Metadaten im Fernsehproduktionskanal und deren Austausch sowie Einbindung in Applikationen


Diplomarbeit, 2003

128 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Verzeichnis der Abkürzungen

Verzeichnis der Abbildungen

1. Einleitung und Aufgabenstellung
1.1. Vorbemerkung
1.2. Situation
1.3. Zielsetzung
1.4. Aufbau der Arbeit

2. Die Fernsehproduktion
2.1. Unternehmenssicht
2.2. Produktsicht
2.3. Metadaten

3. Fernsehproduktionsprozess und Datenfluss
3.1. Allgemein
3.2. Systemanalyse
3.3. Datenanalyse
3.4. Planung
3.4.1. vorbereitende Produktionsplanung
3.4.2. Disposition
3.4.3. Produktionsauftrag
3.5. Beschaffung
3.5.1. Aufnahme
3.5.2. Ausmustern
3.5.3. Einspielen
3.6. Bearbeitung
3.6.1. Bildbearbeitung
3.6.2. Tonbearbeitung
3.6.3. Endbearbeitung
3.7. Kontrolle
3.7.1. Redaktionelle Abnahme
3.7.2. Technische Abnahme und Konsolidierung
3.8. Publikation
3.8.1. Zuweisung zur Sendung
3.8.2. Zuweisung zum Archiv
3.8.3. Sendeprotokollierung
3.8.4. Archivierung
3.9. Zusammenfassung

4. Standards zum Thema Metadaten
4.1. Stand der Entwicklungen
4.2. MXF

5. Entwicklung des Metadatenmodells
5.1. Modellierungsansatz
5.2. Durchführung
5.3. Aufbau des Datenmodells

6. Anwendungsszenarien einer WFMS – Applikation
6.1. Workflow und Geschäftsprozess
6.2. Aufbau des WFMS
6.3. Use Cases

7. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturhinweise

Anhang
A1 Begriffsdefinition der Metadaten-Attribute
A2 Gesamtansicht IRT-Modell

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Arbeit finden einige englischsprachige Ausdrücke Anwendung. Soweit möglich wird auf Entsprechungen im Deutschen zurückgegriffen. Jedoch handelt es sich vielfach um feste Bestandteile des betrachteten Fachbereichs, eine Übersetzung wäre daher ungünstig, da dies womöglich für das Verständnis abträglich sein könnte.

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1.1: Situation des Austauschsystems des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

Abb. 1.2: Zielsystem dieser Arbeit (eigene Darstellung nach [Jablonski 1997, S. 75])

Abb. 2.1: Systemfaktoren des Unternehmens (eigene Darstellung nach [Busse 1991, S.21])

Abb. 2.2: Interdependenz der TV-Märkte (eigene Darstellung nach [Wirtz 1994])

Abb. 2.3: Systematisierung des Produkts

Abb. 2.4: Information und Daten (eigene Darstellung nach [Jahnke 2001])

Abb. 2.5: Beziehung zwischen Syntax und Semantik [Hars 1994, S. 24]

Abb. 2.6: Beitrag von Metadaten zu Content- und IPR-Management [EBU-FTP 2002, S. 32]

Abb. 2.7: Klassifizierung von Metadaten

Abb. 3.1: Prozessstruktur (eigene Darstellung nach [Gadatsch 2000, S. 18])

Abb. 3.2: Input-Output-System des Geschäftsprozesses [Gaitanides 1994, S. 23]

Abb. 3.3: Informationssystem des Fernsehproduktionsprozesses [Taskforce 1998, S. 14]

Abb. 3.4: Ebenenkonzept des Business Engineering [Österle 2000, S.77]

Abb. 3.5: Abhängigkeit der Geschäftsprozesse von Unterstützungsprozessen [Hoffmann 2002, S. 2]

Abb. 3.6: Abstraktion des Arbeitsablaufs von der CMS-Ebene [EBU-FTP 2002, S. 14]..

Abb. 3.7: Struktur des Fernsehproduktionsprozesses

Abb. 3.8: Entstehung und Nutzung von Metadaten im Geschäftsprozess (in Anlehnung an [Schmid 2001, S. 58])

Abb. 3.9: Blockdiagramm der funktionalen Komponenten der Fernsehproduktion (eigene Darstellung nach [EBU-FTP 2002, S. 35])

Abb. 3.10: Materialkategorie und Titelbezeichnungen

Abb. 3.11: vorbereitende Produktionsplanung

Abb. 3.12: Disposition

Abb. 3.13: Produktionsauftrag

Abb. 3.14: Aufnahme

Abb. 3.15: Ausmustern mit Good shot flag

Abb. 3.16: Ausmusterung

Abb. 3.17: Einspielen

Abb. 3.18: Regie-Plan Mittagsmagazin vom 30. August 2002

Abb. 3.19: Beispiel eines internen Signalflusses eines TV-Senders

Abb. 3.20: Bildbearbeitung

Abb. 3.21: Tonbearbeitung

Abb. 3.22: Endbearbeitung

Abb. 3.23: Redaktionelle Abnahme

Abb. 3.24: technische Abnahme

Abb. 3.25: Zuweisung zur Sendung

Abb. 3.26: Zuweisung zum Archiv

Abb. 3.27: Sendeprotokollierung

Abb. 3.28: Archivierung

Abb. 4.1: SMPTE Standards [EBU-FTA 2001, S. 9]

Abb. 4.2: Metadata Dictionary Structure [EBU-FTA 2001, S. 4]

Abb. 4.3: P/Meta Prozessmodell [Hopper 2002, S. 2]

Abb. 4.4: Prinzip von P/Meta

Abb. 4.5: Fluss von Metadaten und Content nach dem Prozessmodell von [TV-Anytime 2002]

Abb. 4.6: MXF-Dateien und Streaming Formate [Devlin 2001, S. 29f.]

Abb. 4.7: KLV-Kodierung im MXF [EBU-FTA 2001, S. 6]

Abb. 4.8: Funktionaler Dateiaufbau von MXF [Wilkinson 2002b, S. 379]

Abb. 4.9: Metadaten-Tracks und deren Verknüpfung mit zugehöriger Essenz [Wilkinson 2002a, S. 8f.]

Abb. 5.1: Die Struktur des Modellbegriffs [Hars 1994, S. 8]

Abb. 5.2: grafische Notation für das ER-Modell

Abb. 5.3: Ergebnis der Strukturanalyse zu DMS1

Abb. 5.4: Referenzarchitektur des Metadaten-Modells

Abb. 5.5: Zuordnung von Elementkategorie und Aggregationsebene

Abb. 5.6: einfache Hierarchiestruktur des Produktes

Abb. 5.7: Hierarchiestruktur mit mehrfacher Über- und Unterordnung

Abb. 5.8: Teil des IRT-Modells zur Organisation der hierarchischen Struktur

Abb. 5.9: Zusammenwirken von Produktionselement, Aggregation und Gruppe

Abb. 5.10: Komposition von Programmmaterial über eine Hierarchieebene

Abb. 5.11: Teil des IRT-Modells zur Verknüpfung von Produktionselement und Programmmaterial

Abb. 5.12: Erstellung eines Medienobjekts aus Material untergeordneter Strukturebenen

Abb. 5.13: Teil des IRT-Modells zur Speicherung von Kontributionen, Positionsangaben und frei definierbaren Parametern

Abb. 5.14: Teil des IRT-Modells zur inhaltlichen und identifizierenden Beschreibung und der Abwicklung des technischen sowie geschäftlichen Ablaufs

Abb. 5.15: Verknüpfung des Produktionselements mit Medienobjekt und deskriptiven Metadaten

Abb. 6.1: Erstellung eines Metamodells

Abb. 6.2: Metamodell des IRT-Workflow Management Systems

Abb. 6.3: Workflow Referenzmodell der WfMC (eigene Darstellung nach [Hollingsworth 1995, S. 20])

Abb. 6.4: Editieransicht des WFMS: Modus der Prozessdefinition

Abb. 6.5:Arbeitsbildschirm der entwickelten WFM-Applikation

Abb. 6.6: mögliche Zustandsübergänge in einer Prozessinstanz (eigene Darstellung nach [Hollingsworth 1995, S.23])

