Die Arbeit untersucht, welche Lehre(n) der Leser aus der zwölften "Novela ejemplar", dem "Coloquio de los perros", hinsichtlich der Hexenproblematik ziehen soll. Hierfür wird im Einleitungsteil als erstes der geschichtliche Hintergrund rund um den Hexenbegriff und die Hexenproblematik im Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts dargestellt.
Anschließend wird kurz erläutert, wo und wie man diese Problematik bei Cervantes wiederfindet. Für die eigentliche Analyse wird dann zunächst die vorhergehende Novelle, "El Casamiento engañoso", als Rahmenerzählung des "Coloquio", sowie sein Inhalt und seine Leitmotive vorgestellt. Im Anschluss wird das "Coloquio" selbst als zentrale Quelle dieser Arbeit hinsichtlich Inhalt, Aufbau und Thematik erläutert. Schließlich wird dann die Hexenszene als Schlüsselszene der Novelle behandelt und im Sinne der Fragestellung analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische und literarische Einordnung der Novelle
a. Cervantes und die Novelas ejemplares
b. Das Konzept der Hexerei: Teufelspakt, Ziegenbock, Hexensabbat, Salbung, Verwandlung
c. Magie und Hexerei in Spanien im 16. und 17. Jahrhundert
d. Magie und Hexerei bei Cervantes
2. El casamiento engañoso als Rahmenhandlung des Coloquio de los perros
3. El coloquio de los perros
a. Inhalt, Aufbau, Thematik der Novelle
b. Die Hexen von Montilla
c. Das Konzept der Hexerei im Coloquio de los Perros
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hexenproblematik in Miguel de Cervantes’ Novelle „Coloquio de los perros“ und analysiert, welche Lehren der Autor seinem Publikum in Bezug auf den zeitgenössischen Hexenglauben vermitteln möchte. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob Cervantes die Hexerei als reale Bedrohung oder als bloße Illusion und Betrug darstellt.
- Historische Einordnung des Hexenbegriffs im 16. und 17. Jahrhundert
- Die Rolle von El casamiento engañoso als Rahmenerzählung
- Analyse der Hexenszene als inhaltliches Bindeglied und Schlüsselelement
- Cervantes’ kritisch-parodistischer Umgang mit Aberglauben und übernatürlichen Phänomenen
- Der Einfluss des desengaño-Prinzips auf die erzählerische Gestaltung
Auszug aus dem Buch
Die Hexen von Montilla
Bevor es im nächsten Schritt zur interpretativen Betrachtung der Hexenszene kommt, werfen wir zunächst einen Blick auf das Setting und die Figuren, auf die wir in dieser Szene treffen. Cervantes wählt als Ort für die Hexenepisode die andalusische Stadt Montilla in der Provinz Córdoba und präsentiert uns drei dort ansässige Hexen: die mächtige Camacha und ihre zwei Schülerinnen, Cañizares und die vermeintliche Mutter Berganzas, Montiela.
Cervantes soll sich selbst zu Beginn der 1590er Jahre eine Zeit lang im Dienst der spanischen Armada in Montilla aufgehalten haben. Es ist anzunehmen, dass er diese Stadt nicht zufällig für die Novelle ausgesucht hat. Im Jahr 1572 fand hier ein Hexenprozess statt, in welchem fünf Frauen und ein Mann der Zauberei bezichtigt und verurteilt wurden. Eine dieser Hexen war Leonor Rodriguez. Sie war bekannt unter dem Namen „Camacha“ und galt landesweit als die wohl mächtigste Zauberin ihrer Zeit. Man sagt ihr Hochmut und Arroganz nach, sowie eine Vielzahl an Fähigkeiten, wie wir sie in der Camacha aus dem Coloquio wiederfinden. Es liegt also nahe davon auszugehen, dass Cervantes sich dieser wahren Begebenheit bedient hat und von ihr zur Erstellung seiner Figuren inspiriert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historische und literarische Einordnung der Novelle: Dieses Kapitel erläutert den literarischen Kontext der Novelas ejemplares und führt in die historischen Konzepte von Hexerei, Magie und deren Verfolgung in Spanien ein.
2. El casamiento engañoso als Rahmenhandlung des Coloquio de los perros: Das Kapitel analysiert die Funktion der Rahmenerzählung und stellt den unzuverlässigen Erzähler Campuzano vor, der den Leser zum Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der nachfolgenden Geschichte anregt.
3. El coloquio de los perros: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Inhaltsanalyse, beleuchtet die Rolle der Hexenfigur Cañizares in Montilla und untersucht, wie Cervantes das Hexenkonzept durch das Motiv der Salbung und des Traums entzaubert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Cervantes die Hexerei als Täuschung und Betrug entlarvt, um den Leser zu kritischem Denken gemäß dem desengaño-Prinzip anzuregen.
Schlüsselwörter
Cervantes, Coloquio de los perros, Hexenproblematik, Hexensabbat, Inquisition, Desengaño, Magie, Aberglaube, El casamiento engañoso, Camacha, Cañizares, Literaturgeschichte, Spanisches Siglo de Oro, Illusion, Betrug
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Hexenproblematik in Miguel de Cervantes’ Novelle „Coloquio de los perros“ und untersucht, wie der Autor zeitgenössische Konzepte von Magie und Hexenglauben aufgreift und reflektiert.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind der Hexenglaube im 16. und 17. Jahrhundert, die Rolle der Inquisition, die literarische Täuschungsdynamik in Cervantes’ Werk sowie das Zusammenspiel von Realität, Illusion und Betrug.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Cervantes Hexerei kritisch hinterfragt und als bloßes Konstrukt bzw. betrügerische Illusion entlarvt, um den Leser zu einer rationaleren Weltbetrachtung zu erziehen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text eng mit historischem Hintergrundwissen, zeitgenössischen theologischen Diskursen und biografischen Bezügen zu Cervantes verknüpft.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einbettung der Novelle in den Kontext der Novelas ejemplares, die Analyse der Rahmenerzählung „El casamiento engañoso“ sowie eine tiefgehende Untersuchung der „Hexenszene“ in Montilla.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Cervantes, Hexenproblematik, Inquisition, Desengaño, Magie, Aberglaube und Illusion.
Welche Rolle spielt der historische Prozess von Montilla?
Der reale Hexenprozess von 1572 in Montilla diente Cervantes vermutlich als konkrete Inspiration für die Figurenkonstellation und das Setting seiner Novelle, wodurch er geschichtliche Fakten literarisch verarbeitete.
Warum wird die Hexenszene als "Bindeglied" bezeichnet?
Die Hexenszene fungiert in der Arbeit als Verbindungsstück zwischen den Schilderungen des Lebens in den höheren gesellschaftlichen Kreisen und den Erfahrungen in der Welt der Mittellosen und Außenseiter.
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- Nathalie Thomas (Autor), 2019, Die Hexenproblematik im "Coloquio de los perros" von Cervantes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191127