Primär soll es darum gehen, zu prüfen, ob das Thema Geschlecht dramatisiert und gegebenenfalls wieder entdramatisiert wird. Andererseits soll geprüft werden, ob wichtige Begriffe und Konzepte sachlich und fachlich korrekt dargestellt und eingeführt werden – auch ohne queere Lebensentwürfe als „anders“ zu stigmatisieren.
Geschlecht ist eine zentrale Ordnungskategorie von Gesellschaften. Als solche wird sie auch im schulischen Umfeld erlernt und reproduziert – Beispiele, wie stark die Geschlechterkategorien wirken, kennt wohl jede*r noch aus der eigenen Schulzeit. So werden Gruppen oft nach Geschlecht zugewiesen oder es müssen sich reihum Mädchen und Jungen im Wechsel aufrufen. Bartsch und Wedel attestieren der Schule in dem Sinne sogar eine „Zuspitzung der Zwei-Geschlechter- Ordnung“ (Bartsch & Wedel). Schule stellt gleichzeitig auch die Institutionalisierung des gesellschaftlichen Bildungsanspruches dar und scheint daher insbesondere auch mit Hinblick auf das Erlernen und den Umgang mit Geschlecht einen Bildungsauftrag zu haben. Einfacher formuliert: die Themen Geschlecht und Gender sollten Teil eines sozialwissenschaftlichen Unterrichts sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
3. Gender im globalen Kontext (verstehen?) – Darstellung und Analyse des Materials Gender und Diversity des Welthaus Bielfeld
3.1 Darstellung der Unterrichtseinheit „Gender“
3.2 Alles Gender? Zur qualitativen Beurteilung der Unterrichtseinheit
4. Abschließende Einschätzung
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert und bewertet einen Unterrichtsentwurf des Welthauses Bielefeld zum Thema „Gender und Diversity“. Ziel der Untersuchung ist es zu prüfen, inwieweit das Thema Geschlecht im Lernkontext didaktisch sinnvoll dramatisiert und gegebenenfalls wieder entdramatisiert wird, um eine sachlich korrekte Darstellung ohne Stigmatisierung von Identitäten zu gewährleisten.
- Geschlechterreflexive Bildung im schulischen Kontext
- Methoden der Dramatisierung und Entdramatisierung von Geschlechterrollen
- Analyse von Unterrichtsmaterialien zur Gender-Thematik
- Konstruktion von Geschlecht und soziale Rollenerwartungen
- Kritische Reflexion binärer Geschlechtermodelle in Lehrmaterialien
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung der Unterrichtseinheit „Gender“
Das Welthaus Bielefeld beschreibt sich selbst auf seiner Webseite als „entwicklungspolitischer Verein, in dem sich ehrenamtliches und hauptamtliches Engagement für globale soziale Gerechtigkeit und eine zukunftsfähige Entwicklung verbinden“ (Welthaus Bielefeld online).
Der Verein engagiert sich in der Entwicklungszusammenarbeit und leistet Lobby- und Bildungsarbeit. Das vorliegende Unterrichtsmaterial entstammt einer Unterrichtsreihe unter dem Titel Gender und Diversity und wurde für die gymnasiale Oberstufe im Fach Sozialwissenschaften entwickelt. Inhaltlich teilt sich die Reihe in sechs Unterrichtseinheiten à 45 Minuten auf. Im Rahmen dieser Einheit wird die erste Unterrichtseinheit zum Thema „Gender“ analysiert. Die anschließenden Einheiten widmen sich den Themen Diversity und Intersektionalität, geschlechtsspezifische Gewalt, Frauen und Männer in Deutschland, Frauenhandel nach Deutschland und Frauen weltweit (vgl. Welthaus Bielefeld 2015).