Abb. 6.7: Ausgangslage der Produktstruktur

Abb. 6.8: Ausgangssituation im Hinblick auf die Ausprägung der Entitätsmenge Produktionselement, Produktion, Aggregation und Gruppe

Abb. 6.9: Workflow-Betrachtung der Funktion „Produktionselement hinzufügen“

Abb. 6.10: Workflow-Betrachtung der Funktion „Titel hinzufügen“

Abb. 6.11: Bildschirmansicht der Darstellung der Testapplikation zur Visualisierung der Produktstruktur und einer entsprechender Betitelung

Abb. 6.12: Produktstruktur mit Betitelung – Informationsobjekte auf Basis des IRT- Modells und der daraus resultierende Aggregations-Beziehung der Entitäten zueinander

Abb. 6.13: Workflow-Betrachtung der Funktion „Einspielen eines AV-Clips“

Abb. 6.14: Resultat des Anwendungsfalls „Rohmaterial einfügen“ – Ausprägung des IRT-Modells

Abb. 6.15: Bildschirmdarstellung der Testapplikation – Belegung des Rohmaterialcontainers als Ergebnis des Anwendungsfalls „Rohmaterial einfügen“

Abb. 6.16: Workflow-Betrachtung des Anwendungsfalls „Schnitt“

Abb. 6.17: Bildschirmdarstellung Eingabe Schnitt

Abb. 6.18: Bildschirmdarstellung Schnitt

Abb. 6.19: Ausprägung des IRT-Modells nach dem Anwendungsfall Schnitt

Abb. 6.20: Workflow-Betrachtung des Anwendungsfalls „Kreiere Medieninstanz“

Abb. 6.21: Bildschirmdarstellung Instanziierung

Abb. 6.22: Ausprägung des IRT-Modells nach dem Anwendungsfall der Instanziierung

Abb. 6.23: Workflow-Betrachtung des Anwendungsfalls „Publikation festlegen“

Abb. 6.24: Ausprägung des IRT-Modells nach dem Anwendungsfall der Vergabe des Publikationstermins

Abb. 6.25: Workflow-Betrachtung des Anwendungsfalls „Wiederholung“

Abb. 6.26: Ausprägung des IRT-Modells nach dem Anwendungsfall der Wiederholung

Abb. 7.1: Nutzenpotentiale von Metadaten in der Fernsehproduktion auf Basis eines Metadaten-Modells

1. Einleitung und Aufgabenstellung

1.1. Vorbemerkung

Nach über 50 Jahren Fernsehgeschichte in Deutschland, wenn man von den ersten Entwicklungen während der NS-Zeit einmal absieht, kann man auf eine Epoche zurückblicken, die stets durch Veränderungen gekennzeichnet war. Während die erreichbare Fernsehqualität durch technologische Neuerungen ständig zunahm, erhielt der Qualitätsbegriff darüber hinaus durch Erhöhung der Mannigfaltigkeit und des daraus resultierenden Wettbewerbs der Programmveranstalter untereinander eine neue Dimension, wodurch der Zuschauer nun aus einer breiten Palette an Angeboten wählen kann. Aus dieser Situation ergeben sich jetzt für die einzelnen Veranstalter mehrere Problemfelder. Zum einen erfordert der direkte Konkurrenzdruck eine stetig aufwändigere Produktion, um mit dem aktuell vorherrschenden Qualitätsniveau Schritt halten zu können. Den daraus resultierenden steigenden Kosten steht eine anhaltende Schrumpfung auf dem TV-Werbemarkt entgegen, allein während des ersten Halbjahres 2002 musste ein Minus von 7,2 Prozent verzeichnet werden. [ProducerWorld 2002]

Selbst für öffentlich-rechtliche Sender, die nur einen vergleichsweise geringen Teil ihrer Mittel aus Werbeeinnahmen bestreiten, haben sich die Zeiten geändert. Auch sie sind auf wirtschaftlichere Ressourcennutzung angewiesen, um ihre kostenintensiven Programme, die sich zum Teil aus dem Versorgungsauftrag ergeben, aufrechterhalten zu können, außerdem sehen sie sich seit jüngster Zeit mit einem anwachsenden Rechtfertigungsdruck hinsichtlich ihrer Existenzberechtigung und darüber hinaus mit einem stark umkämpften Zuschauermarkt konfrontiert.

Um den Herausforderungen der heutigen Zeit begegnen zu können, hat sich nach über

20 Jahren schrittweiser Digitalisierung des Produktionsumfeldes bereits ein grundsätzlicher Trend in Richtung IT-basierter TV-Produktion etabliert, die durch Speicherung des Contents in rechnerbasierten Systemen auszeichnet und sich das Programmmaterial dadurch dem Menschen einer physischen Handhabung entzieht. Einige Medien-Unternehmer betrachten diese Entwicklung noch immer mit Skepsis - ist doch die Umstellung sowohl der Produktionsanlagen als auch der Arbeitsabläufe mit erheblichen Risiken verbunden. Während man zur Zeit auf zum Großteil bilanziell abgeschriebenen Anlagen produzieren kann, für deren optimale Bedienung geschultes Personal vorhanden ist, wo sich für jedes Programmformat die Arbeitsabläufe eingespielt haben und der Produktionsalltag somit scheinbar reibungslos verläuft, stellt sich die Frage, warum plötzlich der gesamte Betrieb umgestellt werden sollte.

Dabei sind allein die Ausgaben, die für die Investition in sämtliche Produktionsanlagen notwendig sind, nicht gerade unerheblich – Ausgaben, die bei einem Scheitern des Vorhabens je nach Finanzlage des betroffenen Unternehmens fatale Folgen haben könnten. [EBU-FTP 2002, S. 1-10]

Herr Wolfgang Englmaier, seines Zeichens Mitglied des Planungsstabs des Bayerischen Rundfunks für das „Neue Sendezentrum“, ein Projekt, das eine überwiegend bandlose Fernsehproduktion zum Ziel hat, soll in diesem Zusammenhang exemplarisch auch für andere Anstalten zitiert werden: „Die noch zur Zeit verwendete Technik ist in zunehmenden Maße veraltet, daher sind neben den steigenden Reparaturkosten auch erschwerte Bedingungen der Ersatzteilbeschaffung zu befürchten. Darüber hinaus darf man sich nicht von Entwicklungen im Fernsehproduktionsbereich abkoppeln, da im Zuge der zunehmenden Konvergenz von Informationstechnologie und Fernsehproduktion sich komplett neue Rahmenbedingungen für die Herstellung und den Austausch von Medien

sowohl im nationalen, als auch internationalen Kontext ergeben.“[1]

Aus jener Konvergenz erwachsen sich Chancen für das Fernsehgewerbe unter anderem in Form von Steigerung der Effizienz des Produktionsablaufs, die sich wiederum sowohl positiv auf die Qualität der Produkte als auch auf niedrigere Produktionskosten auswirken kann. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Veränderung der Produktionslandschaft hin zum bandlosen Produktionssystem erhebliche Risiken birgt. Fehlinvestitionen in proprietäre Systeme, deren mangelnde Interoperabilität ernsthafte Störungen des Sendebetriebs und Mehrkosten für Wartung und laufende Anpassungen nach sich ziehen können gilt es zu vermeiden. Daher gibt es Bestrebungen mehrerer Organisationen in diesem technologischen Neuland der Fernsehproduktion für offene Standards zu sorgen, wodurch die Gefahr, in proprietäre Systeme zu investieren, gemindert werden soll. [EBU-FTP 2002, S.11]

Dem Themengebiet Metadaten wird hierbei eine Schlüsselstellung zugeordnet, da man sich von der Standardisierung von Metadaten die Generierung von Mehrwert in jeder Phase der Produktionskette und eine effizientere Gestaltung von Workflows verspricht. Die genaue Untersuchung, wie diese Schlüsselstellung der Metadaten zu bewerten ist, welche Maßnahmen für einen offenen Standard notwendig sind und wie ein möglicher Lösungsansatz aussehen kann ist Gegenstand dieser Arbeit, die im Bereich „Produktion Fernsehen“ des Instituts für Rundfunktechnik in München in enger Zusammenarbeit mit Herrn Andreas Ebner durchgeführt wurde.

