Diese Seminararbeit handelt von der Lenkung des deutschen Außenhandels Nationalsozialismus. Durch verschiedene Maßnahmen und Regelungen versuchte die Reichsregierung ausreichend Devisen und Rohstoffe zur Aufrüstung und Erreichung ihrer ideologischen und territorialen Ziele bereitzustellen. Hauptproblem war in weiten Teilen der Mangel an Devisen, den man durch unterschiedliche Pläne und Verträge erfolglos zu lösen versuchte. Dadurch wurden die strategischen Möglichkeiten der Reichsregierung und Wehrmacht stark eingeschränkt, was sich mit auf die Entscheidung für die Strategie des Blitzkrieges ausgewirkt haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische Ausgangslage
2. Ziele der Wirtschaftspolitik
3. Rohstoffsituation
4. Devisenbewirtschaftung
5. Die Abwertungsdebatte
6. Subvention deutscher Exporteure
7. Clearingverträge
8. Südost-Verlagerung des Außenhandels
9. Außenpolitische Auseinandersetzungen und Boykotte
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus mit einem spezifischen Fokus auf die Lenkung des deutschen Außenhandels. Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Regime durch eine komplexe Steuerung von Devisen, Exportsubventionen und Handelsverträgen versuchte, die Autarkiebestrebungen und die kriegswichtige Rüstungsproduktion trotz knapper Ressourcen zu sichern.
- Historische Einordnung der deutschen Wirtschaft nach der Weltwirtschaftskrise
- Mechanismen der Devisenbewirtschaftung und Kapitallenkung
- Strategien zur Exportförderung und Handelspolitik (Clearingverträge)
- Die Auswirkungen der Außenpolitik auf den Außenhandel und Boykottmaßnahmen
- Rolle des Rohstoffmangels als Treiber für die Umstrukturierung der Handelsströme
Auszug aus dem Buch
Kapitel 4 – Devisenbewirtschaftung
Bis 1930 waren deutsche Defizite in der Handels- und Dienstleistungsbilanz noch über hohe Kapitalimporte aus dem Ausland auszugleichen. Durch die extreme Kapitalflucht in Folge der Weltwirtschaftskrise war die Situation für viele europäische Länder schwieriger geworden, jedoch für die Deutschen ganz besonders, da die Reparationsforderungen und Zinszahlungen zusätzlichen Druck ausübten und die Gold- und Devisenreserven der Reichsbank in dieser Folge extrem schwanden. Aus dem Grunde dieser Devisenknappheit wurde am 1. August 1931 die Verordnung über die Devisenwirtschaft erlassen, bei der die Reichsbank die volle Kontrolle über den Verkehr ausländischer Zahlungsmittel erhielt. Zur technischen Abwicklung wurden Devisenstellen eingerichtet, die der Reichsbank unterstellt wurden, ab 1933 der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung.
Ein freier Zahlungsverkehr mit ausländischen Geschäftspartnern war nun nicht mehr möglich, ebenso das Einlösen von Schecks und Wechseln ohne Genehmigung. Für ausländische Kreditgeber wurden die Schuldenrückzahlungen als Sperrmark auf inländischen Konten einbehalten, um weitere Kapitalflucht zu verhindern. Dieses Guthaben konnte nur noch für begrenzte Zwecke innerhalb Deutschlands, wie Beteiligungen oder deutsche Bonds verwendet werden. Gleichzeitig mussten auch der Warenhandel überwacht werden, da es ansonsten möglich gewesen wäre, auf diesem Weg Kapital in Form von Waren ins Ausland zu bringen. Um dies zu verhindern, mussten Exportvalutaerklärungen über den Wert der ausgeführten Waren abgegeben werden, um später sicherstellen zu können, dass im Gegenzug Devisen oder Werte gleicher Höhe zurück nach Deutschland kamen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historische Ausgangslage: Beschreibt die wirtschaftliche Instabilität Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg, geprägt von Inflation, Reparationslasten und den Auswirkungen des Börsen-Crashs von 1929.
