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Der Komplex "Schluss mit dem Schuldbekenntnis". Die Verschiebung des Sagbaren im erinnerungspolitischen Diskurs durch die "Neuen Rechten"

Título: Der Komplex "Schluss mit dem Schuldbekenntnis". Die Verschiebung des Sagbaren im erinnerungspolitischen Diskurs durch die "Neuen Rechten"

Trabajo Escrito , 2020 , 19 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Leon Maack (Autor)

Medios / Comunicación - Medios y política, comunicaciones políticas
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Ausgehend von der viel beachteten Rede bei der "Jungen Alternative Sachsen" des AfD-Politikers Björn Höcke im Jahre 2017 ergründet diese Hausarbeit die Geschichte des sekundären Antisemitismus und der "Schlussstrich"-Forderung im bundesdeutschen Diskurs.

Auf Einladung des Verbandes Sozialistischer Studenten Österreichs hielt Theodor W. Adorno am 6. April 1967 an der Wiener Universität einen Vortrag, der im Hinblick auf die jüngsten Wahlerfolge der extrem rechten Partei Alternative für Deutschland erschreckend aktuell wirkt. Adorno attestierte den Menschen in Deutschland eine "immerwährende […] Angst um ihre Nationale Identität" und einen "Komplex Schluss mit dem Schuldbekenntnis".

Diese Diagnose scheint heute genauso auf die sogenannte "Neue Rechte" und ihren parlamentarischen Arm, die AfD, zuzutreffen. Zentral für das politische Profil der Partei sind seit der Einreise von mehr als einer Million Schutzsuchenden in den Jahren 2015 und 2016 vor allem offene Xenophobie und gebetsmühlenartige Kritik an der deutschen Migrationspolitik. Mit dieser Kritik geht neben der Diffamierung der "Altparteien" auch eine Forderung nach einem patriotischen Nationalbewusstsein einher, die häufig sekundär antisemitisch ist.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die AfD und die Schlussstrich-Forderung

Björn Höckes Dresdner Rede

Martin Walsers Rede in der Paulskirche

Richard von Weizsäckers Rede zum 8. Mai

Die Kollektivschuldthese und deutsche Erinnerungspolitik seit 1945

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die Verschiebung des Sagbaren im erinnerungspolitischen Diskurs Deutschlands. Dabei untersucht sie, wie der Komplex „Schluss mit dem Schuldbekenntnis“ sowie sekundärer Antisemitismus gezielt von der ‚Neuen Rechten‘ und insbesondere der Partei AfD aufgegriffen werden, um diese Ideologien gesellschaftlich salonfähig zu machen.

  • Die Rolle der AfD bei der Forderung nach einem erinnerungspolitischen Schlussstrich.
  • Die Analyse von Schlüsselreden (Höcke, Walser, von Weizsäcker) als Wendepunkte des Diskurses.
  • Die Instrumentalisierung der Kollektivschuldthese zur Identitätsstiftung.
  • Die rhetorische Strategie der Täter-Opfer-Umkehr und Geschichtsrevisionismus.
  • Die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die deutsche Erinnerungskultur und das jüdische Leben in Deutschland.

Auszug aus dem Buch

Die Kollektivschuldthese und deutsche Erinnerungspolitik seit 1945

Richard von Weizsäcker distanzierte sich in seiner Rede von dem Vorwurf einer deutschen Kollektivschuld, also einem alle Deutschen erfassendes Schuldbekenntnis: „Schuld oder Unschuld eines ganzen Volkes gibt es nicht. Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich.“ Unabhängig von Schuld und Unschuld seien jedoch alle Deutschen von den „Folgen [der deutschen Vergangenheit] betroffen und für sie in Haftung genommen.“

Der Begriff der Kollektivschuld war eine der Grundvokabeln im Streit um die historische Bewertung der NS-Zeit im politischen Diskurs Nachkriegsdeutschlands und ist bis heute ein häufig bemühter politischer Kampfbegriff der Rechten. Hannah Arendt empfand das Konzept ebenfalls als fehlerhaft, denn: „Wo alle schuldig sind, ist niemand schuldig.“ Arendt beobachtete außerdem ein weiterverbreitetes Widerstreben, „die Mörder unter uns“ zur Verantwortung zu ziehen sowie „ein beträchtliches Talent für Understatements“ Nachkriegsdeutschlands bezüglich seiner Nazivergangenheit. Von rechts wurden hingegen seit Kriegsende die von den Besatzungsmächten erzwungene ‚Vergangenheitsbewältigung‘ inklusive der ‚Umerziehung‘ und dem angeblichen Kollektivschuldvorwurf beklagt, dessen emphatische Zurückweisung auch über rechte Kreise hinaus ging.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die AfD und die Schlussstrich-Forderung: Diese Einleitung beleuchtet den aktuellen Kontext der Forderung nach einem erinnerungspolitischen Schlussstrich und verknüpft Adornos Diagnose aus den 1960er Jahren mit der heutigen politischen Rhetorik der AfD.

