Der erste syrische König, der in der Geschichte der Juden eine Rolle spielt, ist Antiochos III.1“. So urteilte Heinz Conzelmann in seinem Buch Heiden –Juden – Christen: Auseinandersetzungen in der Literatur der hellenistisch-römischen Zeit im Jahr 1982. Als Beweis für die judenfreundliche Politik des Seleukidenherrschers führt er die Darstellungen dreier Dokumente aus den Jüdischen Altertümern von Flavius Josephus im 12. Buch an. Es wird allerdings schnell klar, dass Flavius Josephus mit dieser projüdischen Darstellung von Antiochos III. allein dasteht. Weitere Darstellungen, wie zum Beispiel in den Makkabäerbü-chern, erwähnen keine besonders herauszustellende, positive Verhaltensweise Antiochos‘ III. gegenüber dem jüdischen Volk. Was aber veranlasste Flavius Josephus, Antiochos III. zu einem – wie sich im Nachhinein herausstellen wird– projüdischen Wohltäter in seinen Schriften darzustellen? Zu Beginn meiner Hausarbeit soll die Situation der Juden unter der vorerst ptolemäischen Herrschaft umrissen werden. Anschließend werde ich versuchen, die Unterschiede zu der dar-auf folgenden seleukidischen Herrschaft genauer zu erläutern. Hierbei sollen die drei Urkun-den von Antiochos III., welche in den Jüdischen Altertümern zu finden sind, und deren mög-liche Authentizität, untersucht werden. Abschließend soll die schon vorher aufgeworfene Fra-ge beantwortet werden – Was veranlasste Flavius Josephus dazu, entgegengesetzt der jüdi-schen Tradition, den Seleukidenscherrscher Antiochos III. als Wohltäter des jüdischen Volkes darzustellen? Als Originalquellen sollen die drei Dokumente aus den Jüdischen Altertümern von Flavius Josephus, die zwei Makkabäerbücher und das Buch Daniels dienen. Die Quellen, auf die sich Flavius Josephus in seinen Darstellungen bezieht (Polybios) werden nicht nochmals einzeln aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Die ptolemäische Herrschaft über Palästina
4. Die Juden unter der Herrschaft Antiochos' III.
4.1 Eroberung Palästinas – Der Fünfte Syrische Krieg
4.2 Der Fremdherrscher als Wohltäter?
4.2.1 Der Brief an Ptolemaios
4.2.2 Edikt
4.2.3 Brief an Zeuxis
5. Das Bild Antiochos' III.
6. Zusammenfassung
7. Bibliografie
7.1 Primärquellen
7.2 Sekundärquellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Antiochos III. als projüdischer Wohltäter in den Schriften des Flavius Josephus. Ziel ist es, die Authentizität der von Josephus zitierten Urkunden kritisch zu hinterfragen und die Beweggründe für diese ungewöhnlich positive Darstellung des Seleukidenherrschers im Kontext der jüdisch-römischen Geschichte zu analysieren.
- Historische Analyse der ptolemäischen und seleukidischen Herrschaft über Palästina.
- Untersuchung der Authentizität der drei zentralen Urkunden in den "Jüdischen Altertümern".
- Kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Forschungsgrößen wie Jörg-Dieter Gauger und Martin Hengel.
- Analyse der Funktion der apologetischen Darstellung des Flavius Josephus für römische Leser.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Der Brief an Ptolemaios
Bei den Jüdischen Altertümern des Flavius Josephus findet sich im 12. Buch ein Brief von Antiochos III. an den Feldherrn Ptolemaios. Hierin gewährte Antiochos III. den Juden viele Privilegien:
Ich habe es nun für billig gehalten, mich ihnen hierfür erkenntlich zu beweisen und zunächst ihre von manchem widrigen Geschick heimgesuchte Stadt wiederherzustellen und durch Zurückberufung der zerstreuten Bewohner wieder zu bevölkern. Vorerst habe ich beschlossen, ihnen um ihrer Gottesfurcht willen den Bedarf für die Opfer zu liefern, nämlich Vieh, Wein, Öl und Weihrauch für zwanzigtausend Sekel, sechs Artaben Weizenmehl nach dem Gebrauche ihres Landes, tausendvierhundertsechzig Scheffel Weizen und dreihundertfünfundsiebzig Scheffel Salz. Das alles ist ihnen genau zu verabfolgen, wie ich befehle; imgleichen sollen auch die Arbeiten am Tempel, an den Säulenhallen und wo sonst Bauten nötig sind, in Angriff genommen werden. Das Material dazu soll aus Judäa selbst, aus den anderen Bezirken und vom Libanon entnommen werden, ohne dass irgendeine Abgabe dafür erhoben werden darf. Dasselbe bestimme ich hinsichtlich aller übrigen Arbeiten, die zur Verschönerung des Tempels notwendig sind. Allen Angehörigen des Volkes soll gestattet sein, nach dem Gesetz ihrer Väter zu leben, und es sollen die ältesten, die Priester, die Tempelschreiber und die Sänger von der Kopfsteuer, der Abgabe für die Krone und jeder anderen Steuer befreit sein. Damit nun die Stadt desto eher wieder bevölkert werde, bewillige ich den Bewohnern derselben und allen, die sich bis zum Monat Hyperberetaios dort niederlassen, Steuerfreiheit für drei Jahre. Auch will ich ihnen den dritten Teil ihrer aller Abgaben erlassen, damit sie sich von ihrem Elend erholen können. Ferner setze ich hiermit alle, die aus der Stadt in die Sklaverei geschleppt worden sind, samt ihren Kindern in Freiheit und befehle, dass ihnen ihr Vermögen zurückgegeben werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum Flavius Josephus Antiochos III. entgegen der jüdischen Tradition als Wohltäter darstellt, und nennt die verwendeten Quellen.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die kontroverse wissenschaftliche Diskussion zur Authentizität der Urkunden bei Flavius Josephus.
