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Republik Venedig - Die Terraferma und ihre Verwaltung

Title: Republik Venedig - Die Terraferma und ihre Verwaltung

Seminar Paper , 2003 , 31 Pages , Grade: 14 Punkte (gut)

Autor:in: Dr. jur. Gerhard Schober (Author)

Law - Philosophy, History and Sociology of Law
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Summary Excerpt Details

Unter der Terraferma versteht man die Festlandsbesitzungen Venedigs in Oberitalien, die seit Ende des 14. Jahrhunderts zu einem geschlossenen Territorium zwischen Adria, Alpen und den Flüssen Po und Adda ausgebaut wurden.
Ursprünglich versuchten die Venezianer auf ihr Hinterland politischen Einfluss auszuüben, ohne es militärisch erobern zu müssen. Das gelang durch den Aufbau eines Handelsmonopols. Der Transport lebenswichtiger Güter erfolgte zu jener Zeit hauptsächlich über das Meer und dann über das Flusssystem der Poebene, das im venezianischen Doganatsgebiet in die Adria mündete. Der Serenissima gelang es diese oberitalienischen Flüsse unter ihre Kontrolle zu bringen. Die freie Schifffahrt wurde nur noch denen gestattet, die ihre Waren aus Venedig bezogen. Die Belieferung der oberitalienischen Kommunen mit Gütern erfolgte fortan weitgehend über die Lagunenstadt, was zwangsläufig zu einem Abhängigkeitsverhältnis führte und die wirtschaftspolitische Herrschaft der Serenissima über die Terraferma lange vor den venezianischen Eroberungszügen sicherte.
Im Gegensatz zu dieser Politik des „Herrschens ohne zu herrschen“ setzte sich im 14. Jahrhundert, stark begünstigt durch den zunehmenden Reichtum der Stadt, die Idee durch, die Terraferma mit kriegerischen Mitteln zu unterwerfen.
Die vorliegende Studie stellt nun im einzelnen die Gründe für diesen Sinneswandel in der venezianischen Außenpolitik dar.
Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt aber auf der Verwaltung der Terraferma durch die venezianische Obrigkeit und auf den Folgen der Eroberung, also insbesondere auf den Vor- und Nachteilen, für die Stadt Venedig.
Daneben wird auch darauf eingegangen, wie sich der Lebensstil der patrizischen Oberschicht durch das neu hinzugewonnene Land verändert hat.

Excerpt


Gliederung

I. Einführung

II. Die Festlandspolitik Venedigs auf der Terraferma vor den Eroberungszügen im 15. Jahrhundert

1. Die Politik des „Herrschens ohne zu herrschen”

2. Die Gründe für eine militärisch geprägte Festlandspolitik

III. Die Eroberung der Terraferma

1. Der Krieg gegen Padua

2. Die Eroberung der Friaul

3. Der Krieg gegen Mailand

4. Das Schicksal des Dogen Francesco Foscari

5. Der Herrschaftsbereich Venedigs am Ende des 15. Jahrhunderts

IV. Die Folgen der Eroberung der Terraferma

1. Nachteile

a. Die Verstrickung in die politischen Interessen der europäischen Gross- und Mittelmächte

b. Der Verlust von Byzanz

2. Vorteile

a. Die Erschliessung neuer Steuerquellen

b. Sonstige Vorteile der Eroberung

V. Aus Seefahrern werden Landwirte

VI. Die Verwaltung der Terraferma

1. Die venezianischen Verwaltungsposten auf der Terraferma

2. Das Zugestehen einer weitgehenden Autonomie

3. Die Entwertung der Selbstverwaltung durch die venezianische Zentralgewalt

4. Behördliche Reformen zur Verwaltung der Terraferma

a. Senat

b. Gerichtsbarkeit

c. Steuern

d. Militär

e. Forstwirtschaft

f. Landwirtschaft

g. Bergbau

VII. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Expansion Venedigs auf das italienische Festland (Terraferma) im 15. Jahrhundert, analysiert die Beweggründe für diesen Wandel von einer reinen Seemacht zum Territorialstaat sowie die darauffolgenden administrativen Herausforderungen und deren Bewältigung durch die venezianische Zentralgewalt.

  • Politische Strategien zur Kontrolle des Hinterlandes (Handelsmonopole vs. militärische Eroberung).
  • Die ökonomischen Auswirkungen der Landnahme auf das venezianische Staatswesen.
  • Das Spannungsfeld zwischen lokaler Autonomie der Städte und zentralistischer Verwaltung.
  • Die sozioökonomische Transformation des venezianischen Adels ("Villenmanie" und Landwirtschaft).

Auszug aus dem Buch

Die Politik des „Herrschens ohne zu herrschen”

Die erste politische Bestrebung kann man unter dem Grundsatz „Herrschen ohne zu herrschen” zusammenfassen. Darunter versteht man die Absicht, auf das venezianische Hinterland politischen Einfluss auszuüben, ohne es militärisch erobern zu müssen.