1.2. Situation

Im Hinblick auf das für die Zukunft anzunehmende Szenario einer IT-basierten Produktion des Fernsehprogramms steht die MAZ-Karte vor ihrer Ablösung. Es handelt sich hier um eine Methode zur Speicherung manuell festgehaltener deskriptiver Daten auf Basis einer Laufkarte, die zusammen mit dem Medium des zu beschreibenden Programmmaterials hergestellt, genutzt, gelagert und an andere TV-Unternehmen weitergegeben wird. Jene auf diese Weise gespeicherten Daten sind für die Gewährleistung eines funktionierenden Betriebsablaufs von großer Bedeutung. Die

Umstellung des Umfeldes der Fernsehproduktion führt auch eine Übertragung dieser Metadaten auf ein computergestütztes Produktionssystem und deren zentralen Verwaltung mit sich. Wird innerbetrieblich eine Lösung gefunden, wie ein Programmaustausch in dieser veränderten Situation erfolgen kann, so ist es doch für ein Rundfunkunternehmen gleichermaßen von Bedeutung, zwischenbetrieblich, wie zum Beispiel zwischen Produktion und Archiv, oder auf übergreifender Ebene zwischen Rundfunkanstalten Programmmaterial austauschen zu können. Hierzu bedarf es einer Vorschrift der Beschreibung von Programmmaterial durch Metadaten in Form eines Schemas, das allen Austauschpartnern das gleiche Niveau an Beschreibungsleistung bietet. Ein besonderes Augenmerk gilt in dieser Arbeit den öffentlich-rechtlichen Programmanbietern, für die sich die Situation vorhandener, beziehungsweise benötigter Reglementierungen wie in Abbildung 1.1 darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.1: Situation des Austauschsystems des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

Das [Regelwerk Fernsehen] ist eine solche Zusammenstellung an Beschreibungs- und Einteilungsvorschriften, wodurch im Anwendungsbereich der Archive der öffentlich- rechtlichen Fernsehanstalten eine einheitliche Beschreibung von Programmmaterial zugrunde liegt. Darauf aufbauend existieren Ansätze wie FESAD oder FESAD neu, die eine EDV-basierte Verwaltung von Programmmaterial ermöglichen. Gerade die Inhalte der Archive stellen einen beträchtlichen ökonomischen und kulturellen Wert dar, den es von dem Produktionsbereich möglichst effizient zu erschließen gilt, wodurch Zielen einer kostengünstigeren Produktion sowie der Versorgung von zusätzlichen Diensten entgegengekommen werden kann. Grundlage hierfür ist wiederum die Möglichkeit eines effizienten Zugriffs auf das im Archiv gelagerte Programmmaterial. Zu diesem Zweck muss ein Metadatenmodell für den Austausch gefunden werden, das sich an der Grundlage des Archivs in Form des Regelwerk Fernsehens orientiert, aber auch den

Anforderungen des Produktionsbereichs gerecht wird. Bisher versah die MAZ-Karte trotz deren Beschränktheit diese Schnittstellenfunktion. Deshalb wurde unter Federführung des Instituts für Rundfunktechnik das [Regelwerk Fernsehproduktion] ausgearbeitet, das eine Schnittmenge an Metadaten-Attributen der in den öffentlich-rechtlichen Anstalten genutzten MAZ-Karten darstellt. Mit dieser grundlegenden Menge an Beschreibungsmerkmalen versehen soll bei einer IT-basierten Produktion der Austausch von Programmmaterial ermöglicht werden. Um jedoch eine reichhaltige Beschreibung von audiovisuellem Material durchführen zu können, sollen sämtliche dem Fernsehproduktionskanal entnehmbaren Metadaten-Attribute in ein für den Austausch, wie in Abbildung 1.1 dargestellt, aber möglicherweise auch für den Produktionsbereich geeignetes Metadaten-Modell zusammengeführt werden. Diesen Arbeiten sollen das Regelwerk Fernsehen und das Regelwerk Fernsehproduktion zugrundegelegt werden, wobei letzteres als eine Untermenge in dem zu entwickelnden Ansatz vollständig enthalten sein soll.

1.3. Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer ganzheitlichen Sicht auf die Anwendungsgebiete und Nutzenpotentiale von Metadaten im Fernsehproduktionsbereich. Aus diesem Grund lässt sich die Zielsetzung schwer auf einen einzelnen Aspekt reduzieren. Sicherlich münden alle die in dieser Arbeit unternommenen Anstrengungen in der Entwicklung eines Metadaten-Modells, das vornehmlich den inner-, beziehungsweise zwischenbetrieblichen Austausch aber auch die Verwaltung von Material audiovisueller Natur in IT-basierten Produktionssystemen ermöglichen soll. Darüber hinaus ist die Anwendbarkeit des Metadaten-Modells in einer Applikation zu betrachten. Jedoch führt ein solches Ergebnis zu Rückwirkungen auf diejenigen Sachverhalte, die bei der Verfolgung des Ziels als Ausgangsbasis dienten. Es handelt sich somit um ein in Abbildung 1.2 dargestelltes Zielsystem, dessen Beleuchtung als Ganzes es in dieser Arbeit bedarf.

Für das zu entwickelnde Metadaten-Modell liegt das Ziel zugrunde, eine einheitliche Basis für die Beschreibung von Programminhalten zu schaffen, aufgrund der ein transparenter inner-, zwischen- und überbetrieblicher Austausch von Programmmaterial gegeben ist. Dabei soll Sorge getragen werden, dass ein solches Beschreibungsschema den Bedürfnissen der Fernsehproduktion und den Anforderungen zur Gewährleistung einer dauerhaften Speicherung und optimalen Verfügbarkeit von audiovisuellem Material gerecht wird. Grundlegend dafür soll eine möglichst einfache Implementierbarkeit und Einsetzbarkeit in Applikationen, unabhängig von spezifisch gegebenen Geschäftsprozessen, gegeben sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.2: Zielsystem dieser Arbeit (eigene Darstellung nach [Jablonski 1997, S. 75])

1.4. Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit soll im Kapitel 2 auf das Unternehmen Fernsehen eingegangen werden, in dem es gilt, ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen von Fernsehsendern zu untersuchen, um darlegen zu können, dass es sich auch hier um Unternehmen handelt, bei denen die Notwendigkeit zum wirtschaftlichen Einsatz ihrer Ressourcen besteht. Aufbauend auf die dadurch geprägte Unternehmenssicht soll, obwohl es sich hier um eine Dienstleistung handelt, in Anlehnung an produzierende

Unternehmen des sekundären[2] Sektors der Begriff Produkt für das Ergebnis der

Leistungserstellung der TV-Produktionsbetriebe eingeführt werden, das zur Beschreibung seiner Merkmale sogenannter Metadaten bedarf. Dadurch wird die Grundlage geschaffen, aus der im Verlauf dieser Arbeit hervorgehen soll, welche Nutzenpotentiale mit Metadaten im Hinblick auf eine effizientere Fernsehproduktion in Verbindung gebracht werden können.

Ausgangspunkt hierfür ist die Betrachtung des Fernsehproduktionsprozesses, der zunächst ein Mittel zur Erhebung der darin genutzten beziehungsweise benötigten Metadaten darstellt. Es soll aber auch die für das Informationssystem bezeichnende grundlegende Interdependenz zwischen dem Geschäftsprozess der Fernsehproduktion und Metadaten offensichtlich gemacht werden. Dazu werden theoretische Grundlagen erarbeitet, die dann unter anderem in der zur Datenanalyse benötigten Strukturierung des Fernsehproduktionsprozesses Anwendung finden.

Der Beschreibung aktuell vorzufindender Arbeiten, die einen Betrag zur Gewährleistung eines transparenten Austausches von Metadaten zu leisten suchen, ist das Kapitel 4 gewidmet. Neben einer Auswahl darin involvierter Gremien, soll durch Erläuterung beispielhaft ausgewählter Ansätze die grundsätzliche Problematik fehlender umfassender, den Anforderungen der Fernsehproduktion entsprechender und gleichzeitig flexibler Lösungen für einen einheitlichen Austausch von Metadaten nähergebracht werden. Zudem wird auf das sich auf dem Weg zur Standardisierung befindliche Dateiformat MXF eingegangen, das in Zukunft in besagter Domäne die Rahmenbedingungen für den Transport von Metadaten mitbestimmen wird.

