Die Frage, die in dieser Arbeit untersucht wird ist, mit welchen Methoden Sozialer Arbeit im Rahmen des Empowerment-Ansatzes in der sozialpädagogischen Arbeit die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in ihren spezifischen herausfordernden Alltagssituationen bestärkt werden können, so dass sie an den Herausforderungen, die ihnen im neuen Land begegnen, wachsen können.
Aufgrund von Krieg, Menschenrechtsverletzungen oder existentieller wirtschaftlicher Not fliehen jährlich zahlreiche Kinder und Jugendliche unbegleitet nach Deutschland. Dabei treiben sie Träume und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft an, eine riskante und lebensgefährliche Reise auf sich zu nehmen und zu bewältigen. Allein diese Leistung stellt einen eindeutigen Beweis der Widerstandsfähigkeit und Willensstärke der ankommenden Jugendlichen dar. Da jedoch die Mehrheit der Jugendlichen ein falsches Bild über das Land vermittelt und ihnen falsche Hoffnungen gemacht wurden, wie beispielsweise der schnelle Erhalt des Aufenthaltstitels, rasches Geldverdienen durch Arbeit und ein unkomplizierter Familiennachzug, werden sie unmittelbar nach ihrer Ankunft mit der „bitteren“ Realität konfrontiert. Durch die falschen Informationen geraten sie unter starken Erfolgsdruck möglichst zeitnah alle Wünsche und Erwartungen umzusetzen, um sich und meist auch ihren Herkunftsfamilien eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Die Konfrontation mit den realen Gegebenheiten in Deutschland lässt die Träume und Hoffnungen der Jugendlichen „zerplatzen“ und lässt Gefühle von Unsicherheit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein zurück.
Angesichts der Herausforderungen in Bezug auf die adäquate Versorgung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist die Kinder- und Jugendhilfe mit besonderen Aufgaben konfrontiert, die die Soziale Arbeit und ihre Methoden auf den Prüfstand stellt. Zum einen müssen die unbegleiteten, geflüchteten Kinder und Jugendlichen unter einen besonderen Schutz gestellt werden, da sie zu einer sehr vulnerablen Zielgruppe gehören und zum anderen müssen ihre vorhandenen Ressourcen und individuellen Stärken im Hilfeprozess aktiviert werden, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie gegen Viktimisierungen, Diskriminierungen und Abhängigkeiten stark zu machen. Dazu müssen effiziente Methoden gefunden werden, die die Kinder und Jugendlichen darin befähigen einen eigenen „Weg in die Stärke“ zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Einführung in das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Lebenslagen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
3.2.1 Wohnbedingungen
3.2.2 Schule und berufliche Ausbildung
3.2.3 Soziale Kontakte und Beziehungen
3.2.4 Gesundheitliche Lage
3.2.5 Rechtliche Lage
3.2.6 Diskriminierungserfahrungen
3.3 Auftrag der Sozialen Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
3.4 Pädagogische Herausforderungen in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
4. Empowerment in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
4.1 Grundpfeiler
4.1.1 Ressourcen
4.1.2 Vertrauen
4.1.3 Resilienz
4.1.4 Partizipation
4.2 Methoden
4.2.1 Empowerment-Haus
4.2.2 Case Management
4.2.3 Motivierende Gesprächsführung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, mit welchen Methoden Sozialer Arbeit im Rahmen des Empowerment-Ansatzes unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in ihren herausfordernden Alltagssituationen bestärkt werden können, um Abhängigkeit und Hilflosigkeit zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
- Analyse der Lebenslagen und Herausforderungen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland.
- Untersuchung des Empowerments als zentraler Ansatz der Sozialen Arbeit zur Stärkung von Eigenmacht und Autonomie.
- Darstellung der Empowerment-Grundpfeiler: Ressourcen, Vertrauen, Resilienz und Partizipation.
- Vorstellung und Reflexion methodischer Ansätze: Empowerment-Haus, Case Management und Motivierende Gesprächsführung.
