Die Arbeit setzt sich mit der Fragestellung ‚‚Wie hat sich die Negation im Deutschen entwickelt und wie ist dabei das Negationswort „nicht“ entstanden?‘‘ auseinander. Um zu einer Antwort auf diese Fragestellung zu gelangen, wird zuerst eine Erarbeitung der einzelnen Negations-Phasen unter Einbeziehung des Jespersen-Zyklus stattfinden. Daraufhin werden die Phasen anhand von Beispielen aus mittelhochdeutschen Texten analysiert. Es wird zu beobachten sein welches Ziel und welche Wirkungen die verschiedenen Negationsformen haben und wie der nun wichtigste Negationsausdruck des Neuhochdeutschen „nicht“ sich verselbstständigt hat. Abschließend werden die Ergebnisse in Form eines Fazits evaluiert und zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Verlauf der Negation vom Althochdeutschen bis in das Neuhochdeutsche
2 Der Jespersen-Zyklus
3 Beispiele aus mittelhochdeutschen Texten
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachhistorische Entwicklung der Negation im Deutschen, wobei der Fokus auf dem Wandel vom Althochdeutschen zum Neuhochdeutschen und der spezifischen Entstehung des Negationswortes "Nicht" liegt. Dabei wird analysiert, wie sich Negationsstrukturen veränderten und inwiefern diese Prozesse durch theoretische Modelle wie den Jespersen-Zyklus erklärt werden können.
- Historische Entwicklung der Negationspartikeln vom Indoeuropäischen bis zum Neuhochdeutschen.
- Anwendung und kritische Betrachtung des Jespersen-Zyklus auf das Deutsche.
- Analyse der Mehrfachnegation und ihrer Funktionen in mittelhochdeutschen Texten.
- Die Verselbstständigung von "nicht" als reguläres Negationswort.
- Vergleich zwischen historischer Negationsbildung und modernen dialektalen Ausprägungen.
Auszug aus dem Buch
3 Beispiele aus mittelhochdeutschen Texten
In diesem Teil der Arbeit werden verschiedenen Beispiele der Negation nach chronologischem Vorgehen erläutert. Angefangen bei der ursprünglichen Negationsform ne. ,,Wan ern mohte noch ensolde.‘‘(Iwein, Vers 5096). In diesem Beispiel liegt eine proklitische und enklitische Negation vor. In diesem Fall wird er durch ein angehängtes -n verneint und solde durch ein vorangestelltes en-. Ein weiteres Beispiel für eine enklitische Verneinung ist ,,dône torst ich vrâgen vürbaz‘‘ (Iwein, Vers 3020). Das enklitische -ne stellte hier die Verneinung. Die einfache Negation wurde zwar stetig verdrängt aber ihre Verwendung war bei Modalverben wie lâzen und tuon weiterhin notwendig.
In der nächsten Phase war die Doppelnegation die Norm. Am häufigsten mit dem Negationspartikel niht. Dieses konnte vor oder nach ne stehen. Ein Beispiel in dem niht vor ne steht wäre ,,[…]daz si niht enwolden von dem sedele stan […]‘‘(Nibelungenlied, Vers 1786). In dem Satz ,,daz getwerc enwolde ir niht sagen‘‘ (Erec, Vers 44) steht niht nach ne. Eine Doppelnegation konnte in vielen Varietäten stattfinden. Bei Verneinungen mit Pronomen und Adverbien wie nieman,nie,niemer,dehein,nehein,deweder etc. spalten sich die Intentionen der Autoren. Während die einen auf ne verzichten wenn ein Pronomen oder Adverb im Satz ist, finden die anderen, dass erst durch ne die Verneinung deutlich wird. ,,Daz im nie mêre dehein der gast waere komen‘‘(Iwein, Vers 374-375) benutzt die Negationswörter nie und dehein. Der Autor Hartmann von Aue verzichtet auf den Gebrauch von ne an dieser Stelle. An einer anderen Stelle des selben Werkes setzt er ne allerdings ein. ,, ezne gebôt nie wirt mêre sime gaste groezer êre.‘‘(Iwein, Vers 355). Der selbe Autor kann die Verneinungen auf eine Weise setzen, welche seine Intention unterstützt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Entwicklung der deutschen Sprache im indoeuropäischen Kontext und stellt die zentrale Fragestellung nach der Entstehung des Negationswortes "nicht" vor.
1 Verlauf der Negation vom Althochdeutschen bis in das Neuhochdeutsche: Hier wird der historische Wandel der Negation von der einfachen prä-finiten Negation hin zur Doppelnegation und schließlich zur Etablierung von "nicht" beschrieben.
2 Der Jespersen-Zyklus: Dieses Kapitel erläutert das linguistische Sprachwandelmodell von Otto Jespersen und diskutiert dessen Anwendbarkeit auf die deutsche Negationsentwicklung.
3 Beispiele aus mittelhochdeutschen Texten: Anhand ausgewählter Textstellen wird die praktische Umsetzung von Negationsformen, insbesondere der Mehrfachnegation, in der mittelhochdeutschen Literatur analysiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass die Negationsentwicklung ein komplexer, mehrstufiger Prozess ist, der über einfache Modelle hinausgeht.
Schlüsselwörter
Negation, Jespersen-Zyklus, Sprachwandel, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch, Mehrfachnegation, nicht, ni, niht, niwiht, Syntax, Morphologie, Sprachgeschichte, Verneinung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sprachhistorische Entwicklung der Negation im Deutschen, insbesondere den Übergang von älteren Negationsformen zum modernen Gebrauch des Wortes "nicht".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die althochdeutsche Negation, das Phänomen der Doppel- und Mehrfachnegation im Mittelhochdeutschen sowie die theoretische Einordnung mittels des Jespersen-Zyklus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Negation im Deutschen entwickelt hat und wie es dabei zur Entstehung und Verselbstständigung des Negationswortes "nicht" kam.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin verwendet eine diachrone sprachwissenschaftliche Analyse, bei der linguistische Sprachwandelmodelle auf historische Textbeispiele angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die chronologische Abfolge der Negationsphasen, erläutert den Jespersen-Zyklus und untersucht konkrete Belege für Mehrfachnegationen in mittelhochdeutschen Werken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Negation, Sprachwandel, Jespersen-Zyklus, Mittelhochdeutsch sowie die historische Entwicklung der Partikeln "ni", "ne", "niht" und "nicht".
Warum spielt der Jespersen-Zyklus eine zentrale Rolle in der Argumentation?
Er dient als theoretisches Modell, um den Prozess zu erklären, bei dem ein schwächer werdendes Negationsadverb durch ein verstärkendes Wort ergänzt wird, welches sich im Laufe der Zeit selbstständig macht.
Welche Rolle spielt die Mehrfachnegation in mittelhochdeutschen Texten laut der Autorin?
Die Mehrfachnegation wird als ein Instrument beschrieben, mit dem Autoren jeden Satzteil ausdrücklich verneinen konnten, ohne dass sich die Verneinungen logisch aufhoben.
- Arbeit zitieren
- Yaren Akpinar (Autor:in), 2022, Die Negationsentwicklung im Deutschen und die Entstehung von ''Nicht'', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1195202