verwaltungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189619