Bei der Bachelorarbeit handelt es sich um eine Literaturanalyse zur Jugendarbeit der evangelischen Kirchen unter der NS-Diktatur. Als das sogenannte Dritte Reich wird die Herrschaftsperiode des nationalsozialistischen (NS) Regimes von 1933 bis 1945 bezeichnet. Die Forschung bezüglich dieser Epoche ist sehr breit gefächert. Es existiert viel Fachliteratur bezüglich der Jugendarbeit des Regimes sowie der Aufarbeitung des sogenannten Kirchenkampfes.
Die Arbeit befasst sich speziell mit der evangelischen Jugendarbeit in den Jahren von 1933 bis 1945, im Dritten Reich. Autoren wie Christoph Strohm und Wolfgang Scherffig gingen in ihrer Forschung intensiv auf Auswirkungen der NS-Zeit, auf die evangelische Kirche ein. Doch Forschung auf dem Gebiet der evangelischen Jugendarbeit zu dieser Zeit ist rar.
Heinrich Riedel beschreibt, dass das Regime einen besonderen Fokus auf die Kinder und Jugend legte und die evangelische Jugend automatisch mit betroffen gewesen war. In der Forschung ist durch Autor:innen wie Theo Braun, Erika Mann und Heinrich Riedel ein jeweils subjektiver Beitrag zur Jugendarbeit geleistet worden. Diese beschreiben die Geschehnisse aus persönlicher Perspektive.
Der Hintergrund dieser Literaturanalyse ist die Aufarbeitung der evangelischen Jugendarbeit zur nationalsozialistischen Zeit, von 1933 – 1945. Mit dieser Bachelorarbeit soll ein detaillierteres Bild zum Umgang mit der staatlichen Unterdrückung ermöglicht werden. Dabei werden mögliche Strategien der Gemeinden sowie Jugendlichen in den Blick genommen, die das Fortführen der Jugendarbeit, unter Bewahrung christlicher Glaubenssätze ermöglichten.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 Wichtige Definitionen
2. Historischer Hintergrund – Der Aufstieg der NSDAP
2.1 Die Ursprünge der Partei
2.2 Die NSDAP etabliert sich in der Regierung
2.3 Die Machtergreifung
3. Historischer Hintergrund – Die Veränderung der deutschen Kirchen
3.1 Die Kirchen vor der Machtergreifung
3.2 Die Auswirkungen der Machtergreifung 1933
3.3 Gleichschaltung
4. Die Jugendarbeit des NS-Regimes
4.1 Hitlerjugend
4.2 Der Jugendvertrag und seine Auswirkungen
4.3 Bund Deutscher Mädel
5. Der schulische Unterricht
5.1 Die Umformung des Schulsystems
5.2 Die Umformung des Religionsunterrichtes
6. Zwischenfazit
7. Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Jugendarbeit der ev. Kirchen
7.1 Die Jugendarbeit vor 1933
7.2 Auswirkungen der Machtergreifung
7.3 Jugend im Kirchenkampf
7.4 Die Jugendarbeit während des Krieges
7.5 Strategien wie die Gemeinden unter den Maßnahmen agierten
8. Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht die evangelische Jugendarbeit im Zeitraum von 1933 bis 1945 im sogenannten "Dritten Reich". Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Strategien den Kirchengemeinden und den Jugendlichen zur Verfügung standen, um trotz der staatlichen Oppression und des Drucks zur Gleichschaltung eine christlich geprägte Jugendarbeit fortzuführen.
- Historische Rahmenbedingungen des Aufstiegs der NSDAP und deren Einfluss auf die Kirche.
- Die systematische Umformung des staatlichen Schul- und Religionsunterrichts durch das NS-Regime.
- Methoden der staatlichen Jugendarbeit, insbesondere Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM).
- Konkrete Überlebensstrategien evangelischer Jugendgruppen (z.B. Decknamen, konspirative Absprachen).
- Die Rolle der Bekennenden Kirche als Gegenpol im Kirchenkampf.
