Erstdruck in lateinischer Übersetzung: Neapel o.J. [ca. 1473-1478]. Erstdruck des griechischen Originals: Venedig 1495. Erste Übersetzung ins Althochdeutsche Anfang des 11. Jahrhunderts, erste Übersetzung ins Neuhochdeutsche durch Karl Zell, Stuttgart 1837. Der Text folgt der Übersetzung durch Julius Heinrich von Kirchmann von 1876.
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Zielsetzung & Themen
Das Werk "Hermeneutika oder Lehre vom Urteil" (Peri hermêneias) stellt eine fundamentale Untersuchung der aristotelischen Logik dar, die sich mit der Struktur von Aussagen, der Bedeutung von Wörtern sowie dem Verhältnis von Denken, Sprache und logischer Wahrheit befasst. Im Zentrum steht die Analyse, wie aus Begriffen und Zeitwörtern Aussagen gebildet werden und wie sich logische Gegensätze in Bejahung und Verneinung verhalten.
- Semantische Grundlagen von Haupt- und Zeitwörtern
- Die Struktur und logische Validität von Aussagen
- Das Verhältnis von Bejahung und Verneinung
- Logische Widersprüche und gegenteilige Urteile
- Notwendigkeit, Möglichkeit und die zeitliche Dimension logischer Aussagen
Auszug aus dem Buch
Neuntes Kapitel
Bei den seienden und gewordenen Dingen muss also die Bejahung oder die Verneinung wahr oder falsch sein und es muss bei den von einem Allgemeinen allgemein ausgesagten Bejahungen und Verneinungen immer die eine wahr und die andere falsch sein, und dies gilt auch, wie ich schon gesagt habe, dann, wenn die Bejahung oder Verneinung nur einen einzelnen Gegenstand betrifft. Dagegen ist dies bei den von einem Allgemeinen nicht allgemein ausgesagten Sätzen nicht notwendig; auch hierüber habe ich schon gesprochen.
Bei den einzelnen erst kommenden Dingen verhält es sich aber nicht ebenso. Denn wenn hier jede Bejahung und Verneinung ohne Ausnahme wahr oder falsch wäre und Alles entweder sein oder nicht-sein müsste und nun der Eine sagte, es werde sein, der Andere aber, es werde nicht sein, so ist klar, dass dann einer von beiden notwendig die Wahrheit sagte, wenn nämlich jede Bejahung und Verneinung entweder wahr oder falsch wäre; denn beides wird bei solchen Dingen nicht zugleich stattfinden. Wenn man nämlich in Wahrheit sagen kann, dass etwas weiss oder nicht weiss sei, so muss auch der Gegenstand weiss oder nicht weiss sein und ebenso muss, wenn der Gegenstand weiss oder nicht weiss ist, man in Wahrheit dies bejahen oder verneinen können.
Zusammenfassung der Kapitel
Erstes Kapitel: Einführung in die Grundlagen von Hauptwörtern, Zeitwörtern und der Entstehung von Aussagen durch deren Verbindung.
Zweites Kapitel: Definition des Hauptwortes als konventionelles Zeichen ohne Zeitbestimmung und Abgrenzung zu Beugungen.
Drittes Kapitel: Bestimmung des Zeitwortes als Ausdruck, der zusätzlich zur Bedeutung die Zeit bezeichnet.
Viertes Kapitel: Analyse der Rede als Aussage, in der sich Wahrheit oder Falschheit manifestiert.
Fünftes Kapitel: Definition der aussagenden Rede als Verbindung von Haupt- und Zeitwort sowie Differenzierung einfacher und zusammengesetzter Aussagen.
Sechstes Kapitel: Erläuterung des gegenseitigen Verhältnisses von Bejahung und Verneinung.
Siebentes Kapitel: Untersuchung allgemeiner und einzelner Gegenstände sowie der Widersprüche zwischen Bejahungen und Verneinungen.
Achtes Kapitel: Bestimmung der Einheit von Bejahung und Verneinung bei Aussagen über dasselbe Objekt.
Neuntes Kapitel: Erörterung der Wahrheit bei zeitlich fixierten Gegebenheiten im Kontrast zu zukünftigen, noch unbestimmten Ereignissen.
Zehntes Kapitel: Strukturierung der logischen Zusammenstellungen von vierfacher Aussageform durch Hinzufügung des "ist".
Elftes Kapitel: Untersuchung der logischen Einheit bei der Verbindung mehrerer Bestimmungen in einem Satz.
Zwölftes Kapitel: Analyse der Bejahung und Verneinung hinsichtlich der Kategorien des Möglichen, Notwendigen, Statthaften und Unmöglichen.
Dreizehntes Kapitel: Systematische Zusammenstellung der gegenseitigen Austauschbarkeit logischer Bestimmungen.
Vierzehntes Kapitel: Erörterung der Frage, was als das wahre Gegenteil einer Bejahung anzusehen ist.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Logik, Hermeneutik, Bejahung, Verneinung, Wahrheit, Falschheit, Zeitwort, Hauptwort, Aussage, Widerspruch, Notwendigkeit, Möglichkeit, logische Struktur, Urteilslehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk?
Das Werk behandelt die Grundlagen der aristotelischen Logik, insbesondere die Struktur von Aussagen und die Regeln logischer Gegensätze.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Sprachlogik, die Definition von Wortarten, die Wahrheitswerte von Aussagen sowie die Modalitäten des Möglichen und Notwendigen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Klärung, wie Aussagen über die Realität gebildet werden und wie sich logische Widersprüche innerhalb dieser Aussagen verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Aristoteles nutzt die analytische Methode der Begriffsbestimmung und logischen Differenzierung, um die Grundbausteine des Denkens und Sprechens zu isolieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verbindung von Haupt- und Zeitwörtern zu Sätzen, die Dynamik von Bejahung und Verneinung sowie komplexe modallogische Zusammenhänge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die zentralen Begriffe sind Aussagenlogik, Bejahung, Verneinung, Wahrscheinlichkeit, Notwendigkeit und Urteil.
Wie unterscheidet Aristoteles zwischen notwendigen und zufälligen Ereignissen in Bezug auf Aussagen?
Er argumentiert, dass während die Logik bei feststehenden Fakten eindeutig wahr oder falsch ist, bei zukünftigen, zufälligen Ereignissen die Aussagen noch keinen fixen Wahrheitswert besitzen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Hauptwort" und "Zeitwort" eine so große Rolle?
Diese Unterscheidung ist fundamental, da erst die Verbindung dieser beiden Elemente eine Aussage ermöglicht, die einen Wahrheitsgehalt besitzen kann.
- Citation du texte
- Aristoteles (Auteur), 2008, Hermeneutika oder Lehre vom Urtheil - Peri hermêneias, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119104