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Der Lehrberuf an Schulen. Zwischen Immaterialität, Entgrenzung und Kreativität

Title: Der Lehrberuf an Schulen. Zwischen Immaterialität, Entgrenzung und Kreativität

Elaboration , 2021 , 16 Pages

Autor:in: Theresa Melnyk (Author)

Pedagogy - The Teacher, Educational Leadership
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Die folgende Hausarbeit soll der Arbeitswelt von Lehrer:innen nachgehen und nach den Begriffen der Prekarität und Kreativität in diesem Kontext fragen.
Durch die vielfach verbreitete Verbeamtung und der damit einhergehenden finanziellen und gesellschaftlichen Stabilität und Anerkennung ist der Beruf von Lehrer:innen attraktiv und wirkt nach außen hin stabil. Doch was steckt hinter dem Lehrberuf?

Als ehemalige Schüler:innen sind wir gewissermaßen betriebsblind die realen Bedingungen der Berufssituation immer sofort zu erkennen. Wir sehen nicht vollständig, was unsere ehemaligen Lehrer:innen alles leisten mussten, ob sie, nachdem wir am Mittag mit dem Schulgong frei hatten, noch mehrere Stunden ihren Unterricht vor- und nachbearbeiteten, mit einem Elternteil ein ernstes Telefonat über ein:e Schüler:in führten oder diverse Klausuren korrigieren mussten. All dies blieb für uns unsichtbar. Lina Franken, Kulturwissenschaftlerin, die sich unter anderem mit der Arbeitswelt von Lehrer:innen beschäftigt hat, macht einen ähnlichen Punkt stark, indem sie sagt: „Selten werden aber momentan eher klassische Berufsfelder untersucht, die nicht von Prekarisierung betroffenen Arbeitsbereiche.“ Abgesicherte Arbeitskulturen würden also ebenfalls in der kulturwissenschaftlichen Forschung unterschlagen und vergessen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Prekarität bei Lehrenden

2.1 Verschiedene Akteure im Lehrbetrieb

2.2 Prekaritätsähnliche Zustände und Vertrieblichung des Lehrberufs

2.2.1 Immaterialität – Von sprachlicher und intellektueller Arbeit

2.2.2 Entgrenzung – Zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit

3. Kreativität im Lehrbetrieb

3.1 Fachfremd unterrichten

3.2 Unterrichten während Corona

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Lehrberuf an Schulen unter den kulturwissenschaftlichen Perspektiven von Prekarität und Kreativität, um zu analysieren, wie Lehrkräfte mit den Anforderungen von Immaterialität und Entgrenzung in einem sich wandelnden, postfordistischen Arbeitsumfeld umgehen.

  • Analyse prekaritätsähnlicher Zustände im Lehrberuf
  • Die Rolle der Immaterialität bei sprachlicher und intellektueller Arbeit
  • Phänomene der Entgrenzung von Arbeit und Privatleben
  • Kreativität als Strategie zur Bewältigung struktureller Herausforderungen
  • Fachfremdes Unterrichten und Krisenbewältigung (Beispiel Corona)

Auszug aus dem Buch

2.2 Prekaritätsähnliche Zustände und Vertrieblichung des Lehrberufs

Wie bereits beschrieben, zeichnen sich die Lebensrealitäten von Lehrer:innen vor allem durch solche der örtlichen und zeitlichen Entgrenzung, einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit, sowie Immaterialität aus. Zwar sind Lehrer:innen durch Tarifverträge oder den Beamtenstatus gut abgesichert, jedoch führen die immateriellen und entgrenzten Tätigkeitsbereiche in einer postfordistischen Arbeitskraftform zu einer Vertrieblichung der eigenen Bildungsarbeit, Bildung wird somit zur Ware. Die Charakteristika Entgrenzung und Immaterialität, so die These, wären unter nicht-postfordistischen Arbeitsverhältnissen also keine Kriterien für prekäre Arbeitszustände.

