Die Arbeit setzt sich mit der Frage der Konzeptualisierung von Geschlecht und Zugehörigkeit in der Autobiographie von Catalina de Erauso auseinander. Im ersten Schritt dient eine kurze inhaltliche Zusammenfassung des Werks und die historische Einordnung desselben zur Orientierung. Dabei wird insbesondere das Bild der Frau und die Idee von Geschlecht und travestismo in der spanischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts betrachtet.
Im zweiten Schritt werden die erläuterten Begriffe und Hintergrundinformationen zum Zweck der Interpretation mit Erausos Werk in Zusammenhang gesetzt. Hierbei liegt das Augenmerk auf der Darstellung von Geschlecht und Zugehörigkeit im Schreiben Erausos.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische und gesellschaftliche Kontextualisierung
2.1 Das Bild der Frau im Spanien des 17. Jahrhunderts
2.2 Geschlecht, sexuelle Identität und travestismo im Spanien des 17. Jahrhunderts
3. Geschlecht und Zugehörigkeit im Schreiben von Catalina Erauso
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeptualisierung von Geschlecht und sozialer Zugehörigkeit in der Autobiographie von Catalina de Erauso. Dabei wird analysiert, wie die Autorin durch ihre Flucht aus dem Kloster und ihr Leben als Mann in der frühneuzeitlichen spanischen Gesellschaft ihre Identität und ihren Platz in der Welt verhandelt.
- Historische Einordnung des Frauenbildes im Spanien des 17. Jahrhunderts.
- Analyse des Geschlechterkonzepts und der Bedeutung von travestismo.
- Untersuchung der autobiographischen Darstellung von Transformation und Identität.
- Diskussion über Zugehörigkeit, familiäre Entfremdung und den Wunsch nach Anerkennung.
- Reflexion über moderne Interpretationsansätze im Kontext der Genderforschung.
Auszug aus dem Buch
Geschlecht und Zugehörigkeit im Schreiben von Catalina Erauso
Der ausschlaggebende Grund für die Verkleidung der jungen Catalina bedarf zunächst keiner tieferen Analyse. Sie ist ganz einfach auf der Flucht und nutzt die Verkleidung, um nicht erkannt und zurück ins Kloster geschickt zu werden. Man kann also festhalten, dass die Verkleidung in erster Instanz ein Mittel ist, das ihr auf den Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit verhilft. Interessant ist hierbei allerdings, dass eben diese Verkleidung nie als solche benannt wird. Ebenso wenig erhalten wir als Lesende eine klare Aussage darüber, dass Erauso sich fortan als Mann ausgibt, bis sie schließlich ihre erste Pagenstelle antritt. Bis zu diesem Punkt spricht sie von sich im Feminin und erst als Page Francisco Loyola findet ein linguistischer Wechsel ins Maskulin statt. Der Geschlechterwechsel wird geschickt durch eine Aufzählung von Handlungen dargestellt, sodass die Transformation nicht ausgesprochen wird, sondern vielmehr eine sich den Lesenden aufdrängende Interpretation ist:
„Híceme, de una basquiña de paño azul con el que hallaba, unos calzones, y de un faldellín verde de perpetuán que traía debajo, una ropilla y polainas; el hábito me lo dejé por allí, por no saber qué hacer con él. Corteme el pelo, que tiré y a la tercera noche, deseando alejarme, partí no sé por dónde, calando caminos y pasando lugares, hasta venir a dar a Vitoria […].”
Die Autorin verzichtet geschickt darauf, das offensichtliche beim Namen zu nennen und lässt so auch die Frage der Intentionalität offen, sodass für die Lesenden weiterhin das Nicht-erkannt werden vordergründig bleibt. Durch diese Form der Darstellung passiert die Transformation von der Frau zum Mann eher unterschwellig und als wäre es etwas ganz Natürliches, ohne die Lesenden zu überrumpeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung der Arbeit ein und umreißt die methodische Vorgehensweise sowie die inhaltliche Zielsetzung.
2. Historische und gesellschaftliche Kontextualisierung: Hier werden das zeitgenössische Frauenbild, die kirchliche Kontrolle sowie das Geschlechtermodell und das Phänomen des travestismo im 17. Jahrhundert theoretisch beleuchtet.
3. Geschlecht und Zugehörigkeit im Schreiben von Catalina Erauso: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Umsetzung von Identitätswechsel und Zugehörigkeitsgefühl im autobiographischen Text der Autorin.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung von Erausos Lebensweg als Ausdruck eines Strebens nach Gleichberechtigung jenseits moderner Kategorien.
Schlüsselwörter
Catalina de Erauso, Autobiographie, Geschlecht, Zugehörigkeit, Spanien, 17. Jahrhundert, travestismo, Frauenbild, Identität, Transformation, Genderforschung, Freiheit, Patriarchat, Kloster, Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Autobiographie von Catalina de Erauso und untersucht, wie sie ihre Identität als Frau und ihre Suche nach Zugehörigkeit in einer patriarchal geprägten Gesellschaft des 17. Jahrhunderts literarisch verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das historische Frauenbild, die Rolle der Kleidung als Mittel zur Freiheit (travestismo), der gesellschaftliche Status von Frauen und die Auseinandersetzung mit familiärer Entfremdung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Erausos Transformation und ihr Schreiben vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher Normen zu analysieren, ohne sie vorschnell in moderne Kategorien wie Transsexualität einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Analyseansatz, der den Text der Autobiographie in einen historischen und sozialen Kontext setzt und diesen mit aktuellen Erkenntnissen der Genderforschung ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert zunächst die sozio-historischen Rahmenbedingungen für Frauen in Spanien und geht dann detailliert auf die textimmanente Darstellung von Erausos Geschlechterwechsel und ihren Wunsch nach Anerkennung ein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Catalina de Erauso, Identität, Geschlecht, Zugehörigkeit, travestismo und die historische Situation der Frau im 17. Jahrhundert.
Wie geht die Autorin mit dem Geschlechterwechsel im Text um?
Erauso beschreibt den Übergang nicht explizit als bewusste Entscheidung, sondern lässt den Wechsel linguistisch und durch die Erzählung ihrer Handlungen geschehen, was ihn für die Lesenden als natürlich wirken lässt.
Welche Rolle spielt die Familie für das Zugehörigkeitsgefühl?
Die Familie wird als erste, aber für Erauso abweisende Gemeinschaft identifiziert. Ihre Flucht und spätere Begegnung mit der Mutter symbolisieren den endgültigen Bruch und die Suche nach einem Platz in der Welt außerhalb des Elternhauses.
Wird Erauso in der Arbeit als Transperson bezeichnet?
Die Arbeit diskutiert diese Möglichkeit im Kontext der heutigen Genderforschung, betont jedoch, dass diese Kategorien für Erauso selbst keine Bedeutung hatten und ihre Handlung eher als verzweifelter Wunsch nach Freiheit und Gleichberechtigung zu verstehen ist.
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- Nathalie Thomas (Author), 2021, Geschlecht und Zugehörigkeit im Schreiben von Catalina de Erauso. Ein kurzer Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191130