Diese Ausarbeitung wird Aufschluss darüber geben, warum viele Juden Anfang des 17.Jahrhunderts nach Brandenburg-Preußen siedelten, wie die preußische Toleranz im Gegensatz zu anderen Staaten aussah und warum es gerade für Brandenburg-Preußen wichtig war jüdische Bevölkerung ins Land zu holen. Des Weiteren wird geklärt, warum auch in diesem Staat Ausrufe von Diskriminierung und Verfolgung laut wurden und welche unterschiedliche Meinungen der Hof und das einfache Volk gegenüber der jüdischen Bevölkerung besaßen.
Am Schluss soll noch ein kurzer Einblick ins 19. Jahrhundert folgen, aus dem hervorgehen soll, wie sich die Situation der Juden, aufgrund von Reformen zu Anfang dieser Zeit anfing zu verbessern, nicht nur im Bezug auf Preußen. Werke, die sich intensiv mit der Geschichte der Juden im 17. und 18. Jahrhundert befasst haben, sind zum Beispiel die verschiedenen Bände von Selma Stern oder die Ausgabe des Bildarchivs Preußischen Kulturbesitzes. Auch andere Autoren wie Peter Freimark oder Erika Herzfeld beschäftigten sich mit dem jüdischen Volk zu dieser Zeit. Der aktuelle Forschungsstand gewährt kaum neue Einblicke, als die, die Selma Stern oder die anderen Autoren in ihren Abhandlungen schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts darlegten. Die Wissenschaftler sind sich beim Thema der Juden von Brandenburg- Preußen im Allgemeinen recht einig, so findet man oft ähnliche Formulierungen oder sogar Zitate des anderen Autoren. Diese Ausarbeitung stützt sich somit auf die verschiedenen Werke, musste aber, aufgrund der Vielzahl an historischen Faktoren, auf die Geschichte der Juden in Brandenburg- Preußen des 17.- und 18. Jahrhunderts beschränkt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.Hinführung zum Thema
2.Kurze Vorgeschichte
3. Judenpolitik vom Großen Kurfürsten bis Friedrich II.
3.1 Judenpolitik unter dem Großen Kürfürsten
3.2. Judenpolitik unter Friedrich I.
3.3. Judenpolitik unter Friedrich Wilhelm I.
3.4 Judenpolitik unter Friedrich II.
4. Wie wohlhabende Hofjuden, gebildete Juden und Aufklärer ein modernes Judentum schufen
5.Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Situation und die rechtliche Stellung der jüdischen Bevölkerung in Brandenburg-Preußen während des 17. und 18. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen staatlicher Verfolgung, ökonomischer Ausbeutung und der unter den Herrschern praktizierten Toleranzpolitik liegt.
- Die Entwicklung der preußischen Judenpolitik von Friedrich Wilhelm bis Friedrich II.
- Die ökonomische Bedeutung jüdischer Familien für den preußischen Staat
- Soziale und rechtliche Einschränkungen durch Judenordnungen und Reglements
- Die Entstehung einer aufgeklärten jüdischen Oberschicht und deren Einfluss
Auszug aus dem Buch
3.3. Judenpolitik unter Friedrich Wilhelm I.
Friedrich Wilhelm I., der auch als Soldatenkönig bekannt wurde, unterschied sich wieder stark von seinem Vater. Während dieser sehr verschwenderisch war, jedoch weltmännisch und offen für Neues, konnte man dies von seinem Sohn überhaupt nicht sagen. Friedrich Wilhelm I. verachtete jeglichen Prunk und Glanz, war schroff und misstrauisch in seinem Wesen, verfügte aber über eine messerscharfe Intelligenz, obwohl ihm das Lesen und Schreiben große Mühe bereitete. Der neue König war aber vor allem sehr sparsam und führte somit nach seinem Amtsantritt drastische Kürzungen durch und veränderte die Wirtschafts- und Verwaltungspolitik im Land.
Durch die neue Behördenorganisation des Königs war die Unterstellung der Juden unter den Herrscher einer Unterordnung unter dem Staat gewichen. Die Juden unterstanden nunmehr dem von Friedrich Wilhelm I. gegründeten Gerneraldirektorium und den Kriegs- und Domänenkammern. Das General-Juden-Reglement vom 29. September 1730 legte zum Beispiel nun folgende Dinge fest:
- alle Artikel mit denen Juden handelten mussten genau aufgeführt werden
- es wurde genau geregelt, an welchen Plätzen sie handeln durften
- Ausübung eines bürgerlichen Handwerkes und Hausbesitz waren verboten
- in den Provinzen sollte die Anzahl der Juden weder vermehrt noch vermindert werden; Ausnahmen wurden gemacht, wenn ein Jude ein Vermögen von 10.000 Reichstalern nachweisen konnte.
