Rassismus – eine Tatsache, die von vielen vor allem in den rechtsextremen Ecken der Gesellschaft verortet wird. Dabei sind rassistische Strukturen auf verschiedensten Ebenen in der Gesellschaft zu finden, und zwar nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern zuweilen auch mittendrin. In dieser Hausarbeit soll dabei ein Gesetz genauer beleuchtet werden. Es handelt sich um das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz, kurz StAG, und ist so als Bestandteil des deutschen Gesetzes nicht nur inmitten der Gesellschaft, sondern in gewisser Hinsicht auch ihr Fundament. Es soll also im Folgenden darum gehen, das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz genau unter die Lupe zu nehmen, und dabei der Forschungsfrage nachzugehen, ob und wenn ja inwiefern dieses Gesetz Merkmale oder Züge strukturellen Rassismus aufweist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 StAG – Das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz
3 Die rassismuskritische Perspektive
4 Das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz rassismuskritisch betrachtet
4.1 Anpassung als das „A und O“
4.2 Neueste Änderungen und Klagen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) aus einer rassismuskritischen Perspektive, um zu analysieren, inwiefern dieses Gesetz strukturelle rassistische Merkmale aufweist, die Machtverhältnisse durch Exklusion und Privilegierung legitimieren.
- Analyse des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetzes als Instrument der Ein- und Ausgrenzung.
- Theoretische Fundierung durch den rassismuskritischen Ansatz.
- Untersuchung von Einbürgerungskriterien und deren rassistischem Potenzial.
- Kritische Bewertung neuester Gesetzesänderungen (2019) im Hinblick auf strukturellen Rassismus.
- Verknüpfung von Staatsbürgerschaft mit globaler Mobilität und Privilegien.
Auszug aus dem Buch
4.1 Anpassung als das „A und O“
Eine erste unmissverständliche Botschaft des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetz die bereits beim Überfliegen des Abschnitts über die Einbürgerungsbedingungen ins Auge sticht, kann meiner Meinung nach die Forderung nach Anpassung darstellen. Doch wie ist diese eindringliche Bedingung des deutschen Staatsangehörigkeitsgesetz einer Anpassung an „deutsche Lebensverhältnisse“ aus rassismuskritischer Perspektive zu bewerten? Eine Möglichkeit dies näher zu beleuchten kann dabei darin bestehen, zunächst nach natio- ethno- kulturellen Unterscheidungen die vom deutschen Staatsangehörigkeitsgesetz vorgenommen werden zu fragen, denn diese sind zwar nicht immer, jedoch nicht allzu selten rassistisch vermittelt und können so einen ersten Ansatzpunkt bilden.
Die Frage nach dem Vorkommen natio- ethno- kultureller Unterscheidungen kann hierbei eindeutig mit einem klaren Ja beantwortet werden, da ein Gesetz das sich mit dem Besitzen oder Nicht- Besitzen einer deutschen Staatsangehörigkeit beschäftigt, zumindest die Nationalität betreffende, sprich Staatsangehörigkeiten betreffende Unterscheidungen treffen muss. Dabei wird offensichtlich nicht nur zwischen Menschen deutscher und nicht-deutscher Staatsangehörige*r unterschieden, sondern vielmehr eine stufenweise Unterscheidung vorgenommen, entlang des Grades der „Andersheit“ oder Fremdheit aus der Perspektive deutscher Staatsangehörige*r. So wird etwa zwischen EU Bürger*innen, Menschen mit schweizerischer Staatsangehörigkeit oder sogenannten Drittstaatler*innen unterschieden, wenn es darum geht eine deutsche Staatsangehörigkeit (durch Einbürgerung) zu erlangen bzw. zu bewahren. (vgl. z.B. § 25 Absatz 1 StAG)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) Merkmale strukturellen Rassismus aufweist.
2 StAG – Das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen für den Erwerb sowie den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit.
3 Die rassismuskritische Perspektive: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Rassismuskritik, einschließlich der Konzepte von Othering, Naturalisierung und Rassekonstruktion, dargelegt.
4 Das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz rassismuskritisch betrachtet: In diesem Hauptteil wird das StAG praktisch unter der rassismuskritischen Perspektive analysiert, wobei insbesondere Anforderungen an die Anpassung und soziale Exklusionsmechanismen untersucht werden.
4.1 Anpassung als das „A und O“: Dieser Abschnitt beleuchtet die problematische Einbürgerungsvoraussetzung der „Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse“ als Instrument nationaler Unterscheidung.
4.2 Neueste Änderungen und Klagen: Hier wird die Relevanz der Gesetzesänderungen von 2019 diskutiert und die Gefahr willkürlicher Entscheidungen durch vage Formulierungen aufgezeigt.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das StAG aufgrund seiner Funktion als Mechanismus zur Legitimierung von Machtverhältnissen Teil strukturellen Rassismus ist.
Schlüsselwörter
Struktureller Rassismus, Staatsangehörigkeitsgesetz, Einbürgerung, Migrationsrecht, Rassismuskritik, Othering, Naturalisierung, Staatsbürgerschaft, Privilegien, Machtverhältnisse, Nationale Identität, Diskriminierung, Migrationsgesellschaft, Rechtsordnung, Soziale Exklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) daraufhin, ob und inwiefern es Elemente strukturellen Rassismus enthält und legitimiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich mit der Verknüpfung von Staatsbürgerschaft, rechtlicher Regulierung, rassismuskritischer Theorie und der Konstruktion von Differenzen (Othering) in einer Migrationsgesellschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Schließung einer Forschungslücke zu erreichen, indem eine rassismuskritische Analyse des StAG vorgenommen wird, die über eine bloße rechtliche Übersicht hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird eine rassismuskritische Analyse angewandt, die Gesetze, diskursive Praktiken und deren Wirkungen auf Machtverhältnisse in der Gesellschaft hinterfragt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Paragrafen des StAG, besonders Einbürgerungsbedingungen und aktuelle Gesetzesänderungen, unter dem Aspekt, wie sie als Instrumente der Ausgrenzung fungieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Struktureller Rassismus, Einbürgerungspraxis, Othering, Privilegierung, Staatsangehörigkeit und Machtgefälle sind die zentralen Begriffe.
Warum wird die „Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse“ kritisiert?
Der Begriff wird als so vage kritisiert, dass er willkürliche Entscheidungen bei Einbürgerungen ermöglicht und auf einer diskriminierenden Homogenisierung der Gesellschaft basiert.
In welchem Zusammenhang steht die Staatsbürgerschaft mit globalen Privilegien?
Der Autor argumentiert, dass die deutsche Staatsbürgerschaft machtvolle Privilegien wie visumfreie Einreisen ermöglicht, was die rigiden Zugangsbedingungen aus rassismuskritischer Sicht hochgradig problematisch macht.
Kann man laut der Arbeit von einem strukturellen Rassismus im StAG sprechen?
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass das StAG durch die Praxis des ständigen Unterscheidens in national konstruierte Gruppen und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten Teil des strukturellen Rassismus ist.
- Arbeit zitieren
- Hikaru Uhl (Autor:in), 2020, Das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz. Frei von strukturellem Rassismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192265