Der darauf anschließende Abschnitt steht im Zeichen der Modellierung. Nach Erarbeitung der Theorie zur Bedeutung des Modellierens soll das im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Metadaten-Modell als Lösung zu den in vorangegangenen Kapiteln herausgearbeiteten Erfordernissen und bisher unbeantworteten Fragen des adäquaten Austausches und Speicherung von Metadaten im Sektor der Fernsehproduktion präsentiert werden. Dazu bedarf es der detaillierten Auseinandersetzung mit der Bedeutung der einzelnen Komponenten des Datenmodells.

Weiterführend zu den eher theoretischen Betrachtungen soll im Kapitel 6 gezeigt werden, wie die praktische Anwendung dieses Metadaten-Modells gestaltet werden könnte. In Bezugnahme zu den vorangegangenen Betrachtungen des Fernsehproduktionsprozesses wurde ein generisches Softwarepaket entwickelt, das sowohl eine freie Ausgestaltung der Prozessstruktur als auch die flexible und einfache Implementierung des zu nutzenden Datenmodells erlaubt. Um anhand von Anwendungsszenarien die einzelnen funktionellen Komponenten des im Rahmen dieser Arbeit entwickelten Datenmodells in Aktion zu demonstrieren, wird dieses in das soeben erwähnte, rudimentär ausgestaltete Workflow-Management-System eingebunden. Dadurch soll die Symbiose von Metadaten und Geschäftsprozess beziehungsweise Workflow sichtbar gemacht werden, welche die Herstellung eines vollständig virtuellen Produkts allein auf Basis von Metadaten ermöglicht.

Den Abschluss der Arbeit bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Im Anhang finden sich ein im Rahmen des Terminologiemanagements erstelltes Metadaten- Wörterbuch und die Gesamtansicht des Metadatenmodells.

2. Die Fernsehproduktion

Rundfunk ist ein sehr komplexes Gebilde, in dem es zu identifizieren gilt, wie Metadaten in diesem System eingebunden sind und welche Nutzenpotentiale sich hieraus ergeben können. Dazu wird sich einer sukzessiv vertiefenden Sichtweise bedient, damit Rückschlüsse gezogen werden können, welche Auswirkungen dadurch im systemübergreifenden Gesamtkontext zu erwarten sind.

2.1. Unternehmenssicht

Zu Beginn sollen einige rechtliche Grundlagen erläutert werden, in denen die Rahmenbedingungen der Gestalt und des Betriebs von Rundfunk in Deutschland festgelegt sind. Eine grundlegende Basis stellt die Meinungs- und Informationsfreiheit dar.[3] Daher kann man dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV), der die einheitlichen Mindestgrundsätze für den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk mit

föderalistischer Struktur und länderübergreifender Verbindlichkeit kodifiziert, die Forderung nach dem Erhalt der Meinungsvielfalt entnehmen. Laut dessen Präambel sind der öffentlich-rechtliche und der private Rundfunk der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung verpflichtet. Des weiteren müssen beide Rundfunksysteme in der Lage sein, den Anforderungen des nationalen und des internationalen Wettbewerbs zu entsprechen. Zudem sind Bestand und Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu garantieren. Daneben sichert die Präambel den privaten Veranstaltern Ausbau und Fortentwicklung eines privaten Rundfunksystems zu, vor allem in technischer und programmgestalterischer Hinsicht. Hierfür sollen ihnen ausreichende Sendekapazitäten zur Verfügung gestellt und angemessene Einnahmequellen erschlossen werden. Daraus begründet sich die Koexistenz von privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern, die oftmals als „duales System“ bezeichnet wird. [MediaPerspektiven 2002]

Nun ergeben sich hieraus für diese Organisationen betriebswirtschaftliche Konsequenzen, die an einem allgemeinen Unternehmensmodell verdeutlicht werden sollen. Unternehmen sind „in sich geschlossene, mit betriebswirtschaftlichen Prozessen erfüllte Sozialgebilde im Dienste der menschlichen Bedarfsdeckung. Sie sind Organisationseinheiten der Wirtschaft.“ [Busse 1991, S.15]

Ein Unternehmen ist durch einen Güterstrom, der durch den Betrieb vom Beschaffungsmarkt zum Absatzmarkt fließt, und durch einen Geldstrom von Ein- und Auszahlungen in entgegengesetzter Richtung gekennzeichnet. Im Betrieb werden Produktionsfaktoren wie menschliche Arbeitskraft, Verbrauchsgüter und Gebrauchsgüter eingesetzt, um Sachgüter oder Dienstleistungen herzustellen und am Markt anzubieten. Dieser Sachverhalt ist in Abbildung 2.1 grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Systemfaktoren des Unternehmens (eigene Darstellung nach [Busse 1991, S.21])

Betrachtet man die Unternehmenssicht von Rundfunkanstalten, so lassen sich deren Merkmale auf das soeben skizzierte Modell übertragen. Rundfunkanstalten beziehen Produktionsfaktoren wie zum Beispiel fachlich geeignetes und kreatives Personal, Betriebsmittel, aber unter anderem auch Programmkonzepte und Programminhalte von den jeweiligen Beschaffungsmärkten, um eine Leistung erstellen und anschließend auf dem Absatzmarkt anbieten zu können. Dabei ist die Ausgangslage, welche Ziele von Rundfunkanstalten im Allgemeinen und TV-Anstalten im Speziellen mit der Erstellung und dem Absatz von Fernsehprogramm verfolgt werden unterschiedlicher Natur. Der Absatzmarkt in der TV-Branche ist nämlich zweigeteilt. So gibt es zum einen den Zuschauermarkt, der jedoch nicht direkt zur Finanzierung beiträgt. Vielmehr ist der Marktanteil am Zuschauermarkt, der in Form von Einschaltquoten durch die GfK ermittelt wird, für private Anstalten, die sich hauptsächlich aus Werbeeinnahmen finanzieren, deswegen von großer Bedeutung, weil sich aus dem Erfolg am Zuschauermarkt der ökonomische Erfolg am Werbemarkt ableiten lässt. Dieser Zusammenhang ist in Abbildung 2.2 visualisiert. [Karstens 1999, S. 83f.]

Die Steuerungslogik eines durch Werbeeinnahmen finanzierten TV-Anbieters besteht also darin, mit der Erstellung und Ausstrahlung von Informations- und Unterhaltungsprogrammen (Produkt 1) Zuschauerkontakte oder anders ausgedrückt Aufmerksamkeit (Produkt 2) zu generieren, um diese dann an die Werbung treibenden Unternehmen zu verkaufen. [Picard 1989, S.17f.]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Interdependenz der TV-Märkte (Darstellung von [Bauder 2002] nach [Wirtz 1994])

Es ist leicht einsichtig, dass das Verhalten der werbefinanzierten TV-Anbieter primär von den Bedürfnissen und dem Nachfrageverhalten der Werbung treibenden Unternehmen beeinflusst wird. Qualität und Quantität der angebotenen Werbekontakte bestimmen wiederum die Höhe des Tausendkontaktpreises (TKP), der angibt, wie viel ein werbetreibendes Unternehmen zu zahlen hat, um mit einem Werbespot von 30 Sekunden Länge 1000 Rezipienten der Zielgruppe zu erreichen. [Koschnick 1988, S. 529f.]

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen ihre Zuschauerzahlen zu maximieren. Dieses Verhalten ist nur teilweise auf die Bedeutung der Werbeeinnahmen zurückzuführen, da diese im Verhältnis zu den obligatorisch erhobenen Rundfunkgebühren vergleichsweise gering ist. Vielmehr müssen diese Anstalten ihre Ausgaben gegenüber den politischen Gremien begründen. Die Zuschauerzahlen werden deswegen zur Operationalisierung des Ziels, die Bürger gut zu informieren, herangezogen: „Die Öffentlich-Rechtlichen haben den Programmauftrag, die Nation mit einer ausgewogenen Mischung aus Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung zu versorgen und dabei möglichst viele verschiedene Interessen zu berücksichtigen.“ [Karstens 1999, S. 166] In hohen Einschaltquoten sieht man die Erreichung dieses Ziels als gegeben und die Verwendung von Rundfunkgebühren für die Herstellung des öffentlich-rechtlichen Programms als gerechtfertigt. Diese Forderung relativiert sich jedoch insofern, da der Programmauftrag auch die Aufgabe enthält, Programm für Minderheiten anzubieten.

