Die vorliegende Arbeit geht ansatzweise der Frage nach, inwiefern Hilfsangebote der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) für Kinder psychisch kranker Eltern ausgestaltet sind. Dahingehend sollen mit Rückbezug auf den Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern“ (Deutscher Bundestag (BT) 2019) mögliche Herausforderungen und Chancen erörtert werden. Kinder psychisch kranker Eltern werden als eine „psychiatrische Hochrisikogruppe“ (Knauer/Dexheimer 2014) betrachtet. Mehrere Studien belegen bei Kindern psychisch kranker Eltern höhere Risiken in ihrer Entwicklung wie auch in ihrem fortwährenden Lebensgang. Die circa drei bis vier Millionen Kinder, die in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil zusammenleben, seien einer doppelten Belastung ausgesetzt: Neben dem Risiko, selbst psychisch zu erkranken, sind sie innerhalb des Familiensystems mit vielfachen Belastungssituationen konfrontiert. Während die Frage, was das System Familie benötigt, um angemessen auf genannte Belastungssituationen zu reagieren, von diversen Modellprojekten behandelt wird, seien institutionelle Hindernisse in Angeboten der Regeleinrichtungen weiterhin präsent. Dieser Tatsache hat sich der BT am 22.07.2017 gewidmet und die Bundesregierung „einstimmig“ (BT 2019) aufgefordert, „eine zeitlich befristete interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter Beteiligung der zuständigen Bundesministerien […], relevanter Fachverbände und -organisationen sowie weiterer Sachverständiger einzurichten, die einvernehmlich Vorschläge zur Verbesserung der Situation von [betroffenen] Kindern und Jugendlichen“ (ebd.) hervorbringen soll. Seither stehen Kinder mit psychisch kranken Eltern (pkE) auf der politischen Agenda.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Hintergrund: Kinder mit psychisch kranken Eltern
2. Hilfsangebote der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder mit psychisch kranken Eltern
3. Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern“
3.1 Aufgaben und Arbeitsweise
3.2 Empfehlungen für die Kinder- und Jugendhilfe
4. Herausforderungen und Chancen von Hilfsangeboten der Kinder- und Jugendhilfe mit Hinblick auf Kinder psychisch kranker Eltern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Ausgestaltung von Hilfsangeboten der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder psychisch kranker Eltern. Dabei wird analysiert, inwiefern die Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern“ als Chancen für eine verbesserte Bedarfsgerechtigkeit und Vernetzung der Unterstützungssysteme dienen können.
- Belastungssituationen und Entwicklungsrisiken für Kinder psychisch kranker Eltern
- Strukturen und Versorgungsauftrag der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII)
- Arbeitsweise und Kernempfehlungen der interdisziplinären Arbeitsgruppe
- Herausforderungen in der Kooperation zwischen verschiedenen Hilfesystemen
- Bedeutung der Prävention und der niedrigschwelligen Zugänge für betroffene Familien
Auszug aus dem Buch
1. Hintergrund: Kinder mit psychisch kranken Eltern
Von den circa 13 Millionen in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen leben laut epidemiologischen Schätzungen circa drei Millionen Kinder jährlich mit mindestens einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Damit hat nahezu ein Viertel der Kinder und Jugendlichen „einen vorübergehenden, wiederholten oder dauerhaften psychisch erkrankten Elternteil“ (Lenz 2014: 166). Bereits Mitte der 90er Jahre rückten diese Kinder als „[k]leine vergessene Angehörige“ (Abel/Otto/Schliebs 2014: 202) sowie „[k]leine Helden in Not“ (ebd.) in das Interesse der Öffentlichkeit und wurden zu Bemühungen von einzelnen – vorwiegend ehrenamtlichen – Hilfeinitiativen (vgl. ebd.). Kinder mit pkE seien gegenüber Kindern von gesunden Eltern drei- bis viermal anfälliger, im Laufe ihres Lebens eine dauerhafte psychische Störung zu entwickeln (vgl. Lenz 2014: 166): „Sie bekommen die genetische Sollbruchstelle in die Wiege gelegt“ (Schulz-du Bois 2014: 175). Ergebnisse der Risiko- und Belastungsforschung indizieren, dass sowohl die Art der elterlichen Erkrankung als auch krankheitsunspezifische Merkmale sowie Alter und Geschlecht als wesentliche Risikofaktoren fungieren können (vgl. Lenz 2014: 166ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Belastungssituationen von Kindern psychisch kranker Eltern ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Rolle der Kinder- und Jugendhilfe in diesem Kontext zu erörtern.
