Seit Beginn der Pandemie werfen Verordnungen immer wieder die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zwischen Freiheit und Sicherheit auf. Mit genau diesem Dilemma beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Es wird untersucht, recherchiert, hinterfragt, kritisiert. Nach einer grundlegenden Begriffsbetrachtung von Freiheit und Sicherheit wird anschließend das Verhältnis beider in Bezug auf die Staatstheorien von Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Jeremy Bentham gesetzt. Ausgehend von den grundlegenden Staatstheorien soll versucht werden eine Antwort zu finden, ob der Staat überhaupt in der Lage ist, Sicherheit und Freiheit zu vereinen, oder ob sich eben diese in einem gewissen Grad auf natürliche Weise ausschließen.
Die gesamte Diskussion orientiert sich dabei an dem Praxisbeispiel der Coronapandemie und erläutert anhand durch die Regierung beschlossenen Maßnahmen das Dilemma zwischen Sicherheit und Freiheit. Abschließend wird die aktuelle Thesenformulierung des Ethikrates hinzugefügt und in Verhältnis zu den Philosophen Hobbes, Kant und Bentham gesetzt. Am 28. Januar 2020 berichten die deutschen Nachrichten von einer Infektion eines Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland mit der Infektionskrankheit COVID. Eine Krankheit, derer Auswirkungen sich zu diesem Zeitpunkt noch kaum ein Zuschauer bewusst ist. Eine Krankheit, die eine gesellschaftliche und staatliche Krise auslösen wird, wie sie es bisher noch nie gegeben hat.
Eine Krankheit, derer Existenz zu einer Spaltung der Gesellschaft führen und die Politik vor moralisches Abwägen zwischen Sicherheit und Freiheit stellen wird. Die Coronakrise ist eine bis heute anhaltende Krise, derer Diskurs weit über die Medizin hinaus bestimmt wird. Unter anderem findet auch die Philosophie ihren Platz und muss demnach an politischen Entscheidungen teilhaben und die Lage analysieren. Vertreten durch den deutschen Ethikrat liegt der Forschungsschwerpunkt in diesem Bereich in besonderem auf dem moralischen Abwägen der politischen Verordnungen im Zuge der Pandemie.
Inhaltsverzeichnis
1. Untersuchungsgegenstand
2. Definitionen
2.1 Der Versuch einer Definition: Freiheit
2.2 Der Versuch einer Definition: Sicherheit
3. Theorien in Bezug auf Sicherheit und Freiheit
3.1 Thomas Hobbes
3.2 Immanuel Kant
3.3 Jeremy Bentham
3.4 Vergleich der Theorien von Hobbes, Kant und Bentham
4. Der erste Lockdown
5. Das Dilemma des Kontaktverbotes
5.1 Sichtweise des Thomas Hobbes
5.2 Sichtweise des Jeremy Bentham
5.3 Sichtweise des Immanuel Kant
6. Empfehlung des Ethikrates
7. Lösungsansatz: Freiheit und Sicherheit vereinen
8. Möglichkeiten, der Coronakrise moralisch gerecht zu werden
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit während der Coronapandemie. Ziel ist es, unter Einbeziehung der ethischen Theorien von Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Jeremy Bentham zu analysieren, ob der Staat Sicherheit und Freiheit vereinen kann oder ob sich diese Werte gegenseitig ausschließen.
- Grundlegende Begriffsbestimmungen von Freiheit und Sicherheit.
- Ethische Analyse staatlicher Maßnahmen im Kontext der Coronapandemie.
- Gegenüberstellung der Ansätze von Hobbes, Kant und Bentham hinsichtlich Freiheit und Sicherheit.
- Bewertung der Empfehlungen des Deutschen Ethikrates.
- Entwicklung eines Lösungsansatzes zur moralisch gerechten Bewältigung der Krise.
Auszug aus dem Buch
3.1 Thomas Hobbes
Der im Jahr 1588 geborene englische Philosoph Thomas Hobbes beschäftigte sich mit einer negativen Auffassung von Freiheit. Er philosophierte über einen fiktiven Naturzustand, in dem die Menschen ohne staatliche Instanz leben, und zog den Schluss, dass der Mensch in seiner vollkommenen Freiheit nicht gesellschaftswürdig sei. Aus diesem Kontext stammt einer seiner berühmtesten Kommentare: „Außerhalb von Staatswesen herrscht immer ein Krieg eines Jeden gegen Jeden.“ Nach Hobbes Auffassung ist der Mensch in erster Linie an der Sicherung seiner eigenen Bedürfnisse interessiert und handelt demnach egoistisch und selbstbestimmt.
