Die Leistungsbewertung im inklusivem Unterricht ist eine Herausforderung. Wie kann eine faire Beurteilung stattfinden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Hausarbeit, wobei das Portfolioinstrument vorgestellt wird. Mit der Einführung der Inklusion verfolgt die Gesellschaft das Ziel, ein chancengleiches Schulsystem für alle Schülerinnen und Schüler zu entwickeln. Die Vergabe von Ziffernoten stellt bei dieser Umsetzung eine Hürde dar. Führen die Ziffernoten in heterogenen Klassen nicht gerade zu Stigmatisierungen, Separierungen und der Fixierung von Unterschieden? Einzelne Entscheidungen von Lehrerinnen und Lehrer können die Zukunftschancen von Individuen ebnen, situative Entscheidungen bei der Notenvergabe sorgen für Fehldiagnosen. Dies ergründet sich auch aus der Tatsache, dass negative Auffälligkeiten häufiger in dem Gedächtnis bleiben als positive.
Durch diese Schwierigkeiten ergibt sich die Frage, wie eine Leistungsbeurteilung aussehen kann, die die Schülerinnen und Schüler bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt, ohne dabei ein weites Leistungsgefälle zu thematisieren. Die Problematik der herkömmlichen Leistungsbeurteilung ist nicht erst seit dem Inklusionsgedanken ein viel diskutiertes Thema. Schon seit dem Pisa- Schock spricht man von notwendigen Veränderungen in der Schulpolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktion und Bedeutung von Leistungsbeurteilungen
3. Das Portfolio Instrument
3.1. Begriff und Definition
3.2. Prozess und Ablauf bei der Anwendung des Portfolios
3.3. Vorteile der Portfolioarbeit
4. Faktoren bei der alternativen Leistungsbeurteilung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung alternativer Formen der Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext, insbesondere im Hinblick auf die Inklusion und die Überwindung traditioneller Ziffernoten. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Portfolio-Instrument als prozessorientiertes Verfahren die persönliche Entwicklung von Schülerinnen und Schülern fördern und ein selbstgesteuertes Lernen unterstützen kann, um dadurch die bekannten Defizite der klassischen Leistungsbewertung zu minimieren.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Funktion und Bedeutung traditioneller Leistungsbeurteilungen und Ziffernoten.
- Detaillierte Analyse des Portfolio-Instruments als alternative Methode der Leistungsdokumentation.
- Untersuchung des Prozessverlaufs und der pädagogischen Prinzipien bei der Portfolioarbeit.
- Erörterung der zentralen Erfolgsfaktoren für die Implementierung alternativer Beurteilungsformen in den Schulalltag.
- Reflexion der Rolle der Lehrkraft als Lernberater und Begleiter im inklusiven Lernumfeld.
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriff und Definition
Als Portfolio bezeichnet man eine Mappe, in der ausgewählte und reflektierte Arbeitserzeugnisse von Schülerinnen und Schüler gesammelt werden. Dabei ist das Portfolio nicht gleichzusetzen mit einem regulären Kurshefter, da diese nicht mit dem Hintergrund einer reflexiven Praxis zusammengestellt sind. (vgl. Winter 2004, S. 189)
Der pädagogische Grundgedanke des Portfolio Instrumentes ist keine Entwicklung, die sich erst in den letzten Jahren entwickelt hat. Mit den drei Prinzipien orientiert sich das Portfolio an Motiven, die bereits in der Reformpädagogik auftauchen. (vgl. Häcker 2005, S. 1) Man bezeichnet die Arbeit mit dem Portfolio Instrument im Unterricht als Portfolioarbeit, Portfolioprozess oder auch Portfoliomethode. In diesem Zusammenhang bezeichnet Volkwein (2010) die Form des Unterrichts auch als Portfoliounterricht. (vgl. ebd., S. 40f.) In den Vereinigten Staaten von Amerika setzt man das Portfolio schon seit den 1980er Jahren im Unterricht ein. Aufgrund von öffentlicher Kritik an der Qualität und Leistungsfähigkeit des US-amerikanischen Schulwesens (vgl. Häcker (2005): S. 2) wurde das Instrument dort in den Unterricht eingegliedert. Dort sind die eine zugelassene Methode um Klassenarbeiten zu ersetzen. (vgl. Winter 2004, S. 188) Im deutschsprachigen Raum findet die Portfolioarbeit bisher nur wenig Anwendung. Eine Ausnahme stellt die Laborschule Bielefeld dar, welche anhand von der Portfolioarbeit auf selbstgesteuertes Lernen der Schülerinnen und Schüler setzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Notwendigkeit einer Abkehr von starren Ziffernoten zugunsten einer inklusiven und chancengerechten Leistungsbeurteilung, wobei das Portfolio als zentrales Analyseinstrument eingeführt wird.
