Von der Music Hall zur Filmfarce


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Das Spektakeltheater als Vorstufe des Films

2. Die englische Music Hall
2.1 Elemente der Music-Hall-Komik in der Slapstick-Komödie
2.2 Das Komikerduo

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung - Das Spektakeltheater als Vorstufe des Films

Die Beziehungen zwischen Theater und Film sind seit der Etablierung des Kinos Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Forschung begreift in diesem Zusammenhang insbesondere das populäre Theater des späten 19. Jahrhunderts als Pré-Cinéma, als Vorstufe des Films.1 Denn gerade populäre Theaterformen wie Volkstheater, Jahrmarkt, Zirkus, Vaudeville und Music Hall nehmen spezifische Gestaltungsprinzipien des frühen Films vorweg.2 Als Beispiel kann vor allem auf die Anwendung vielfältiger Trick- und Illusionstechniken auf der Bühne verwiesen werden. Der zunehmende Einsatz von Pyrotechnik, Licht-, Spiegel- und Projektionseffekten als auch von aufwendigen beweglichen Kulissen wurde von Pionieren des Kinos wie Georges Méliès aufgenommen und erweitert. Ralf Erik Remshardt spricht hierbei von einem Prozess, in dessen Verlauf sich das Theater in eine Sensationsmaschine und gleichsam zum wichtigsten Ideengeber des neuen Medium Films verwandelte.3

Das „Spektakeltheater“4 bildete ein Gegenpol zum literarisch geprägten, bürgerlichen Theater und wurde vornehmlich von einem proletarischen Publikum besucht. Dieses hatte sich in den wachsenden Industriestädten Europas und Amerikas des 19. Jahrhunderts als eine neue soziale Schicht herausgebildet und war auf der Suche nach neuen, volkstümlichen Unterhaltungsformen, die im angloamerikanischen Raum hauptsächlich von Akteuren der Music Hall dargeboten wurden. Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Slapstick-Kinos ist die Tatsache, dass viele Komödianten des frühen Kinos zunächst in der Music Hall große Erfolge feierten. Viele Bühnenkünstler entwickelten ihre mimischen, tänzerischen und akrobatischen Fertigkeiten während unzähligen Auftritten vor einem Music-Hall-Publikum, bevor sie schließlich zu Stars der Filmkomödie avancierten. So tourten Charlie Chaplin, Stan Laurel und andere Music-Hall-Größen mit Fred Karnos berühmter Theatergruppe, den Sprachlosen Komödianten, durch England und Amerika und brachten ihre Bühnenerfahrung schließlich in die Filmburleske ein. Die Marx Brothers feierten zunächst große Erfolge in Musical Comedies am Broadway. Und Buster Keaton alias The Great Stone Face hatte bereits als Kind Bühnenauftritte im Vaudeville-Theater.

Chaplin, Keaton und Co.: Die bedeutendsten Komiker der Stummfilmära entstammten also der Welt des populären Theaters und zu keinem weiteren Zeitpunkt in der Filmgeschichte sollte es eine solche Vielfalt an talentierten Komikern geben wie in den ersten dreißig Jahren der Kinematographie, weshalb diese Epoche von James Agee rückblickend auch als The Comedy’s Greatest Era bezeichnet wird.5 Das populäre Unterhaltungstheater und besonders die Music Hall können deshalb als Vorläufer- Medium des Slapstick-Kinos bezeichnet werden. Im Folgenden soll nun genauer untersucht werden, welche Elemente der Music-Hall-Tradition Eingang in den Slapstick-Film gefunden haben. Zuerst aber eine kurze Einführung in die englische Music Hall.

2. Die englische Music Hall

Die Music Hall war zwischen 1850 und 1920 insbesondere in Großbritannien eine sehr beliebte Form des Musiktheaters. Sie hat ihren Ursprung in der traditionellen Wirtshausunterhaltung, den so genannten free and easies. Dabei handelte es sich um Singtreffen, auf denen Amateure sowie professionelle Sänger ihre Lieder als auch pantomimische Einlagen, kurze Sketche oder Zirkus- und Tiernummern vorführten. Die wachsende Nachfrage nach dieser Art der Unterhaltung führte dazu, dass viele Pubs durch Singing Saloons erweitert wurden, die deutlich mehr Zuschauern Platz boten. Aus dem Singing Saloon entwickelte sich schließlich die Music Hall, die sich in ihrer Architektur immer mehr dem Theater anglich und das gastronomische Angebot der Pubs mit der Unterhaltung der Jahrmärkte und Konzertsäle verband.6 Das Publikum kam mehrheitlich aus einem kleinbürgerlich-proletarischen Milieu, obgleich auch Studenten und Menschen aus dem Bürgertum zu den Besuchern zählten.

[...]


1 Vgl. Christian Maintz: Theater und Film. Historische Präliminarien. In: Schaulust. Theater und Film – Geschichte und Intermedialität. Hrsg. v. Christian Maintz/Oliver Möbert/Matthias Schumann. Münster 2002, S. 5-36, hier S. 5f.

2 Vgl. ebd., S. 7.

3 Vgl. Ralf-Erik Remshardt: Als die Bilder laufen lernten. In: Grenzgänge. Das Theater und die anderen Künste. Hrsg. v. Gabriele Brandstetter/Helga Finter/Markus Wessendorf. Tübingen 1998, S. 77-89, hier S. 80.

4 Vgl. Maintz: Theater und Film. Historische Präliminarien, S. 9.

5 Vgl. Christian Maintz: Harlekine der Leinwand. Von der Theater- zur Filmkomik. In: Schaulust. Theater und Film – Geschichte und Intermedialität. Hrsg. v. Christian Maintz/Oliver Möbert/Matthias Schumann. Münster 2002, S. 67- 88, hier S. 73.

6 Vgl. Dagmar Kift: Arbeiterkultur im gesellschaftlichen Konflikt: die englische Music Hall im 19. Jahrhundert. Essen 1991, S. 9.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Von der Music Hall zur Filmfarce
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater,- Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Aufbaukurs Theater Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V119228
ISBN (eBook)
9783640231911
ISBN (Buch)
9783640232062
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Music, Hall, Filmfarce, Aufbaukurs, Theater, Proseminar
Arbeit zitieren
Sven Bulla (Autor), 2008, Von der Music Hall zur Filmfarce, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119228

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