2. Ziele der Wirtschaftspolitik: Erläutert das nationalsozialistische Bestreben nach autarker Selbstversorgung und territorialer Erweiterung zur Sicherung der Lebensgrundlagen.
3. Rohstoffsituation: Analysiert den Mangel an lebenswichtigen Rohstoffen und die staatliche Steuerung zur Priorisierung der Rüstungsindustrie gegenüber zivilem Konsum.
4. Devisenbewirtschaftung: Erklärt die strengen staatlichen Kontrollen des Devisenverkehrs und die Einführung der Sperrmark zur Unterbindung von Kapitalabflüssen.
5. Die Abwertungsdebatte: Diskutiert die Entscheidung des NS-Regimes, trotz wirtschaftlichen Drucks auf eine Abwertung der Währung zu verzichten, um die Stabilität der Reichsmark zu wahren.
6. Subvention deutscher Exporteure: Beschreibt die komplexen Verfahren und Programme zur Stützung des Exports, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Waren trotz Überbewertung der Währung zu erhalten.
7. Clearingverträge: Behandelt die Umstellung auf bilaterale Verrechnungsgeschäfte, die den Handel ohne direkte Devisenzahlungen ermöglichen sollten.
8. Südost-Verlagerung des Außenhandels: Zeigt die Verschiebung der Handelsströme in Richtung Südosteuropa auf, um politisch und wirtschaftlich gesicherte Rohstoffquellen zu erschließen.
9. Außenpolitische Auseinandersetzungen und Boykotte: Beleuchtet die Auswirkungen internationaler Boykotte und protektionistischer Maßnahmen auf den deutschen Außenhandel.
10. Fazit: Fasst zusammen, dass die Maßnahmen zwar kurzfristige Lenkungen ermöglichten, aber das strukturelle Problem der Rohstoffabhängigkeit und des Devisenmangels bis zum Kriegsbeginn nicht lösen konnten.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Außenhandel, Devisenbewirtschaftung, Autarkie, Rüstungswirtschaft, Clearingverträge, Sperrmark, Exportförderung, Weltwirtschaftskrise, Handelsbilanz, Rohstoffknappheit, Protektionismus, bilaterale Handelsabkommen, Reichsbank, Deflationspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus mit einem Fokus auf die Mechanismen der Außenhandelslenkung zwischen 1930 und 1939.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind Devisenbewirtschaftung, Autarkiebestrebungen, Exportförderungsmaßnahmen und die geografische Neuausrichtung der deutschen Handelsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das NS-Regime den Außenhandel instrumentalisierte, um die Rüstungspolitik und die Versorgung mit knappen Rohstoffen sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine wirtschaftshistorische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer statistischer Daten sowie einschlägiger wirtschaftswissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Etappen und Instrumente der Wirtschaftspolitik analysiert, darunter die Devisenknappheit, die Abwertungsdebatte, Exportsubventionen und bilaterale Clearingabkommen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Autarkie, Devisenzwangswirtschaft, bilaterale Handelsabkommen und Rüstungsökonomie geprägt.
Warum lehnte das NS-Regime eine Abwertung der Reichsmark ab?
Die Führung fürchtete eine psychologische Destabilisierung und das Risiko einer erneuten Hyperinflation, wie sie in den 1920er Jahren erlebt wurde.
Wie funktionierte das System der Clearingverträge konkret?
Clearingverträge ermöglichten den Handel durch direkte Verrechnung von Warenwerten in nationalen Währungen über Verrechnungsstellen, wodurch der Bedarf an frei konvertierbaren Devisen reduziert wurde.
Welche Bedeutung hatte die Südost-Verlagerung des Außenhandels?
Diese Verlagerung diente dazu, Rohstoffbezüge in Regionen zu sichern, die politisch beeinflussbar waren und bereit waren, deutsche Industriegüter gegen Agrarprodukte und Rohstoffe zu tauschen.
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- Lars Bucher (Author), 2018, Wirtschaftssystem des Nationalsozialimus. Lenkung des deutschen Außenhandels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191412