Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Social pedagogy

Brüche durch Übergänge. Wie AdresatInnen von "Hilfen zur Erziehung" Erfahrungen der Diskontinuität machen

Title: Brüche durch Übergänge. Wie AdresatInnen von "Hilfen zur Erziehung" Erfahrungen der Diskontinuität machen

Term Paper , 2019 , 8 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefanie Rottler (Author)

Pedagogy - Social pedagogy
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Allgemein betrachtet stellen Übergänge im Lebenslauf von Individuen, in besonderer Weise von heranwachsenden jungen Menschen, heutzutage eine Herausforderung dar, sei es beispielsweise der Übergang von einer Kindertageseinrichtung in die Schullaufbahn oder der vom Jugend- ins Erwachsenenalter. Diese Arbeit möchte sich jedoch vielmehr mit jenen spezifischen Übergängen beschäftigen, mit denen sich AdressatInnen von Hilfen zur Erziehung (HzE) konfrontiert sehen – zusätzlich zu den eben erwähnten, alle jungen Menschen betreffenden Übergängen. Die HzE gehören gemäß Sozialgesetzbuch VIII neben vier anderen großen Arbeitsfeldern als sozialstaatliche Leistung der Kinder- und Jugendhilfe an und haben den Auftrag, Personensorgeberechtige mit ihren Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen mittels geeigneter Hilfeform(en) zu unterstützen.
Hierbei ergibt sich dann ein Übergang, wenn ein im Hilfeplanverfahren als sinnvoll erachteter Wechsel von einem Hilfsangebot zu einem anderen umgesetzt wird. Statistisch betrachtet handelt es sich dabei um ein alltägliches Phänomen in den HzE, da beinahe die Hälfte aller HilfeempfängerInnen nach Beendigung einer Hilfe ein Neue annimmt. Obwohl die unterschiedlichen Hilfeformen, wie zum Beispiel die Heimerziehung, im Laufe der letzten Jahrzehnte zumindest ihren „kontrollierend-restriktiven Charakter“ (Hamberger 2008) verloren haben, so wird die Heimerziehung von AdressatInnen zumeist als kritisches, gar krisenhaftes Lebensereignis wahrgenommen. Dies ist nachvollziehbar, angesichts der Tatsache, dass HilfeempfängerInnen nicht selten ganze Erziehungshilfekarrieren durchleben, in denen die zahlreichen Übergangserfahrungen zwangsläufig zur Unterbrechung der Kontinuität eines geregelten Alltagslebens führen. Wo eine solches Klima der Diskontinuität entsteht, sind ursprünglich unbeabsichtigte Erfahrungen von Brüchen im Alltag der AdressatInnen vorprogrammiert.
Im Folgenden soll anhand einer zunächst knapp rekonstruierten Fallgeschichte einerseits dargestellt werden, wie AdressatInnen der HzE besagte durch institutionelle Übergänge entstandene Brüche erleben, andererseits sollen aber auch daraus resultierende strukturelle und soziale Konsequenzen untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Kontextualisierung

2 Brüche entstehen

Die Fallgeschichte „Frau Müller. Und dann nahm das Unglück seinen Lauf“

2.1 Brüche durch strukturelle Diskontinuität

2.2 Brüche durch soziale Diskontinuität

3 Gelingende Übergänge schaffen

4 Abschluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die durch institutionelle Übergänge im Rahmen von Hilfen zur Erziehung (HzE) entstehenden Diskontinuitäten im Leben der Adressatinnen und Adressaten. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Brüche entstehen, welche strukturellen und sozialen Konsequenzen sie nach sich ziehen und wie Hilfsprozesse so gestaltet werden können, dass Übergänge erfolgreich und ohne Brüche verlaufen.

  • Erfahrungen von Diskontinuität in der Erziehungshilfe
  • Analyse der Erziehungshilfekarriere am Beispiel einer Fallgeschichte
  • Strukturelle vs. soziale Dimensionen von Brüchen
  • Bedeutung von Beziehungs- und Bindungsarbeit
  • Konzepte für gelingende und flexible Übergangsgestaltung

Auszug aus dem Buch

2.1 Brüche durch strukturelle Diskontinuität

„Meine Angst um Tim (…) wurde immer größer. Nirgends war er zu halten, er wurde nur durchgereicht. Das machte es nicht besser, sondern schlimmer, immer schlimmer“ (Lutz 2017, 95). Worüber Tims Mutter hier klagt, untersucht auch Freigang in seiner Studie „Verlegen und Abschieben“ (Freigang 1986). Das beidem zugrundeliegende strukturelle Defizit ist die Tatsache, dass nicht gefragt wird, was ein Kind braucht, sondern in welche Maßnahme es integriert werden kann (vgl. Hamberger 2008, 21). Passt es nicht in die bestehenden Strukturen einer Einrichtung, so ist es für pädagogische Fachkräfte, die an ihre Grenzen gelangen, leichtgetan, die Verantwortung abzugeben und den/die HilfeempfängerIn als Störfaktor an eine vermeintlich besser geeignete Einrichtung abzuschieben.

