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Das Theater Bertolt Brechts im kulturhistorischen Vergleich

Politische Intentionen und kulturell bedingte Sichtweisen bei der Rezeption des japanischen Nō-Stückes Tanikō

Titel: Das Theater Bertolt Brechts im kulturhistorischen Vergleich

Hausarbeit , 2019 , 9 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Amelie Schnell (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit der zunehmenden Globalisierung stellt sich die Frage, inwiefern Machtverhältnisse zwischen dem Westen und anderen Teilen der Welt heute noch Gültigkeit besitzen. Dabei wird häufig Bezug genommen auf das Erbe des europäischen Kolonialismus und seine Nachwirkungen auf die heutigen Gesellschaften. Inwieweit sich vor allem eine ethnozentrische Perspektive europäischer Kunstschaffender und der Begriff der kulturellen Aneignung aus westlichen Machtbestrebungen heraus in der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen aufzeigen lässt, soll am Beispiel von Bertolt Brechts Rezeption des japani-schen Nō-Stückes "Tanikō" und dessen Einflüssen auf seine theatertheoretischen Überlegungen erläutert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Europäische Kunst im Zeichen westlicher Denkmuster

2. Brechts Wirken vor dem kunsthistorischen Kontext Europas

2.1 Hintergrundsituation der Krise des Dramas in Europa

2.2 Konzeption des epischen Theaters als Lösungsversuch

3. Brecht’sche Reformen zwischen Politik und Weltgeschichte

3.1 Politisch-philosophische Einflüsse in Brechts Theaterkonzepten

3.2 Bedeutung historischer Kulturperspektiven für Brecht’sche Denkmuster

3.3 Konzeption der Kulturellen Aneignung bei Brechts Umdeutung von Tanikō

4. Schluss

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der kulturellen Aneignung im Kontext westlicher Machtverhältnisse am Beispiel von Bertolt Brechts Rezeption des japanischen Nō-Stücks Tanikō. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ethnozentrische Denkmuster die künstlerische Auseinandersetzung Brechts mit fernöstlichen Theaterformen geprägt und instrumentalisiert haben.

  • Kritische Analyse des europäischen Kolonialismus und seiner Nachwirkungen auf die Kunst.
  • Untersuchung der "Krise des Dramas" und Brechts Antwort durch das epische Theater.
  • Reflexion über die politisch-philosophischen Einflüsse in Brechts Lehrstücken.
  • Erörterung des Machtgefälles zwischen Europa und Japan im frühen 20. Jahrhundert.
  • Bewertung von kultureller Aneignung als Instrument der Instrumentalisierung.

Auszug aus dem Buch

3.3 Konzeption der Kulturellen Aneignung bei Brechts Umdeutung von Tanikō

Inwieweit die Umdeutung von Tanikō als kulturelle Aneignung verstanden werden kann, soll im Folgenden erläutert werden. Kulturelle Aneignung beschreibt reflexive Transformationsprozesse, bei denen sich Handlungsräume innerhalb einer Gesellschaft erweitern. Verschiedene Teilprozesse dieses Konzeptes lassen sich auch auf Brecht übertragen. Die Umgestaltung zeigt sich durch die Veränderung der Rahmenhandlung (Pilgerreise wird zu Forschungsreise) und damit geht eine Zweckentfremdung einher, da die buddhistische Moral, nach Marianne König, durch eine Brecht-typische revolutionär-marxistische ersetzt wird. Weiter kommt es bei Brecht zu einer Kontextualisierung, also der Zuweisung neuer Bedeutungen durch die Integration in seine Theatertheorie.

Diese Form der kulturellen Aneignung durch Brecht und weitere Theaterschaffende zu dieser Zeit steht unter dem Zeichen des bereits geschilderten kolonialgeschichtlich begründeten Machtgefälles. Die westliche Aneignung von Nicht-Westlichem kann nach Hans Hahn unter Aspekten von Besitzansprüchen und Strategien der Exklusion betrachtet werden und führt daher immer wieder zu Konflikten in Bezug auf die Legitimität und das Verständnis von kulturellen Eigentumsrechten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Europäische Kunst im Zeichen westlicher Denkmuster: Einführung in die Problematik ethnozentrischer Machtverhältnisse und die Relevanz des kolonialen Erbes für die moderne Kunstbetrachtung.

