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Wir und die Anderen - Bedürfnis und Abgrenzung. Lessings Nathan im postkolonialen Blick des Anderen

Titre: Wir und die Anderen - Bedürfnis und Abgrenzung. Lessings Nathan im postkolonialen Blick des Anderen

Dossier / Travail de Séminaire , 2022 , 22 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Julius Rind (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Ausgehend von der These, dass zunehmend pluralistische Gesellschaften weniger durch gemeinsame Werte, als vielmehr durch geregelte Konflikte im Blick des Anderen zusammengehalten werden, ist das Ziel dieser Arbeit, den Blick auf den Menschen insofern zu schärfen, als gezeigt wird, dass ihm das Andere individuell und gesellschaftlich natürlich ist. Dafür werden die Spurenelemente des Anderen in Lessings Nathan am Beispiel des Tempelherrn nachgezeichnet und mit Mendelssohns Überlegungen zur Trennung von Staat und Kirche verknüpft, um das Anregungspotenzial des Nathans im Umgang mit Minoritäten und citizenship zu reflektieren. Es wird der Versuch unternommen, zu zeigen, dass Lessing den „Blick für die Präsenz des je Anderen“ insofern vollzieht, als er „aktives Sich Einlassen auf Andersglaubende und Andersdenkende“ einer utopischen Gleichheit der Menschen vorzieht.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über das Wir, die Gleichheit und die Anderen

3. Lessings und Mendelssohns Jerusalem – der richtige falsche Ort

3.1 Der Blick des Anderen im Nathan

3.1.1 Der Tempelherr: Riss im Sein

3.1.2 Der Tempelherr: Cross-cutter

4. Die Familie – ein enges Wir schließt den Konflikt

5. Ausblick und Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Toleranz und Assimilation in pluralistischen Gesellschaften unter Rückgriff auf Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise". Ziel ist es, durch die Analyse der Figur des Tempelherrn und der religionsphilosophischen Überlegungen von Moses Mendelssohn aufzuzeigen, dass ein gelingendes Miteinander nicht auf einem homogenen "Wir" oder einer erzwungenen Assimilation beruhen sollte, sondern auf der Anerkennung des Anderen in seiner Differenz durch den Austausch im "Blick des Anderen".

  • Kritische Analyse des Toleranzbegriffs und der Problematik von Leitkultur-Konzepten.
  • Untersuchung der Identitätsbildung durch die Konfrontation mit dem Anderen im Sinne existenzialistischer Philosophie.
  • Analyse der Figur des Tempelherrn in Lessings "Nathan" als Modell für Grenzüberschreitung und Subjektivitätsentwicklung.
  • Reflektion der Bedeutung von individueller Freiheit und Universalrechten für ein konfliktfreies Zusammenleben.

Auszug aus dem Buch

Der Tempelherr: Riss im Sein

Aufgewachsen als „Christ; kämpft er als junger Mann militant für „seinen Gott“. Aber zugleich steckt in ihm muslimisches Erbe; einem Muslimen verdankt er sein Leben, und in eine „Jüdin“ ist er unsterblich verliebt.“72 Lessing deutet schon zu Beginn des Nathans an, dass der Tempelherr keine monologische Selbstbegründung durchlaufen wird, sondern, dass bei ihm die „Begegnung mit dem Anderen […] für das Verständnis von Subjektivität entscheidend wird.“73 Die zunächst christlich-ritterliche Selbstgenügsamkeit des Tempelherrn, die sich in der Verachtung des jüdischen Glaubens und dem Widerstand gegen einen Besuch bei Nathan spiegelt, bricht im Moment der Rettung Rechas. Nathans Dank wiegelt der Tempelherr weniger aus ritterlicher Pflichtethik ab, die ihn bindet, „dem Ersten Dem Besten beizuspringen,“ sondern er öffnet sich auch persönlich, wenn er mitteilt: „Mein Leben war mir ohnedem In diesem Augenblicke lästig. Gern, Sehr gern ergriff ich die Gelegenheit, Es für ein andres Leben in die Schanze zu schlagen: für ein andres […].“74 Die religiös gezogenen Grenzen zwischen Juden, Christen und Muslimen werden im Tempelherrn nicht nur genealogisch verwischt, sondern insbesondere durch die Erkenntnis, dass sich „das Selbstverständnis des einzelnen nicht im reinen Selbstbezug bildet“75 verhandelt.

Die durch äußere Umstände ausgelöste Identitätskrise wird zum entscheidenden Moment, vorhandene dogmatisch, religiöse Strukturen zu brechen. Da ist die Liebe zu Recha, die das religiöse Selbstverständnis als „Grenzerfahrung […] herausfordert.“76 Durch das Riskieren des eigenen Lebens für die Rettung eines anderen Lebens wird die „Außenperspektive bestimmend für die Rede von Subjektivität.“77 Denn Recha wird, als zufälliges Objekt, zum individuellen Bedürfnis nach dem Anderen, das die Verhandlung der eigenen Position ermöglicht. Die potenzielle Aufgabe der existenziellen Selbstbehauptung in der Rettung des Mädchens löst den Tempelherrn aus der „Einsamkeit und Beziehungslosigkeit zum Anderen“ und wird gleichzeitig zur „Möglichkeit, aus dem [eigenen] Sein auszubrechen,“78 das vom christlich-kirchlichen Ehrkodex geprägt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik von Toleranz und Assimilation in modernen Gesellschaften und führt die postkoloniale Fragestellung sowie die zentrale Thematik des "Anderen" ein.