Ohne eine leitende Figur genießt der Mensch in seiner Fiktion eine unbegrenzte Freiheit, die er wie folgt definiert:
„Freiheit bedeutet (eigentlich) das Fehlen von Widerstand (mit Widerstand meine ich äußere Hindernisse der Bewegung) und läßt sich nicht weniger auf unvernünftige und unbelebte Dinge als auf vernunftbegabte Geschöpfe anwenden.“
Er unterscheidet in diesem Kontext Freiheit von fehlender Fähigkeit. So nennt er als Beispiel, dass ein Kranker, der ans Bett gefesselt ist, nicht von fehlender Freiheit sprechen könne. Ihm fehle die Fähigkeit der Bewegung, die er selbst oder andere in diesem Moment nicht beeinflussen können. So definiert Hobbes einen freien Menschen als jemanden, der „nicht daran gehindert wird, Dinge nach seinem Willen zu tun, zu denen er aufgrund seiner Kraft und seines Verstandes fähig ist“. Mit dieser Definition schließt Hobbes eine vollkommene Freiheit schlichtweg aus und erkennt die äußeren, übernatürlichen Grenzen, denen der Mensch in bestimmten Situationen unterliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Untersuchungsgegenstand: Einführung in die Thematik der Coronakrise als moralische Herausforderung für den Staat, die das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit aufwirft.
2. Definitionen: Erläuterung der komplexen Begriffe Freiheit und Sicherheit unter Berücksichtigung verschiedener philosophischer und rechtlicher Perspektiven.
3. Theorien in Bezug auf Sicherheit und Freiheit: Darstellung und Vergleich der ethischen Positionen von Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Jeremy Bentham zum Verhältnis von Freiheit und staatlicher Sicherheit.
4. Der erste Lockdown: Analyse der Maßnahmen des ersten Lockdowns als Praxisbeispiel zur Bewältigung der Pandemie und deren Folgen für die Bevölkerung.
5. Das Dilemma des Kontaktverbotes: Untersuchung des Kontaktverbotes anhand der drei zuvor behandelten ethischen Theorien.
6. Empfehlung des Ethikrates: Betrachtung der Stellungnahmen des Deutschen Ethikrates und deren Bezugnahme zu philosophischen Denkmodellen.
7. Lösungsansatz: Freiheit und Sicherheit vereinen: Diskussion über Möglichkeiten, das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit auch in Krisenzeiten zu moderieren.
8. Möglichkeiten, der Coronakrise moralisch gerecht zu werden: Entwurf eines Konzepts, das Disziplin, Solidarität und zeitliche Begrenzung zur Krisenbewältigung kombiniert.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Anwendbarkeit der ethischen Analysen auf zukünftige Dilemmata.
Schlüsselwörter
Freiheit, Sicherheit, Coronapandemie, Thomas Hobbes, Immanuel Kant, Jeremy Bentham, Ethikrat, Lockdown, Utilitarismus, Pflichtethik, Gesellschaftsvertrag, Solidarität, Krisenbewältigung, Menschenwürde, Kontaktbeschränkungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das ethische Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit während der Coronapandemie unter Rückgriff auf klassische philosophische Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Freiheit, Sicherheit, Utilitarismus, Pflichtethik, staatliche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und das Solidaritätsprinzip.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob der Staat in der Lage ist, Sicherheit und Freiheit zu vereinen, oder ob sich diese Werte im Krisenkontext ausschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Analyse, die theoretische Ansätze von Hobbes, Kant und Bentham auf das aktuelle Praxisbeispiel der Coronapandemie anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Freiheit und Sicherheit, stellt die Theorien von Hobbes, Kant und Bentham gegenüber und untersucht deren Anwendung auf das Kontaktverbot und die Empfehlungen des Ethikrates.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Freiheit, Sicherheit, Pandemieethik, Kant, Hobbes, Bentham, Staatsgewalt, Grundrechte.
Wie unterscheidet sich Hobbes' Sichtweise von der Kants bei der Pandemiebewältigung?
Hobbes rechtfertigt Freiheitseinschränkungen zugunsten der staatlichen Sicherheit, während Kant das Handeln des Staates an den kategorischen Imperativ und die Eigenverantwortung des vernunftbegabten Menschen bindet.
Welche Rolle spielt der Utilitarismus nach Bentham in dieser Untersuchung?
Der Utilitarismus dient als Maßstab zur Bewertung der Maßnahmen anhand des größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl, was in der Arbeit kritisch hinterfragt wird.
Welche Bedeutung kommt dem Deutschen Ethikrat zu?
Der Ethikrat fungiert als moralische Instanz, die Freiheitseinschränkungen rechtfertigt, sich aber gegen eine Hierarchisierung von Sicherheit vor Freiheit ausspricht.
Was schlägt die Autorin als Lösungsansatz vor?
Der Ansatz basiert auf dem Multidimensionalen Denken und ergänzt das Spannungsfeld um die Dimension der Disziplin, welche durch Solidarität und zeitliche Begrenzung der Maßnahmen legitimiert wird.
- Citar trabajo
- Johanna Molter (Autor), 2022, Sicherheit und Freiheit am Beispiel der Coronapandemie. Verhältnis in Bezug auf die Staatstheorien von Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Jeremy Bentham, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194966