Die ökonomischen Auswirkungen von Doping im Profisport

Welche Konsequenzen hätte eine Aufhebung des Doping-Verbots?


Bachelorarbeit, 2019

53 Seiten, Note: 1.9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Doping
2.1 Definition
2.2 Historische Entwicklung

3. Institutionen der Dopingbekämpfung
3.1 WADA - World-Anti-Doping-Agency
3.2 NADA

4. Massnahmen der Dopingbekämpfung
4.1 Welt-Anti-Doping-Code
4.2 Verbotsliste Welt Anti-Doping-Organisation (WADA)
4.3 Kontrollen
4.4 Strafen

5. Ökonomische Auswirkungen von Doping
5.1 Finanzielle Auswirkungen
5.1.1 Sportler (Lance Armstrong, Jan Ulrich)
5.1.2 Sportarten (Radrennen, MLB Baseball)
5.2 Analyse der aktuellen Anti-Doping-Lösung
5.2.1 Spieltheoretische Analyse - Gefangenendilemma
5.2.2 Anreize und Strategien
5.2.3 Ableitung von Handlungsfeldern zur Optimierung
5.3 Analyse der Auswirkungen einer möglichen Aufhebung des Dopingverbots
5.3.1 Spieltheoretische Betrachtung
5.3.2 Auswirkungen auf den Sport
5.3.2.1 Szenario Nachfragerückgang
5.3.2.2 Szenario Nachfragezunahme

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

1. Abbildung 1: Neue Verdienstmöglichkeiten nach Aufhebung der Dopingsperre

2. Abbildung 2: Zuschauerzahlen Tour de France 2003-2018

3. Abbildung 3: Übertragungszeit Tour de France in Stunden 2003 - 2018

4. Abbildung 4: Gesamtanzahl an Home Runs in der MLB 1994-2004

5. Abbildung 5: Zuschauerzahlen Chicago Cubs 1994-2004

6. Abbildung 6: Zuschauerzahlen St. Louis Cardinals 1994-2004

7. Abbildung 7: Korrelation Anzahl Home Runs und Zuschauerzahlen Cardinals

Tabellenverzeichnis

1. Tabelle 1: Preisgelder Tour de France 2018

2. Tabelle 2: Einnahmemöglichkeiten Radprofi, moderater Karriereverlauf

3. Tabelle 3: Einnahmemöglichkeiten Radprofi, durchschnittlicher Karriereverlauf

4. Tabelle 4: Einnahmemöglichkeiten Radprofi, Top-Star Karriereverlauf

5. Tabelle 5: Gesamtzuschauerzahlen MLB

6. Tabelle 6: Auszahlungsmatrix Gefangenendilemma

7. Tabelle 7: Auszahlungsmatrix Doping

8. Tabelle 8: Auszahlungsmatrix Doping

9. Tabelle 9: Eckdaten der deutschen Tour de France Doping-Geschichte

10. Tabelle 10: Gesamtzuschauerzahlen MLB

11. Tabelle 11: Durchschnittsgehalt MLB 1995-2014

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Sport ist in Deutschland aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: egal ob es sich um die eigene sportliche Betätigung oder das Unterstützen der Lieblingsmannschaft handelt. Die gesellschaftliche Bedeutung des Sports in Deutschland lässt sich wohl am besten an­hand der Anzahl an aktiven Sportlern aufzeigen: aktuell sind in Deutschland knapp 29 Milli­onen Menschen Mitglied in einem Sportverein. Das entspricht mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung1.

Die Gründe für die gesellschaftliche Relevanz des Sports sind vielfältig. So bietet das aktive Ausüben einer Sportart neben der Freude an der Bewegung und der Verbesserung der kör­perlichen Konstitution, zusätzlich die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und sich als Teil einer Gruppe zu integrieren. Kinder und Jugendliche lernen den Umgang mit Regeln und haben die Chance erste Erfahrungen mit Sieg und Niederlage zu sammeln. Auch im Bereich des passiven Sportkonsums hat sich in den letzten Jahren viel getan: hatte man früher ledig­lich die Möglichkeit das eigene Team im Stadion resp. direkt vor Ort zu unterstützen, lassen sich die sportlichen Wettkämpfe heute jederzeit und von praktisch überall verfolgen. Zudem bieten soziale Netzwerke die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Team zu vernetzen resp. in Austausch mit dem Verein oder anderen Anhängern zu treten.

Sport ist heute aber viel mehr als nur ein gesellschaftliches Phänomen, er hat vor allem wirt­schaftlich eine immer grösser werdende Bedeutung für Wertschöpfung, Beschäftigung und Konsum. Vor allem wenn man sich die Vielfalt an Wirtschaftsbereichen mit Sportbezug vor Augen führt, lässt sich die enorme Relevanz erahnen: vom Verkauf von Sportartikeln, über das Anbieten von Dienstleistungen mit Sportbezug, bis zur Werbung und der Vermarktung von Medienrechten wird heute mit Sport Geld verdient (vgl. BMWI2 ; 2019). Betrachtet man die Entwicklung in den letzten Jahren, fallen einem vor allem die enormen Wachstumsraten auf. So hat sich der Beitrag der Sportwirtschaft ans deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwi­schen den Jahren 2010 und 2016 von 66.7 auf 71.6 Milliarden Euro gesteigert (vgl. BMWI; Sportsatellitenkonto 2016). Im Bereich des Sponsorings fallen von allen Aktivitäten mittler­weile über 70% auf Engagements im Bereich des Sportsponsorings (vgl. Nielsen Sports, Sponsor Trend 2018). Auf den ersten Blick wirkt die Sportbranche also bestens aufgestellt für die Zukunft: Sport fasziniert die Massen, die Konsumenten sind bereit Geld auszugeben und die Sponsoren haben den Nutzen für die Unternehmensseite längst erkannt.

Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung und die enormen Einnahmemöglichkeiten für die Athleten gingen in der jüngeren Vergangenheit leider auch mit einer Zunahme von Dopingfäl­len einher. Auf den ersten Blick liegt entsprechend die folgende Vermutung nahe: erhöht ein Veranstalter das Preisgeld für einen ersten Platz im Wettkampf beispielsweise von 300 Euro auf 10‘000 Euro, erhöht sich zumindest der finanzielle Anreiz für einen Athleten auf illegale Formen der Leistungssteigerung zurückzugreifen. Das Ausmass der Dopingproblematik mag von Sportart zu Sportart unterschiedlich sein, vor allem aber in Sportarten wie dem Radsport, der Leichtathletik oder dem Kraftsport wurde in den letzten Jahren immer wieder von Dopingfällen berichtet. In gewissen Sportarten führte die kontinuierliche Berichterstat­tung über Doping so weit, dass sich die Zuschauer zu fragen begannen, ob man in diesen Wettkämpfen ohne die Einnahme von Dopingmitteln überhaupt eine Siegchance hat und ob nicht jeder Sportler unter Generalverdacht gestellt werden müsse.

Die Überführung einiger prominenter Dopingsünder führte in den letzten Jahren zu einer deutlichen Zunahme des Medieninteresses und der entsprechenden Berichterstattung. Die bekanntesten Beispiele in den letzten Jahren sorgten dabei für so viel Aufmerksamkeit, dass sich auch Menschen ohne Sportinteresse der Berichterstattung nicht entziehen konnten. So wurde das deutsche Publikum zum ersten Mal richtig im Zuge der Dopingaffären rund um Jan Ulrich und Lance Armstrong3 auf das Thema aufmerksam.

Doch warum greifen Sportler überhaupt zu leistungssteigernden Mitteln? Und was genau passiert nach einem Dopinggeständnis eines einzelnen Athleten? Wie verändert sich das Interesse der Zuschauer und wie reagieren Sponsoren und involvierte Partner aus der Wirt­schaft, wenn eine ganze Sportart in Verdacht gerät? Die vorliegende Arbeit widmet sich der Beantwortung dieser Fragen. Konkret sollen die ökonomischen Auswirkungen des Dopings auf den Profisport untersucht werden.

Einleitend wird der Begriff Doping erläutert und kurz ein Blick auf die historische Entwicklung geworfen. Anschliessend werden zuerst die nationalen und internationalen Institutionen der Dopingbekämpfung vorgestellt. Anhand der Anti-Dopingliste wird erläutert wie Doping heute bekämpft wird. Zudem wird an dieser Stelle auch auf das aktuelle Kontrollsystem, Strafmas­se und vorhandene Präventionen eingegangen. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der ökonomischen Auswirkungen des Dopings im Profisport. Die Analyse unterteilt sich dabei in drei Teilabschnitte: im ersten Teil werden anhand praktischer Beispie­le die möglichen finanziellen Auswirkungen von Doping im Profisport aufgezeigt. Es wird dabei sowohl auf die finanziellen Auswirkungen für Einzelsportler, als auch auf mögliche Konsequenzen für ganze Sportarten eingegangen. Im zweiten Abschnitt wird die bestehende Anti-Doping-Lösung anhand der Spieltheorie untersucht. Es wird aufgezeigt, welche Anreize aktuell für die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln sprechen. Zudem werden aufgrund der Analyse erste Handlungsfelder zur Optimierung der bestehenden Anti-Doping-Lösung abgeleitet und untersucht, ob bereits durch geringfügige Anpassungen des Anreizsystems eine positive Verhaltensbeeinflussung bei den Athleten erreicht werden kann. Der dritte Teil widmet sich der Untersuchung möglicher Konsequenzen einer Aufhebung des Dopingver­bots. Dabei werden die möglichen Folgen abermals anhand der Spieltheorie beleuchtet. Im Anschluss werden zwei mögliche Szenarien (Nachfragerückgang resp. Nachfragezunahme) skizziert und dabei kurz auf den Umgang der Zuschauer mit dem Thema Doping eingegan­gen. Anhand einer Analyse der Sportarten Radfahren und Baseball werden aufgrund von Daten aus der jüngeren Vergangenheit die möglichen Veränderungen des Zuschauerinte­resses umschrieben.

Im Fazit werden die gesammelten Erkenntnisse zusammengefasst und Handlungsempfeh­lungen abgegeben, welche Massnahmen sich eignen, das Dopen für den Athleten aus öko­nomischer Sicht weniger attraktiv zu machen. Anhand der gesammelten Erkenntnisse wird zudem abgewogen, ob rein ökonomisch betrachtet eine Aufhebung des Doping-Verbots der heutigen Lösung vorzuziehen wäre.

Bitte beachten Sie, dass ich für die Arbeit die schweizerische Rechtschreibform angewendet habe. Entsprechend wurde das Eszett jeweils durch ein Doppel-S ersetzt.

2. Doping

2.1 Definition

Seit es sportliche Wettkämpfe gibt, versuchen Sportler ihre Leistung zu steigern. Der Grad zwischen regelkonformer Leistungssteigerung und illegalem Doping ist dabei oftmals schmal. So ist die Tasse Kaffee am Morgen vor dem Wettkampf sicherlich in Ordnung; wie aber än­dert sich die Situation wenn ein Athlet nicht eine Tasse, sondern drei Kannen direkt vor dem Wettkampf trinkt? Ein ähnliches Beispiel bietet die Einnahme von Kreislauf- und Herzmedi­kamenten: selbstverständlich ist die Einnahme solcher Medikamente bei einer chronischen Krankheit in Ordnung, wie aber verhält sich der Sachverhalt bei Sportlern ohne Herzkonditi­on? Muss man hier bereits von Doping sprechen?