2. Brechts Wirken vor dem kunsthistorischen Kontext Europas: Beleuchtung der dramaturgischen Krise um die Jahrhundertwende und Brechts Suche nach einer neuen, epischen Theaterform.

3. Brecht’sche Reformen zwischen Politik und Weltgeschichte: Analyse der politischen Prägung Brechts, seiner Interpretation ostasiatischer Theaterkünste und der spezifischen Anwendung kultureller Aneignung.

4. Schluss: Zusammenfassende Einschätzung, dass Brechts Umgang mit dem Nō-Stück Tanikō ein ethnozentrisches Vorgehen widerspiegelt, das heutige gesellschaftspolitische Diskurse bereichert.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Tanikō, Kulturelle Aneignung, Episches Theater, Eurozentrismus, Kolonialismus, Machtverhältnisse, Nō-Theater, Lehrstück, Kulturtransfer, Identität, Exotismus, Dramentheorie, Politische Ästhetik, Interkulturalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Bertolt Brecht japanische Theaterformen, insbesondere das Stück Tanikō, für seine Zwecke adaptierte und inwieweit dies als Form der kulturellen Aneignung unter kolonialen Machtstrukturen zu werten ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der europäischen Dramenkrise, die politische Philosophie Brechts, historische europäisch-japanische Kulturbeziehungen und die Kritik an einer instrumentalisierenden Aneignungsweise.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Hinterfragung, inwiefern Brechts künstlerische Innovationen auf einem ethnozentrischen, von Machtgefällen geprägten Umgang mit außereuropäischen Kulturtraditionen basieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine literatur- und theaterwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch historische Kontextualisierung und postkoloniale Theorieansätze zur kulturellen Aneignung gestützt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Brecht’schen Reformen, die Untersuchung politisch-philosophischer Einflüsse sowie eine detaillierte Analyse seiner Adaption von Tanikō unter Berücksichtigung kulturgeschichtlicher Machtasymmetrien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Brecht, Kulturelle Aneignung, Tanikō, Episches Theater, Eurozentrismus und Kolonialismus.

Wie bewertet die Arbeit Brechts "Forschungsreise" im Stück Der Neinsager?

Die Umwandlung der ursprünglichen Pilgerreise in eine Forschungsreise wird als bewusste Zweckentfremdung gedeutet, durch die Brecht seine marxistische Ideologie anstelle der buddhistischen Moral im Stoff verankert.

Warum war laut Arbeit ein authentisches Verständnis des Nō-Theaters bei Brecht nicht möglich?

Die Arbeit verweist auf eine begrenzte Datenlage, Abhängigkeit von fehlerhaften Übersetzungen (Arthur Waley) und den Mangel an direkter, intensiver Auseinandersetzung durch Reisen, was Brechts Expertenstatus infrage stellt.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Theater Bertolt Brechts im kulturhistorischen Vergleich
Untertitel
Politische Intentionen und kulturell bedingte Sichtweisen bei der Rezeption des japanischen Nō-Stückes Tanikō
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Traditionelles Theater Japans in Geschichte und Gegenwart
Note
1,3
Autor
Amelie Schnell (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V1193234
ISBN (PDF)
9783346634887
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht Japanisches Theater Kulturelle Aneignung Eurozentrismus Taniko Rezeption Episches Theater Krise des Dramas Bertolt Brecht Politisches Theater Kolonialismus No Theater Der Jasager Der Neinsager Asiatisches Theater Ostasiatisches Theater Ostasienrezeption Japanrezeption Lehrtheater
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Amelie Schnell (Autor:in), 2019, Das Theater Bertolt Brechts im kulturhistorischen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193234
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  9  Seiten
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