Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der terroristischen Globalisierung auf die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschlands. Dabei wird die These verifiziert werden, dass es innerhalb der Globalisierung eine ebensolche Globalisierung mit terroristischem Inhalt gibt. Innerhalb dieser terroristischen Globalisierung dominiert Al-Qaida bzw. der militante Islamismus. Diese Bedrohung und ihr Charakter sollen im ersten Kapitel in Verbindung mit ihren Auswirkungen auf Deutschland Beachtung finden.
Anschließend sollen die Auswirkungen eben dieses Phänomens auf die verschiedenen Facetten deutscher Sicherheitspolitik untersucht werden. Einerseits betrifft dies die Veränderungen der Begriffe und ihres Verständnisses innerhalb der politischen Landschaft, andererseits die praktischen Bereiche von Sicherheitspolitik, wie Armee, Nachrichtendienste und andere. Tatsache ist auch, dass sich die Anforderungen an Sicherheitspolitik verändert haben. Welche neuen Dimensionen sich für deutsche Sicherheitspolitik und welche Einflüsse sich aus all dem Vorgenannten auf die sicherheitspolitische Kultur ergeben, soll abschließend diskutiert werden.
Dabei handelt es sich hier um ein Thema, das in Forschung wie Tagespolitik hochaktuell ist. Nicht nur durch die Brennpunkte Irak und Afghanistan, sondern beispielsweise durch Anti-Terror-Razzien der Polizei, islamistische Internetvideos, Anschläge/Anschlagsversuche und die andauernde Debatte um die innere Sicherheit werden die Auswirkungen der terroristischen Globalisierung bereits spürbar. Dabei werden wichtige Einzelheiten gerade aus den Bereichen Bundeswehr, Nachrichtendienste, neuer Felder von Sicherheitspolitik und den Fragen der sicherheitspolitischen Kultur zwar in der Forschung durchaus kontrovers debattiert, aber eine breite Debatte in der Politik und vor allem in der Gesellschaft über die neuen Fragen deutscher Sicherheitspolitik ist bisher ausgeblieben.
Für eine Untersuchung des hier behandelten Themas sind Begriffsbestimmungen von ´Globalisierung´ und ´Terrorismus´ notwendig. Globalisierung sei dabei hier definiert als Prozess stetig wachsender weltweiter Vernetzung in nahezu allen Elementen menschlichen Zusammenlebens (Meier; Roßmanith 2003: 149). Für den Terrorismus wird eine Begriffsbestimmung ungleich schwieriger, da Terrorismusdefinitionen in Politik wie Forschung hoch umstritten sind. Hier soll die Definition genügen, dass Terrorismus ein Akt nicht-staatlicher politisch motivierter Gewalt zur Erreichung eines spezifischen Zieles ist.
Terroristische Globalisierung ist demnach eine weltweite transnationale Vernetzung und Ausdehnung von nicht-staatlichen Akteuren auf verschiedenen Ebenen, die Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele anwenden oder anwenden wollen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Terroristische Globalisierung – Charakter einer Bedrohung
2. Zum Begriff der Sicherheitspolitik aus deutscher Sicht
2.1. Klassische Sicherheits- und Verteidigungspolitik
2.2. Veränderungen von Begriffen und deren Verständnis
2.3. Innere, äußere und vernetzte Sicherheit
3. Deutsche Sicherheitspolitik und terroristische Globalisierung
3.1. Innere Sicherheit, Terrorabwehr, Bürgerrechte
3.2. Bundeswehr
3.2.1. Einsatz im Inneren
3.2.2. Spezielle Operationen
3.2.3 Globalisierung und Bundeswehr
3.3. Nachrichtendienste
3.4. NATO und EU
4. Neue Dimensionen deutscher Sicherheitspolitik
5. Entsteht in Deutschland eine neue sicherheitspolitische Kultur?
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der terroristischen Globalisierung auf die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Phänomen auf das Begriffsverständnis, die praktischen Bereiche wie Armee und Nachrichtendienste sowie auf die sicherheitspolitische Kultur in Deutschland auswirkt.
- Charakterisierung der terroristischen Globalisierung und der Bedrohung durch Al-Qaida.
- Veränderung klassischer Begriffe der Sicherheits- und Verteidigungspolitik im 21. Jahrhundert.
- Herausforderungen für die Bundeswehr und Nachrichtendienste im Kontext der Terrorabwehr.
- Die Rolle der europäischen und transatlantischen Kooperation (NATO und EU).
- Entwicklung und Status quo einer sicherheitspolitischen Kultur in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
1. Terroristische Globalisierung – Charakter einer Bedrohung
Bereits oben ist angeführt worden, dass Al-Qaida eine dominierende Rolle in der terroristischen Globalisierung innehaben dürfte. Dies lässt sich empirisch belegen. So ist der religiös motivierte Terrorismus seit den 90er Jahren massiv auf dem Vormarsch. Im Jahr 2004 gehörten nahezu die Hälfte aller Terrorgruppen dem religiös motivierten Spektrum an (Hoffmann 2006: 144). Al-Qaida verübte von 1998-2004 zwar nur 0,1% aller Anschläge weltweit, erreichte damit aber 19% aller Todesopfer durch Terroranschläge in diesem Zeitraum. Da ein großer Anteil aller Terroranschläge in regionalem Kontext verübt wird, ist an der Relation von Anschlags- und Opferzahlen die dominierende Rolle von Al-Qaida in der terroristischen Globalisierung umso klarer zu erkennen (Hoffmann 2006: 147). Wie tritt also diese Bedrohung globalisiert in Erscheinung?
