Stößt man heutzutage in der Literatur oder bei Diskussionen auf den Namen Friedrich Gottlieb Klopstock, so können nur noch wenige etwas Konkretes mit diesem verbinden. Gemessen an der Bedeutung, die der Dichter ab der Mitte des 18. Jahrhunderts für die deutsche Literatur hatte, ist sein Einfluss auf die heutige Zeit nur noch schwach vorhanden. Sein Anspruch, auf Ewig unvergessen zu sein und in seinen Werken weiterzuleben, hat sich nicht bewahrheitet; den meisten Mitgliedern der heutigen Gesellschaft ist dieser Name unbekannt. Das zeigt sich allein schon im Schulunterricht, wo Klopstock nur sehr stiefmütterlich behandelt wird. Ironischerweise bekommen dort seine Nachfolger, die deutschen Klassiker Goethe und Schiller, den Vorzug. Doch diese Vernachlässigung wird dem Dichter keineswegs gerecht. Mit seinen Oden, Dramen und vor allem dem Messias, einem Epos über das Leiden Jesu, hat er die Gemüter seiner Zeitgenossen bewegt und großen Ruhm erlangt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leben des Dichters F.G. Klopstock
2.1 Seine Biographie
2.2 Seine finanzielle Situation
3. Die dichterische Freiheit des Messias-Dichters
3.1 Sein neues Autorverständnis
3.2 Sein Selbstanspruch
3.3 Seine Wirkung auf die Zeitgenossen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Friedrich Gottlieb Klopstock mit einem besonderen Fokus auf seinen Beitrag zur Entwicklung eines modernen, autorzentrischen Selbstverständnisses im 18. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, inwiefern finanzielle Notwendigkeiten, sein Selbstverlagsprojekt und die Wechselwirkung mit dem zeitgenössischen Literaturbetrieb seinen Status als "Wegbereiter" der modernen Autorenschaft begründeten.
- Wandel des Autorverständnisses im 18. Jahrhundert
- Einfluss der finanziellen Situation auf die Autorenschaft
- Die Rolle des Subskriptionswesens und Selbstverlags
- Klopstocks Selbstanspruch als Dichter und "geistige Autorität"
- Rezeption durch Zeitgenossen und nachfolgende Klassiker
Auszug aus dem Buch
3.1 Sein neues Autorverständnis
Um Klopstocks neues Bild vom Autor zu verstehen, muss man berücksichtigen, welche Bedeutung der Verlag und der Buchhandel für den Dichter hatten. In beiden sah er eine Institution, die dem Lesepublikum seine Literatur vermittelte. Daher war es für Klopstock sehr wichtig, dass diese Institution die kleinsten von ihm gewollten Details bei der Buchausstattung bedachten, und die Ausgaben seiner Werke korrekt waren, was zwangläufig zu Differenzen führen musste. Aus diesem Grund entschloss sich Klopstock dazu, seine Werke im Selbstverlag auf Subskriptionsbasis zu veröffentlichen.
So geschehen bei seinem Werk Die Deutsche Gelehrtenrepublik. Klopstock wollte ein Netz von Kollekteuren auf ganz Deutschland verteilen, das nicht nur für ihn, sondern auch für andere Autoren zur Verfügung stehen sollte. Bisher war es durchaus üblich, dass die Autoren ein einmaliges Honorar bekamen und die Rechte an ihrem Werk an den Verleger abtraten, denn sie wurden ja durch den Ruhm, den sie sich mit ihrer Literatur erwarben, genügend honoriert. Klopstock beabsichtigte nun mit seinem neuen Prinzip den Gelehrten und den Schriftstellern die zu Möglichkeit geben, ihre Bücher selbst zu vertreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die heutige Vernachlässigung Klopstocks und formuliert die zentrale Fragestellung nach seiner Neubewertung als Autor im 18. Jahrhundert unter Berücksichtigung seiner ökonomischen und literarischen Ambitionen.
2. Das Leben des Dichters F.G. Klopstock: Dieses Kapitel zeichnet den biographischen Werdegang Klopstocks nach und analysiert, wie prekäre finanzielle Verhältnisse den Druck erhöhten, neue Wege der Existenzsicherung zu finden.
3. Die dichterische Freiheit des Messias-Dichters: Der Hauptteil untersucht die schriftstellerische Unabhängigkeitsbewegung, das neue Selbstverständnis des Autors als "scriptor honoris causa" sowie die ambivalente Wirkung auf seine Zeitgenossen.
Schlüsselwörter
Friedrich Gottlieb Klopstock, Messias, Literaturgeschichte, 18. Jahrhundert, Autorverständnis, Selbstverlag, Subskriptionswesen, Sprache des Herzens, deutsche Gelehrtenrepublik, literarische Unabhängigkeit, Autorenschaft, Literaturtheorie, literarisches Leben, Werdegang, Dichter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken von F.G. Klopstock und dessen Rolle bei der Wandlung des modernen Autorverständnisses im 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet die finanzielle Situation des Dichters, seine Experimente mit dem Selbstverlag und dem Subskriptionswesen sowie seine Positionierung gegenüber Verlegern und Zeitgenossen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Klopstock als Wegbereiter für ein selbstbestimmtes, professionelles Dichtertum zu identifizieren, das sich von traditionellen Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Gönnern löste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche und historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Sekundärliteratur und zeitgenössischen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Klopstocks neues Bild vom Autor, seine Bemühungen um finanzielle Unabhängigkeit und die Rezeption seiner Person durch Zeitgenossen wie Goethe oder Herder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Klopstock, Autorverständnis, Selbstverlag, Subskriptionswesen und die Rolle des Dichters im 18. Jahrhundert.
Wie prägte die finanzielle Not Klopstocks literarisches Handeln?
Da er von seinem Schreiben leben wollte, zwangen ihn finanzielle Engpässe dazu, Verleger zu umgehen und über Subskriptionen direkt mit dem Lesepublikum in Kontakt zu treten.
Warum wird Klopstock oft als "Dichter von Einzelschönheiten" bezeichnet?
Zeitgenossen wie Herder und Mendelssohn erkannten zwar die Brillanz einzelner Passagen an, bemängelten jedoch eine Gesamtkohärenz und die mitunter als unverständlich wahrgenommene Sprache.
Welche Rolle spielte der "Messias" für sein Image?
Das Epos "Messias" war das Lebenswerk, das ihm Ruhm verschaffte, seine Stellung als "Dichter des Vaterlandes" festigte und ihn als religiöse Autorität etablierte.
Inwieweit lässt sich Klopstock als "moderner Autor" bezeichnen?
Er gilt als Wegbereiter, da er den Dichter als selbstständigen Geschäftspartner und moralisch-intellektuelle Instanz in der Öffentlichkeit positionierte, auch wenn er selbst in alten Abhängigkeiten verhaftet blieb.
- Quote paper
- Markus Friedrich (Author), 2004, F. G. Klopstocks Leben und Wirken , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119261