Der Aufwand für die Erstellung und Pflege einer Internetpräsenz erhöht sich mit wach-sendem Umfang und steigender Aktualisierungsrate. Während Webdesinger kleinere Präsenzen lokal erstellen und im Quelltext optimieren können, werden im Umfeld größerer Umgebungen hierfür meist Content Management Systeme (CMS) eingesetzt. Diese bieten den Vorteil, dass die anfallenden Aufgaben auf entsprechend spezialisierte Personengruppen verteilt werden können. Für die Erstellung des Inhaltes sind in diesem Fall Redakteure verantwortlich. Durch ein CMS können sie ihre Aufgaben ohne Kenntnisse der zu Grunde liegenden Techniken, wie HTML oder CSS, ausführen. Die Kombination aus Verantwortung für den Inhalt sowie fehlendem Grundlagenwissen kann zu Barrieren innerhalb der Internetseiten führen. Hierdurch können Personengruppen mit bestimmten persönlichen oder technischen Einschränkungen den bereitgestellten Inhalt nicht oder nur bedingt nutzen. Dies ist zu vermeiden. Neben Gesetzen und Verordnungen, welche das Einhalten einer Barrierefreiheit für meist öffentliche Träger vorschreiben, führt der Abbau von Hindernissen zu der Erhöhung der Anzahl potenzieller Besucher. Da das primäre Ziel jeder Internetseite zunächst das Generieren von Aufmerksamkeit darstellt, tragen Aspekte der Barrierefreiheit zur Zielmaximierung bei. Für die Auswahl eines geeigneten CMS steht eine Vielzahl an kommerziellen und nicht-kommerziellen Systemen zur Verfügung. Für die nachfolgenden Betrachtungen wurde TYPO3 ausgewählt. Dieses kann aufgrund seines Funktionsumfangs als Enterprise-Lösung eingestuft werden. Durch das Open Source Lizenzmodell und seine Gestaltung als plattformunabhängige Serverapplikation ist es vielseitig und auch in nichtkommerziellen Umgebungen einsetzbar. Letztlich umgibt TYPO3 eine, vor allem in Deutschland, aktive Anwendergruppe, welche durch das Programmieren von Extensions den Funktionsumfang des Systems ständig erweitert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Barrierefreiheit
2.1 Barrieregründe
2.1.1 Sehbehinderungen
2.1.1.1 Blindheit
2.1.1.2 Fehlsichtigkeit
2.1.1.3 Farbfehlsichtigkeit
2.1.1.4 Weitere Sehbehinderungen
2.1.2 Sonstige Behinderungen
2.1.2.1 Hörbehinderungen
2.1.2.2 Kognitive Behinderungen
2.1.2.3 Motorische Behinderungen
2.1.3 Weitere Barrieregründe
2.1.3.1 Senioren
2.1.3.2 Fremdsprachler
2.1.3.3 Technische Einschränkungen
2.2 Rahmenbedingungen
2.2.1 WCAG
2.2.1.1 W3C / WAI
2.2.1.2 WCAG 1.0
2.2.1.3 WCAG 2.0
2.2.2 BITV
2.2.2.1 Allgemeines
2.2.2.2 Kriterien
2.2.2.3 Prioritäten & Konformität
2.2.3 Weitere
2.2.3.1 ISO 9241
2.2.3.2 Section 508
2.2.3.3 Proprietäre Richtlinien
3 Anforderungen an Inhalte
3.1 Texte
3.1.1 Gliederung von Text
3.1.2 Semantische Auszeichnungen
3.1.3 Optische Auszeichnungen
3.1.4 Einfache Sprache
3.2 Bilder und Grafiken
3.2.1 Auswahl
3.2.2 Alternativen
3.3 Links
3.3.1 Linkformen
3.3.2 Weitere Aspekte
3.4 Tabellen
3.4.1 Tabellen-, Zeilen- und Spaltenüberschriften
3.4.2 Zusammenfassungen
3.4.3 Optische Gestaltung
3.5 Formulare
3.5.1 Feldbeschriftung
3.5.2 Gruppierung
3.5.3 Gestaltung
3.6 sonstige Inhalte
3.6.1 Audio- und Videodateien
3.6.2 PDF und andere Formate
3.6.3 Aktive Inhalte
4 Umsetzung in TYPO3
4.1 Allgemeines
4.1.1 Abgrenzung
4.1.2 BITV für den TYPO3 Einsatz
4.1.2.1 Bedingungen für den Redakteur
4.1.2.2 Bedingungen an TYPO3
4.1.2.3 Bedingungen an sonstige Personen
4.2 Grundlegende Anpassungen in TYPO3
4.2.1 Installation
4.2.2 Texterstellung
4.2.2.1 Gliederung
4.2.2.2 Semantische Auszeichnungen
4.2.2.3 Optische Auszeichnungen
4.2.2.4 Sonstiges
4.2.3 Einfügen von Bildern und Grafiken
4.2.3.1 Auswahl
4.2.3.2 Alternativen
4.2.4 Einfügen von Links
4.2.5 Einfügen von Tabellen
4.2.5.1 Tabellen-, Zeilen- und Spaltenüberschriften
4.2.5.2 Zusammenfassungen
4.2.5.3 Optische Gestaltung
4.2.5.4 Fazit
4.2.6 Formulare
4.2.7 Sonstige Inhalte
4.2.7.1 Audio- und Videodateien
4.2.7.2 Dateilisten
4.2.7.3 Aktive Inhalte
4.2.8 Fazit
4.3 Extensions
4.3.1 Extensions zur Barrierefreiheit
4.3.1.1 Accessible Content
4.3.1.2 Accessible Content Attributes
4.3.1.3 Accessible Colors
4.3.1.4 Accessibility Glossary
4.3.1.5 Accessibility Glossary Plus
4.3.1.6 Akronymmanager
4.3.2 Extensions zur Evaluation
4.3.2.1 Oblady Accessibility Report
4.3.2.2 Page Validator
4.3.2.3 Validator
4.3.2.4 Page content check
4.3.2.5 UserTask Center, Tasks, Workflow
4.3.2.6 Rating
4.3.3 Sonstige Extensions
4.3.3.1 Überprüfung der Barrierefreiheit
4.3.3.2 Beispiel Address List
4.3.3.3 Handbuch als eigene Extension
4.3.4 Fazit
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Aspekte des barrierefreien Betriebs von Internetpräsenzen unter der Verwendung des Content Management Systems TYPO3, mit einem besonderen Fokus auf die redaktionelle Inhaltsgestaltung.
