Die Ökonomie der Ethik


Hausarbeit, 2005
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 CHARAKTERISIERUNG UNTERNEHMENSETHIK
2.1. A BGRENZUNG ZWISCHEN E THIK UND M ORAL
2.2. T ELEOLOGISCHE UND DEONTOLOGISCHE E THIK
2.3. U NTERNEHMENSETHIK
2.3.1. Abgrenzung zwischen Unternehmensethik und Wirtschaftsethik
2.3.2. Handlungsraum der Unternehmensethik

3. DISKURS ÜBER DAS OXYMORON ETHIK ANHAND DER THESE VON FRIEDMANN
3.1. E INFÜHRUNG IN DIE T HESE F RIEDMANNS
3.1.1. Ökonomische Relevanz der Gewinnmaximierung
3.1.2. Soziale Verantwortung der Gewinnmaximierung
3.2. U NETHISCHES AGIEREN GENERIERT W ETTBEWERBSVORTEILE – B EGRÜNDUNG AUF B ASIS EINER S PIELTHEORIE
3.2.1 Differenzierung des Gefangenendilemmas
3.2.2 Das ethische Paradox
3.2.3 Fazit

4. ÖKONOMISCHE RELEVANZ DER ETHIK
4.1. A NSATZ S PIELTHEORIE E THIK ALS G RUNDLAGE DER M ARKTWIRTSCHAFT
4.1.1. Irritierende Dilemmata sind NashGleichgewichte
4.1.2. NashGleichgewichte erzwingen kooperative Strategien
4.1.3. Ethisches Handeln rentiert sich durch sinkende Transaktionskosten
4.2. M ARKETINGANSATZ P RODUKTDIFFERENZIERUNG DURCH E THIK
4.2.1. Product Präferenzen durch ethischen Mehrwert
4.2.2. Price – Limitierung des Wertschöpfungsfaktors Ethik
4.2.3. Promotion – Verknüpfung von Ethik und Marke
4.2.3.1. Risiken des Societal Marketings
4.2.3.2. Vertrauensverlust und Kundenverlust
4.2.3.3. Integrität zwingt zur moralisch vollentwickelten Organisation
4.2.3.4. – fürdiemoralisch Organisation
4.2.4. Fazit Marketingansatz
4.3. ORGANISATORISCHER A NSATZ Q UALITÄTSMANAGEMENT DURCH U NTERNEHMENSETHIK
4.3.1. Human –Relation Ansatz
4.3.1.1. Theorie Y Gewinnen von Humankapitalen durch Menschenführung
4.3.1.2. Werte sind Basis einer fruchtbaren Unternehmenskultur
4.3.2. Fazit Organisationsansatz

5. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Unternehmenskultur und Wirtschaftsethik gehören vor dem Hintergrund von Glo- balisierung, Ressourcenknappheit und Wirtschaftsskandalen wie, Brent Spar oder Enron zu den neuen Schlagwörtern der Wirtschaftslehre. Die Forderungen von Politik und Gesellschaft nach sozialer Verantwortung durch Unternehmen werden immer lauter. Dennoch, so scheint es, keimt der Samen Ethik in der Wirtschafts- landschaft nur vereinzelt und zaghaft. Diese Arbeit soll untersuchen, ob das Oxy- moron Wirtschaftsethik wirklich existiert, ob Unternehmen eine Unternehmensethik brauchen und ob Ethik ökonomisch relevant ist. Anstoß zur Diskussion ist der Arti- kel “The social responsibility of business is to increase its profits” von Milton Friedmann, der immer noch Diskusionsgrundlage vieler Wirtschaftsethikgegner ist. Die Argumentation wird aus ökonomischer und nicht ideologischer Sicht geführt.

2. Charakterisierung Unternehmensethik

2.1. Abgrenzung zwischen Ethik und Moral

Zu unterscheiden ist zwischen Ethik und Moral. Moral (lateinisch: Mores / Sitte) beinhaltet die verschiedenen Sitten und Wertevorstellungen einer Handlungsge- meinschaft. Moral ist ergo nicht zwingend positiv. Abgeleitet von der Moral be- schäftigt sich die Moralität, Sittlichkeit, mit der Qualität der Sitten.

Ethik reflektiert die Moral und Moralität und begründet sie. „Die Grundfragen der Ethik beschäftigen sich mit den Richtlinien, an denen sich menschliches Handeln ausrichten soll.“1 Ihre Aufgabe besteht zum einen aus der Reflexion der jeweiligen Moral und dem Aufstellen universeller Normen.