Um zu erkennen wie Al-Qaida vorgeht, muss man die Grundzüge ihrer Ideologie verstehen: Die Muslime kämpfen als von ihrer Sicht her gute Seite einen globalen (Abwehr-)Kampf gegen den gottlosen und bösen Westen, speziell die USA und ihre Verbündeten. Dabei glauben die Al-Qaida-Anhänger sie würden einen "Heiligen Krieg" führen um den Willen Gottes zu erfüllen (Musharbash 2006a: 24-26). Endziel dieser Agenda sei eine neue Weltordnung unter Dominanz des Islam nach Al-Qaidas Interpretation (Musharbash 2006a: 240ff.). Ein Markenzeichen von Al-Qaida und der terroristischen Globalisierung ist dabei weniger die globale Organisations- und Finanzstruktur (Hippler 2006: 106). Dies ist zwar wichtig, bleibt aber in der Bedeutung hinter der Globalisierung terroristischer Brutalität in neuem Ausmaße zurück. Die Anschläge vom 11.9.2001, von Bali 2002 von Madrid 2004 und London 2005 sind Ausdruck einer neuen globalisierten Brutalität, auch wenn die Liste der Anschläge hier keines Wegs vollständig ist. Betrachtet man all diese Anschläge, so fällt auf, dass dieser globalisierte Terrorismus Al-Qaidas keine Grenzen in Wahl der Mittel und Ziele kennt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der terroristischen Globalisierung und Formulierung der These zu deren Einfluss auf die deutsche Sicherheitspolitik.
1. Terroristische Globalisierung – Charakter einer Bedrohung: Analyse der ideologischen Grundzüge und der strukturellen Merkmale von Al-Qaida als paradigmatisches Beispiel der terroristischen Globalisierung.
2. Zum Begriff der Sicherheitspolitik aus deutscher Sicht: Untersuchung des Bedeutungswandels von Sicherheits- und Verteidigungsbegriffen sowie der neuen Konzepte vernetzter Sicherheit.
3. Deutsche Sicherheitspolitik und terroristische Globalisierung: Darstellung der Auswirkungen auf staatliche Akteure, insbesondere auf Polizei, Nachrichtendienste und Bundeswehr, sowie die Rolle internationaler Bündnisse.
4. Neue Dimensionen deutscher Sicherheitspolitik: Erörterung neuer Herausforderungen wie der Energiesicherheitspolitik und der zunehmenden Bedeutung nicht-staatlicher Akteure für die staatliche Effektivität.
5. Entsteht in Deutschland eine neue sicherheitspolitische Kultur?: kritische Reflexion des gesellschaftlichen Umgangs mit den neuen Risiken und der fehlenden breiten Debatte in Deutschland.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung des massiven Wandels der deutschen Sicherheitspolitik und des dringenden Bedarfs an einer gesellschaftlichen Debatte.
Schlüsselwörter
Terroristische Globalisierung, Al-Qaida, Sicherheitspolitik, Bundeswehr, Nachrichtendienste, Vernetzte Sicherheit, Verteidigungspolitik, Terrorabwehr, Innere Sicherheit, Äußere Sicherheit, Rechtsstaat, Bürgerrechte, Transformation, Islamismus, Sicherheitspolitische Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die sogenannte terroristische Globalisierung, angeführt durch Akteure wie Al-Qaida, die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die ideologische Bedrohung durch transnationalen Terrorismus, den Wandel sicherheitspolitischer Begriffe, die Anpassung der Bundeswehr und Nachrichtendienste sowie die Rolle von NATO und EU.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu belegen, dass innerhalb der allgemeinen Globalisierung eine parallele terroristische Globalisierung existiert, die zu einem grundlegenden Wandel in Struktur, Auftrag und Begriffsverständnis der deutschen Sicherheitspolitik zwingt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literaturstudien, der Auswertung sicherheitspolitischer Dokumente (wie dem Weißbuch 2006) und einer Untersuchung der aktuellen politischen Debattenlage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die praktischen Auswirkungen der Bedrohung auf die innere Sicherheit, den Transformationsprozess der Bundeswehr, die veränderte Arbeitsweise der Nachrichtendienste und die zunehmende Relevanz von Energie- und Rohstoffsicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Terroristische Globalisierung, Sicherheitspolitik, Bundeswehr, Nachrichtendienste und Vernetzte Sicherheit.
Wie wirkt sich die terroristische Globalisierung auf das Trennungsgebot zwischen Polizei, Nachrichtendiensten und Militär aus?
Die Arbeit stellt fest, dass durch die Vernetzte Sicherheit und die Einrichtung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ) die traditionellen Trennlinien zunehmend aufgeweicht werden.
Warum spielt das Konzept der "Vernetzten Sicherheit" in der Arbeit eine so große Rolle?
Es dient als übergeordnetes Dachkonzept der Bundesregierung, um die Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Sicherheit zu überbrücken, da moderne Bedrohungen wie Terrorismus sich nicht mehr an klassische staatliche Grenzen halten.
Welche Rolle spielt die deutsche Zivilgesellschaft in den sicherheitspolitischen Überlegungen des Autors?
Der Autor bemängelt eine fehlende breite gesellschaftliche Debatte über die Konsequenzen der neuen sicherheitspolitischen Realität, wie etwa über Auslandseinsätze der Bundeswehr oder die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit.
- Citation du texte
- Felix Seidler (Auteur), 2008, Auswirkungen der terroristischen Globalisierung auf die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119384