Ines Langemeyer, Psychologin und Universitätsprofessorin für Lehr-Lernforschung, stellt in ihrem Artikel Prekarisierung von Lernverhältnissen aus dem Sammelband Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung – Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts heraus, dass die postfordistische Lohnarbeit als vorrangige Form der Existenzsicherung in allen gesellschaftlichen Arbeitsbereichen prekäre Beschäftigungsverhältnisse begünstigen, gar hervorrufen würde. Dies lässt sich auch auf den Arbeitssektor Bildung übertragen. „Zwei Entwicklungen von Arbeit verlangen dementsprechend eine kritische Aufmerksamkeit: die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse einerseits und die zunehmende Intellektualisierung der Produktion durch die Informatisierung und Verwissenschaftlichung von Arbeit andererseits.“ Langemeyer versteht unter Prekarisierung die strukturelle Verunsicherung sowohl abgesicherter als auch unsicherer Beschäftigungsverhältnisse. „Verunsicherungen gehen dabei nicht allein von den so genannten atypischen Beschäftigungsformen aus.“ Alle Menschen und somit auch solche im Bildungssektor, müssten sich auf dem Arbeitsmarkt „anbieten“, den Wert der eigenen Arbeitskraft unter Beweis stellen und verhielten sich somit im Sinne der veränderten Anforderungen einer neuen Arbeitskraftform.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Lehrberuf als scheinbar konstantes und gesichertes Berufsfeld und führt die kulturwissenschaftlichen Begriffe Prekarität und Kreativität als Analyserahmen ein.

2. Prekarität bei Lehrenden: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Lehrkräfte zwar materiell abgesichert sind, jedoch durch Immaterialität und die Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben unter Druck geraten.

3. Kreativität im Lehrbetrieb: Hier wird untersucht, wie Lehrkräfte durch kreative Strategien auf Anforderungen wie fachfremdes Unterrichten oder digitale Herausforderungen während der Corona-Pandemie reagieren.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass kreatives Handeln bei Lehrkräften oft eine Reaktion auf strukturelle Überforderung ist, was eine politische Lösung statt individueller Bewältigungsstrategien notwendig macht.

Schlüsselwörter

Lehrberuf, Prekarität, Kreativität, Immaterialität, Entgrenzung, Postfordismus, Bildungsarbeit, Lehrkräfte, Schulkultur, Arbeitskraftform, Verwissenschaftlichung, Fachfremdes Unterrichten, Corona-Pandemie, Krisenbewältigung, Arbeitsbedingungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht den Lehrberuf an Schulen im Kontext der kulturwissenschaftlichen Begriffe Prekarität und Kreativität, um die modernen Arbeitsbedingungen von Lehrkräften kritisch zu beleuchten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die Immaterialität pädagogischer Arbeit, die Entgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben sowie die kreativen Strategien, mit denen Lehrkräfte auf berufliche Anforderungen reagieren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Lehrkräfte trotz einer materiellen Absicherung mit prekaritätsähnlichen Zuständen konfrontiert sind und wie diese durch postfordistische Arbeitsbedingungen entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die auf theoretischen Konzepten (z.B. von Ines Langemeyer oder Lina Franken) und Fallbeispielen basiert.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Entgrenzung, die Rolle des „Kreativitätsdispositivs“ im Schulalltag und konkrete Beispiele wie das fachfremde Unterrichten oder die Lehre unter Corona-Bedingungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Prekarität, Entgrenzung, Immaterialität, Postfordismus, Kreativitätsdispositiv und Lehrkräfte.

Wie definiert die Autorin "Immaterialität" im Kontext des Lehrerberufs?

Immaterialität wird hier durch die Handlungen und die Kommunikation der Lehrenden definiert, die keine materiellen Güter produzieren, sondern intellektuelle und sprachliche Arbeit leisten.

Warum wird das fachfremde Unterrichten als Beispiel für Kreativität genannt?

Fachfremdes Unterrichten erfordert von Lehrkräften, sich schnell in neue Materie einzuarbeiten und eigene kreative Strategien zu entwickeln, um den Unterricht trotz fehlender fachlicher Spezialisierung zu bewältigen.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie für die Argumentation?

Corona dient als Fallbeispiel für eine krisenbedingte Beschleunigung von Entgrenzungsprozessen und die Notwendigkeit, unter Zeitdruck völlig neue digitale Methoden zu entwickeln.

Zu welchem Schluss kommt die Hausarbeit bezüglich der Verantwortung?

Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die Bewältigung gesellschaftlicher Probleme im Bildungssektor nicht länger auf den Schultern der Lehrkräfte lasten sollte, sondern institutionell und politisch gelöst werden muss.

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Details

Title
Der Lehrberuf an Schulen. Zwischen Immaterialität, Entgrenzung und Kreativität
College
University of Tubingen  (Ludwig Uhland Institut)
Author
Theresa Melnyk (Author)
Publication Year
2021
Pages
16
Catalog Number
V1195248
ISBN (PDF)
9783346638830
ISBN (Book)
9783346638847
Language
German
Tags
Lehrer Lehrerin Schule Prekarität Kreativität Reckwitz Kulturwissenschaft Kulturwissenschaften Entgrenzung Zeit Immaterialität Arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Theresa Melnyk (Author), 2021, Der Lehrberuf an Schulen. Zwischen Immaterialität, Entgrenzung und Kreativität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1195248
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