2. Über das Wir, die Gleichheit und die Anderen: Dieses Kapitel dekonstruiert den Toleranzbegriff und das Verständnis eines homogenen "Wir" und stellt die Notwendigkeit dar, den Anderen nicht durch Duldung, sondern durch Kontakt und Anerkennung einzubeziehen.

3. Lessings und Mendelssohns Jerusalem – der richtige falsche Ort: Hier wird der historische Kontext der Aufklärung und das preußische Streben nach Assimilation analysiert, um Lessings "Nathan" als eine gesellschaftliche Antithese zur Realität der Zeit zu kontrastieren.

3.1 Der Blick des Anderen im Nathan: Dieses Unterkapitel fokussiert auf die literarische Darstellung des Konflikts zwischen den Religionen in Lessings Drama und die daraus resultierende Erfahrung von Subjektivität.

3.1.1 Der Tempelherr: Riss im Sein: Die Analyse konzentriert sich auf die Identitätskrise des Tempelherrn, ausgelöst durch die Rettung Rechas und die Infragestellung seiner dogmatischen christlichen Prägung.

3.1.2 Der Tempelherr: Cross-cutter: Das Kapitel beleuchtet den Tempelherrn als Grenzgänger, der durch die Liebe und die Begegnung mit dem Anderen starre religiöse Rollenbilder überwindet.

4. Die Familie – ein enges Wir schließt den Konflikt: Dieses Kapitel kritisiert den Familienschluss des Stücks, da dieser den positiven Konflikt in der idyllischen Blutsverwandtschaft erstickt und somit die kritische Kraft für ein offenes "Wir" mindert.

5. Ausblick und Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die Offenheit des Konflikts als Potenzial für den Rezipienten erhalten bleiben muss, um echte Anerkennungsprozesse jenseits naiver Menschheitsfantasien zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Toleranz, Assimilation, Nathan der Weise, Tempelherr, postkoloniale Perspektive, Anerkennung, Andere, Identität, Aufklärung, Religion, Bürgertum, Subjektivität, Diskurs, Konflikt, Citizenship.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Toleranz, Assimilation und Identitätsbildung. Dabei wird analysiert, wie Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" dazu genutzt werden kann, moderne gesellschaftliche Fragen des Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Religionen kritisch zu reflektieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Toleranzbegriff in pluralistischen Gesellschaften, die Rolle von individuellen Identitäten im Kontext religiöser Dogmen sowie die Bedeutung der Begegnung mit dem "Anderen" für eine gerechte soziale Koexistenz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass ein gelingendes Miteinander nicht auf der Angleichung oder Assimilation des Anderen basiert, sondern auf einem ständigen, konfliktgeladenen Austausch, der das Gegenüber als Individuum anerkennt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und philosophische Analyse. Die Arbeit kombiniert eine Textanalyse von Lessings "Nathan der Weise" mit postkolonialen und existenzialistischen Ansätzen sowie politischen Überlegungen von Denkern wie Moses Mendelssohn und Francesco Trincia.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entwicklung des Tempelherrn als Beispiel für eine gelungene, wenngleich schwierige Transformation vom dogmatischen Christentum hin zur Anerkennung des Anderen durch die Liebe zu Recha.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Publikation?

Die zentralen Begriffe sind Toleranz, Assimilation, Nathan der Weise, Identität, Anerkennung, Religion, Citizenship, Subjektivität und Konfliktfähigkeit.

Inwiefern spielt der "Tempelherr" eine Schlüsselrolle für die Argumentation des Autors?

Der Tempelherr fungiert als zentrale Figur des "Cross-cutters", der durch seine "Risse im Sein" – das Infragestellen seiner christlichen Herkunft und ritterlichen Identität – den Prozess der Öffnung gegenüber dem Anderen und die Kritik am totalitären "Wir" der Institutionen exemplarisch verkörpert.

Welche kritische Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Schlussszene des Dramas?

Der Autor kritisiert, dass der Familienschluss den im Stück angelegten positiven Konflikt erstickt. Die Flucht in die "Idylle der Blutsverwandtschaft" schließt Nathan aus und verhindert eine weiterführende Reflexion über ein offenes Miteinander im Kontext eines universellen Rechts.

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Résumé des informations

Titre
Wir und die Anderen - Bedürfnis und Abgrenzung. Lessings Nathan im postkolonialen Blick des Anderen
Université
RWTH Aachen University
Cours
Lessing und Mendelssohn in postkolonialistischer Perspektive
Note
1,0
Auteur
Julius Rind (Auteur)
Année de publication
2022
Pages
22
N° de catalogue
V1190977
ISBN (PDF)
9783346629265
ISBN (Livre)
9783346629272
Langue
allemand
mots-clé
Fremde Nathan Lessing Jerusalem Mendelssohn Andere Denken
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Julius Rind (Auteur), 2022, Wir und die Anderen - Bedürfnis und Abgrenzung. Lessings Nathan im postkolonialen Blick des Anderen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190977
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Extrait de  22  pages
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