Wie schwer der Begriff Doping zu fassen ist, zeigt sich daran, dass bis heute keine klare resp. einheitliche Definition des Begriffs Doping vorliegt. Die am weitesten verbreitete Defini­tion liefert die World Anti-Doping Agency4 (WADA; 2019), welche in ihrem World Anti-Doping Code den Begriff eingrenzt. In Artikel 2, „Verstösse gegen Anti-Doping-Bestimmungen“5, finden sich folgende Kernaussagen:

- Athleten oder andere Personen sind selbst dafür verantwortlich, davon Kenntnis zu haben, was einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen darstellt und welche Stoffe und Methoden auf die Verbotsliste gesetzt wurden.

Hierbei wird bereits zum ersten Mal auf die Eigenverantwortung der Athleten eingegangen. Entsprechend schützt Unwissenheit in Bezug auf Doping nicht vor einer allfälligen Strafe. Folgend werden im Welt-Anti-Doping-Code (WADC) Verstösse aufgeführt, welche offiziell als Doping gewertet werden:

- Vorhandensein eines verbotenen Stoffes, seiner Metaboliten oder Marker in der Pro­be eines Athleten.
- Anwendung oder versuchte Anwendung eines verbotenen Stoffes oder einer verbo­tenen Methode seitens eines Athleten.

Bei den beiden Verstösse fällt auf, dass bereits das Vorhandensein resp. die versuchte An­wendung ausreicht, um des Dopings überführt zu werden.

Weiter werden folgende Vergehen im WADC als Dopingvergehen aufgelistet:

- Umgehung der Probenahme, Weigerung oder Versäumnis, eine Probe abzugeben
- Meldepflichtverstösse
- Unzulässige Einflussnahme oder versuchte unzulässige Einflussnahme auf einen Teil des Dopingkontrollverfahrens

Nebst der eigentlichen Einnahme reicht es entsprechend bereits aus, eine Dopingprobe un­begründet abzulehnen oder in irgendeiner Form zu sabotieren, um des Dopings überführt zu werden.

- Besitz eines verbotenen Stoffes oder einer verbotenen Methode.
- Das Inverkehrbringen oder versuchte Inverkehrbringen von verbotenen Stoffen oder verbotenen Methoden
- Beihilfe
- Verbotener Umgang

Nebst dem Fund von unerlaubten Mitteln im Körper der Athleten, wird schon der Besitz einer solchen Substanz (oder Methode) als Dopingvergehen gewertet. Abschliessend gilt auch als Dopingsünder, wer aktiv zur illegalen Leistungssteigerung eines Sportlers beiträgt resp. mit bereits gesperrten Sportlern und Offiziellen verkehrt. Anhand der Definition des Dopingbe­griffs durch die WADA lässt sich eine der grössten Besonderheiten der aktuellen Regelung bereits erahnen: als Dopingmittel resp. verbotene Methode gilt nur, was auf der offiziellen Anti-Doping-Liste aufgeführt ist. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wird in einem folgenden Kapitel6 noch genauer umschrieben.

Eine weitere interessante Definition des Begriffs Doping liefert der Europarat im Jahr 1963: „Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf.“ (Daumann; 2013; S. 3) Auffällig dabei ist vor allem die Umschreibung der Be­weggründe für die Einnahme der unerlaubten Mittel: im Gegensatz zur sehr neutral gehalte­nen Definition der WADA, wirkt die Formulierung „mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf“ deutlich wertender resp. verurteilender.

2.2 Historische Entwicklung

Für die historische Entwicklung des Dopings gilt es vorab festzuhalten, dass Vergehen die wir heute als Doping bezeichnen, lange Zeit als erlaubte Form der Leistungssteigerung gal­ten und entsprechend von einem Grossteil der Sportler so praktiziert wurden.

Betrachtet man die historischen Formen der Leistungssteigerung, lassen sich bis in die Anti­ke zurück Beispiele für die Einnahme von entsprechenden Heil- und Wundermitteln belegen. So wurden gemäss Übermittlungen bereits bei den ersten Olympischen Spielen Pilze oder

Hoden von Hunden und Rindern zur Stärkung des Körpers eingenommen. Während römi­sche Gladiatoren und nordische Krieger auf Aufputschmittel vertrauten, kauten die Inkas auf Kokainblättern, um so lange Märsche zu überstehen. Vom Doping wie wir es heute kennen, war man zu dieser Zeit noch ein ganzes Stück entfernt (vgl. Daumann; 2013; S. 11f)

Mit den Jahren entwickelte sich nicht nur der Sport und das Interesse der Zuschauer weiter, sondern auch die Methoden zur Leistungssteigerung. So fiel bereits im 19. Jahrhundert der erste Sportler dem Doping zum Opfer. Vor allem in den frühen Phasen des Radsports wurde ohne Rücksicht auf Verluste mit der Einnahme verschiedenster Mittel experimentiert. Die Fahrer schreckten dabei weder vor der Einnahme von Heroin und Kokain, noch vor gefährli­chen Alkoholcocktails zurück. 1886 kostete den Engländer Arthur Linton eine solche Mi­schung das Leben. Er starb bei einem Radrennen an einer Überdosis Morphin und gilt heute als der erste Dopingtodesfall der Neuzeit (vgl. Daumann; 2013; S. 12).

Mit der Entdeckung androgener Steroide, wie beispielsweise Testosteron im Jahr 1935, nahm der Missbrauch von leistungssteigernden Mitteln enorm zu. Die ersten bekannten Fälle stammen aus der Sowjetunion in den 50er Jahren. Das erste offizielle Dopingopfer an olym­pischen Spielen hatte der Sport erst etwas später, im Jahr 1960, zu beklagen. Der dänische Radfahrer Knud Enemark Jensen fiel dabei während dem Rennen vom Rad und verstarb. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er mit Amphetaminen gedopt war.7

Im Jahr 1977 unternahm der Deutsche Sportbund erste konkrete Schritte zur Prävention resp. zur Verhinderung von Doping. So definierte man Doping als den „Versuch unphysiolo­gischer Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Anwendung von Doping-Substanzen (...)“ (vgl. Daumann; 2013; S. 6). Im Jahr 1999 schuf man anlässlich der Welt- Doping-Konferenz in Lausanne eine neue Definition, bei welcher zum ersten Mal eine Liste mit verbotenen Substanzen und Methoden zur Definition von Doping diente. Zudem folgte auf die Konferenz die Gründung der WADA.