Dabei hätte Tim vielmehr als Symptomträger, seine Straftaten „als Hilferuf gedeutet und somit als eine ,gesunde‘ Reaktion auf die (…) sehr angespannte familiäre Situation verstanden werden“ (Bigos 2014, 70) können. Dies bestätigt eine Reflexion seiner Mutter: „Tim (…) sagt heute noch, dass diese [Straftat] sein größter Fehler war. ,In Eggebek hätte ich wahrscheinlich meinen Weg gemacht.‘ Heute sagt er das“ (Lutz 2017, 95). Stattdessen wird sein routinierter Wohngruppen-Alltag innerhalb kürzester Zeit unterbrochen – um beispielhaft einen seiner Übergänge in den Blick zu nehmen. In der darauf folgenden geschlossenen Einrichtung hat er sich an komplett neue Strukturen anzupassen, seien es differente Umgangsformen und Regeln oder nur die veränderten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit dem Elternhaus. Um die fremde Situation zu verarbeiten, bildet Tim individuelle Bewältigungsstrategien aus, die für mitbeteiligte InteraktionspartnerInnen undurchsichtig und dadurch unverständlich bleiben (vgl. Hamberger 2008, 179). Weitere Konflikte sind vorprogrammiert; ein Teufelskreis entsteht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Kontextualisierung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Übergänge in der Kinder- und Jugendhilfe ein und erläutert die Problematik der Diskontinuität bei Hilfen zur Erziehung.

2 Brüche entstehen: Anhand einer Fallgeschichte werden sowohl strukturelle als auch soziale Aspekte der Diskontinuität durch Einrichtungswechsel detailliert analysiert.

2.1 Brüche durch strukturelle Diskontinuität: Dieser Unterpunkt untersucht, wie institutionelle Defizite und die fehlende Passgenauigkeit von Hilfsangeboten zu Brüchen in der Biografie des Kindes führen.

2.2 Brüche durch soziale Diskontinuität: Dieser Teil widmet sich den negativen Auswirkungen von Beziehungsabbrüchen durch das soziale Umfeld und pädagogische Fachkräfte auf die Bindungsfähigkeit der Adressaten.

3 Gelingende Übergänge schaffen: Es werden Ansätze für eine ressourcenorientierte und flexible Übergangsgestaltung sowie Möglichkeiten zur Stärkung der Betreuungskontinuität diskutiert.

4 Abschluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Übergänge zwar oft unvermeidbar sind, aber durch eine professionelle Haltung und bessere Kooperation bruchmeidend gestaltet werden sollten.

Schlüsselwörter

Hilfen zur Erziehung, HzE, Übergänge, Diskontinuität, Erziehungshilfekarriere, Heimerziehung, strukturelle Diskontinuität, soziale Diskontinuität, Beziehungsabbruch, Bindungsarbeit, Fallgeschichte, Jugendamt, Übergangsgestaltung, Hilfeplanverfahren, Krisenbewältigung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Erfahrungen von Adressatinnen und Adressaten der Hilfen zur Erziehung (HzE) im Kontext von institutionellen Übergängen und der damit einhergehenden Diskontinuität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Erziehungshilfekarrieren, dem Einfluss von Einrichtungswechseln auf die Biografie junger Menschen sowie der professionellen Gestaltung gelingender Hilfeprozesse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch institutionelle Übergänge Brüche entstehen, und Handlungsmöglichkeiten zu skizzieren, um diese Übergänge für die Betroffenen möglichst bruchfrei zu gestalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik, gestützt auf Fachliteratur sowie die rekonstruktive Analyse einer spezifischen Fallgeschichte (Tim).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die strukturellen Ursachen für Diskontinuität erläutert, gefolgt von einer Untersuchung der sozialen Auswirkungen, wie Beziehungsabbrüche, sowie Ansätze zur Optimierung der Übergangsgestaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Hilfen zur Erziehung, Diskontinuität, Erziehungshilfekarriere, Beziehungsarbeit und Übergangsgestaltung.

Warum wird die Fallgeschichte von „Tim“ für die Analyse genutzt?

Tim dient als exemplarisches Beispiel für eine „Erziehungshilfekarriere“, an der verdeutlicht wird, wie häufige Wechsel zwischen Hilfsangeboten zu einer Spirale negativer Erfahrungen führen können.

Welche Rolle spielt die „Hängepartie“ in der Argumentation?

Der Begriff beschreibt eine spezifische Form der Diskontinuität, bei der Hilfsempfänger durch totale Ungewissheit und Orientierungslosigkeit als „aussichtsloser Fall“ stigmatisiert werden.

Wie lässt sich laut der Arbeit ein „Paradigmenwechsel“ erreichen?

Der Autor plädiert für einen Wechsel von der Defizit- zur Ressourcenorientierung, bei der nicht pathogene Faktoren, sondern die Bindungsarbeit und eine vertrauensvolle Basis zwischen Adressat und Fachkraft im Vordergrund stehen.

Excerpt out of 8 pages  - scroll top

Details

Title
Brüche durch Übergänge. Wie AdresatInnen von "Hilfen zur Erziehung" Erfahrungen der Diskontinuität machen
College
University of Tubingen  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Course
Organisationsbezogene Handlungskompetenzen
Grade
1,0
Author
Stefanie Rottler (Author)
Publication Year
2019
Pages
8
Catalog Number
V1192259
ISBN (PDF)
9783346634832
Language
German
Tags
Hilfen zur Erziehung Brüche Übergänge Diskontinuität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Rottler (Author), 2019, Brüche durch Übergänge. Wie AdresatInnen von "Hilfen zur Erziehung" Erfahrungen der Diskontinuität machen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192259
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  8  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint