Clinical Pathway – Wunderwaffe oder gescheitertes Konzept für Krankenhäuser, die sich dem Strukturwandel im Gesundheitswesen stellen?
Am Beispiel einer Klinik der Maximalversorgung in Deutschland wird ein Pilotprojekt zur Entwicklung und Einführung von Clinical Pathways begleitet und analysiert. Zunächst befasst sich diese Bachelor Thesis mit der Begriffsbestimmung und dem Prinzip der klinischen Behandlungspfade, bevor ein Überblick über das konkrete Projekt bzgl. der Entwicklung der Clinical Pathways im Projektkrankenhaus gegeben wird. Dem Leser wird die inhaltliche und organisatorische Vorgehensweise im Projektkrankenhaus vorgestellt. Damit das Projekt gelingt, müssen über alle Berufsgruppen der Klinik hinweg die Behandlungsteams motivierend begleitet werden. Hierzu gehört das Anstoßen eines Umdenkprozesses, weg von der funktionellen, hin zur prozessorientierten Sichtweise von Behandlungsabläufen. Ein wichtiges Mittel auf dem Weg zu diesem Um-denkprozess ist die Einwandsvorbehandlung, der ein Kapitel dieser Arbeit gewidmet ist.
Zur Qualifizierung der Dokumentationsqualität der Clinical Pathways, incl. der dazugehörigen diagnosebezogenen Verlaufsdokumentationen, wird das Mittel des Dokumenta-tionsaudits vorgestellt und angewandt. Um die Frage zu beantworten, ob sich Clinical Pathways als Wunderwaffen gegen den steigenden Kostendruck auf Kliniken eignen, werden die Auswirkungen der Umstellung von der herkömmlichen Behandlungsmethode auf die strukturierte Behandlungsmethode unter den Aspekten der Veränderungen auf die Verweildauer und der Gewinnoptimierung beleuchtet.
Damit sich der Leser ein Bild von Clinical Pathways machen kann, wird der Clinical Pathway Transurethrale Resektion der Blase auszugsweise vorgestellt und erläutert. Dieser Pfad ist auch Ausgangsbasis zur Errechnung der personellen Entwicklungskosten eines Clinical Pathway.
Die Einbindung der Clinical Pathways in die Krankenhaus – IT - Infrastruktur mit Hilfe der dafür auf dem Markt befindlichen Krankenhausinformationssysteme bildet durch einen Ausblick in die weitere Zukunft der Clinical Pathways den Abschluss der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Zielsetzung
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand
4. Methodik
4.1 Ziele der Clinical Pathways
4.1.1 Übersicht zu verschiedenen Zielen der Clinical Pathways aus der Literatur
4.1.2 Zieldefinition für Clinical Pathways im Projektkrankenhaus
4.2 Projektorganisation zur Entwicklung des Pfades „Transurethrale Resektion der Blase/Prostata“ (TUR B/P)
4.2.1 Ausrichtung an bestehenden Standards und Leitlinien
4.2.2 Einwandsvorbehandlung bei der Entwicklung von Clinical Pathways
4.2.3 Struktur der Patientenpfade im Pilotkrankenhaus
4.2.3 Organisatorische Vorgehensweise zur Erstellung des Clinical Pathway:
4.2.4 Inhaltliche Vorgehensweise zur Erstellung eines Clinical Pathways
4.3 Analyse des benötigten Zeitbudgets zur Entwicklung des TUR B/P- Pathway
4.4 Implementierung des Clinical Pathway als Behandlungspfad incl. strukturierter Verlaufsdokumentation
4.4.1 Kick-off-Veranstaltung
4.4.2 Testlauf des Clinical Pathways
4.4.3 Klinikweite Einführung des Clinical Pathways
4.4.4 Strukturierte Verlaufsdokumentation
4.5 Durchführung von Projekt- Dokumentationsaudits
4.6 Analyse der mittleren Verweildauer von Patienten innerhalb und außerhalb der Pfade
4.7 Monetäre Auswirkungen durch die Veränderung der Verweildauer als Folge des Einsatzes von Clinical Pathways
5. Ergebnisse
5.1 Vorstellung des Behandlungspfades Transurethrale Resektion der Harnblase (TUR B)
5.1.1 Das Grafikdokument TUR B
5.1.2 Diagnosebezogene Verlaufsdokumentation TUR B
5.2 Auswertung des Zeitbedarfs zur Erstellung des Clinical Pathway TUR P
5.2.1 Darstellung der Zeiterfassung
5.2.2 Auswertung des Zeitbedarfs nach Berufsgruppen
5.2.3 Personalkostenaufwand zur Entwicklung des Clinical Pathway TUR P
5.3 Ergebnisauswertungen der Dokumentationsaudits bzgl. der Dokumentationsqualität
5.3.1 Dokumentationsqualität mit der herkömmlichen Dokumentationsweise
5.3.2 Dokumentationsqualität mit der strukturierten, diagnosebezogenen Verlaufsdokumentation der Clinical Pathways
5.3.3 Gegenüberstellung der Dokumentationsqualität nach der herkömmlichen Dokumentationsmethode und der Dokumentationsqualität nach der diagnosebezogenen, strukturierten Verlaufdokumentation
5.4 Darstellung der Verweildauer im Vergleich zwischen Patienten innerhalb und außerhalb der Behandlung nach Clinical Pathways
5.4.1 Durchschnittliche Verweildauer von Nicht – Pfad – Patienten bei Choledocholithiasis mit laparoskopischer Cholezystektomie
5.4.2 Durchschnittliche Verweildauer von Pfad – Patienten bei Choledocholithiasis mit laparoskopischer Cholezystektomie
5.4.3 Direkter Vergleich der beiden Patientengruppen
5.4.4 Monetäre Auswirkungen der verkürzten Verweildauer durch den Clinical Pathway
5.5 Alternative EDV-gestützte Lösungsmöglichkeiten zur Einführung und Nutzung von Clinical Pathways
6. Diskussion
6.1. Eignung von Clinical Pathways zur Gewinnoptimierung
6.2 Einwandsvorbehandlung, um ein Scheitern der Umsetzung von Clinical Pathways zu verhindern
6.3 Grenzen und Potenziale der Clinical Pathways
6.4. Notwendige Voraussetzungen, um das Pilotprojekt klinikweit in den Echtbetrieb zu überführen
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Thesis untersucht die Entwicklung und Implementierung von Clinical Pathways (Behandlungspfaden) in einer Klinik der Maximalversorgung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch standardisierte, interdisziplinäre Patientenpfade die Versorgungsqualität gesteigert, Prozesse optimiert und die Verweildauer reduziert werden kann, um unter dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck im DRG-System wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Methodische Entwicklung von Clinical Pathways unter Einbindung interdisziplinärer Behandlungsteams.
- Analyse der personellen Ressourcen und des Zeitaufwands bei der Pfaderstellung.
- Untersuchung der Auswirkungen von Clinical Pathways auf die Dokumentationsqualität mittels Audits.
- Vergleichende Analyse der mittleren Verweildauer von Patienten innerhalb und außerhalb der Pfade.
- Evaluation des monetären Einsparpotenzials durch verkürzte Verweildauern und Prozessoptimierung.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Einwandsvorbehandlung bei der Entwicklung von Clinical Pathways
Die Entwicklung und Einführung von Clinical Pathways können schon in der Entwicklungsphase durch weit verbreitete Vorurteile der Mitarbeiter scheitern (vgl. REIBNITZ/HERMANNS, 2004, S. 13). Meist sind es berufsgruppenspezifische Einwände, die nicht früh genug entkräftet werden und dann zu einem insuffizienten Ergebnis in der Pfadentwicklung oder der unzureichenden Umsetzung der Pfade führen. Diese Vorurteile haben ihren Ursprung in den teils sehr festgefahrenen und seit Jahrzehnten bestehenden Strukturen und Arbeitsabläufen, die sich jenseits des ökonomischen Druckes auch durchaus bewährt haben.
Es ist ebenso ein schwieriges Unterfangen, die traditionellen Hierarchien innerhalb der Klinikorganisation aufzubrechen, was jedoch Grundvoraussetzung für die gelungene Entwicklung klinischer Verlaufspfade ist.
Damit ein Clinical Pathway erfolgreich sein kann, muss er von allen beteiligten Berufsgruppen akzeptiert und ebenso gelebt werden, Widerständen ist konstruktiv und offen zu begegnen (vgl. ROEDER et al., 2007, S. 98).
In einer Studie von FIDDES et al. (2000, S. 13) wurde nachgewiesen, dass der Erfolg der Anwendung und Entwicklung von Patientenpfaden von einer patientenpfadbezogenen Verantwortlichkeit und dem Engagement der Mitarbeiter maßgeblich abhängt. Demnach ist es im Vorfeld zur Entwicklung der Clinical Pathways wichtig, bestehende Vorurteile auszuräumen und mangelnder Information über Patientenpfade bei den Beschäftigten entgegenzuwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Analyse des steigenden wirtschaftlichen Drucks auf deutsche Kliniken durch das DRG-System und die daraus resultierende Notwendigkeit, Leistungsprozesse mittels Clinical Pathways zu optimieren.
2. Zielsetzung: Darstellung der fachübergreifenden Entwicklung und Implementierung eines urologischen Clinical Pathways sowie die Analyse des Erfolgs anhand von Verweildauervergleichen und Dokumentationsaudits.
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand: Definition und theoretische Grundlagen von Clinical Pathways sowie ein Überblick über die aktuelle kontroverse Diskussion in der deutschen Literatur.
4. Methodik: Beschreibung des systematischen Vorgehens zur Entwicklung von Pathways, der Personalressourcenanalyse und der Methoden zur Messung von Verweildauer und Dokumentationsqualität.
5. Ergebnisse: Konkrete Vorstellung des Behandlungspfades TUR B, quantitative Auswertung der benötigten Entwicklungszeit und Kosten sowie Vergleich der klinischen Ergebnisse und der Dokumentationsgüte.
6. Diskussion: Kritische Reflexion der Eignung von Clinical Pathways zur Gewinnoptimierung, Herausforderungen bei der Akzeptanz durch Mitarbeiter sowie Grenzen und notwendige IT-Voraussetzungen für den Echtbetrieb.
7. Zusammenfassung: Resümee des Projekts als Instrument zur Bewältigung des Strukturwandels und Ausblick auf die zukünftige Integration in die IT-Infrastruktur.
Schlüsselwörter
Clinical Pathways, Behandlungspfade, Patientenpfade, DRG-System, Prozessoptimierung, Verweildauer, Dokumentationsqualität, Dokumentationsaudit, Maximalversorgung, Fallpauschalen, Qualitätssicherung, Krankenhausmanagement, Prozesskostenrechnung, Patientenversorgung, urologische Behandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung, Implementierung und Evaluierung von Clinical Pathways in einer Klinik der Maximalversorgung, um unter DRG-Bedingungen die Behandlungsqualität zu steigern und ökonomische Effizienz zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Prozessorganisation, die Kosten-Nutzen-Analyse von Behandlungspfaden, das Qualitätsmanagement durch Dokumentationsaudits sowie den Vergleich von Verweildauern bei spezifischen Krankheitsbildern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den gesamten Prozess der Pfadentwicklung praxisnah darzustellen und zu analysieren, ob und wie erfolgreich Clinical Pathways die Dokumentationsqualität verbessern und die Verweildauer sowie die damit verbundenen Kosten positiv beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturarbeit, Prozessanalysen (Ist-Analyse), statistischen Datenauswertungen (z.B. Verweildauervergleiche) und praktischen Qualitätstests durch Dokumentationsaudits angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Vorgehensweise, die detaillierte Darstellung der Projektorganisation, die Analyse des Personal- und Zeitaufwands bei der Pfaderstellung sowie die konkrete Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Dokumentationsqualität und wirtschaftlicher Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Clinical Pathways, Patientenpfade, Prozessoptimierung, Verweildauer, Dokumentationsqualität, Fallpauschalen und Krankenhausmanagement.
Welche Rolle spielt die EDV bei der Einführung von Clinical Pathways?
Die Arbeit betont, dass papiergestützte Pfade nur eine Übergangslösung darstellen. Eine dauerhafte, klinikweite Umsetzung erfordert eine IT-gestützte Einbindung in das Krankenhausinformationssystem, um die Komplexität zu handhaben und Prozesse nachhaltig zu unterstützen.
Warum ist die "Einwandsvorbehandlung" für das Projekt so entscheidend?
Die Arbeit zeigt, dass Widerstände seitens des Personals (z.B. durch Vorurteile wie "Kochbuchmedizin") die Umsetzung gefährden können. Eine frühzeitige, konstruktive Auseinandersetzung mit diesen Einwänden ist essenziell für die Akzeptanz und den Erfolg des Projektes.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Frank Vogelgesang (Author), 2008, Clinical Pathways - Entwicklung und Implementierung in einer Klinik der Maximalversorgung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119588