Das Ziel der Unterrichtseinheit zum Thema Gender ist es, den Schüler*innen einen „niedrigschwellige[n] Einstieg in die Gender Thematik [zu] ermöglich[en] [...], in einen Austausch über Rollenbilder zu treten und diese ohne Scheu zu äußern“ (Welthaus Bielefeld 2015: 5). Wichtig für die Analyse scheint dabei insbesondere die Idee, dass es sich um einen Einstieg in ein weites Themenfeld handelt. Die 45 Minuten sind dabei in drei Teile aufgeteilt. In den ersten 20 Minuten sollen die Schüler*innen in einen stillen Dialog mit eigenen Rollenbildern treten (vgl. Welthaus Bielefeld: 5). Dafür sollen zwei Plakate mit den Umrissen einer Schülerin und eines Schülers in die Mitte des Klassenraums gelegt und darauf Assoziationen und Bilder gesammelt werden. Die Gestaltung der Plakate erfolgt dabei sehr frei und kann durch Stichworte an der Tafel angeleitet werden. Abschließend sollen die Schüler*innen dann die angehängten Plakate begutachten und im Plenum diskutieren. Dabei gibt das Material der Lehrkraft einige Leitfragen an die Hand, beispielsweise, welche Unterschiede auffallen, welche Rollenbilder und -erwartungen klar werden und woher diese stammen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Geschlecht als zentrale Ordnungskategorie im schulischen Umfeld und erläutert den Fokus der Arbeit auf die Analyse eines spezifischen Unterrichtsentwurfs.
2. Theorie: Dieses Kapitel stellt theoretische Grundlagen zur geschlechterreflexiven Bildung sowie Konzepte der „Dramatisierung“ und „Entdramatisierung“ von Geschlechterrollen vor.
3. Gender im globalen Kontext (verstehen?) – Darstellung und Analyse des Materials Gender und Diversity des Welthaus Bielfeld: Hier wird der Untersuchungsgegenstand vorgestellt und in den Kontext der Analyse eingebettet.
3.1 Darstellung der Unterrichtseinheit „Gender“: Das Unterkapitel beschreibt detailliert Aufbau, Zielsetzung und methodische Gestaltung des analysierten Unterrichtsmaterials.
3.2 Alles Gender? Zur qualitativen Beurteilung der Unterrichtseinheit: Hier erfolgt eine kritische fachdidaktische Prüfung des Materials hinsichtlich der Anwendung der theoretischen Konzepte.
4. Abschließende Einschätzung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Nutzen sowie die Grenzen des Unterrichtsmaterials für die schulische Praxis.
5. Literatur: Auflistung der in der Arbeit verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Gender, Geschlechterrollen, geschlechterreflexive Bildung, Sozialwissenschaften, Unterrichtsmaterial, soziale Konstruktion, Dramatisierung, Entdramatisierung, Diversity, Intersektionalität, Rollenbilder, gymnasiale Oberstufe, Geschlechterverhältnisse, pädagogischer Auftrag, Stereotypen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und kritischen Bewertung eines Lehrmaterials zum Thema „Gender und Diversity“, welches vom Welthaus Bielefeld für die gymnasiale Oberstufe entwickelt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der „Dramatisierung“ und „Entdramatisierung“ von Geschlecht, die soziale Konstruktion von Rollenbildern sowie die fachdidaktische Qualität von Unterrichtsmaterialien in den Sozialwissenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob das Unterrichtsmaterial Gender-Themen sachlich korrekt und ohne Stigmatisierung vermittelt und wie geschlechtersensible Inhalte didaktisch im Unterricht aufbereitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Inhaltsanalyse eines spezifischen Unterrichtsentwurfs, basierend auf theoretischen Kriterien der Geschlechterforschung und der geschlechterreflexiven Pädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Vorstellung des Lehrmaterials und eine detaillierte qualitative Analyse des Materials anhand definierter Kriterien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender, soziale Konstruktion, geschlechterreflexive Bildung, Rollenbilder, Dramatisierung und didaktische Analyse.
Wie bewertet der Autor den Umgang des Materials mit der Geschlechterbinarität?
Der Autor kritisiert, dass das Material stark auf ein binäres Geschlechtermodell fokussiert bleibt, was zwar einen Einstieg in die Thematik ermöglicht, aber die Gefahr einer Verfestigung von Stereotypen birgt.
Welchen konkreten Verbesserungsvorschlag macht die Arbeit für die Unterrichtspraxis?
Die Arbeit regt an, das Thema durch eine stärkere Entdramatisierung zu ergänzen und gegebenenfalls den zeitlichen Rahmen zu erweitern, um auch nicht-binäre Geschlechteridentitäten angemessen thematisieren zu können.
- Arbeit zitieren
- Stephan Jaskolla (Autor:in), 2021, Gender im globalen Kontext unterrichten (und verstehen?). Eine Analyse des Unterrichtsmaterials "Gender und Diversity" vom Welthaus Bielefeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193173