Chinas neue Rolle in der Welt

Theoretische Perspektiven auf den chinesischen Aufstieg anhand des Einflusses auf die griechische Politik und Wirtschaft im Rahmen der BRI


Seminararbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhalt

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Aufstieg Chinas in der jüngeren Geschichte
2.1 Die Reformen unter Deng Xiaoping und die Go West- und Go Out-Strategien
2.2 Chinas Reaktion auf die Krise von 2008
2.3 Die Belt and Road-Initiative

3 Theoretische Konzeptionen zur Betrachtung der Entwicklung, des Einflusses und der Ziele Chinas
3.1 Weltsystemtheorie und hegemonialer Übergang
3.2 BRI als Re-Globalisierung
3.3 Der Aufstieg Chinas als Wiedererrichtung der alten Ordnung: (Alles unter dem Himmel)

4 Chinas Einfluss auf die griechische Wirtschaft und Politik
4.1 Die Übernahme des Hafens in Piräus
4.2 Energienetze, Kooperationstreffen und politische Instrumentalisierung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Entwicklung Chinas in den letzten Jahrzehnten ist in vielerlei Hinsicht Aufsehen erre­gend. Besonders die wirtschaftliche Entwicklung des Landes war rasant und wirkt sich längst auf die internationale Politik und den Welthandel aus. Doch dies soll nach Ansicht der Kom­munistischen Partei Chinas (KPCh) erst eine Etappe auf einem längeren Weg sein. Spätes­tens seit der Übernahme des Präsidentenamtes durch Xi Jinping wird deutlich, dass die chi­nesische Führung das Land wirtschaftlich sowie politisch zu einer globalen Supermacht ent­wickeln möchte. Die Belt and Road-Initiative, die in Relation zu geographischer Ausdeh­nung und investierten Ressourcen das wohl größte Wirtschafts- und Entwicklungsprojekt der Menschheitsgeschichte werden soll, stellt dabei ein zentrales Element auf dem Weg zur global führenden (Wirtschafts-) Macht dar. Auch die EU, für die China den größten Han­delspartner darstellt, kann sich diesem nicht entziehen. Gerade in Südosteuropa, einer Re­gion, die von starken autoritären Tendenzen und knappen fiskalischen Möglichkeiten be­droht ist, scheint China über Kredite und Investitionen geostrategische und ökonomische Vorteile erlangen zu wollen. Ein sehr bekanntes Beispiel hierfür stellt der Hafen in Piräus dar, dessen Mehrheitseigner ein chinesischer Staatskonzern ist. Einige sehen den dortigen Einfluss Chinas als Grund an, weshalb Griechenland eine gemeinsame EU-Deklaration vor den UN, die die Menschenrechtslage dort kritisieren sollte, verhindert hat. Wie derartige Phänomene in die theoretischen Perspektiven auf den Aufstieg Chinas eingeordnet werden können und welche Anhaltspunkte sie zur Stützung oder Widerlegung dieser diversen The­orien bieten, soll in dieser Arbeit anhand der Einflüsse Chinas auf Griechenlands Wirtschaft und Politik dargelegt werden. Während in der chinesischen Literatur und Debatte die BRI und die damit assoziierten Konzepte und Vorstellungen einer globalen politischen Ordnung breit rezipiert und analysiert werden, sind in der westlichen Literatur nur selten Auseinan­dersetzungen mit diesen zu sehen. Die Debatte dreht sich hier vor allem um Einzelaspekte und die ökonomische Konkurrenz zu China. Die langfristigen politischen Implikationen rü­cken erst seit Kurzem in den Fokus, sodass mittlerweile auch die EU-Kommission von einer Systemkonkurrenz zum autoritären China spricht (Europäische Kommission, 2019). Im Fol­genden soll der Aufstieg Chinas in den letzten Jahrzehnten beleuchtet, die verschiedenen theoretischen Perspektiven darauf dargestellt und anhand der Beziehungen Chinas und Grie­chenlands analysiert werden, welche Argumente die diversen Theorien stützen oder ihnen widersprechen.

2 Der Aufstieg Chinas in der jüngeren Geschichte

Zunächst soll grob die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas nach der Ära unter Mao Zedong bis heute dargestellt werden. Dazu werden zunächst die Reformen und Öff­nungsschritte beleuchtet, gefolgt von der Reaktion auf die Weltfinanzkrise der späten 2000er-Jahre und der Initiierung der Belt and Road-Initiative.

2.1 Die Reformen unter Deng Xiaoping und die Go West- und Go Out-Strategien

In den letzten Jahrzehnten hat die Volksrepublik China eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschaffen, mit enormen ökonomischen Wachstumsraten und einer stetig wachsenden Be­deutung für die Weltgesellschaft, auch in politischer Hinsicht.