Das gelang durch den Aufbau eines Handelsmonopols. Der Transport lebenswichtiger Güter erfolgte zu jener Zeit hauptsächlich über das Meer und dann über das Flussystem der Poebene, das im venezianischem Doganatsgebiet in die Adria mündete. Venedig gelang es diese oberitalienischen Flüsse unter ihre Kontrolle zu bringen. Die freie Schiffahrt wurde nur noch denen gestattet, die ihre Waren aus Venedig bezogen.

Die Belieferung der oberitalienischen Kommunen mit Waren erfolgte fortan weitgehend über die Lagunenstadt. Besondere Bedeutung hatte die Schaffung des Salzmonopols. Andere Salzproduzenten wie z. B. Cervia sind vom Markt gedrängt worden. Indem man mit jeder Stadt separate Handelsverträge abschloss, wurden die Beziehungen verfestigt. Inhalt dieser Verträge waren unter anderem die Festlegung von Zöllen, Handelsquoten und die Zusicherung freier Handelswege. Die oberitalienischen Kommunen sind mit dieser Politik in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis gedrängt und so unter die Kontrolle Venedigs gebracht worden. Dadurch war die wirtschaftspolitische Herrschaft über die Terraferma bereits lange vor den Eroberungszügen im 15. Jahrhundert gegeben.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Darstellung der Ausgangslage der oberitalienischen Kommunen vor der venezianischen Expansion und deren Entwicklung zu Stadtstaaten.

II. Die Festlandspolitik Venedigs auf der Terraferma vor den Eroberungszügen im 15. Jahrhundert: Analyse der ursprünglichen Strategie des indirekten Einflusses durch Handelsmonopole und die Gründe für den späteren Übergang zu einer militärischen Politik.

III. Die Eroberung der Terraferma: Detaillierte Schilderung der militärischen Feldzüge gegen Padua, die Friaul und Mailand sowie die Rolle des Dogen Francesco Foscari.

IV. Die Folgen der Eroberung der Terraferma: Untersuchung der negativen Auswirkungen durch internationale politische Verstrickungen und den Verlust von Byzanz sowie der positiven Effekte durch erschlossene Steuerquellen.

V. Aus Seefahrern werden Landwirte: Beleuchtung des sozioökonomischen Wandels des Adels hin zur Landwirtschaft und die Gründung von Villenanlagen.

VI. Die Verwaltung der Terraferma: Erörterung der administrativen Strukturen, der Autonomie der Städte und der behördlichen Reformen in Bereichen wie Steuern, Militär und Justiz.

VII. Schlussbemerkung: Fazit zur Notwendigkeit des Landreiches für das Überleben der Republik Venedig trotz der immensen Kosten.

Schlüsselwörter

Terraferma, Venedig, Republik Venedig, Handelsmonopol, Festlandspolitik, Condottieri, Adelsoligarchie, Francesco Foscari, Verwaltung, Steuern, Autonomie, Agrarwirtschaft, Villenmanie, Seehandel, 15. Jahrhundert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Entwicklung Venedigs vom Ende des 14. Jahrhunderts bis in das 15. Jahrhundert, als sich der Stadtstaat von einer reinen Seemacht zu einem territorialen Flächenstaat auf dem italienischen Festland, der sogenannten Terraferma, wandelte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die politische Strategie der Expansionspolitik, die militärische Eroberung der Festlandsgebiete, die finanzielle und administrative Organisation dieser Gebiete sowie der sozioökonomische Wandel des venezianischen Adels.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe für die Eroberung der Terraferma zu analysieren und zu bewerten, inwieweit diese Expansion für die langfristige Stabilität und Verteidigung des venezianischen Staates von Vorteil oder Nachteil war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten historisch-analytischen Methode, die zeitgenössische Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der Republik Venedig auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Festlandspolitik, die militärische Eroberung der Terraferma, die Analyse der politischen und ökonomischen Folgen, die Veränderung der Lebensweise des Adels sowie eine tiefgehende Untersuchung der Verwaltungsstrukturen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Terraferma, Venedig, Handelsmonopol, Condottieri, Adelsverwaltung, Steuerquellen und venezianische Expansion charakterisiert.

Welche Bedeutung hatte das Salzmonopol für Venedig?

Das Salzmonopol war ein zentrales Instrument der venezianischen "Herrschaft ohne zu herrschen", da es die oberitalienischen Kommunen in eine wirtschaftliche Abhängigkeit drängte und Venedig somit die politische Kontrolle über das Hinterland ermöglichte.

Warum war der Einsatz von Condottieri problematisch?

Die als Söldnerführer eingesetzten Condottieri waren oft unzuverlässig, da sie ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgten, zum Betrug neigten und versuchten, entscheidende Schlachten zu vermeiden, um ihre teuren Söldnertruppen zu schonen.

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Details

Title
Republik Venedig - Die Terraferma und ihre Verwaltung
College
University of Regensburg  (Lehrstuhl für BGB und Rechtsgeschichte)
Course
Rechtsgeschichteseminar über die Republik Venedig
Grade
14 Punkte (gut)
Author
Dr. jur. Gerhard Schober (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V11900
ISBN (eBook)
9783638179430
ISBN (Book)
9783638642170
Language
German
Tags
Venedig Terraferma Verwaltung Rechtsgeschichteseminar Venedig
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. jur. Gerhard Schober (Author), 2003, Republik Venedig - Die Terraferma und ihre Verwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11900
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