2.2. Teleologische und deontologische Ethik

Ethik lässt sich in zwei verschieden Grundrichtungen gliedern: Die teleologische Theorie bewertet die Folgen einer Handlung als positiv, wenn ein größerer, allge- meiner Nutzen als Schaden entsteht. Die deontologische Theorie beschäftigt sich lediglich mit der Handlung. Die Folge, die aus einer Handlung resultiert, ist zweit- rangig. Frankena löst das Problem durch eine gemischt deontologische Theorie.2

Unbedingte Forderung jeder Ethik lautet: Meide Böses, tue Gutes3. Aus dieser Forderung definieren sich die Grundprinzipien der Ethik: Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit [und] Solidarität.4

2.3. Unternehmensethik

2.3.1. Abgrenzung zwischen Unternehmensethik und Wirtschaftsethik

Zu unterscheiden ist zwischen Wirtschaftsethik und Unternehmensethik. Wirt- schaftsethik behandelt wirtschaftliches Handeln auf der Makroebene. Sie „fokus- siert die institutionelle Rahmenordnung mit ihrer Wirtschaftsordnung, der Wirt- schafts-, Finanz- und Sozialpolitik“.5 Unternehmensethik reflektiert die Handlungen und Haltungen der Unternehmensführung und ihrer Mitarbeiter.

2.3.2. Handlungsraum der Unternehmensethik

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze Unternehmensethik zu definieren, aus de- nen sich der Handlungsraum der Unternehmensethik erschließt. Hackmann cha- rakterisiert ein Unternehmen als reine Institution, deren Handlungen und Haltun- gen nicht einzelnen Individuen zugerechnet werden können. Hieraus ergibt sich der Terminus Unternehmensethik.6 Freeman und Gilbert hingegen definieren ein Unternehmen als Schnittstelle der verschiedenen Interessen der Stakeholder. Sie betrachten die Individuen, die ihre persönlichen Ziele verwirklichen wollen und sich dem Unternehmen bedienen. Sie sprechen somit dem Unternehmen die Möglich- keit einer moralischen Handlung ab.7 Unternehmensethische Reflexionen können somit sowohl an der Mikroebene, also beim Individuum selbst, oder an der Me- soebene des Unternehmens ansetzen.8

Der eigentliche Handlungsraum der Unternehmensethik ist nicht klar abzugrenzen.

3. Diskurs über das Oxymoron Ethik anhand der These von Friedmann

3.1. Einführung in die These Friedmanns

Die zentrale These in Milton Friedmanns Aufsatz „The social responsibility of busi- ness is to increase its profits” lautet, ein Unternehmen könne nicht sozial handeln, da es keine Person im eigentlichen Sinne sei und eine Unternehmensleitung dürfe nicht sozial handeln, da ihre Aufgabe ausschließlich in der Mehrung des Kapitals der Shareholder bestünde. Durch sozialethisches Engagement und den Versuch, die Bedürfnisse der Stakeholder zu decken, würde das Unternehmen zum „Civil Servant“ werden und könne so die Interessen der Shareholder nicht mehr adäquat vertreten. Damit sieht Friedmann die Grundprinzipien der Marktwirtschaft, Wahl- freiheit und Selbstbestimmung, in Frage gestellt.9

Friedmann schließt sich in seinen Überlegungen Freeman und Gilbert an, wonach Unternehmensethik über die Mikroebene definiert wird. Demnach wird im Folgen- den von einer Unternehmensethik auf der Mikroebene ausgegangen. Außerdem unterstellt er eine Konvergenz zwischen ethisch agierenden Mitarbeitern und der Rendite der Shareholder in Form von monetären Mitteln und definiert Gewinnma- ximierung als soziale Verantwortung. Diese Aussagen sollen im Folgenden unter- sucht werden.

3.1.1. Ökonomische Relevanz der Gewinnmaximierung

„In einer (reinen) Marktwirtschaft können nur Unternehmen überleben, die für ihre Produktion dauerhaft mehr als ihre Kosten erlösen“10, da nur so die nötigen Rohs- toffe für die Produktion erworben werden können.

Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit der Gewinnmaximierung: „Wenn Konkurrenz mit freiem Marktzugang herrscht, werden Markteintritte erfolgen, so lange im Markt Profite erwirtschaftet werden. […] Durch Markteinritte wird der Gewinn aber ge- drückt und verschwindet schließlich (’Nullprofitsituation’). In dieser Situation haben die Unternehmen keine Wahl: Sie müssen den Gewinn maximieren, denn andern- falls können sie im Markt nicht überleben.“11 Friedmann hat also mit der Aussage Recht, dass ein Unternehmen als ein wirtschaftlich-rechtliches Gebilde entspre- chend dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip (Gewinnmaximierung) nachhaltig Er- tragbringende Leistungen erzielen muss.12

Friedmanns Aussage, Gewinnmaximierung sei eine Notwendigkeit, ist ökonomisch betrachtet richtig.

