Brauchen Tageszeitungen Fachjournalisten?


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil A – theoretischer Teil
1. Wissen als Chance – Tageszeitungen brauchen ein Profil
2. Vom Ressort zum Team – die Redaktionen der Tageszeitungen im Wandel
3. Definitionen
3.1 Fachjournalist – Versuch einer Definition
3.2 Der Fachjournalist in der Tageszeitung

Teil B – empirischer Teil
4. Problemstellung
5. Untersuchung an konkreten Beispielen
5.1 Selektion/Reduktion
5.2 Untersuchung der Stichprobe
5.3 Generalisierung
5.4 Rückbezug auf die Theorie

6. Fazit und Prognose

Literatur

Einleitung

Wissen ist wieder sexy. Wissen boomt. Schon Benjamin Franklin (†1790) wusste das. „Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen,“[1] verkündete er und stellte so eine Behauptung in den Raum, die ein gutes Jahrhundert nach seinem Tod wie Makulatur wirkte. 1899 stellte Charles H. Duell, der Leiter des US-Patentamtes, einen Antrag beim New Yorker Bürgermeister, sein Amt zu schließen, da alles erfunden sei, was es zu erfinden gebe.[2] Natürlich stimmte das nicht, der Antrag wurde abgelehnt, aber der Vorfall ist exemplarisch für eine Ära: Wissen wurde langweilig. Statt dessen „amüsierten wir uns zu Tode.“[3] Heute, gut weitere 100 Jahre später, brachten Formate wie Wer wird Millionär den Wandel. Wissen boomt. Wissen ist wieder sexy.

Nicht nur Quizshows liefern enorme Einschaltquoten, auch Wissensmagazine locken die Zuschauer vor den Fernsehbildschirm. Ursachen dafür gibt es ebenso zahlreiche wie Soziologen, die sie erforschen. Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor des Berliner Tagesspiegels, sieht den Grund unter anderem im generell steigenden Bildungsgrad der Deutschen. Mit zunehmender Bildung steige auch das Interesse für Wissenschaft.[4]

Betroffen vom Boom des Wissens, des Wissenswerten und der Wissenschaft ist aber nicht nur das Fernsehen. Auch im Printbereich lässt sich eine Entwicklung beobachten, die spezialisierten Zeitschriften eine rosige Zukunft verheißt. Fachmedien verzeichnen steigende Leser- und Nutzerzahlen.[5] Eines der bekanntesten Wissensmagazine, P.M., wirbt nicht umsonst mit dem Spruch: „Wissen kommt an.“Geo, das Flagschiff des Segments Wissen, verzeichnet ebenso wie P.M. seit Jahren konstante Auflagenzahlen; und das, obwohl es dem Medienmarkt in der Gesamtheit schlecht geht.[6] Die amerikanischen Zeitschriften National Geographic und Scientific American finden auch in Deutschland reißenden Absatz[7] ; die deutschsprachige Ausgabe des Scientific American, Spektrum der Wissenschaft, hat ebenso wie ihr Konkurrenzheft Bild der Wissenschaft eine Auflage von über 100000.[8]

André Freiheit, der Anzeigenleiter des National Geographic in Deutschland, sieht als Ursache für den florierenden Markt das „Bedürfnis nach Substanz“.[9] In einer Welt, in der die Menschen mit Informationen bombardiert und überfüttert werden, kann man nur wenigen Dingen auf den Grund gehen. Vieles wird oberflächlich abgehandelt, die Nachrichten folgen dem Prinzip der Quantität statt Qualität. Das Vertiefen in ein spezielles Thema, das „Lese-Cocooning“, bringe Ruhe in den Kopf und gebe das Gefühl, in einer rasanten Welt innezuhalten. André Freiheits Job gehört zu den wenigen auf dem Mediensektor, die zur Zeit nicht wackelig sind. Die Wissenschaftsblätter haben mehr Anzeigenkunden als Platz auf ihren Seiten.[10] Auch Nachrichtenblätter wie Spiegel und Focus, die sich nicht den speziellen Wissenschaftsthemen verschrieben haben, treffen ihre Themenauswahl mehr und mehr nach eben jenen Grundsätzen, die die Wissenschaftsmagazine erfolgreich machen:

- Themen, die der Zeit voraus sind, aber auch den Bezug zur Vergangenheit herstellen wollen (Anzeigenleiter P.M., Thomas Bily)[11]
- Themen aus der Wissenschaft und Forschung werden auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, auf unser tägliches Leben gemünzt (Raimund Arntzen, Verlagsleiter Special Interest, Bild der Wissenschaft)[12]
- Themen, die zum Träumen verleiten[13]

Der Focus hat mittlerweile 16 Wissenschaftsredakteure gegenüber 6 Kulturredakteuren; beim Spiegel widmen sich 12 Redakteure reinen Wissenschaftsthemen.

Wissen boomt. Wissen ist wieder sexy.