Das Problem der Finanzierung des Fernsehprogramms, bei dem es sich um ein sehr kostenintensives Unterfangen handelt, lässt sich nur im begrenzten Umfang durch Steigerung der Anteile auf dem Zuschauermarkt lösen. Entgegen der Anfang der 90er Jahre erreichten hohen Wachstumszahlen in zweistelliger Größenordnung zeichnet sich nun eine Stagnation der Werbeeinnahmen der TV-Anbieter ab. [Bauder 2002, S. 15]

Um dem Oberziel der privaten TV-Anbieter der Gewinnmaximierung entsprechen zu können ist demnach die Kostenminimierung ein möglicher Ansatz. Ist es zwar nicht der eigentliche Zweck der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten Gewinn zu erwirtschaften, so wird doch im Rundfunkstaatsvertrag deutlich, dass auch hier nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu verfahren ist und infolgedessen

Rationalisierungspotentiale auszuschöpfen sind.[4] Folgende Aussage geht auf einen

weiterführenden Sachverhalt ein: „Das Bundesverfassungsgericht erkennt dies im Ansatz sehr deutlich, wenn es ausführt, Rundfunkfreiheit und primär Programmautonomie könne weder bedeuten, dass jede Programmentscheidung einer Rundfunkanstalt finanziell zu honorieren wäre, noch, dass gesetzliche Programmbegrenzungen mit der Verfassung von vornherein unvereinbar wären.“ [Kresse 1995, S. 8f.] Mitunter kann daraus gefolgert werden, dass keine unbegrenzte Alimentierungspflicht des Staates für die öffentlich- rechtlichen Anstalten besteht. Man kann also zum Schluss kommen, dass sowohl für private als auch öffentlich-rechtliche Anbieter von Fernsehprogramm die Notwendigkeit besteht, Kosten zu senken. So würden finanzielle Ressourcen frei, die wiederum in Maßnahmen zur Erhaltung und Steigerung der Attraktivität des auf den Rezipientenmarkt angebotenen Programms investiert werden könnten.

Zu diesem Zweck soll in dieser Arbeit die Erstellung der Leistung für den Zuschauermarkt in den Mittelpunkt der Betrachtungen gerückt werden. Zur Verdeutlichung sei nochmals die Betrachtung der Abbildung 2.1 empfohlen, mit deren Hilfe die Fernsehproduktion als Teil eines wirtschaftenden Unternehmens gesehen werden kann. In diesem Zusammenhang wird auch vom Fernsehproduktionskanal gesprochen, wobei dieser Begriff die Herstellung von Fernsehprogramm als Gesamtheit mehrerer aufeinander

folgender Leistungserstellungen impliziert[5]. Nachfolgend soll von diesem eher bildlichen

Begriff Abstand genommen und stattdessen der Begriff Produktionsprozess verwendet werden, der in der Betriebswirtschaft wesentlich häufiger Anwendung findet.

2.2. Produktsicht

Vertiefend zu dem vorangegangenen Abschnitt sei nun der Fokus des Interesses auf das Produkt gerichtet. An dieser Stelle erscheint eine Klärung von Begriffen als sinnvoll, die Sachverhalte bezeichnen, welche in der Fernsehproduktion als Produkt angesehen werden können.

Zunächst sei die mehrfache Verwendung von Programm erwähnt, das zum einen allgemein eine festgelegte Anordnung zeitlich aufeinander folgender Elemente bedeutet kann, etwa im Sinne eines Theaterprogramms, einer Tagesordnung oder eines

Computerprogramms. [Fischer 1976, S. 4832] In Anwendung auf das TV-Umfeld bedeutet dies die Unterteilung des Tagesverlaufs und die jeweilige Zuordnung zu einzelnen, inhaltlich in sich abgeschlossenen Darbietungen, den sogenannten Sendungen, wodurch es sich um das Ergebnis programmplanerischer Tätigkeit auf Basis eines Programmschemas handelt. [Karstens 1999, S. 161] Somit hat sich im sprachlichen Umgang für Programm sowohl diejenige Bedeutung etabliert, indem man darunter die Gesamtheit der geordneten Elemente im oben dargelegten Sinne versteht, es werden aber genauso einzelne Darbietungen selbst damit verbunden. Nachdem im täglichen Sprachgebrauch wie selbstverständlich je nach Sachverhalt von einer der beschriebenen Bedeutungen Gebrauch gemacht wird, erscheint eine strenge Trennung nicht als zweckmäßig.

In diesem Zusammenhang wird auch häufig der Begriff Programmmaterial oder einfach Material verwendet. Material lässt bereits eine Beziehung zum Produktionsbereich vermuten, da Themen wie Materialwirtschaft zentrale Themengebiete einer industriellen Produktion darstellen. [Wöhe 1993, S. 476f.] Material ist ein neutraler Begriff, der nichts über Beschaffenheit oder Bearbeitungszustand eines Gegenstandes verrät. Material kann hier sowohl auditive als auch visuelle Medien darstellen, die, an sich immateriell, somit in der Fernsehproduktion die Rolle des Produktionsfaktors, des Zwischenprodukts oder des Endprodukts zugewiesen bekommen können.

In dem bereits angesprochenen Betrachtungsbereich Fernsehen handelt es sich bei dem Produkt um audiovisuelle Medien beziehungsweise Inhalte, auch Content genannt, als Ergebnis der primären Leistungserstellung des Unternehmens Fernsehen.

Zur Systematisierung des Produkts sollen zwei Kriterien herangezogen werden. Zum einen ist zu klären, ob es sich auf der Ebene des Inhalts um ein fiktionales oder nonfiktionales Format handelt. Es wird somit der Frage nachgegangen, ob die dargebotenen Inhalte erfundene Handlungen repräsentieren, die zwar sich an der Realität anlehnen können aber dennoch ausgedachte Handlungsstränge darstellen oder es sich um eine Präsentation von Ausschnitten der Wirklichkeit handelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3: Systematisierung des Produkts

Dem gegenüber ist eine Unterscheidung zwischen Live, also einer in Echtzeit zum Ereignis übertragenen Darbietung und einer zum eigentlichen Herstellungszeitpunkt verzögerten Übertragung auf Basis von Aufzeichnungsverfahren. [Karstens 1998, S. 188]

Von der Antwort auf die Frage, um welchen Typ Sendung es sich handelt, hängt es im besonderen Maße ab, welche Produktionsfaktoren auf welche Weise kombiniert werden müssen, um das gewünschte Produkt zu erhalten. Die Art und Weise der Leistungserstellung hat wiederum Einfluss auf Merkmale des Produkts, die zwar nicht

unmittelbar erkennbar sein müssen aber dennoch von großem Interesse sein können. Für die Beschreibung dieser Merkmale soll sich sogenannter Metadaten bedient werden.[6]

2.3. Metadaten

Metadaten und Content-Management-Systeme (CMS) stehen in direkter Abhängigkeit zueinander. Dieser Abschnitt ist der Erklärung dieses Sachverhalts gewidmet, indem ausgehend vom CM-System Eigenschaft und Nutzen von Metadaten darlegt werden.

Ziel eines CM-Systems ist die strukturierte Aufbereitung und Verwaltung sämtlicher Inhalte. Nach [Rothfuss 2001, S. 60] befasst sich das Content-Management mit der

„systematischen Sammlung, Erstellung, Speicherung und Veredelung von strukturierten Inhalten und Mediendaten aller Art in einem einzigen, fein granulierten (logischen) Bestand“.

Um nun den Eigenschaften von Metadaten auf die Spur zu kommen, soll zunächst auf den Begriff der Information eingegangen werden.

Information wird oftmals auf die Definition von [Wittmann 1959, S. 14] zurückgeführt, nachdem es sich bei Information um „zweckorientiertes Wissen“ handelt. Diese ist sehr stark auf die Zweck- und Handlungsorientierung ausgerichtet. „Eine solche Definition greift jedoch zu kurz, um tatsächlich alle Informationsgüter zu beschreiben, die angeboten werden. Die Ergebnisse der Fußballbundesliga führen weder zu Handlungen noch dienen sie einem erkennbaren ökonomischen Zweck (wenn man von Totospielern absieht). Sie sind reine Unterhaltungsprodukte. Trotzdem interessieren sich jedes Wochenende Millionen Menschen dafür und es gibt unzählige Anbieter dieser Information, die versuchen, daraus einen Gewinn zu schlagen.“ [Kotkamp 2001, S. 44] Aus diesem Grund soll der Begriff so erweitert werden, dass es sich bei Information um vorliegende Daten handelt, die Signifikanz und Wirkung auf den Empfänger haben.

Daten[7] sind im Umkehrschluss Träger von Informationen, indem die Information

gespeichert, langfristig verfügbar gemacht und weitergegeben werden kann.

Zu diesem Zweck dienen Informationssysteme (IS), bestehend aus Menschen und/oder Maschinen, die durch Kommunikationsbeziehungen untereinander verbunden sind. [Hansen 2001, S. 4]

Dadurch gewähren sie Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen unterschiedlichen Typs, Qualität und Struktur. [Lang 2002, S. 4] Das Content-Management-System stellt eine konkretisierte Ausprägung eines solchen IS dar.

Abbildung 2.4 soll den Zusammenhang zwischen Informationen und Daten nochmals verdeutlichen. Danach handelt es sich sowohl bei auditiven als auch visuellen Medien um Daten, zunächst ungeachtet der genutzten Repräsentationsform. Dies lässt sich dadurch begründen, da nur durch einen Interpretationsvorgang[8], der auf dem Wissen[9] basiert, wie eine adäquate Entschlüsselung durchzuführen ist, aus den Daten ein bestimmter

Informationsgehalt festgestellt werden kann. [Wirth 2000, S. 2]

Im Kapitel 2.2 wurde bereits darauf eingegangen, dass es sich bei der Fernsehproduktion im Gegensatz zu konventionellen, produzierenden Betrieben nicht um die Herstellung eines materiellen Produkts, sondern vielmehr um einen speziellen Typ „Material“ in Form von auditiven und visuellen Medien handelt, die, wie soeben dargelegt, Mediendaten darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4: Information und Daten (eigene Darstellung nach [Jahnke 2001])

Bei der Übertragung der Mediendaten in den Kontext der Informationsverarbeitung erfolgt demzufolge die Kodierung der tatsächlichen inhaltlichen Information der Mediendaten auf einer subsymbolischen Ebene. Deshalb ist die tatsächliche inhaltliche Information implizit und darüber hinaus möglicherweise redundant dargestellt. [Hagen 1997] An dieser Stelle ist die in der Definition der Information geforderte Signifikanz von Bedeutung, setzt diese doch voraus, dass der Rezipient die Bedeutung der Nachricht versteht. Zu diesem Zweck muss gegebenenfalls je nach Speicherung der Daten auf Hilfsmittel mit integrierten

Interpretationsregeln zurückgegriffen werden, um Daten für den Menschen wahrnehmbar und anschließend Information daraus interpretierbar zu machen. [Kotkamp 2001, S. 45] Die Wirkung kann sich bei einer entscheidungsrelevanten Information in einer Aktivität, bei einer unterhaltenden Information in einer Veränderung des Wohlbefindens oder bei einer bildenden Information in der Erhöhung des Wissensvorrates äußern.

Neben den Mediendaten, die in der Fernsehproduktion als Nutzdaten angesehen werden, müssen Informationen vorhanden sein, die eine Verwaltung von Nutzdaten im Rahmen eines Content-Management-Systems erst möglich machen. Dies begründet sich wie soeben dargelegt dadurch, da sich der Informationsgehalt von Mediendaten meist nicht direkt, sondern erst durch Interpretation erschließt. Müssen nun Datenbestände dieser Art verwaltet werden, können beispielsweise selbst bei unstrukturierten Textdaten diese noch nach Schlagworten durchsucht werden. [Dresden 2001b, S. 1f.] Dieser Suchvorgang entspräche einem Mustervergleich, bei dem die Nutzdaten nach der vom Anwender vorgegebenen Kombination von Zeichen durchsucht werden. Der Sachverhalt, dass man sich durch diese Methode ein sinnvolles Ergebnis verspricht lässt sich dadurch begründen, dass, wie in Abbildung 2.5 dargestellt, die Zeichenkombination einen Begriff darstellt, der einen oder mehrere Sachverhalte referenziert und somit den Begriff für den Menschen interpretierbar macht – ihm eine Bedeutung zuweist. [Hars 1994, S. 24] Demzufolge lässt sich bei der Nutzung von Information in Form von Text ein direkter, wenn auch aufgrund von Doppeldeutigkeiten, stark eingeschränkter Bezug von Syntax

und Semantik[10] herleiten, welcher unter anderem bei der Indexierung in Content–

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.5: Beziehung zwischen Syntax und Semantik [Hars 1994, S. 24]

Dagegen ist bei Mediendaten wie Bild und Ton eine Anwendung dieser Methode nur schwer möglich, ganz zu schweigen von der Tatsache, allein auf Basis von Mediendaten beispielsweise den Autor feststellen zu wollen, eine mit diesem Problem betraute Person

vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt wird. Vielmehr sind „Daten über Daten“ in Form sogenannter Metadaten[11] notwendig, die eine Beschreibung der Nutzdaten geben.

Folgerichtig kann ein solcher Gewinn nur verbucht werden, wenn für eine Verknüpfung von Nutz- und Metadaten dauerhaft Sorge getragen wird.

Daraus erklärt sich auch der Zusammenhang, dass man nur von Content, also von Inhalten sprechen sollte, wenn neben den Nutzdaten an sich, welche die Essenz darstellen, auch Metadaten vorhanden sind. Ist diese Forderung gegeben, kann nämlich die in der Essenz enthaltene Information mittels Metadaten vorteilhaft erschlossen und daraufhin genutzt werden, Abbildung 2.6 veranschaulicht dies nochmals.

Allein aufgrund der soeben beschriebenen Möglichkeit, Essenz zu erschließen, lässt sich jedoch kaum ein wirtschaftlicher Nutzen erzielen, sofern das Recht dazu fehlt, Content verwerten zu dürfen. An dieser Stelle sind Rechte zu beachten, die als Ergebnis einer individuellen Schöpfung Teil des Persönlichkeitsrechts sind. [Karstens 1999, S. 53]

Die hier vorherrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen sollen nicht en Detail erläutert werden, vereinfacht dargestellt besteht die Notwendigkeit, zur jeder möglichen Nutzungsart von Werken, die unter das Urheberrecht oder den Leistungsschutz fallen, die Zustimmung des Rechteinhabers einzuholen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.6: Beitrag von Metadaten zu Content- und IPR-Management [EBU-FTP 2002, S. 32]

Gewöhnlich ist eine solche Erlaubnis zu bezahlen und mit Einschränkungen, wie zum Beispiel mit einer festgelegten Anzahl von zugestandenen Nutzungen oder ähnlichem versehen.[12] [Karstens 1997, S. 53f.]

Mit Blick auf die Metadaten ergibt sich demzufolge die Konsequenz, dass diese neben dem sogenannten Retrieval von Essenz die Möglichkeit bieten müssen, den Nutzer über die Rechtssituation bezüglich eines bestimmten Contents in Kenntnis zu setzen. Sind diese beiden Anforderungen, also Content-Management und sogenanntes IPR- Management[13] in einem System vereint, so stellt Content ein wirtschaftlich verwertbares Gut dar, dem die Bezeichnung des Gesamtsystems mit Asset-Management[14] nachkommt, dies kann Abbildung 2.6 entnommen werden.