- Analyse von Barrieregründen bei unterschiedlichen Personengruppen (Sehbehinderte, kognitiv/motorisch Eingeschränkte etc.)
- Untersuchung rechtlicher Rahmenbedingungen wie BITV und WCAG
- Ableitung konkreter Anforderungen an Webinhalte für eine barrierefreie Umsetzung
- Technische Umsetzung der Anforderungen innerhalb von TYPO3 und unterstützende Extensions
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Blindheit
Die stärkste Form der Sehbehinderungen ist die Blindheit (Amaurose). Diese bedeutet für die Betroffenen eine derart hohe Einschränkung der Augenfunktion, so dass eine visuelle Aufnahme von Informationen nahezu oder gänzlich unmöglich ist. Nach dem Gesetz gilt ein Mensch als blind, wenn er eine Sehschärfe von weniger als zwei Prozent oder ein Gesichtsfeld von weniger als fünf Grad hat. In der Medizin hingegen wird die Blindheit als völliger Verlust der visuellen Wahrnehmung verstanden.
Durch den Verlust des Sehvermögens zur Informationsaufnahme, müssen Blinde dies durch andere Sinnesorgane kompensieren. Bei der Arbeit mit dem Computer nutzen sie daher alternative Ausgabemedien zum Bildschirm und zum herkömmlichen Drucker. Zu diesen assistiven Technologien zählen Tastaturen mit einer Braillezeile. Die Braillezeile stellt die Zeichen des Alphabets mit Hilfe von acht auf- und abwärts beweglichen Stiften dar. Dies kann von entsprechend geschulten Menschen mit den Fingerkuppen ertastet werden. Eine Zeile umfasst dabei zwischen 20 bis 80 Zeichen. Es existieren auch dreizeilige Ausführungen mit jeweils zwölf Zeichen pro Zeile. Durch die begrenzte Möglichkeit Informationen mittels acht Stiften darzustellen, wird zunächst der reine Text ausgegeben. Spezielle Formatierungen und Statusinformationen müssen von den Anwendern explizit ausgelesen werden. Hierzu können Zusatztasten der Braillezeile genutzt werden. Das Vorhandensein eines Textlinks wird durch einen zusätzlichen Punkt dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Herausforderungen der Erstellung und Pflege von Internetinhalten in CMS-Umgebungen und erläutert die Relevanz barrierefreier Webseiten.
2 Grundlagen der Barrierefreiheit: Analysiert verschiedene Barrieregründe sowie internationale Richtlinien wie WCAG und die deutsche BITV.
3 Anforderungen an Inhalte: Leitet aus den Grundlagen technische und inhaltliche Anforderungen an Texte, Bilder, Links, Tabellen und Formulare ab.
4 Umsetzung in TYPO3: Untersucht die praktische Anwendung der barrierefreien Anforderungen in TYPO3 und bewertet geeignete Extensions.
5 Resümee: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Potenziale von TYPO3 für einen barrierefreien Web-Betrieb.
Schlüsselwörter
Barrierefreiheit, TYPO3, BITV, WCAG, Content Management System, Redakteur, Webdesign, Screenreader, Barrieregründe, XHTML, CSS, Usability, Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung, Web-Accessibility-Initiative.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Aspekte der Barrierefreiheit im Kontext der Pflege von Internetinhalten unter Verwendung des Content Management Systems TYPO3.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Barrieregründe bei verschiedenen Nutzergruppen, relevante rechtliche Normen (WCAG/BITV) und deren konkrete Umsetzung durch den Redakteur in einem CMS.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Anforderungen an Web-Inhalte zu definieren, die eine barrierefreie Nutzung ermöglichen, und aufzuzeigen, wie diese in TYPO3 durch Konfiguration und Extensions umgesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Barrierefreiheitsstandards und einer darauf aufbauenden Evaluierung der Funktionen des Content Management Systems TYPO3.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Textgliederung, semantische Auszeichnungen und alternative Inhalte technisch so in TYPO3 integriert werden können, dass sie gesetzlichen Anforderungen wie der BITV entsprechen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Barrierefreiheit, TYPO3, BITV, WCAG, Content Management, Redakteursarbeit und Webdesign.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Redakteur und Designer?
Der Designer legt die technische Struktur (CSS/Templates) fest, während der Redakteur für die inhaltliche semantische Korrektheit (z.B. korrektes Setzen von Überschriften, Alternativtexten) innerhalb der vorgegebenen Strukturen verantwortlich ist.
Welche Rolle spielen Extensions in TYPO3?
Extensions ergänzen TYPO3 um Funktionalitäten wie automatisierte Kennzeichnungen oder Validierungstools, um Redakteure bei der Erstellung barrierefreier Inhalte zu unterstützen, wobei deren Nutzen kritisch geprüft werden muss.
- Quote paper
- Robert Arens (Author), 2008, Aspekte des barrierefreien Betriebs von TYPO3 mit dem Schwerpunkt der Pflege von Inhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119088