Trotz aller Bemühungen der Sportorganisationen und der Anti-Doping-Agentur liessen die Dopingfälle in den folgenden Jahren nicht nach. So standen in den 2000er Jahren immer wieder Radsportler unter Verdacht illegale Formen der Leistungssteigerung zu betreiben. Als bekannteste Beispiele seien an dieser Stelle der Deutsche Jan Ulrich und der Amerikaner Lance Armstrong erwähnt8. Neben dem Radsport waren auch andere Sportarten wie die Leichtathletik, Gewichtheben oder Baseball immer wieder von Dopingfällen betroffen.

In der jüngsten Vergangenheit hat sich die Dopingproblematik auf den Breitensport ausge­weitet: so beschäftigen sich zahlreiche Studien mit der Problematik und es wird davon aus­gegangen, dass der Missbrauch von Doping in den letzten Jahren zugenommen hat.9 (vgl. Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt; 2006; S. 8ff)

3. Institutionen der Dopingbekämpfung

3.1 WADA - World-Anti-Doping-Agency

Die wichtigste Institution der Dopingbekämpfung ist die World-Anti-Doping-Agency (WADA). Die WADA wurde 1999 als internationale und unabhängige Agentur aufgrund einer Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegründet. Anlass für die Initiative waren verheerende Doping-Befunde im Radsport im Jahr 199810. In der sogenannten „Lausanne Declaration on Doping“ wurde unter anderem die Gründung der WADA definiert:

„An independent International Anti-Doping Agency shall be established so as to be fully op­erational for the Games of the XXVII Olympiad in Sydney in 2000“ (...) Among these pro­grammes, consideration should be given in particular to expanding out-of-competition testing, coordinating research, promoting preventive and educational actions and harmonizing scien­tific and technical standards and procedures for analyses and equipment (...)11

Ziel war es, eine internationale und unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur bis zu den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 zu etablieren. Als Aufgaben wurden die Ver­besserung der Dopingkontrollen in wettkampffreien Zeiten, die Koordination der Forschung, sowie die Umsetzung von präventiven und aufklärenden Massnahmen definiert. Zudem soll­ten die technischen Standards und Prozeduren auf internationaler, aber auch auf nationaler Ebene harmonisiert werden. An der Gründung der WADA als Stiftung beteiligten sich neben dem IOC zahlreiche zwischenstaatliche Organisationen, Regierungen, Behörden und andere öffentliche und private Stellen, die gegen Doping im Sport kämpfen. Die Finanzierung der WADA ergibt sich aus Beiträgen des Olympischen Komitees und internationalen Regierun­gen. Als Vision weist die WADA eine Welt aus, in der alle Sportler in einem dopingfreien Um­feld gegeneinander antreten können12. Um die Denk- und Handlungsweise der WADA bes­ser zu verstehen, macht es an dieser Stelle Sinn, einen kurzen Blick auf die Kernwerte zu werfen. Gemäss der offizielle Kommunikation steht die WADA für folgende Grundwerte ein13:

Integrität

Die WADA tritt als Beschützer der Werte auf, welche im Welt-Anti-Doping-Code festgehalten sind. Die Agentur agiert unparteiisch, objektiv, ausgewogen und transparent. Dabei werden höchste ethische Standards eingehalten und Interessenskonflikte wenn immer möglich ver­mieden. Die zu entwickelnden Richtlinien, Verfahren und Praktiken erfüllen höchste Ansprü­che an Gerechtigkeit und Integrität.

Verantwortlichkeit

Gegenüber den Geldgebern wird stets die Verantwortung wahrgenommen, aber gleichzeitig darauf geachtet, dass die notwendige Neutralität und Unabhängigkeit bewahrt wird. Zudem werden die Rechte und die Integrität von sauberen Athleten immer respektiert.

Exzellenz

Die WADA verpflichtet sich professionell zu wirtschaften. Bei der Entwicklung von Lösungen wird auf Innovation und die Einhaltung des Stakeholder-Codes Wert gelegt. Ziel ist das Set­zen von neuen Massstäben und das Entwickeln von Vorzeigeprozessen.

Die Aufgaben der WADA umfassen heute zahlreiche unterschiedliche Bereiche der Doping­bekämpfung, welche weit über reine Dopingkontrollen während Wettkämpfen oder Trai­ningsphasen hinausgehen14:

Bildung

Mithilfe von präventiven Massnahmen und Aufklärungsprogrammen werden Sportler, Trai­ner, Ärzte, Ausbilder und Eltern über die Gefahren und möglichen Folgen von Doping aufge­klärt.

Wissenschaft und Medizin

Eine der grössten Herausforderungen für die WADA besteht darin, die Fülle an neuen leis­tungssteigernden Substanzen zu überwachen und wo notwendig der Liste mit verbotenen Substanzen und Methoden hinzuzufügen.

Anti-Doping-Koordination

Zur Koordination der weltweiten Anti-Doping-Aktivitäten hat die WADA ein zentrales Verwal­tungssystem (ADAMS) geschaffen, in welchem unter anderem Angaben zu Aufenthaltsorten von Sportlern, geplanten und durchgeführten Tests festgehalten werden.

Globale Anti-Doping-Entwicklung

Neben der Forschung betreffend neuer Substanzen und Methoden kümmert sich die WADA mit der Regionalen Anti-Doping-Organisation (RADO) darum, Anti-Doping-Systeme in Län­dern zu etablieren, welche bis anhin nicht involviert resp. betroffen waren.