In der ISO Spezifikation 11179 sind Metadaten wie folgt definiert: „The information and documentation which makes data sets understandable and shareable for users.”[15] Die vorangegangene Herleitung und Beschreibung deckt sich somit mit dieser Definition, aus der indirekt die Forderung abgeleitet werden kann, dass Metadaten erweiterbar und selbstdefinierend sein sollten. Erweiterbar, da mit ständiger Veränderung der Bedingungen, unter denen Nutzdaten generiert werden eine anpassbare

Beschreibungsleistung notwendig wird und selbstdefinierend, da ansonsten diese vorhandenen Metadaten wiederum Metadaten erfordern. [Marugg 2001, S. 3]

Um den Begriff der Metadaten noch besser darstellen zu können, bedarf es einer genaueren Betrachtung anhand einer Klassifizierung nach verschiedenen Kriterien.

Aufbauend auf den Ergebnissen der EBU/SMPTE Taskforce für harmonisierte Standards konnte ein Modell, wie in Abbildung 2.7 dargestellt, entwickelt werden, das einen Überblick über die Einsatzbereiche und gleichzeitig eine einfache Typisierung der Metadaten bietet. Ausgehend von der Entscheidung, welche Teilaufgabe sie ausfüllen und ob sie sich auf Content oder Rechte beziehen lässt sich daraufhin eine Einteilung vornehmen. [Taskforce 1998, S. 59f.]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.7: Klassifizierung von Metadaten

- Content-verwaltend:

Es handelt sich hierbei um grundlegende Metadaten, welche neben einer adäquaten Decodierung der Essenz und einer dauerhaften Verknüpfung der Essenz mit den zugehörigen Metadaten auch eine Abbildung von Relationen sowohl der Metadaten als auch mehrerer Essenzen untereinander möglich macht. Als Beispiele können

Schlüssel, Identifikatoren sowie Parameter wie Datentypen und Angaben über Aufbau von Feldern oder aber auch Verarbeitungshilfen wie Videoformatangaben oder Timecodes genannt werden.

- Content-beschreibend:

Die unter diesem Punkt zusammengefassten Metadaten können technische Informationen wie beispielsweise Parameter, die bei der Produktion die Essenz geprägt haben oder inhaltliche Informationen, die möglicherweise Aufschluss über den Verlauf der Handlung geben liefern. Darüber hinaus sind Informationen hierunter einzuordnen, die unter anderem Angaben zu Herstellungsort oder beteiligten Personen machen.

- Rechte-beschreibend:

Jener Quadrant der Abbildung 2.7 fasst Metadaten zu Urheberrechten, erlaubte Nutzungen der Essenz, Einschränkungen oder ähnlichem zusammen.

- Rechte-verwaltend:

Darunter fallen diejenigen Metadaten, mit deren Hilfe den Nutzern eines CMS Zugriffe auf die Essenz selektiv gewährt werden können.

Je nach Unterteilungsgrad kann jeweils eine weit größere Anzahl an verschiedenen Metadatentypen zugeordnet werden. Es wird darauf hingewiesen, dass mit der vorgestellten Klassifizierung kein allgemeiner Gültigkeitsanspruch erhoben wird, nachdem Metadaten zum einen aus mehreren Sichtweisen betrachtet und ihnen darüber hinaus ihnen möglicherweise mehrere funktionale Aspekte zugestanden werden müssen.

Ferner werden Metadaten hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von der Zeit unterschieden, was in der Praxis häufig angewendet wird. Bleiben Informationen zu einem Sachverhalt über den zeitlichen Verlauf der Essenz konstant, spricht man hier von statischen oder invarianten Metadaten, als Beispiel kann der Titel einer Sendung genannt werden. Im Gegensatz dazu gibt es auch dynamische Metadaten, deren Ausprägung sich innerhalb dieses Zeitraums ändert, wie zum Beispiel Timecodewerte oder Bildinhaltbeschreibungen, die mit jeder neuen Einstellung aktualisiert werden müssen.

3. Fernsehproduktionsprozess und Datenfluss

In [Hammer 1994, S.112f.] wird betont, dass durch die Einführung von Informationssystemen in Unternehmen beträchtliche Nutzenpotentiale zu erwarten sind. Gleichzeitig wird aber ausdrücklich davor gewarnt, lediglich die zum Zeitpunkt der Umstellung vorherrschenden Prozesse auf ein Informationssystem übertragen zu wollen, da als Konsequenz diese Prozesse unternehmensspezifisch „festzementiert“ werden. [Hars 1994, S. 1] Es wird dagegen vereinfacht dargestellt zunächst ein „Top Down“-Ansatz für die Analyse beziehungsweise Funktionsdekomposition vorgeschlagen um im zweiten Schritt in umgekehrter Betrachtungsweise die einzelnen Prozesse optimiert zusammensetzen zu können - zu „defragmentieren“. Die EBU empfiehlt ihren Mitgliedern genau dies vor der Einführung einer IT-basierten Fernsehproduktion zu tun. [EBU-FTP 2002, S. 2] Die optimierte, prozessbasierte Verwendung von Metadaten stellt hierin ein Kriterium dar, wodurch ein sogenanntes „Business Process Reengineering“ erreicht werden könnte.

3.1. Allgemein

Der Prozessbegriff ist in der Literatur nicht einheitlich definiert. Für diese Arbeit soll nachfolgend dessen Bedeutung erarbeitet werden, indem Definitionen mit ähnlichen Grundaussagen zu einem konsistenten Ganzen zusammengefügt werden.

In der Betriebswirtschaft ist die geschäftsmäßige Betrachtung von Vorgängen von Bedeutung, wodurch der Begriff Geschäftsprozess geprägt ist. Dabei wird unter Geschäftsprozess innerhalb einer Organisation eine Einheit des Geschehens verstanden, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum Geschäftserfolg leistet und einen Kundennutzen erbringt. [Jablonski 1997, S. 7-8]

Ein Geschäftsprozess lässt sich in Abhängigkeit von der betrieblichen Komplexität in mehrere Geschäftsprozessschritte strukturieren, die für die nächst tiefere Ebene wiederum Geschäftsprozesse darstellen. Unter einer Prozessstruktur ist somit die hierarchische Darstellung aller im Gesamtprozess vorkommenden Aktivitäten zu verstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1: Prozessstruktur (eigene Darstellung nach [Gadatsch 2000, S. 18])

Jede Prozessebene besitzt ihren eigenen spezifischen Detaillierungsgrad, ausgehend vom Gesamtprozess als Makroprozess bis hin zur detailreichen Sicht des Mikroprozesses, wie in Abbildung 3.1 beispielhaft dargestellt. [Gaitanides 1994, S. 38f.] Somit stehen aufeinanderfolgende Prozesse gleicher Ebene in einer direkten Beziehung, die oftmals einem Kunden – Lieferanten-Prinzip zugeordnet wird, indem der Output eines Teilprozesses in der Rolle des Lieferanten den Input des darauf folgenden Teilprozesses, der den Part des Kunden einnimmt, mit materiellen Gütern oder Dienstleistungen versorgt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.2: Input-Output-System des Geschäftsprozesses [Gaitanides 1994, S. 23]

Jeder Geschäftsprozessschritt ist gleichbedeutend mit einer zeitlich und logisch zusammenhängenden Aktivitätenfolge, die durch Kombination der Faktoren[16] Mensch, Maschine, Methode, Material und Information[17] die Input-Grössen und somit einen definierten Zustand zu Beginn des Geschäftsprozesses gemäß Leistungsvereinbarung in

die geforderten Output-Grössen transformiert, wodurch wieder ein definierter Zustand vorherrscht. Leistungsindikatoren geben hier die Möglichkeit, den Vorgang auf die Erfüllung der Zielvorgaben hin zu überprüfen, wodurch abgeleitet werden kann, dass ein Geschäftsprozess eine Strategie zur Zielerreichung besitzen muss.

Der Geschäftsprozess entspricht somit einer betriebswirtschaftlich-strategischen Gesamtsicht auf den Arbeitsablauf. Dabei wird beschrieben, „Was“ durchgeführt wird, um die vorgegebenen Unternehmensziele durch Verfolgung der Geschäftsfeld- und Geschäftsprozessziele zu erreichen. [Gadatsch 2000, S. 26]

Geschäftsprozess-Modellierung als eine Aufgabe der Unternehmensgestaltung ist der Kern von Business Engineering. Das bedeutet, dass ein Unternehmen in Gestalt weniger, horizontal gegliederter Geschäftsprozesse betrachtet wird.