3.1.2. Soziale Verantwortung der Gewinnmaximierung

Hieraus resultiert die Frage, ob Gewinnmaximierung dem Anspruch der sozialen Verantwortung genügt und somit ethisch begründet ist. Wie bereits festgestellt, ist Gewinn die Voraussetzung für ein Überleben am Markt. „Unternehmen, die Ver- luste machen, verursachen in der Regel erhebliche, für die Allgemeinheit nachtei- lige Folgelasten.“13 Zu nennende Folgelasten bei einem verlustbedingten Aus- scheiden eines Unternehmens sind Massenentlassungen, Verluste auf Seiten der Shareholder und Wettbewerbsreduzierung, die durch Monopol bzw. Oligopolbil- dung zu Preissteigerungen führen kann. Somit erfüllt die Gewinnmaximierung in der Marktwirtschaft einen sozialen Nutzen und ist somit ethisch begründet. Ein Unternehmen an einer Gewinnmaximierung zu hindern, kann also bereits im Kern unethisch sein. Im teleologischem Sinne, da die Folgen unethisch sind, aber auch im deontologische Sinne, da die Handlung per se unethisch ist. Denn es wider- spricht der Würde des Menschen von ihm zu verlangen dauerhaft und gravierend gegen seine eigenen Interessen verstoßen zu müssen.14

Friedmanns Aussage, ein Unternehmen habe es als soziale Aufgabe Gewinne zu maximieren, ist somit begründet.

3.2. Unethisches agieren generiert Wettbewerbsvorteile – Begründung auf Basis einer Spieltheorie

Da die Kernthese der sozialen Verantwortung der Gewinnmaximierung begründet wurde, soll in einem zweiten Schritt die Divergenz zwischen ethischem agieren und Rendite untersucht werden.

[...]


1 Lövenich, F: Ethik, in: Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2005 [http://de.encarta.msn.com] (Erstellungsdatum: k.A.; Verfügbarkeitsdatum: 23.03.05).

2 Vgl.: Frankena, W.: Analytische Ethik, München, 1981, S.22.

3 Vgl. Herrmann, B.: Wirtschaftsethik- Stand der Forschung, in: Albach, H (Schriftl.): Unternehmensethik, Konzepte- Grenzen- Perspektiven, Wiesbaden 1992, S.7.

4 Vgl.: Böckle, F.: Anthropologie und Sachgesetzlichkeit im Dialog zwischen Moraltheologie und Wirt- schaftsethik, in: Enderle, G.: Ethik und Wirtschaftswissenschaft, Berlin 1985, S.55-68.

5 Enderle, G.: Ethik als unternehmerische Herausforderung, in: Die Unternehmung, 41. Jg., Nr.6, S. 433-450.

6 Vgl. Hackmann, J.: Gewinnmaximierung und Unternehmensethik, 1998, in: Wirtschaftsethische Perspekti- ve IV, Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Gesellschaft für Wirtschaft und Sozialwissenschaften, Bd. 228, Berlin, S.55.

7 Vgl. Freeman, R.E. / Gilbert, D.R. Jr.: Unternehmensstrategie, Ethik und persönliche Verantwortung, Ne- wYork, Frankfurt a.M., 1991, 126-161.

8 Vgl. Grabner-Kräuter, S.: Die Ethisierung des Unternehmens – Ein Beitrag zum wirtschaftethischen Diskurs, Wiesbaden, 1998, S.11.

9 Vgl. Friedmann, M.: The social Resposibility of Business is to increase its Profits, The New York Time Magazine, September 13, 1970.

10 o.V.: [http://www.mikrooekonomie.de/an/zd/anzdge.htm] (Erstelldatum: k.A., Verfügbarkeitsdatum: 24.03.2005).

11o.V.: [http://www.mikrooekonomie.de/an/zd/anzdge.htm] (Erstelldatum: k.A., Verfügbarkeitsdatum: 24.03.2005).

12 Vgl.: Wollert, A.: Unternehmer in Wirtschaft und Gesellschaft Vortrag im Rahmen der COEUR Konferez, Mainz 30.09.04, [http\\:www.unternehmer.fh-mainz.de/Tools/download.php3?Datei=171], (Erstelldatum: k.A.;Verfügbarkeitsdatum 17.03.05), S.2.

13 Wollert, A., S.3.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Ökonomie der Ethik
Veranstaltung
Seminar Unternehmenskultur
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V119241
ISBN (eBook)
9783640226047
ISBN (Buch)
9783640227495
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Seminar, Unternehmenskultur
Arbeit zitieren
Sebastian Gräbe (Autor), 2005, Die Ökonomie der Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119241

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