Austausch mit Athleten

Die WADA steht ständig in engem Austausch mit den Athleten, Teams, Trainern und allen anderen Akteuren der Sportwelt. Ziel ist es, ein globales Bewusstsein für die Dopingproble­matik zu schaffen, aber gleichzeitig die Beteiligten (in diesem Fall die Sportler) an der Um­setzung von Lösungen zu beteiligen.

Durchsetzung des Rechts

Neben präventiven Massnahmen und Kontrollen arbeitet die WADA intensiv mit den nationa­len Doping-Agenturen und Behörden (unter anderem Strafverfolgungsbehörden) zusammen. Oftmals geht es um das Sammeln und Dokumentieren von Beweisen im Zusammenhang mit Dopingvergehen.

3.2 NADA

Während die Koordination der Anti-Doping Aktivitäten auf internationaler Ebene in der Ver­antwortung der WADA liegt, kümmern sich nationale Doping-Agenturen um die Umsetzung auf Landesebene. In Deutschland zeigt sich die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) für die Bekämpfung von Doping und den Erhalt eines sauberen Sports in Deutschland verant­wortlich. Gemäss der offiziellen Kommunikation setzt sich die NADA für Werte wie Fairness, Transparenz und Chancengleichheit für die Athleten ein. Die Aufgaben umfassen dabei die Umsetzung eines einheitlichen Dopingkontrollsystems, das Durchführen von Präventions­massnahmen, sowie die Koordination zwischen Athleten, Medizin und den Behörden (vgl. NADA; Ziele und Aufgaben; 2019).

Die Implementierung der NADA in Deutschland war zum einen das Resultat aus der Grün­dung der WADA, zum anderen aber auch die Konsequenz aus einer langjährigen Dopinghis­torie in Deutschland. So untersuchte das Bundesinstitut für Sportwissenschaften im Jahr 2013 die deutsche Dopinggeschichte in einem ausführlichen Bericht15 und kam dabei zum Schluss, dass die Deutsche Dopingforschung nicht wie bis dahin grösstenteils angenommen, erst im Jahr 1970 mit dem ersten offiziellen Dopingverbot beginnt, sondern bereits in den 1950er Jahren. So wurde nachgewiesen, dass bereits seit dem Jahr 1949 Dopingpraktiken in Deutschland Teil der Forschung waren und sich ein kleiner Teil von Sportmedizinern dem Thema widmete (vgl. BISP; 2013; S. 9f).

Relevanz gewann das „Forschungsfeld“ Doping in Deutschland vor allem aufgrund des staat­lich organisierten Dopings in der DDR in 1970er Jahren. So wurde dort im Jahr 1974 be­schlossen, die Erforschung und die Anwendung des Dopings zur Staatsangelegenheit zu machen. So sollte unter anderem auf die verbesserten Dopingkontrollen reagiert werden. In einer Zeit in der sportliche Erfolge noch viel direkter mit staatlicher Macht und Stärke assozi­iert wurden, verwundert es wenig, dass die Deutsche Bundesrepublik ihrerseits auf das Do­ping der Ostdeutschen reagierte: vor allem in Bezug auf die Olympiade in München sollen durch ranghohe Politiker, wie dem damaligen Bundeinnenminister Hans-Dietrich Genscher, „Medaillen um jeden Preis“ gefordert worden sein. Wolfgang Schäuble, aktueller Präsident des Deutschen Bundestages wurde gar wie folgt zitiert: „Wir wollen solche Mittel nur einge­schränkt und unter ärztlicher Verantwortung einsetzen, weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Welt­konkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.“ (Frankfurter Rundschau; Endlich Licht ins Dunkel; 2013)

Nach der ersten Dopingliste aus dem Jahr 197016 wurde im Jahr 1991 beim Deutschen Sportbund (DSB) erstmals eine eigene Kommission zur Überwachung von Dopingkontrollen ausserhalb von Wettkämpfen geschaffen. Die Kommission wurde zuerst in Anti-Doping­Kommission (ADK) umbenannt und bot im Jahr 1993 die Grundlage für die Schaffung der ADK DSB/NOK in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Olympischen Komitee. Diese wiede­rum diente als Vorgängerinstitution der NADA, welche am 15. Juli 2002 gegründet wurde und seit dem 1. Januar 2013 tätig ist.17

Organisiert ist die NADA heute als Stiftung mit einem hauptamtlich angestellten Vorstand und einem ehrenamtlich engagierten Aufsichtsrat. Gemäss der Stiftungsverfassung muss der Aufsichtsrat immer aus mindestens neun Personen bestehen. Als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts wird die NADA nach dem Stakeholder-Modell finanziert und verfolgt den Stiftungszweck, Sportlerinnen und Sportler in der Ausübung eines ehrlichen Sports zu unter­stützen. Darunter fallen konkret die Umsetzung eines einheitlichen Dopingkontrollsystems, die Beantwortung von medizinischen Anfragen und das Erteilen von medizinischen Ausnah­megenehmigungen. Zudem lanciert die NADA zahlreiche präventive Massnahmen wie z.B. die Kampagne, „FÜR SAUBERE LEISTUNG - ALLES GEBEN, NICHTS NEHMEN“, mit wel­cher ein Bewusstsein für die Doping-Thematik geschaffen werden soll (vgl. NADA; Organisa­tion; 2019). Neben der Unterstützung resp. Beratung von Athleten und den präventiven Mas­snahmen beinhalten die Aufgaben der NADA auch die Umsetzung des Welt-Anti-Doping­Codes, auf welchen im folgenden Kapital noch detaillierter eingegangen wird, sowie die Ko­ordination und den Austausch mit der WADA.