- Die Ein- und Ausfuhr von Waren wurde noch strenger kontrolliert
„Die Vorschriften des General- Reglements führten [jedoch auch] dazu, dass sich die Stellung der Juden im Geld- und Kredithandel ausweitete. Ein weiteres Feld für vermögende Juden war die von der Regierung geförderte Erweiterung und Neugründung von Manufakturen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Hinführung zum Thema: Der einleitende Abschnitt skizziert die historische Verfolgung des jüdischen Volkes und führt in die Fragestellung ein, wie sich die Juden in Brandenburg-Preußen behaupten konnten.
2.Kurze Vorgeschichte: Dieser Teil beleuchtet die Situation der Juden nach der Zerstörung Judäas und ihre Rolle im europäischen Kontext bis zum Beginn der Neuzeit.
3. Judenpolitik vom Großen Kurfürsten bis Friedrich II.: Das zentrale Kapitel analysiert chronologisch die judenpolitischen Maßnahmen der verschiedenen preußischen Herrscher und deren ökonomische Motivation.
3.1 Judenpolitik unter dem Großen Kürfürsten: Hier wird der Beginn der neueren Geschichte der Juden in Preußen und die Ansiedlungspolitik von 1671 thematisiert.
3.2. Judenpolitik unter Friedrich I.: Dieser Abschnitt beschreibt die Kontinuität und Erweiterung der Schutzbriefe unter Friedrich I. sowie die zunehmende steuerliche Belastung.
3.3. Judenpolitik unter Friedrich Wilhelm I.: Der Fokus liegt hier auf der Einführung des General-Juden-Reglements von 1730 und der straffen Unterordnung unter den preußischen Staat.
3.4 Judenpolitik unter Friedrich II.: Die Untersuchung zeigt den Widerspruch zwischen dem atheistischen Toleranzanspruch des Königs und der tatsächlichen, fiskalisch motivierten Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung auf.
4. Wie wohlhabende Hofjuden, gebildete Juden und Aufklärer ein modernes Judentum schufen: Das Kapitel widmet sich dem Aufstieg einer jüdischen Oberschicht und der kulturellen sowie geistigen Emanzipation durch Persönlichkeiten wie Moses Mendelssohn.
5.Schlussbemerkung: Der letzte Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet den Einfluss des Emanzipationsedikts von 1812 als Meilenstein.
Schlüsselwörter
Brandenburg-Preußen, Judenpolitik, 17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, Großer Kurfürst, Friedrich II., Schutzjuden, Judenordnung, Toleranz, Manufakturen, Hofjuden, Moses Mendelssohn, Judenemanzipation, Fiskalpolitik, Religionsfreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der jüdischen Bevölkerung in Brandenburg-Preußen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die staatliche Judenpolitik, die ökonomische Nutzung der Juden als Steuerquelle und die allmähliche kulturelle Integration durch Aufklärer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, warum Brandenburg-Preußen Juden aufnahm und wie sich die vermeintliche Toleranz der preußischen Herrscher mit den harten wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen vereinbaren ließ.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse und wertet einschlägige Fachliteratur (z.B. Selma Stern, Reinhard Rürup) aus, um ein umfassendes Bild der Epoche zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil bietet eine chronologische Betrachtung der Judenpolitik unter den Herrschern vom Großen Kurfürsten bis hin zu Friedrich II. sowie eine Analyse der Entstehung des modernen Judentums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Schutzjuden, fiskalische Ausbeutung, Toleranzedikt und Judenemanzipation.
Wie unterschied sich die Politik von Friedrich I. von der seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm I.?
Während Friedrich I. das Judenreglement eher im Sinne der Finanzbeschaffung für seinen prunkvollen Hof erweiterte, führte Friedrich Wilhelm I. mit dem General-Juden-Reglement eine streng bürokratische und organisierte staatliche Kontrolle ein.
Welche Rolle spielte Moses Mendelssohn für das Judentum in dieser Zeit?
Mendelssohn gilt als zentrale Figur, die die kulturelle Isolierung durchbrach und durch die Förderung der deutschen Sprache und Aufklärung das moderne, emanzipierte Judentum begründete.
- Citar trabajo
- Sue Lorenz (Autor), 2008, Juden in Brandenburg-Preußen im 17. und 18. Jahrhundert. Zwischen Verfolgung und Toleranz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193147