3. Die ptolemäische Herrschaft über Palästina: Es wird die wirtschaftlich und gesellschaftlich positive Lage Palästinas unter ptolemäischer Herrschaft bis zur seleukidischen Eroberung beschrieben.
4. Die Juden unter der Herrschaft Antiochos' III.: Dieses Kapitel analysiert die militärische Eroberung Palästinas und untersucht detailliert die drei zentralen Urkunden (Brief an Ptolemaios, Edikt, Brief an Zeuxis) auf ihre Authentizität.
5. Das Bild Antiochos' III.: Das Kapitel hinterfragt die Motive von Flavius Josephus für die positive Umdeutung des Herrscherbildes und dessen apologetische Funktion.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die projüdische Darstellung des Antiochos III. eine apologetische Absicht des Flavius Josephus verfolgt, um den Römern ein Beispiel für das korrekte Verhältnis zwischen Herrschern und Juden zu geben.
7. Bibliografie: Hier sind die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Hausarbeit aufgelistet.
Schlüsselwörter
Antiochos III., Flavius Josephus, Palästina, Jüdische Altertümer, Seleukiden, Ptolemäer, Authentizität, Apologetik, Urkunden, Tempel, Gesetz der Väter, Judentum, Hellenismus, Historische Quellen, Fremdherrschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Antiochos III. in den "Jüdischen Altertümern" des Flavius Josephus und hinterfragt, warum dieser seleukidische Herrscher als projüdischer Wohltäter porträtiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politisch-historischen Verhältnisse Palästinas zwischen den ptolemäischen und seleukidischen Herrschern sowie die kritische quellenwissenschaftliche Analyse von Dokumenten aus der hellenistischen Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Authentizität der bei Josephus überlieferten Urkunden zu bewerten und zu verstehen, welche strategischen oder apologetischen Absichten der Autor mit dieser speziellen Darstellung verfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine historisch-kritische Methode, indem sie Primärquellen (insb. Josephus) vergleicht und diese vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Kontroversen, etwa durch den Abgleich mit Forschungen von Jörg-Dieter Gauger, bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Eroberung Palästinas, der detaillierten Untersuchung der drei Urkunden (Brief an Ptolemaios, Edikt, Brief an Zeuxis) sowie der kritischen Reflexion über das konstruierte Bild von Antiochos III.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Antiochos III., Flavius Josephus, Apologetik, Authentizität, hellenistische Herrschaft und das Verhältnis von Religion und Politik im antiken Palästina charakterisieren.
Warum bezweifelt die Forschung die Authentizität des Briefes an Zeuxis?
Die Forschung, insbesondere Jörg-Dieter Gauger, weist auf formale Anstößigkeiten hin, wie etwa den unüblichen Wechsel zwischen Singular- und Pluralstil sowie das Fehlen notwendiger Abschiedsformeln, die nicht der Kanzleipraxis der Seleukiden entsprachen.
Welchen Zweck verfolgte Flavius Josephus laut der Autorin mit seiner Darstellung?
Die Autorin vermutet, dass Josephus den Römern durch die Darstellung des Antiochos III. als "gutes Beispiel" eine Anleitung geben wollte, wie ein Herrscher seine jüdischen Untertanen behandeln sollte, um Loyalität und Stabilität zu fördern.
- Quote paper
- Annegret Jahn (Author), 2007, Antiochos III. und die Juden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119442