Auszug aus dem Buch
4.1 Hitlerjugend
Die wichtigste und wirkungsmächtigste „Staatsjugend“ des NS-Regimes war die Hitlerjugend. Diese wurde im Juli 1926 auf dem zweiten Reichsparteitag der NSDAP als ihre Jugendorganisation ins Leben gerufen, blieb aber bis zur Machtübernahme des NS-Regimes 1933 recht unbedeutend. Kurz nach der Machtübernahme wurden alle Jugendorganisationen, die nicht in Verbindung zum NS-Regime standen, verboten. Ausgenommen waren die kirchlichen Jugendvereinigungen, welche jedoch 1934 durch den „Jugendvertrag“ absorbiert wurden. Die Teilnahme an der HJ blieb dennoch bis 1935 nicht verpflichtend. Nichtsdestotrotz wurde bei Nicht-Teilnahme an der HJ großer psychischer Druck auf Kinder sowie Eltern ausgeübt. Durch den Erlass des Gesetzes über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 wurde eine Art Beitrittszwang kreiert, der (ab 1939) eine Dienstpflicht beinhaltete. Das führte dazu, dass die „Staatsjugend“ bis 1939 auf eine Mitgliederzahl von ca. 9 Millionen anstieg. Fast alle Kinder und Jugendlichen des Deutschen Reichs waren Mitglied in einer ihrer Organisationen, ausgenommen waren sogenannte „nicht Arier“, Kinder mit Behinderungen, Kinder mit chronischen Erkrankungen und Juden.
Kapitelzusammenfassungen
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, die sich mit den Strategien der evangelischen Jugendarbeit unter nationalsozialistischer Unterdrückung befasst, sowie der methodische Gang der Untersuchung.
2. Historischer Hintergrund – Der Aufstieg der NSDAP: Darstellung der politischen Rahmenbedingungen, die zum Machtantritt der NSDAP und zur Etablierung des NS-Regimes führten.
3. Historischer Hintergrund – Die Veränderung der deutschen Kirchen: Analyse des Einflusses des NS-Regimes auf die kirchlichen Strukturen, den Kirchenkampf und die Gleichschaltungsprozesse.
4. Die Jugendarbeit des NS-Regimes: Untersuchung der staatlichen Jugendorganisationen, ihres Beitrittszwangs und der Ideologie, die hinter HJ und BDM stand.
5. Der schulische Unterricht: Dokumentation der ideologischen Umgestaltung des Schulwesens und des Religionsunterrichts zugunsten des nationalsozialistischen Weltbildes.
6. Zwischenfazit: Zusammenfassende Betrachtung der politisch-gesellschaftlichen Einflüsse auf Kirche und Schule vor der detaillierten Betrachtung kirchlicher Strategien.
7. Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Jugendarbeit der ev. Kirchen: Beschreibung der konkreten Situation der kirchlichen Jugendarbeit vor 1933, während des Kirchenkampfes und des Krieges sowie der entwickelten Strategien zum Widerstand.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage über die Strategien zur Bewahrung christlicher Jugendarbeit unter der NS-Diktatur.
Schlüsselwörter
Evangelische Jugendarbeit, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Kirchenkampf, Hitlerjugend, Gleichschaltung, Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Widerstand, Jugendvertrag, Religionsunterricht, NS-Ideologie, Unterdrückung, Strategien, Weltanschauung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Situation der evangelischen Jugendarbeit während der NS-Herrschaft (1933–1945) und analysiert, wie diese unter dem politischen Druck bestehen konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den Aufstieg des Nationalsozialismus, die Beeinflussung kirchlicher Strukturen, die staatliche Indoktrination durch die Hitlerjugend sowie die Veränderung des Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Strategien den Kirchengemeinden und Jugendlichen blieben, um Jugendarbeit unter den gegebenen Oppressionsbedingungen fortzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen sowie zeitgenössischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Historie, die kirchenpolitische Lage, die Analyse staatlicher Jugendarbeit sowie eine detaillierte Untersuchung kirchlicher Widerstands- und Überlebensstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Evangelische Jugendarbeit, Gleichschaltung, Kirchenkampf, NS-Diktatur und Strategien der Behauptung.
Warum war der sogenannte „Jugendvertrag“ von 1934 so entscheidend?
Dieser Vertrag führte zur formellen Eingliederung evangelischer Jugendorganisationen in die Hitlerjugend und begrenzte die zeitlichen sowie inhaltlichen Spielräume kirchlicher Jugendarbeit massiv.
Welche Rolle spielten „Decknamen“ und „Beistandspakte“?
Dies waren kreative Schutzstrategien der Jugendlichen, um trotz Überwachung durch die Gestapo Treffen zu organisieren und sich gegenseitig Unterstützung bei Repressalien zu gewähren.
Was charakterisierte den „Weltanschauungsunterricht“?
Er wurde 1937 eingeführt, um den Religionsunterricht an Schulen systematisch zu verdrängen und Kinder stattdessen direkt mit nationalsozialistischer Ideologie, Rassenkunde und dem Führerprinzip zu indoktrinieren.
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- Michael Bröse (Author), 2022, Die Jugendarbeit der evangelischen Kirche unter der Oppression der NS-Diktatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191672