Im Jahr 2018 hat die NADA insgesamt über 12'500 Kontrollen vorgenommen und dabei über 16'000 Proben erhoben. Von diesen 12'500 Kontrollen fanden ca. 7’000 während den Trai­nings, der Rest im Zuge von Wettkämpfen statt. Aus den Proben ergaben sich 69 Fälle in denen die NADA ein Verfahren wegen möglicher Verstösse gegen Anti-Doping- Bestimmun­gen eingeleitet hat. Deutlich häufiger kam es mit insgesamt 227 Fällen im Jahr 2018 zu Verstössen gegen die Meldepflicht, sowie zu Kontrollversäumnissen (vgl. NADA, Jahresbe­richt 2018).

4. Massnahmen der Dopingbekämpfung

Im folgenden Kapitel sollen die verschiedenen Mittel resp. Massnahmen zur Doping­bekämpfung etwas genauer beleuchtet werden. Dabei wird neben dem bereits einige Male erwähnten Anti-Doping-Code auch auf die Verbotsliste der WADA, sowie Kontroll-, Straf- und Präventionsmechanismen eingegangen.

4.1 Welt-Anti-Doping-Code

Die WADA bezeichnet den Welt-Anti-Doping-Code als „das Kerndokument zur Har­monisierung der Anti-Doping-Richtlinien, -Regeln und -Vorschriften in Sportorganisationen und bei Behörden auf der ganzen Welt.“ Ziel ist es, in den folgenden fünf Bereichen ein ge­meinsames Verständnis zu schaffen (vgl. WADA, Welt-Anti-Doping-Code; 2019):

Durchführung von Kontrollen

Zweck der Kontrollen / Durchführung / Umfang / Erreichbarkeit von Athleten

Labortätigkeiten

Standards für die Analyse von Proben / anerkannte Labore

Ausnahmeregelungen betreffend der Verwendung von Substanzen

Welche Konditionen erlauben die Verwendung von Substanzen, die sich generell auf der Dopingliste befinden.

Die Liste der verbotenen Substanzen und Methoden

Definition und jährliche Anpassung der Liste mit verbotenen Substanze und Methoden

Verhaltenskodex für die Unterzeichnenden

Definition von Rechten und Pflichten der einzelnen Interessengruppen

Mithilfe dieses standardisierten Regelwerks sollen vor allem Probleme gelöst werden, welche in der Vergangenheit aufgrund mangelnder Koordination resp. Kommunikation aufgetreten sind. Mithilfe des Codes wird ein gemeinsames Verständnis geschaffen, welches die Zu­sammenarbeit von internationalen Experten ermöglicht und dabei hilft eine einheitliche Her­angehensweise betreffend der Sanktionen für überführte Sportler zu gewährleisten. Imple­mentiert wurde der Code zum 1. Januar 2004 und führte seither zu bedeutenden Fortschrit­ten in der Dopingbekämpfung. Vor allem bei der Bekämpfung von sogenannten „nicht analy­tischen Regelverstössen“ wurden grosse Fortschritte erzielt: so lässt sich mithilfe des Codes auch gegen Sportler vorgehen wenn keine positive Dopingprobe vorliegt, aber trotzdem ge­gen die Dopingregeln verstossen wurde. Als Beispiele für solche Vergehen seien das Ver­säumen von Kontrollen, oder die Verletzung der Meldepflicht genannt (vgl. WADA, Welt-Anti­Doping-Code; 2019).

4.2 Verbotsliste Welt Anti-Doping-Organisation (WADA)

Seit der Einführung des Welt-Anti-Doping-Codes im Jahr 2004 veröffentlicht die WADA jedes Jahr eine aktualisierte Liste mit verbotenen Substanzen und Methoden. In der Liste wird nicht nur definiert welche Substanzen und Methoden generell verboten sind, sondern es wird zusätzlich nach Sportart, sowie zwischen Wettkampf- und Trainingsphasen unterschieden. Als Standard hat die WADA unter anderem definiert, jeweils bis zum ersten Oktober des Jah­res aufgrund der Einschätzung einer Expertengruppe die Liste jährlich zu überarbeiten. So kann sichergestellt werden, dass per 1. Januar des Folgejahres die aktualisierte Version zum Einsatz kommen kann (vgl. WADA, The Prohibited List; 2019). Wie umschrieben unterteilt sich die Liste in drei Bereiche:

1. Jederzeit verbotene Stoffe und Substanzen
2. Während des Wettkampfs verbotene Substanzen und Methoden
3. In speziellen Sportarten verbotene Substanzen und Methoden

Im ersten Bereich finden sich dabei neben nicht offiziell zugelassenen Medikamenten, vor allem Anabolika und Hormone, sowie Methoden zur Blut18 - und Genmanipulation. In der zweiten Kategorie finden sich Stimulanzien, Narkotika und Cannabinoide19. In der dritten Kategorie finden sich sportspezifische Verbote, wie beispielsweise das Verbot von Betablo- ckern20 beim Bogenschiessen. Einfach zusammengefasst lässt sich dabei festhalten, dass Mittel zur langfristigen Verbesserung der eigenen körperlichen Kondition, z.B. Anabolika als Mittel zum Muskelaufbau, jederzeit verboten sind. Substanzen mit einer schnellen Wirkungs­dauer, wie z.B. Narkotika oder Cannabinoide welche zum Abbau von Schmerzen eingesetzt werden könnten, sind während der Wettkampfphasen verboten. Zu guter Letzt sind Beta Blocker, welche in der Regel zum Verlangsamen des Herzschlages eingesetzt werden, in Sportarten verboten, in denen eine ruhige Hand gefragt ist, z.B. im Bogenschiessen, im Rennsport oder im Golf21. Neben der Definition der einzelnen Wirkstoffgruppen, verpflichtet sich die WADA in der Liste auch zu einem transparenten Umgang mit den durchgeführten Proben. So muss vor jeder Probe ausgewiesen werden, auf welche Stoffe getestet wird. Des weiteren erstellt die WADA Statistiken zur Häufigkeit der einzelnen Vergehen, wobei hierbei auf eine Anonymisierung der Daten grössten Wert gelegt wird.

