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Kleist und Fanon. Zwei Perspektiven auf Subjektivität im kolonialen Kontext

Entfremdung und antikolonialer Widerstand in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"

Titel: Kleist und Fanon. Zwei Perspektiven auf Subjektivität im kolonialen Kontext

Hausarbeit , 2020 , 14 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Leon Maack (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit betrachtet Heinrich von Kleists Novelle 'Die Verlobung in St. Domingo' durch eine postkoloniale Brille sucht sowohl Parallelen als auch Widersprüche zwischen den Darstellungen antikolonialen Widerstands Kleists und Frantz Fanons.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kleists Perspektive auf den haitianischen Sklav*innenaufstand

Hautfarbe und Entfremdung im Fanonschen Sinne

Gewalt und antikolonialer Widerstand

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Subjektivität, Entfremdung und antikolonialem Widerstand in Heinrich von Kleists Novelle Die Verlobung in St. Domingo durch eine theoretische Linse, die auf den postkolonialen Analysen von Frantz Fanon basiert. Ziel ist es, die eurozentrische Perspektive des Autors kritisch von Fanons Konzepten der Dekolonisation und der psychischen Entfremdung abzugrenzen.

  • Vergleich eurozentrischer und postkolonialer Perspektiven auf den haitianischen Sklavenaufstand.
  • Analyse von Hautfarbe und psychischer Entfremdung bei der Figur Toni.
  • Untersuchung der Bedeutung von Gewalt als Mittel der Dekolonisation.
  • Reflexion über die Darstellung des antikolonialen Widerstands und individueller Rachemotive.

Auszug aus dem Buch

Hautfarbe und Entfremdung im Fanonschen Sinne

In der Verlobung wird deutlich, dass die Opposition der races konstitutiv ist für alle zwischenmenschlichen und politischen Beziehungen im kolonialen Kontext. Kein Dialog, keine Interaktion kann betrachtet werden ohne Rassifizierungen zu berücksichtigen. Es ist bezeichnend, dass die erste Kommunikation, die in der Erzählung stattfindet, die Hautfarbe der Gesprächspartnerin zum Thema hat: „seid ihr eine N******?“ fragt Gustav van der Ried, als er an die hintere Tür des Hauses klopft, in dem sich Babekan und ihre Tochter Toni aufhalten. Anvertrauen kann sich Gustav der Hausherrin nur deshalb, weil er in der Gesichtsfarbe der „Mulattin“ ihre europäische Abstammung zu erkennen meint.

Der Begriff der Entfremdung ist für Fanon untrennbar mit der Hautfarbe verknüpft. In Schwarze Haut, weiße Masken zeigt er, wie die Literatur Schwarzer Schriftsteller*innen die vertriebene Identität von Kolonisierten ausdrückt. In Abdoulaye Sadjis Roman Nini, mulâtresse du Sénégal, so Fanon, „gibt es zunächst die N****** und die Mulattin. Die Erstere hat nur eine Möglichkeit und einen Gedanken: weiß zu werden. Die Zweite will nicht nur weiß werden, sondern auch verhindern, zu regredieren. Denn was ist unlogischer als eine Mulattin, die einen Schwarzen heiratet? Man muss es ein für allemal begreifen: es geht darum, die Rasse zu retten.“ Eine ähnliche Analyse läßt sich auch für die „Mestizin“ Toni in der Verlobung anstellen, die sich, um Fanons Metapher zu bemühen, eine weiße Maske aufsetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung stellt die beiden Autoren Kleist und Fanon gegenüber und erläutert, warum eine kritische Rezeption von Kleists Novelle im Kontext der postkolonialen Ideen Fanons einen lohnenswerten wissenschaftlichen Ansatz bietet.

Kleists Perspektive auf den haitianischen Sklav*innenaufstand: Das Kapitel analysiert, wie Kleist den Befreiungskampf der Sklaven durch den europäischen diskursiven Rahmen als „Mord“ stigmatisiert und damit die Legitimität des nationalen Widerstands negiert.

Hautfarbe und Entfremdung im Fanonschen Sinne: Hier wird untersucht, wie die psychische Entfremdung der Figur Toni durch rassistische Konstruktionen von Hautfarbe und Identität geprägt ist, wobei Fanons Theorie der „weißen Maske“ zur Anwendung kommt.

Gewalt und antikolonialer Widerstand: Dieses Kapitel vergleicht Kleists Darstellung gewaltsamen Widerstands als bloße „Rache“ mit Fanons Konzept der Dekolonisation als emanzipatorischem Prozess, der Subjektivität erst ermöglicht.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kleists eurozentrische Sichtweise und Fanons postkoloniale Analysen zwar in unterschiedlichen Epochen entstanden sind, ihre gemeinsame Betrachtung jedoch ein komplexeres Verständnis des haitianischen Aufstands ermöglicht.

Schlüsselwörter

Postkolonialismus, Heinrich von Kleist, Frantz Fanon, Die Verlobung in St. Domingo, Subjektivität, Entfremdung, Dekolonisation, haitianischer Sklavenaufstand, Rassismus, Gewalt, Identität, Widerstand, eurozentrische Sichtweise, Kolonialismus, Hautfarbe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von kolonisierten Subjekten und antikolonialem Widerstand in Heinrich von Kleists Erzählung Die Verlobung in St. Domingo unter Rückgriff auf die Theorien von Frantz Fanon.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Rolle von Gewalt, das Konzept der psychischen Entfremdung, rassistische Fremdwahrnehmungen sowie die Frage nach politischer Subjektivität im kolonialen Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Kleists Darstellung des haitianischen Sklavenaufstands durch die theoretische Brille von Fanon zu kritisieren und die Divergenzen zwischen eurozentrischer Sichtweise und antikolonialem Befreiungsdenken aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die komparative Methoden anwendet, um Kleists Novelle mit postkolonialen Werken wie Schwarze Haut, weiße Masken und Die Verdammten dieser Erde in Dialog zu bringen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kleists kolonialem Blick, die Analyse der psychischen Entfremdung der Figur Toni und die kritische Auseinandersetzung mit Gewalt als Mittel des Widerstands.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen zählen Postkolonialismus, Entfremdung, Dekolonisation, Identität und Widerstand.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Gewalt in der Novelle im Vergleich zu Fanon?

Während Fanon Gewalt als notwendiges, therapeutisches Mittel zur Wiedererlangung von Subjektivität sieht, deutet Kleist den Widerstand der Aufständischen lediglich als irrationale Rache und individuelle Barbarei um.

Inwiefern scheitert die Kommunikation zwischen Toni und Gustav laut der Analyse?

Die Kommunikation scheitert, da Gustav Toni aufgrund seiner eurozentrischen Kolonialphantasien nicht als autonomes Subjekt wahrnimmt, sondern sie in das Raster der „heiligen Weißen“ oder der „verruchten Schwarzen“ zwingt.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kleist und Fanon. Zwei Perspektiven auf Subjektivität im kolonialen Kontext
Untertitel
Entfremdung und antikolonialer Widerstand in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Leon Maack (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1192040
ISBN (PDF)
9783346629180
ISBN (Buch)
9783346629197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich von Kleist Frantz Fanon
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Leon Maack (Autor:in), 2020, Kleist und Fanon. Zwei Perspektiven auf Subjektivität im kolonialen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192040
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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