Björn Höckes Dresdner Rede: Das Kapitel analysiert Höckes Rede von 2017 als konkretes Beispiel für die Leugnung der Kontinuität von NS-Verbrechen und die aggressive Instrumentalisierung des Opfermythos.

Martin Walsers Rede in der Paulskirche: Die Untersuchung zeigt auf, wie Walsers Friedenspreisrede von 1998 die Grenzen des Sagbaren verschob und als rhetorisches Muster für spätere rechte Narrative diente.

Richard von Weizsäckers Rede zum 8. Mai: Hier wird der Kontrast zwischen Weizsäckers historischer Einordnung des 8. Mai als „Tag der Befreiung“ und dessen Umdeutung durch rechte Akteure als nationale Schmach dargestellt.

Die Kollektivschuldthese und deutsche Erinnerungspolitik seit 1945: Dieses Kapitel dekonstruiert den politischen Kampfbegriff der Kollektivschuld und dessen Funktion als Schutzschild gegen eine ehrliche Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte.

Fazit: Das Fazit fasst den aggressiven Machtanspruch der AfD zusammen und warnt vor der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Narrative in der Mitte der Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Sekundärer Antisemitismus, AfD, Erinnerungskultur, Kollektivschuld, Geschichtsrevisionismus, Täter-Opfer-Umkehr, Schlussstrich-Forderung, Neue Rechte, Holocaust-Gedenken, Nationalsozialismus, Diskursanalyse, Identitätspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse, wie rechtspopulistische Akteure, insbesondere die AfD, den erinnerungspolitischen Diskurs in Deutschland beeinflussen und durch die Forderung nach einem „Schlussstrich“ den sekundären Antisemitismus fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die deutsche Erinnerungskultur seit 1945, die Instrumentalisierung von Geschichte zu Identitätszwecken, der Begriff des sekundären Antisemitismus und die rhetorischen Strategien der „Neuen Rechten“.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Verschiebung des Sagbaren und die Normalisierung von geschichtsrevisionistischen Aussagen die gesellschaftliche Akzeptanz für antisemitische Narrative gesteigert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Diskursanalyse, um die rhetorischen Muster in ausgewählten Reden und politischen Programmen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zentrale historische und aktuelle Reden (Höcke, Walser, Weizsäcker) analysiert sowie die Instrumentalisierung der Kollektivschuldthese kritisch hinterfragt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie sekundärer Antisemitismus, Erinnerungsabwehr, Geschichtsrevisionismus und Täter-Opfer-Umkehr charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Höckes Interpretation der deutschen Geschichte von der Weizsäckers?

Während Weizsäcker den 8. Mai als notwendigen Wendepunkt zur Befreiung und Übernahme von Verantwortung begreift, deutet Höcke ihn als Angriff auf eine homogene nationale Identität um, um Deutschland in der Opferrolle zu stilisieren.

Warum wird die „Schuldabwehr“ als Kernproblem der heutigen politischen Kultur beschrieben?

Die Schuldabwehr dient laut Arbeit als Schutzschild, um eine ehrliche, schmerzhafte Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen zu verhindern und eine ungestörte positive nationale Identität zu konstruieren.

Final del extracto de 19 páginas  - subir

Detalles

Título
Der Komplex "Schluss mit dem Schuldbekenntnis". Die Verschiebung des Sagbaren im erinnerungspolitischen Diskurs durch die "Neuen Rechten"
Universidad
Leuphana Universität Lüneburg
Curso
Aktuelle Entwicklungen des Antisemitismus in Politik, Religion und Medien
Calificación
1,3
Autor
Leon Maack (Autor)
Año de publicación
2020
Páginas
19
No. de catálogo
V1190637
ISBN (PDF)
9783346633149
ISBN (Libro)
9783346633156
Idioma
Alemán
Etiqueta
komplex schluss schuldbekenntnis verschiebung sagbaren diskurs neuen rechten
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Leon Maack (Autor), 2020, Der Komplex "Schluss mit dem Schuldbekenntnis". Die Verschiebung des Sagbaren im erinnerungspolitischen Diskurs durch die "Neuen Rechten", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190637
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