Diese Entwicklung begann Ende der 1970er-Jahre mit den einschneidenden Reformen unter der Führung Deng Xiaopings Fahrt aufzunehmen, der eine inkrementelle Liberalisierung der zuvor kommunistisch geprägten chinesischen Wirtschaft einleitete. Man errichtete Sonder­wirtschaftszonen, deregulierte Bereiche des Arbeitsmarktes, privatisierte einige Wirtschafts­sektoren und förderte eine exportorientierte Industrialisierung des Landes. Exemplarisch und besonders hervorstechend sind dabei die Veränderungen infolge der Implementierung des Modells der „Sozialistischen Marktwirtschaft“ 1992, wonach „wenig rentable kleinere und mittlere Unternehmen privatisiert [wurden], während die größten 1000 Staatskonzerne wei­terhin unter staatlicher Kontrolle blieben“ (Schmalz, 2010, S. 487). Als der Fortschritt Struk­turprobleme wie die Exportabhängigkeit und ein eklatantes Stadt-Land-Gefälle offenlegte, richtete man mit der „Go-West“-Strategie einen deutlich stärkeren Fokus auf ländlich Ge­biete und vor allem den dünn besiedelten Westen des Landes (vgl. ebd.). Zur selben Zeit bewirkte die „Go-Out“-Strategie, zu Beginn noch mit dem Ziel der Sicherung wichtiger Rohstoffimporte, dass chinesische Unternehmen immer stärker auch als Investoren auf dem Weltmarkt tätig wurden (vgl. Hoering, 2018. S. 26). Der Erfolg dieser Strategien lässt sich u.a. daran ablesen, dass der Anteil chinesischer Konzerne an der Liste der Fortune Global 500 in der Folge rasant zunahm (vgl. ebd.).

2.2 Chinas Reaktion auf die Krise von 2008

Den ersten großen Dämpfer dieser Entwicklungen stellte die weltweite Finanz- und Wirt­schaftskrise von 2008 dar. Besonders die hohe Exportquote brachte dabei einige Probleme mit sich: Exportierte China im Juli 2008 noch Waren im Wert von rund 140 Mrd. US-Dollar, stürzte dieser Wert auf 90.5 Mrd. US-Dollar im Januar 2009 ab, weshalb in der ersten Jah­reshälfte etwa 67000 Unternehmen schließen mussten und es vielerorts zu Massenentlassun­gen kam (vgl. Weil, 2010, S. 46). Die Partei reagierte mit einem 586 Mrd. US-Dollar um­fassenden Konjunkturprogramm, das den Binnenkonsum stärken, die Industrie modernisie­ren und das Land zu einem Vorreiter in der Informationstechnologie machen sollte (vgl. Schmalz, 2010, S. 490). Auch wenn dieses Paket als erfolgreich bezeichnet werden kann, so ist doch die seit langem kennzeichnende Eigenschaft der chinesischen Wirtschaft, der im­mense Fokus auf den Export, mit allen ihr inhärenten Risiken auch heute noch zu konstatie­ren. Von noch größerer Bedeutung war jedoch die Bedrohung der Legitimität der Partei in einer von Korruption, ökologischen Problemen und steigender sozialer Ungleichheit ge­troffenen Bevölkerung (vgl. Hoering, 2018, S. 28). Auch wenn die staatlichen Maßnahmen die schwerwiegendsten Folgen der Krise abgefedert hatten, so sah sich Xi Jinping möglich­erweise trotzdem gezwungen in einer Art Gesellschaftsvertrag die gesellschaftliche Akzep­tanz der Partei mit dem Versprechen eines höheren Lebensstandards und einer wachsenden internationalen Bedeutung Chinas zu „erkaufen“ (vgl. ebd.: S. 29).

2.3 Die Belt and Road-Initiative

Nachdem die unmittelbaren Folgen der Finanzkrise beseitigt waren, startete die chinesische Führung ein ambitioniertes Projekt. Die Belt and Road-Initiative, von der sie sich verspricht, dass sie das in puncto geographischer Ausdehnung und investierten Ressourcen wahrschein­lich bisher größte Wirtschafts- und Entwicklungsprojekt der Menschheitsgeschichte darstel­len wird. Sie umfasst neben Infrastrukturausbau- und Investitionsprojekten die Schaffung neuer Kooperationsgemeinschaften, internationaler Institutionen und Organisationen und eine Ausweitung kulturellen Austausches. Das 2013 initiierte Projekt, das unter verschiede­nen Bezeichnungen wie „Neue Seidenstraße“, „One Belt, One Road“, oder heute zumeist „Belt and Road-Initiative“, läuft, stellt ein essenzielles Element der chinesischen Außen- und Wirtschaftspolitik der letzten Jahre dar. Es gliedert sich grob in zwei Stränge, den Silk Road Economic Belt, der Projekte auf dem Landweg umfasst, vor allem die Schaffung von Trans­portnetzen durch Schienen, und die Maritime Seidenstraße, die den Handel über die See­wege erleichtern und intensivieren soll, bspw. durch den Bau neuer Tiefwasserhäfen und logistischer Knotenpunkte. Diese Konzepte orientieren sich jeweils grob an den historischen Routen der Seidenstraße. Das gesamte Vorhaben wird unterdessen auf verschiedenste Weise interpretiert. Obwohl die chinesische Staatsführung stets von Süd/Süd- bzw.

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Details

Titel
Chinas neue Rolle in der Welt
Untertitel
Theoretische Perspektiven auf den chinesischen Aufstieg anhand des Einflusses auf die griechische Politik und Wirtschaft im Rahmen der BRI
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
PS Die Belt and Road-Initiative in Südostasien und Europa
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1193047
ISBN (eBook)
9783346636263
ISBN (Buch)
9783346636270
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Belt-and-Road Initiative, China, Afrika, EU, Europäische Union, BRI, Neue Seidenstraßen Initiative, Griechenland, Piräus
Arbeit zitieren
Gabriel Hanrieder (Autor:in), 2021, Chinas neue Rolle in der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193047

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