2. Funktion und Bedeutung von Leistungsbeurteilungen: Dieses Kapitel analysiert kritisch die Funktionen klassischer Ziffernoten und zeigt auf, dass diese oft selektiven und stigmatisierenden Charakter haben, statt den Lernprozess individuell zu fördern.
3. Das Portfolio Instrument: Das Kapitel definiert den Begriff des Portfolios, erläutert dessen pädagogische Wurzeln sowie die verschiedenen Arten von Portfolios und beschreibt ausführlich den Prozess der Anwendung sowie dessen Vorteile für Lernende.
4. Faktoren bei der alternativen Leistungsbeurteilung: Hier werden die notwendigen Rahmenbedingungen und Gelingensfaktoren für die Implementierung alternativer Beurteilungsmethoden im Unterricht diskutiert, wobei insbesondere die Rolle der Lehrkräfte und die schulpolitischen Richtlinien betrachtet werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Wirksamkeit des Portfolioansatzes zusammen und betont, dass alternative Leistungsbeurteilungen ein wichtiges Element für eine zukunftsfähige und schülerzentrierte Lernkultur darstellen.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Portfolio, Inklusion, Ziffernoten, Lernprozess, Selbstreflexion, Kompetenzorientierung, Schulpädagogik, formative Beurteilung, selbstgesteuertes Lernen, Leistungsdialog, Lernkultur, Förderplanarbeit, individuelle Förderung, Unterrichtsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kritik an herkömmlichen Ziffernoten in der Schule und untersucht alternative Formen der Leistungsbeurteilung, insbesondere das Instrument des Portfolios.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Leistungsbeurteilung im inklusiven Kontext, dem Prozess des selbstgesteuerten Lernens und den Anforderungen an Lehrkräfte bei der Einführung neuer Beurteilungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie eine Leistungsbeurteilung gestaltet sein muss, die Schülerinnen und Schüler bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt, ohne durch Konkurrenzdenken und Leistungsdruck zu stigmatisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse und Auswertung aktueller schulpädagogischer Fachliteratur, wobei das Portfolio-Instrument exemplarisch als Leitmodell für alternative Beurteilungspraxis skizziert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Funktionen von Noten, die detaillierte Darstellung der Portfolioarbeit inklusive ihrer Vorzüge für das Lernen sowie die Diskussion der Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Einführung in den Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Portfolio, Leistungsbeurteilung, Inklusion, Kompetenzorientierung und selbstgesteuertes Lernen charakterisiert.
Warum ist die Selbstreflexion innerhalb der Portfolioarbeit so wichtig?
Die Selbstreflexion ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln, ihre eigenen Lernprozesse besser zu verstehen und Verantwortung für ihren individuellen Fortschritt zu übernehmen.
Welche Rolle nimmt die Lehrkraft bei der Portfolioarbeit ein?
Die Lehrkraft wandelt sich von einer primär bewertenden Instanz zu einem aktiven Lernberater, der den Prozess begleitet, Talente erkennt und den Schülerinnen und Schülern beratend zur Seite steht.
- Citar trabajo
- Laura Kriewen (Autor), 2017, Leistungsbeurteilung im inklusiven Unterricht. Vorstellung und Bewertung des Portfolioinstruments, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1195472