Die formale Beschreibung des Geschäftsprozesses lässt sich vorantreiben, indem man diesen schrittweise in Subsysteme untergliedert, die jeweils eine verbesserte Sicht auf den Mikroprozess zulassen.

Aus diesen bis jetzt gewonnenen Erkenntnissen kann abgeleitet werden, dass sich der Geschäftsprozess der Fernsehproduktion aus Geschäftsprozessschritten zusammensetzt, die von der Entwicklung bis zur Übergabe des Produktes zu dessen Verteilung notwendig sind.

3.2. Systemanalyse

Werden Geschäftsprozesse als primäre Leistungsprozesse des Unternehmens angesehen, können alle weiteren Prozesse als sekundäre Prozesse beschrieben werden. [Hoffmann 2001, S. 1f.] Kontinuierliche Unterstützungstätigkeiten fördern die Bearbeitung von Geschäftsprozessen, indem sie kontinuierlich Ressourcen zur Verfügung stellen. Um einen besseren Einblick zu erhalten, was dies mit Blick auf die Fernsehproduktion bedeutet, also welche Ressourcen dort von Bedeutung sind und wie diese beherrscht werden können soll zunächst das System der Fernsehproduktion in Abbildung 3.3 betrachtet werden. In Anlehnung an [Lockemann 1978, S. 1] wird unter einem System eine Menge von zueinander in Beziehung stehenden, eindeutig identifizierbaren Objekten verstanden, die Komponenten oder Elemente genannt werden. Diese kommunizieren miteinander, indem sie sogenannte Strömungsgrößen, in dem hier zu betrachtenden Fall Information austauschen. Hat ein System die Eigenschaft, ausgehend von einer Eingangsgröße eine Ausgangsgröße herzustellen, so wird diese Operation des Systems seine Funktion genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.3: Informationssystem des Fernsehproduktionsprozesses [Taskforce 1998, S. 14]

Die in der Grafik dargestellten Kommunikationsebenen sind dem OSI – Schichten-Modell [Tanenbaum 2000, S. 45] nachempfunden, indem die Kommunikation zwischen den Prozessschritten entlang der Zeitachse zur sequentiellen Abwicklung der notwendigen

Aktivitäten durch die einzelnen Kommunikationsebenen hindurch letztendlich über die

physikalische Ebene erfolgt. Lediglich die Kontroll- und Überwachungsebene bietet die Möglichkeit, über Ebenen, Sichten und Aktivitäten hinweg die im System vorkommenden Daten direkt zu kontrollieren. Diese Darstellung entspricht der für die Fernsehproduktion spezifischen Systemsicht einer informationstechnischen Vernetzung zur Übermittlung der Essenz jeglichen Typs sowie der entsprechenden Metadaten. Dessen Realisierung in Form eines Content-Managements soll demnach für die effiziente Bereitstellung der in Geschäfts- oder Unterstützungsprozesse benötigten Informationen sorgen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der interoperablen Kommunikation, die auf allen Ebenen des Schichtenmodells eine transparente Behandlung der Daten erfordert.

Die Prozesse und Funktionen des Content-Management erzeugen selbst keine Leistungen, die den Geschäftserfolg direkt beeinflussen, sondern bilden vielmehr Unterstützungskomponenten, deren Stellenwert zunächst anhand des in Abbildung 3.4 dargestellten Ebenenkonzept des Business Engineering erläutert werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.4: Ebenenkonzept des Business Engineering [Österle 2000, S.77]

Auf Strategieebene werden die globalen Rahmenbedingungen für das Unternehmen bestimmt. Dadurch erwachsen sich Zielvorgaben für die Prozessebene, folgerichtig sind sämtliche Geschäftsprozesse so zu gestalten, dass ein Erreichen der geforderten Ergebnisse möglich wird. Besinnt man sich auf die Definition des Geschäftsprozesses zurück, welche die charakteristischen Eigenschaften der Orientierung am Kundennutzen und des Lieferanten – Kunden – Prinzips zugrunde legt, so wird deutlich, dass die durch die Geschäftsprozesse erbrachte Leistung als Gesamtprodukt der Markleistung des Unternehmens entspricht und zwangsläufig direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Geschäftsprozesse sind jedoch auf die Unterstützungsleistung der Systemarchitektur angewiesen. Dabei greifen die Applikationen bei der Ausführung von Funktionen auf Daten zu, die funktionsübergreifend und häufig auch applikationsübergreifend verfügbar sind. Daten können demnach in einem dafür eingestellten System helfen, sowohl operative als auch strategische Unternehmensziele

[...]


[1] persönliches Interview, stattgefunden am 11.09.2002 von 9.00 bis 12.30 Uhr im Funkhaus des BR in München

[2] warenproduzierendes Gewerbe, zum Beispiel Industrie, Handwerk, Bergbau, nach Jean Fourastié in [Seidel 2000, S.42]

[3] Vgl. GG, Art.5 „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

[4] Vgl. RStV, §13, Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (1): „Der Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird regelmäßig entsprechend den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, einschließlich der damit verbundenen Rationalisierungspotentiale, auf der Grundlage von Bedarfsanmeldungen der in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, des ZDF und der Körperschaft des öffentlichen Rechts ‚Deutschlandradio’ durch die unabhängige Kommission zur Überprüfung und Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geprüft und ermittelt.“ [MediaPerspektiven 2002]

[5] Vgl. Abschnitt 3: „Fernsehproduktionsprozess und Datenfluss“, Seite 18f.

[6] Vgl. Abschnitt 3.2: „Datenanalyse“, Seite 23 f.

[7] Datum, lateinisch.: das Gegebene

[8] Die Wissenschaft der Semiotik, die auf die Unterteilung von Sachverhalten in Begriffsebenen setzt, legt zur Erreichung einer anderen Ebene einen Transformationsvorgang zugrunde [Wimmer 2002, S.15f.], der im Rahmen dieser Arbeit ungeachtet der jeweils angestrebten Zielebene mit Bezug auf [Hofstadter 1985, S.170f.] immer als Interpretation bezeichnet wird.

[9] „Die äußere Botschaft erkennen, heißt den richtigen Entschlüsselungsmechanismus für die innere Botschaft zu bauen oder bauen zu können.“ [Hofstadter 1985, S. 179]

[10] Semantikós, griechisch: bedeutsam, sinnvoll

[11] Meta, griechisch: über

[12] Zur Vertiefung dieses Sachgebiets seien dem interessierten Leser die nationalen Gesetzestexte zum Urheberrecht und entsprechende, weiterführende Literatur wie [Hirschle 1997] empfohlen.

[13] IPR: Interlectual Property Rights, „Rechte zum Schutz des geistigen Eigentums“

[14] Asset = Vermögensgegenstand

[15] „Diejenige Information und Dokumentation, die es den Anwendern ermöglicht, Datensammlungen zu verstehen und weiterzugeben.“

[16] Eine Übersicht hierzu bietet [Wöhe 1993, S. 93f.].

[17] Die Frage, ob Information als eigenständiger Produktionsfaktor gewertet werden kann wird bis heute kontrovers diskutiert. Der Autor folgt einer Einordnung von [Bode 1993, S. 95]: „Bezieht sich dessen Zweck auf das Informationssystem des Unternehmens, ist es durchaus gerechtfertigt und sinnvoll, eine eigene Faktorart Information einzuführen.“

Ende der Leseprobe aus 128 Seiten

Details

Titel
Metadaten im Fernsehproduktionskanal und deren Austausch sowie Einbindung in Applikationen
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Hagen  (Institut für Rundfunktechnik (IRT) München)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
128
Katalognummer
V11959
ISBN (eBook)
9783638179874
Dateigröße
1862 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess, Daten, Datenmodell, Referenzmodell, Prozessmanagement, Workflowmanagement, Business Engineering
Arbeit zitieren
Thomas Metzger (Autor), 2003, Metadaten im Fernsehproduktionskanal und deren Austausch sowie Einbindung in Applikationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11959

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