- Reflexion der Rolle der Fachkräfte bei der Förderung von Empowerment-Prozessen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Wohnbedingungen
Wenn Kinder und Jugendliche aus dem Ausland unbegleitet in Deutschland eintreffen und aktiv oder passiv in Kontakt mit staatlichen Stellen kommen, wird das Jugendamt davon informiert, da die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge unter das Kinder- und Jugendschutzgesetz des SGBVIII fallen (vgl. Tangermann/Hoffmeyer-Zlotnik 2018: 26). Das bedeutet, dass das Jugendamt dafür verantwortlich ist, die Kinder und Jugendlichen direkt nach ihrer Einreise in Deutschland als kurzfristige Schutzmaßnahme „in Obhut“ zu nehmen und sie vorläufig bei einer geeigneten Person, in einer adäquaten Einrichtung oder einer anderen Wohnform unterzubringen. Direkt nach der vorläufigen Inobhutnahme erfolgt die reguläre Inobhutnahme, bei der das sogenannte „Clearingverfahren“ stattfindet. Hierbei erfolgt die Klärung der Lebensumstände, der Lebensperspektive, des Gesundheitszustands, des Hilfebedarfs und der aufenthaltsrechtlichen Situation der Kinder und Jugendlichen (vgl. ebd.: 27f). Das Clearingverfahren findet je nach Gestaltung der Bundesländer direkt im Jugendamt oder in speziellen Clearinghäusern statt. Dies sind in der Regel stationäre Wohngruppen mit ca. 10 bis 15 Plätzen und geeignetem Fachpersonal, welche dann eine vorläufige Bleibe darstellen, bis die Kinder und Jugendlichen je nach festgestellten Betreuungsbedarf in neue Unterkünfte umziehen (vgl. Parusel 2008: 29).
„Entsprechend der Hilfen zur Erziehung (§ 27 SGB VIII) besteht hier die Möglichkeit, unbegleitete Minderjährige in einer Einrichtung der Heimerziehung (§ 34 SGB VIII) oder im Rahmen intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung (§ 35 SGB VIII) unterzubringen“ (Lechner/Huber 2017: 35). Eine weitere Möglichkeit ist die Unterbringung in Pflege- bzw. Gastfamilien nach § 33 SGB VIII.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge nach der Ankunft in Deutschland und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein, die den Empowerment-Ansatz zur Stärkung der Zielgruppe fokussiert.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle Forschungslage, die sich in den letzten Jahren auf die Lebenslagen, rechtliche Situationen und stärkenorientierte Ansätze konzentriert hat.
3. Einführung in das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Das Kapitel definiert den Begriff der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und analysiert detailliert deren spezifische Lebenslagen, rechtliche Herausforderungen sowie den Auftrag der Sozialen Arbeit.
4. Empowerment in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Hier werden die theoretischen Grundpfeiler des Empowerments sowie drei konkrete Methoden (Empowerment-Haus, Case Management, Motivierende Gesprächsführung) für die praktische Arbeit vorgestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die Stärken und Schwächen der vorgestellten Methoden und bestätigt das Potenzial des Empowerment-Ansatzes.
Schlüsselwörter
Empowerment, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Soziale Arbeit, Lebenslagen, Ressourcenorientierung, Vertrauen, Resilienz, Partizipation, Empowerment-Haus, Case Management, Motivierende Gesprächsführung, Diskriminierung, Eigenmacht, Autonomie, Jugendhilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland und untersucht, wie diese durch empowernde Methoden der Sozialen Arbeit in ihren Alltagssituationen bestärkt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt die Lebenslagen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, deren rechtliche Herausforderungen, den Auftrag der Sozialen Arbeit sowie spezifische stärkenorientierte und methodische Empowerment-Ansätze ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Methoden der Sozialen Arbeit zu identifizieren, die im Rahmen des Empowerment-Ansatzes unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dabei unterstützen, handlungsmächtig zu werden und trotz schwieriger Rahmenbedingungen an ihren Herausforderungen zu wachsen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Bachelorarbeit, die eine fundierte Literaturanalyse und -reflexion aktueller Fachliteratur, Studien und Expertenwissen nutzt, um den Empowerment-Ansatz auf die spezifische Zielgruppe anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Analyse der Lebenslagen der Zielgruppe sowie in die Vorstellung von vier Empowerment-Grundpfeilern und drei praktischen Methoden, die in der pädagogischen Arbeit mit den Jugendlichen eingesetzt werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Empowerment, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Soziale Arbeit, Ressourcenorientierung, Vertrauen, Resilienz und Partizipation charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "Empowerment-Haus" im Kontext der Arbeit?
Das Empowerment-Haus wird als wichtiges Konzept vorgestellt, um Jugendlichen ein Gegengewicht zu Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen zu bieten und Schutzräume zu schaffen, in denen Heilungs- und Befreiungsprozesse möglich sind.
Warum ist Case Management für die Zielgruppe relevant?
Case Management bietet als systematisches Verfahren einen stabilen Rahmen, um Ressourcen zu bündeln und die Jugendlichen partizipativ in ihren Hilfeprozess einzubinden, insbesondere bei komplexen Fragen rund um Wohnen und Aufenthalt.
Wie hilft die "Motivierende Gesprächsführung" bei Widerständen?
Diese Methode hilft, indem sie den Widerstand der Jugendlichen nicht als Defizit bewertet, sondern als Ausdruck von Ambivalenz versteht und durch empathische Dialoge die intrinsische Motivation zur Veränderung fördert.
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- Anonym (Autor), 2021, Empowerment von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in ihrer Lebenswelt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194712