Teil A

1. Wissen als Chance – Tageszeitungen brauchen ein Profil

Im Zeitalter rasender Datenübermittlung, der Life-vor-Ort-Schaltungen des Fernsehens und des weit verbreiteten Begriffs vom „globalen Dorf“ haben Tageszeitungen es schwer, sich zu behaupten. Mit dem Tempo der neuen Medien können sie schon aus rein technischen Gründen nicht mithalten. Die Tageszeitung ist kein reines Nachrichtenmedium mehr – oder darf es zumindest nicht bleiben. „Was gestern Abend in den Fernsehnachrichten zu sehen war, kann morgen Früh nicht in den gleichen Worten in der Zeitung stehen. [...] Die Zeitung muss also entweder schneller sein – was sie aus technischen Gründen meistens nicht schafft – oder sie muss leisten, was das Fernsehen nicht leisten kann.“[14] Das bedeutet, Tageszeitungen müssen sich eigene Themen suchen und ein Profil schaffen,[15] bei dem es nicht mehr nur um Aktualität, sondern auch um Hintergrundinformation geht. Eine Möglichkeit hierzu ist die Analyse der Nachrichten. Es ist zu beobachten, dass Neuigkeiten heutzutage immer wieder im Kreis diskutiert werden. Zuerst verbreiten die Medien die Nachricht an sich; dann wird in aller Öffentlichkeit die Recherche durchgeführt: Wie glaubwürdig sind die Quellen, wer könnte eine solche Nachricht verbreitet haben, um Vorteile davon zu genießen etc.?

Eine andere Chance, sich vom überquellenden Markt der Informationen abzuheben, ist der Wissenschafts- oder Fachjournalismus. Tageszeitungen bilden Expertenteams und übernehmen die Hintergrundberichterstattung. Hierzu ist mehr nötig, als das Allround-Talent des Lokaljournalisten, der sowohl grob über Politik, als auch über die neuesten Erkenntnisse des ortsansässigen Pharmakonzerns berichten kann. Um auf dem Markt zu bleiben, brauchen auch Tageszeitungen Experten, Spezialisten, Fachjournalisten. Die Entwicklung weg von Ressorts, hin zu Fachgruppen für einzelne Themen ist auch in der Strukturveränderung der Redaktionen zu beobachten.

2. Vom Ressort zum Team – die Redaktionen der Tageszeitungen im Wandel

Die klassische Organisation einer Redaktion besteht aus mehreren Ressorts. Manfred Rühl, einer der Urväter der Redaktionsforschung, beschreibt die Arbeitsverteilung nach systemtheoretischen Grundsätzen: „Innerhalb seiner Grenzen handelt jedes Ressort weitgehend so, als gehörten die anderen Teilbereiche der Redaktion der Umwelt an.“[16] Die unterschiedlichen Ressorts sind somit autonom; eine Zusammenarbeit findet nur auf peripherer Ebene statt. Zwar wird auf der Redaktionskonferenz abgesprochen, welche Themen die einzelnen Ressorts für den folgenden Tag ausarbeiten; eine Vernetzung während des Arbeitsprozesses existiert jedoch nicht. Ressorts im ursprünglichen Sinn waren Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport und Soziales. Ein erster Meilenstein hin zur Veränderung der Strukturen vollzog sich in den 1980er Jahren.[17] Nach und nach wurden mehr Ressorts gegründet, weil man merkte, dass einzelne Themen in keinem der bestehenden Bereiche richtig aufgehoben waren. Die Aufsplittung der Redaktionen führte aber nicht nur zu spezialisierterer Themenbehandlung, sondern auch zu sinkender Flexibilität. Zwar hatte man erkannt, dass sich nicht alle Nachrichten in die bestehenden fünf Felder pressen lassen, der Aufbau der Ressorts an sich war aber noch immer ein starres Konstrukt.

[...]


[1] Schobelt, Frauke: S.68

[2] vgl. Anno Domini – Erfindungen

[3] Postman, Neil

[4] vgl. Appenzeller, Gerd: S.136

[5] vgl. www.dfjv.de

[6] vgl. Schobelt, Frauke: S.66

[7] vgl. Appenzeller, Gerd: S.135

[8] vgl. Appenzeller, Gerd: S.135

[9] Schobelt, Frauke: S.66

[10] vgl. Schobelt, Frauke: S.67

[11] Schobelt, Frauke: S.67

[12] Schobelt, Frauke: S.68

[13] Schobelt, Frauke: S.66

[14] Kornelius, Stefan und Chimelli, Rudolph: S.5

[15] vgl. Meier, Klaus: Teams und Projektarbeit... , S.6

[16] Rühl, Manfred: S.265

[17] vgl. Meier, Klaus: Wenn Teams das Niemandsland bevölkern, S.94

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Brauchen Tageszeitungen Fachjournalisten?
Hochschule
Hochschule Bremen  (IS Fachjournalistik)
Veranstaltung
Medientheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V11925
ISBN (eBook)
9783638179652
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine theoretische und empirische Untersuchung. 38 KB
Schlagworte
Fachjournalismus, Tageszeitungen, Wandel der Medienlandschaft
Arbeit zitieren
Birte Müller-Heidelberg (Autor), 2003, Brauchen Tageszeitungen Fachjournalisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11925

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