Die grösste Schwachstelle einer Lösung anhand einer Verbotsliste liegt sicherlich darin, dass alle Stoffe und Methoden, die nicht auf der Liste erfasst sind, per se erlaubt sind. Diese Tat­sache führt dazu, dass weiterhin hohe (vor allem finanzielle) Anreize für die Entwicklung von leistungssteigernden Mitteln bestehen und neue Wirkstoffe oftmals erst zu spät entdeckt und auf die Liste aufgenommen werden können.

4.3 Kontrollen

Die NADA unterscheidet betreffend der Kontrollen zwischen Trainingskontrollen und Wett­kampfkontrollen. Trainingskontrollen finden zwar ausserhalb eines Wettkampfes statt, den­noch trügt der Name: die Kontrollen müssen dabei nicht zwingend während des Trainings stattfinden, sondern können auch beim Sportler zu Hause oder beispielsweise am Ausbil­dungsort (z.B. an der Universität) durchgeführt werden (vgl. NADA, Doping-Kontrollsystem; 2019). Wettkampfkontrollen finden, wie es der Name schon sagt, anlässlich der Wettkämpfe der Athleten statt. Dabei werden die Athleten nach dem Wettkampf über die abzugebende Probe informiert und müssen das Testverfahren umgehend über sich ergehen lassen.

Die Durchführung von sowohl Wettkampf-, als auch Trainingskontrollen werden durch die nationalen Dopingbehörden akribisch geplant. So informiert die NADA auf Ihrer Homepage, dass Athleten „nicht zuletzt aufgrund ihrer Leistung gezielt und unangemeldet kontrolliert“ werden. Des weiteren wird überprüft, wann welcher Athlet den Höhepunkt seiner Saison plant und wann er sich entsprechend im Training resp. in der Regeneration befindet. Jeder Athlet ist verpflichtet die Dopingbehörden über seinen genauen Aufenthaltsort zu informie- ren22. Somit hat die Dopingbehörde die Möglichkeit (und das Recht) eine Kontrolle an 365 Tagen im Jahr, zu jeder Tages- und Nachtzeit durchzuführen. Regelmässige Kontrollen auch während den Trainingsphasen machen vor allem daher Sinn, dass der Verbleib resp. die

Nachweisbarkeit eines Dopingpräparates stark von der Dosierung und der Substanz selbst abhängt. Entsprechend würden reine Wettkampfkontrollen nicht für eine flächendeckende Dopingbekämpfung ausreichen.

Im Zuge von Trainings- und Wettkampfkontrollen führt die NADA in Deutschland Urin- und Blutkontrollen durch. Bei der Durchführung wird dabei strikt darauf geachtet, dass der Sport­ler zu jeder Zeit vom Kontrolleur überwacht resp. die Abgabe der Probe nachvollzogen wer­den kann. Bei der Kontrolle werden jeweils eine A- und eine B-Probe erstellt. Im Prüfverfah­ren wird immer zuerst die A-Probe analysiert. Sollte diese positiv ausfallen, wird zur Kontrolle die B-Probe herangezogen (vgl. NADA, Doping-Kontrollsystem; 2019).

4.4 Strafen

Bevor es aufgrund eines Dopingvergehens zu einer möglichen Strafe kommt, findet das so­genannte Ergebnismanagement Anwendung. Der nationale Anti-Doping-Code (Artikel 7.1.1., vgl. NADA, Nationaler Dopingcode; 2019) umschreibt Ergebnismanagement als „den Vor­gang ab Kenntnis von einem von der Norm abweichenden oder Atypischen Analyseergebnis oder von einem möglichen anderen Verstoss gegen Anti-Doping-Bestimmungen oder von einem möglichen Meldepflichtversäumnis oder einer versäumten Kontrolle bis zur Durchfüh­rung eines Disziplinarverfahrens.“ Mögliche Sanktionen lassen sich in drei Teil-bereiche un­terteilen:

Sanktionen aufgrund eines positiven Analyseergebnisses

Nach einem positiven Dopingbefund wird vorab überprüft, ob für das Analyseergebnis even­tuell eine medizinische Ausnahmeregelung verantwortlich ist oder ob es zu Abweichungen bei der Messung im Labor gekommen sein könnte. Ist dies beides nicht der Fall, wird der Sportler informiert und aufgefordert, eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Aufgrund der Stellungnahme wird entschieden, ob ein Disziplinarverfahren eröffnet wird, oder nicht. Bei einer Verurteilung richtet sich das Strafmass nach der Schwere des Vergehens, wobei Verstösse erster Ordnung23 mit einer Suspendierung von zwei Jahren geahndet werden. Schwerere Verstösse haben eine Sperrung auf Lebenszeit zur Folge.

Sanktionen aufgrund von Meldepflicht- und Kontrollversäumnissen

Unter Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse fallen sowohl verpasste Termine für die Abga­be von Proben, als auch falsche und unvollständige Angaben zum aktuellen Aufenthaltsort. Für jedes Vergehen erhält der Sportler einen Eintrag (einen sogenannten „Strike“24 ). Handelt sich ein Athlet innerhalb von 12 Monaten drei „Strikes“ ein, wird ein Verfahren wegen Verstosses gegen die Anti-Doping-Bestimmungen eingeleitet. Dieses führt in der Regel zu einer Sperre von zwei Jahren.

Sanktionen aufgrund anderer Verstösse gegen Anti-Doping-Bestimmungen

Auch bei weiteren Sanktionen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen, wie z.B. die Einfluss­nahme auf einen Prüfer, wird vorab der Sportler informiert und gebeten, eine Stellungnahme abzugeben. Nach deren Prüfung wird wiederum entschieden, ob ein Verfahren eröffnet wird.