1. Hintergrund: Kinder mit psychisch kranken Eltern: Das Kapitel beleuchtet epidemiologische Daten sowie die durch die elterliche Erkrankung entstehenden Entwicklungsrisiken und Belastungsmomente für Kinder.
2. Hilfsangebote der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder mit psychisch kranken Eltern: Hier werden die rechtlichen Grundlagen des SGB VIII erläutert und die Struktur sowie der Versorgungsauftrag der Kinder- und Jugendhilfe als Unterstützungssystem dargelegt.
3. Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern“: Dieses Kapitel stellt die Genese und den Auftrag der interdisziplinären Sachverständigenkommission dar und erläutert deren methodisches Vorgehen sowie die resultierenden Handlungsempfehlungen.
4. Herausforderungen und Chancen von Hilfsangeboten der Kinder- und Jugendhilfe mit Hinblick auf Kinder psychisch kranker Eltern: Das Kapitel diskutiert bestehende strukturelle Hemmnisse wie bürokratische Hürden und fehlende Vernetzung und leitet daraus notwendige Verbesserungen für eine bedarfsgerechte Hilfe ab.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit und unterstreicht die Relevanz präventiver Ansätze für die betroffene Zielgruppe.
Schlüsselwörter
Kinder psychisch kranker Eltern, Kinder- und Jugendhilfe, SGB VIII, Prävention, Hilfsangebote, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Bedarfsgerechtigkeit, psychische Störung, Resilienz, Kooperation, Versorgungsauftrag, Kindeswohlgefährdung, Sozialgesetzbuch, Familienorientierung, Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Unterstützungssituation von Kindern, die mit psychisch kranken Elternteilen aufwachsen, und prüft, wie die Kinder- und Jugendhilfe diesen Familien bedarfsgerechter helfen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die Identifikation von Entwicklungsrisiken, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe sowie die Konzepte zur Verbesserung der institutionellen Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis des Abschlussberichts der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern“ Chancen und Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Berichten, Expertisen und gesetzlichen Bestimmungen, um den aktuellen Forschungs- und Praxisstand zu synthetisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Situation betroffener Kinder, die rechtlichen Grundlagen, die Arbeit der interdisziplinären Fachgruppe sowie die Hindernisse und Potenziale in der Kooperation der Hilfesysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Kinder psychisch kranker Eltern, Prävention, interdisziplinäre Kooperation, SGB VIII und Bedarfsgerechtigkeit.
Welche Rolle spielt die „Doppelstrategie“ der Jugendhilfe?
Die Doppelstrategie aus „Prävention und Schutz“ bezeichnet die Notwendigkeit, sowohl frühzeitige Unterstützungsangebote zu schaffen als auch bei Kindeswohlgefährdung rechtzeitig zu intervenieren.
Warum wird die Kooperation zwischen den Hilfesystemen als essenziell hervorgehoben?
Da betroffene Familien oft komplexe Bedarfe haben, die über die Zuständigkeit einer einzelnen Institution hinausgehen, ist eine vernetzte Arbeitsweise notwendig, um Parallelstrukturen zu vermeiden und die Hilfe nachhaltig zu gestalten.
- Citar trabajo
- Özge Sakalar (Autor), 2020, Hilfsangebote der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder psychisch kranker Eltern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194584