Seit dem 10. Dezember 2015 ist in Deutschland zusätzlich zu den Bestimmungen der NADA und der WADA das Anti-Doping-Gesetz in Kraft getreten. Mit der Einführung des Gesetzes wurde vor allem der Tatsache Rechnung getragen, dass Dopingvergehen aus strafrechtli­cher Sicht bisher über das Arzneimittelgesetz resp. das Betäubungsmittelgesetz sanktioniert wurden. Mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz wurden die Vorschriften des Arzneimittelgeset­zes und Betäubungsmittelgesetzes zusammengeführt (vgl. NADA; Gemeinsam gegen Do­ping; 2019).

5. Ökonomische Auswirkungen von Doping

Der folgende Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der ökonomischen Auswirkungen des Dopings im Profisport. Die Analyse unterteilt sich dabei in drei Teilab­schnitte: in einem ersten Teil sollen die möglichen finanziellen Auswirkungen von Doping aufgezeigt werden. In der Untersuchung werden dabei sowohl die Auswirkungen auf eine einzelne Sportlerkarriere, als auch auf ganze Sportarten beleuchtet. Im zweiten Abschnitt wird mithilfe der Spieltheorie geklärt, welche Anreize für die Einnahme von Doping bestehen und welche systemischen Anpassungen vorgenommen werden müssten, um Doping effektiv zu bekämpfen. Im dritten Teil werden die potentiellen Auswirkungen einer Aufhebung des Dopingverbots analysiert.

5.1 Finanzielle Auswirkungen

Zur Betrachtung möglicher finanzieller Auswirkungen von Doping im Profisport, soll in einem ersten Schritt untersucht werden, welche Auswirkungen ein Dopingvergehen auf die Karriere eines Sportlers haben kann.

5.1.1 Sportler (Lance Armstrong, Jan Ulrich)

Zur Beurteilung der möglichen finanziellen Folgen eines Dopingvergehens wird die Sportler­karriere eines Profi-Radfahrers betreffend der Einkünfte untersucht. Im Radsport kam es in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer Vielzahl von Dopingfällen. Dabei waren sowohl ein­zelne Athleten, als auch ganze Teams betroffen. Der wohl bekannteste Fall in der Geschich­te des Dopings im Radsport ist der Fall des Lance Armstrongs.

Armstrong begann seine Profi-Karriere in den frühen 90er Jahren. Nachdem er die ersten Erfolge als Profi feiern konnte, erkrankte Armstrong Mitte der 90er Jahre an Hodenkrebs und kehrte erst im Jahr 1998 nach überstandener Krankheit zurück auf die Rennstrecke. In den darauf folgenden zehn Jahren gewann er sieben Mal die Tour de France. Bei den Fans war er während dieser Zeit nicht nur aufgrund seiner starken fahrerischen Leistungen beliebt,

[...]


1 DOSB Bestandeserhebung 2018

2 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

3 Auf die bekanntesten Dopingfälle im Radsport wird im Verlauf der Arbeit noch eingegangen.

4 Dt. Welt-Anti-Doping-Agentur

5 Vgl. Welt-Anti-Doping-Code

6 Kapitel 4: Massnahmen der Dopingbekämpfung

7 Vgl. Daumann; 2013; S.13

8 Auf die bekanntesten Dopingfälle im Radsport wird im Verlauf der Arbeit noch eingegangen.

9 Es gilt festzuhalten, dass aufgrund von noch fehlenden flächendeckenden Befragungen aktuell noch keine ver­bindlichen Aussagen über die Häufigkeit der Verwendung von Doping im Breitensport getroffen werden kann.

10 Auf die bekanntesten Dopingfälle Im Radsport wird im Verlauf der Arbeit noch eingegangen.

11 WADA; Lausanne Declaration on Doping; 1999

12 Vgl. WADA, WHO WE ARE; 2019

13 Vgl. WADA, WHO WE ARE; 2019

14 Vgl. WADA, WHAT WE DO; 2019

15 BISP: „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“, 2013

16 September 1970 wurde vom DSB erstmals ein Regelwerk zur Bekämpfung des Dopings, sowie eine Liste mit verbotenen Substanzen erstellt.

17 Vgl. NADA; NADA feiert 10-jähriges Jubiläum; 2012

18 Beim Blutdoping soll der prozentuale Anteil der Blutkörperchen am Gesamtblutvolumen gesteigert werden (vgl. Daumann, 2013, S. 26)

19 Transformationsprodukte, welche hauptsächlich aus Hanfpflanzen gewonnen werden.

20 Beta Blocker sind Substanzen, die eingesetzt werden können um Herzfrequenz und den Blutdruck zu senken (vgl. Daumann, 2013, S. 35)

21 Vgl. WADA, What is prohibited; 2019

22 Je nach Sportler, Sportart, Risiko, etc. werden die Sportler in verschiedenen Testpools mit verschiedenen Auf­lagen (z.B. Meldepflicht) unterteilt (vgl. NADA, Doping-Kontrollsystem; 2019)

23 Anwendung von Amphetaminen, Anabolika, narkotische Analgetika, Hormone, Blutdoping sowie Manipulation von Testproben oder Betablockern

24 „ Strike“ stammt als Begriff aus dem Baseball. Dort erhält der Schlagmann drei Chancen den Ball zu treffen, jeder Fehlversuch wird als „Strike“ bezeichnet und nach drei Strikes wechselt der Schlagmann

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Die ökonomischen Auswirkungen von Doping im Profisport
Untertitel
Welche Konsequenzen hätte eine Aufhebung des Doping-Verbots?
Hochschule
Hochschule Wismar
Note
1.9
Autor
Jahr
2019
Seiten
53
Katalognummer
V1190544
ISBN (Buch)
9783346630025
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Sportmanagement
Arbeit zitieren
Yves Kopp (Autor:in), 2019, Die ökonomischen Auswirkungen von Doping im Profisport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190544

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